Talk talk talk

Länger schon beschäftigt mich Wittgenstein mit seiner Sprachphilosophie und ich versuche die Grenzen und Brücken zwischen logischem Begriffsverständnis und emotionaler Begriffsinterpretation zu begreifen. Nehmen wir zum Beispiel das Wort “Hund”. Ich habe wahrscheinlich einen anderen Hund in meiner bildlichen Vorstellung als du, ebenso riecht mein “Hund” anders und ich verbinde ein anderes Gefühl mit ihm als du, was das wichtigste ist. Wie können wir uns so über Hunde unterhalten und behaupten, dass wir einander zu 100% verstehen? Ich fühle doch ganz anders bei diesem Begriff, somit sind alle meine Vorstellungen, Erinnerungen und Vorbehalte von diesen Gefühlen geprägt und sicherlich anders als deine. Da Hunde ein eher unwichtiges Thema sind, versuchen wir es mit dem Begriff “Politik”. Was genau soll das sein? Aber denk an keine Begriffsdefinition, was ist dein erstes aufglühendes Gefühl bei diesem Begriff? Ich spüre negative Gefühle mit diesem Begriff, ohne zu werten kann ich den Begriff nicht angehen. Vielleicht ist Politik etwas unglaublich großartiges, und ich weiß auch in meinem Denken, dass Politik wichtig ist und unser Leben, so wie wir es führen, erst möglich macht. Dennoch habe ich keine positive Gefühlregung in mir. Bei “Demokratie” schon eher.

So verbinden wir immer Emotionen mit unseren Worten und erschaffen somit unsere gefühlte Realität. Interessant, nicht wahr. Ich fühle Schönheit in allem was ist und erkenne durch die Vollkommenheit das Göttliche. So würde ein Gläubiger die Kommunikation zwischen “Gott” und uns ausdrücken. Ein Wissenschaftler würde die vollkommene Logik durch das Verständis der chemischen, biologischen, mathematischen und physischen Abläufe als das göttliche fühlen und mit dem Verstand in den Gottesstand gehoben, so die Welt verstehen. Ein Tänzer versteht die Welt durch den Fluß der Musik durch sein Selbst und zeigt seine Interpretation des Tanz des Seins. Ein liebender Mensch versteht die Welt eben durch seine Liebe. Jeder versteht die Welt durch seine Talente (vorLIEBEn), seine sensibelsten Sensoren um zu erkennen. Zurück zu den Worten. Keiner dieser Menschen versteht die Welt durch Worte. Schriftsteller ausgenommen, aber das ist ja klar, diese Menschen verstehen alles durch den Fluß der Begriffe und das Spiel mit den Emotionen der Worte in gewissen Anordnungen. Sie schreiben ihre eignene Realitäten nieder. Aber wir lassen diese logischerweise raus, keines meiner Beispiele verwendet Worte um die Welt zu begreifen. Kommunikation mit dem Sein, Ontologie. Dieses Lernen findet durch fühlen, glauben, spüren und bewegen statt. Wie können wir dann als einzige Kommunikationsform die Sprache wählen? Asiaten verwenden wenigsten noch den Klang, wir berufen uns auf tote, unbewegliche Buchstaben. Die Worte von Computerstimmen sind das schlimmste. Bäh. Emotionsloser geht es nicht.

Wen wundert es jetzt noch, dass es so viele Missverständisse gibt (und so viele Zombiefilme. Tote Stimmen. Klick)? Wir kommunizieren mit uns und der restlichen Welt mit einem Mittel, das für manche ausreichend, für die meisten jedoch viel zu beschränkt ist. Wie sollen wir Verstehen und Lernen wenn wir nicht auch unsere anderen Sensoren freibekommen? Wir sollten mehr spüren, mehr fühlen und dadurch an etwas glauben. Genauer gesagt, sollten wir an uns glauben. Man lebt nur einmal und irgendwie fühlt es sich absolut falsch an zu sagen, “ich glaube nicht an mich”. Dennoch glaubt fast niemand mehr an sich. Ich glaube, ich fange an an mich zu glauben, aber ohne begrifflich festgelegte Struktur und Kategorisierung. Ich glaube einfach mal an mich und versuche weniger auf Worte und mehr auf die Dinge die mit den Worten verwoben zu mir schwingen zu reagieren. Ohne in Worten zu denken und dem Menschen der mit mir spricht nicht mehr zuhören zu können. Wenn ich ohne Vorbehalte (Wörter), Erwartungen (Wörter), Begriffe (Wörter) an einen Menschen trete, vielleicht kann ich dann die emotionale Sprache erfahren und lerne einen Menschen so kennen wie er ist. So Vollkommen und Wunderbar. Ich meine keineswegs, dass wir uns alle wortlos in die Augen starren und dabei nichts mehr sagen, ich möchte auf die vielen anderen Informationsquellen die der Gegenüber bietet aufmerksam machen. Mimik, Gestik, die ganze Körpersprache, Energie, Schwung, der Blick, Emotion. Alles was geboten wird.

Ob man das tun will ist jedem selbst überlassen, jeder von uns darf entscheiden welchen Weg er gehen will und was er als seine Wahrheit ansieht. Ich versuche es jetzt mal mit einer nicht nur auf Worten basierenden Kommunikation mit meiner Umwelt. Ich bin gespannt. Bisschen mehr fühlen und mit der Frühlingssonne geht das ja auch alles viel leichter.

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