Ode an die Naivität


Naiv. Naivität. Naivchen. Verpönt und meist belächelt, diese Naiven. Naivität suggeriert Schwäche, Weichheit, Unterlegenheit, Dummheit. Naive werden ausgenutzt, hintergangen, zum Schuldigen für Täterlose Probleme erkoren und stetig von einem mitleidigen Lächeln verfolgt. Wie dumm muss man sein wenn man naiv ist, wie unwissend und weltfremd?

Nun, ich glaube an Naivität. Ich glaube daran, dass wir sie brauchen und sie vielleicht sogar das Heilmittel für uns alle ist. Naivität ist der Glaube an das Gute im Menschen. In dem gegenüber, unter, neben, rechts, links, auf dir.

Ich bin naiv wie die Sau und stolz darauf. Ich glaube Menschen meist alles, sehe in jedem nur das Gute und weiß, dass andere einem immer nur das Beste wollen oder gerade verletzt sind/ Angst haben und deswegen kommt es zu negativen Erfahrungen.

Hier kann man aber auch einfach die goldene Regel “nichts persönlich nehmen” anwenden. Kein Mensch will dem anderen je weh tun. Wir denken meist nicht nach, sind besoffen, im Stolz verletzt und meinen uns durch falsch angelernte Wahrheiten wie Ungerechtigkeit rächen zu müssen. Natürlich im Namen der Gerechtigkeit. (Hat Sailormoon ja schließlich auch gemacht.)

Auch wenn es auf den ersten Blick wie die Ode eines Deppen klingt, so macht es doch Sinn. Kriege entstehen durch Neid, Gier, Angst und Hass. Ein naiver Mensch beneidet nicht, er freut sich für andere. Ein naiver Mensch kennt deshalb auch keine Gier. Wovor soll sich der Naive fürchten, glaubt er doch, dass alle Menschen gut sind. Bei ernsthafter Gefahr steht man sich ohne zu Fragen bei. So löst sich auch die Frage nach dem Hass in Rauch auf.

Ich gehe immer, absolut immer vom Guten aus. Leute sagen mir schon mein Leben lang ich bin naiv. Mittlerweile sehe ich das als immenses Kompliment. Menschen machen Fehler, aber auch nur weil wir eben Menschen sind uns niemand perfekt ist. Keiner von uns ist böse. Die meisten haben einfach Angst.

Für viele oute ich mich hiermit als Träumer oder Trottel. Aber mal Hand aufs Herz, in was für einer geilen Welt würden wir leben wenn jeder immer vom Besten im Gegenüber ausgeht? Wenn weder Angst noch Zweifel existieren weil alle naiv sind und Vorurteile verhungern weil sie keine Grundlage mehr haben. Keine Angst mehr hintergangen oder ausgenutzt zu werden weil wir vergessen haben, dass es so etwas gibt!

Somit fliege ich liebend gerne mein gesamtes Leben lang immer wieder auf die Fresse und vertraue hier und da auch mal Leuten die was falsch machen, als dass ich jemals aufhören würde an den guten Kern in jedem einzelnen Menschen zu glauben. Es lebt sich leichter und bunter damit. Und irgendjemand muss den Stein ja ins Rollen bringen.