Was ist Liebe

Was ist die Liebe? Und wie merkt man ob man verliebt ist, wenn man sich von dem eigentlichen Gedanken der großen Liebe verabschiedet hat. Wenn man sich mit anderen Formen der Liebe beschäftigt und merkt, dass es so unzählig viele Arten gibt. Ich liebe meine Eltern anders als meine Schwester, meine Freunde anders als meine Liebhaber und mich selbst ganz anders als die Person mir gegenüber. Eigentlich war ich mir sicher immer sofort zu merken wenn ich mich verliebe aber Erfahrung und Zeit haben mir vorgespielt wie falsch ich mit vielen Ansichten lag. Ich habe die Liebe lange mit Sex verwechselt, genauer gesagt mit sexueller Anziehung und da ich mich von vielen Menschen sexuell angezogen fühle habe ich mich in einem Tornado der Anziehungsgefühle wiedergefunden und mich tagein-tagaus neu “verliebt”. Ich nenne das jetzt mal “Anziehung”, denn mit Liebe hatte das Ganze nichts zu tun, keine tiefen Gefühle und keine Seelenvereinigung. Der Begriff Seelenvereinugung klingt hart uncool aber ich meine damit das absolute Verschmelzen deines ganzen Seins mit einem anderen Menschen. Die Entscheidung für einen Moment (der zeitlich unbegrenzt ist) in deinem Leben mit einem anderen alles zu teilen, all dein Wissen, all deine Erfahrungen, all deine Träume, Wünsche und Sehnsüchte. Teilen und zusammen wachsen weil dein Gegenüber genau der Spiegel ist den du brauchst, genau das ist was du mehr als alles andere sein willst. Derjenige mit dem du deine Ängste weglachen kannst und so leichter wirst. Ein Mensch der dich fliegen lässt.

Man sucht sich plump gesagt, einen Lehrer, einen Lehrer der dir beibringt zu deinem vollen Potential zu kommen, jemand der dich inspiriert und dem du dich absolut vertraut fühlst, von der ersten Sekunde an. Jemand der dir dabei hilft das zu werden was du schon immer sein wolltest. Jemand dem du dein Herz nicht erst öffnen musst weil es von der ersten Sekunde an offen ist. Man hinterfragt es nicht einmal und man lässt sich Zeit, die Eile fällt weg, alles läuft im zarten Schwarm der Endorphine und diese geben dir Energie, Mut, Zuversicht. Man merkt es anfangs nicht einmal, alles fließt gleitend ineinander über. Eine Person die ich wirklich liebe kann mich niemals verletzen weil ich diese Person verstehe, mein Herz ist offen. Ich verstehe das Herz als emotionales Gehirn, mit welchem wir ohne die Fesseln und Ängste des Verstandes kommunizieren können. Jeder wurde schon verletzt, jeder von uns hat schon Dinge erlebt, die ihn vorsichtig werden lassen und solange man mit dem Kopf liebt wird man immer nur verletzt werden, da unser Verstand sich alles so zurechtdreht wie er es haben will. Erinnerung: Mir wurde wehgetan, nun sucht der Verstand akribisch nach Indikatoren, die diese Erfahrung als Wissen bestätigen und geschwängert von der Angst Schmerzen zu erfahren verschließt man sich. Mit einem offen Herz ohne Angst kommt es zu einem Austausch der es mir ermöglicht so ehrlich zu sein, dass ich alles verstehe was die andere Person macht, ich suche keine bösen Absichten, dichte mir keine Intriege zusammen und sehe einfach was da ist. Ich sehe wie die Dinge sind. Dadurch kann ich verstehen und akzeptieren. Diese Liebe ist bedingungslos, durch das Verstehen müssen keine Bedingungen aufgestellt werden. Bedingungen und Regeln sind Folgen einer Unsicherheit, einer Angst und diese fällt weg wenn das Herz offen ist. Wovor hast du Angst wenn du begriffen hast, dass dir niemand wehtun kann außer dir selbst? Nur mein Verstand legt Raster, Schablonen und Karten von bereits gemachten Erfahrungen über das Leben, viele negative Erfahrungen heißt man hatte mal eine negative Erfahrung und diese läuft in Dauerschleife immer und immer wieder ab und legt sich auf jede neue Begegnung, man will geradezu, dass der andere etwas “falsch” macht um sagen zu können “ich wusste es, genau wie damals auch”. Das ist ein herrlicher Quatsch den unser Verstand da macht, nur leider können heute sehr wenige Leute ihren Verstand kontrollieren und sind somit Spielball ihrer Intelligenz, ihrer Gefühle und könne diese nicht als Werkzeuge nutzen um ihr Leben schöner zu machen. Ebenso darf man nicht vergessen, dass unser Verstand uns nur wie ein rudimentäres Sicherheitssystem beschützen, er will uns nicht schaden, er speichert nur die gemachten Erfahrungen und alamiert uns wenn er 1 und 1 zusammenzählt und Gefahr im Verzug steht. Regiert von schlechten Erfahrungen und Angst vernebelt das echte Leben und das echte Lieben und schwindet, bis man sich in der Position wiederfindet in der man sich fragt was das alles eigentlich soll. Man gibt auf. Man wird depressiv, pessimistisch, ist unfreundlich zu sich und so auch zu allen anderen. Man verbittert. Ich kenne viele Leute die so sind. Ich komme aus Bayern. Aber ich denke auch, dass Mut hilft und dass man sich jede Sekunde seines Lebens neu dazu entscheiden kann wer man sein will und was man machen will. Gerade im Bezug auf die Liebe.

Ich habe viel über die Liebe gelesen und sie auch im meinem gut dramatischen Leben erprobt. Mein Hang zur Theatralik ist unbestreitbar. Große Szenen der Trennung, der Wiedervereinigung, SChmerz, Leidenschaft und Extreme. Ich habe das alles durch. Wenn ich zurückblicke fällt mir aber auf, dass ich die Liebe immer erst erkannt habe wenn sie fort war (bei Männern) oder durch Liebe eine Freundin verloren habe (bei Frauen). Ich habe schon immer geschlechtslos geliebt denn mich interessiert die Seele, das wahre Wesen das in uns steckt und dieses ist ungebunden, unbeeinflusst vom gegebenen Geschlecht. Meine Cousine hat das am schönsten gesagt als sie sich zum ersten Mal in ein Mädchen verliebt und eine Beziehung hatte “Ich glaube nicht, dass ich lesbisch bin, aber ich liebe diese Frau einfach so sehr wegen ihrem Charakter…”. Ja der Charakter, die Seele, die Quintessenze eines Wesens. Das ist es, das ist die wahre Liebe. Ich nenne es die “wahre” Liebe weil ich keinen Sinn in all den anderen Arten und Formen von Liebe sehe, in all den Ausprägungen die nur Angst, Unsicherheit und Leid schüren. Liebe ist so mächtig und stark, es ist ein uns natürlich gegebenes Heilmittel mit dem man Wunder vollbringen kann. Deswegen suchen wir ja auch alle so verzweifelt nach ihr, sie macht uns ganz, gibt uns den magischen Moment des Glaubens wieder, denn durch sie wird alles gut und Angst schmilzt dahin. In den schnellen, heißen, zerstörerischen Gefühlsmaltretierung die ich lang mit der Liebe verwechselte sehe ich keine Logik mehr und mein analytischer Verstand kommt dem von Fromm und Osho geprägten Bild der Liebe näher und näher. Liebe tut nicht weh, denn wahre Liebe ist ungebunden und dich macht glücklich was den anderen glücklich macht. Es ist eine brilliante win-win-situation für dich und den, den du liebst. Du stellst dich nicht zurück, du denkst nicht einmal darüber nach, du bist nur nicht mehr blind gegenüber all den Dingen mit denen wir alle innerlich kämpfen und so kannst du verstehen, lernen, wachsen, heilen. Selbst eine unerwiderte Liebe bringt dich weiter und kann glücklich machen einfach weil es magisch ist so selbstlos fühlen zu dürfen und soviel zu lernen. Vorausgesetzt man schraubt sein Ego runter, hört auf Dinge persönlich zu nehmen und lässt das unsinnige anstellen von Vermutungen. Ehrlichkeit sich und allen anderen gegenüber ist einer der ersten Schritte hier.

Ich war mit 15 unglaublich verliebt, ich würde sagen meine zweite große Liebe wenn ich an mein 15-jähriges ich denke. Ihr Name ist egal und sie war unglaublich. Ich hätte alles für sie getan. Wunderschön, lange braune Haare, ein Lachen dass mich immer zum mitmachen zwang und eine herrliche Verrücktheit die mich in ihren Bann zog, ein innerlich wie äußerlich wunderschöner Mensch. Wir waren jung, naiv und geprägt von dem hart konservativen bayrischen Umfeld in dem wir eben aufwuchsen. So ist diese Liebe schnell verflogen, obwohl ich sehr oft an sie denke, aber ich bin auch ein hoffnungsloser Romantiker den es glücklich macht, dass man überhaupt lieben kann. Die Welt versucht ja immer das Bild des negativen Menschen zu betonen und mir hat meine Fähigkeit zu lieben schon immer geholfen auf das Leben klarzukommen und den Glauben an das Gute im Menschen nicht zu verlieren. In Momenten wie diesem feiere ich mein Herz, denn durch diesen Glauben lebe ich in einer guten Welt, in einer Welt die mich glücklich macht da ich in jedem immer nur das Gute sehe, dank der Liebe. Das mag naiv klingen, aber es ist genial weil ich nie wirklich unglücklich sein kann. Glaube hilft, egal woran man glaubt, es hilft. Und mir hilft der Glaube an die Liebe.

Alles im Leben ist ein Lernen, niemand wird geboren und kann alles, jeder lernt und manche lernen schneller, manche langsamer, manche oben und manche unten, manche grau und farblos manche voller übersättigter Kontraste und Muster. Wir sind so verschieden und haben so verschiedene innere Uhren, also kein Wunder dass dieses sturre System mit festen Zeiten, festen Regeln und festen Erwartungen so viele in den Wahnsinn treibt. Man darf nicht lernen wer man ist und wie man liebt und was man eigentlich will. Deswegen dauert es auch so lange bis man die Liebe versteht, wie eine Sprache oder eine Fähigkeit muss man sie erst einmal lernen. Aber man verdient damit kein Geld und deswegen lehrt uns niemand (außer wir haben Glück mit glücklichen Eltern) was die Liebe ist. Da kommt dann Hollywood und all diese falschen, besitzorientierten, einschränkenden, kranken Liebeswahn-Müllgeschichten die wir als wahr empfinden und suchen, einfach weil wir es so oft gesehen haben, dass wir denken es stimmt. Es wird zu unserer Realität gemacht, uns aufgezwungen. Ich war mit 15, dank OC-California von einer morbiden Liebe geprägt und voller Besitzansprüche, ich hatte so Angst das Mädchen zu verlieren, dass ich sie letztendlich verlor.

Angst ist interessant denn Angst trübt deine Sicht auf die Liebe, sie lässt Schemen aufflackern die verunsichern und wie Schatten schleichen sich Zweifel in deinen Kopf. Will sie wirklich mit mir chillen oder kommt sie aus der Nummer gerade nicht raus, muss sie wirklich zum Arzt oder ist es eine Notlüge… jeder hatte schon solche Gedanken. Schaltet sie ab, denn niemand wird euch je anlügen wenn ihr ihn auch nicht belügt und offen, ehrlich, ohne Angst kommuniziert. Einer meiner besten Freunde ist ein genialer Songwriter und Sänger, letztens schickte er mir ein Lied und darin singt er “Angst, sie sagt soviel, und ich sag dir glaub nicht an sie, sonst verlierst du das wofür du lebst” (Tobias Klaas, Trommeln im Herz). Auf den Punkt gebracht wie der Verstand das Herz verklärt und uns in die bedrückende Einsamkeit wirft, Angst statt Liebe. Osho schreibt auch, dass Liebe das Gegenteil von Angst ist, wenn du liebst hast du keine Angst.

Gerade stehe ich vor einer Entscheidung, der Entscheidung meinen Verstand auszuschalten weil sich mein Herz gegenüber jemandem geöffnet hat. Das macht mir Angst, aber Tobi singt auch “Angst haben, okay. Aber nicht ängstlich sein”. Die Entscheidung auf die ich mich beziehe ist eine Entscheidung, die in meinem Verstand stattfindet, dem Nährboden meiner Ängste. Ich weiß, dass ich nichts weiß. Plato hat den Nagel auf den Kopf getroffen wie er das sagte, denn ich bin trotz all dieser Worte tief innerlich etwas verunsichert, denn egal wieviel man versteht, verstehen tut man dennoch wenig. Also versuche ich mich mutig auf mein Herz zu verlassen und gehe mit dem Flow, mit dem was mich immerwieder zu wundervollen Dingen in meinem Leben bringt. Mein Herz hat sich mal wieder für ein Mädchen entschieden, was daraus wird ist mir eigentlich egal, ich weiß nur, dass ich sie in meinem Leben haben will. Sie ist genau das, wonach ich gesucht habe, das was ich schön finde und das was ich zum wachsen brauche. Nach meiner obrigen Ausführung bedeutet das, dass ich sie liebe. Das bedeutet auch, dass ich alles von ihr lernen kann weil sie mich jetzt schon so inspiriert, dass ich zur Höchstform auflaufe. Das Leben ist so schön.

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