-196° – Tiefgekühlt gen Zukunft

Die Gefäße, in denen Patienten bei -196 Grad auf ihr Erwachen warten. In eines der Fässer passen jeweils 4 Körper & 5 Gehirne. (2)

Die Kryonik. Sie könnte es ermöglichen, ein Leben nach dem Tod zu führen — der lang ersehnte Traum des Homo Sapiens Sapiens, den Tod zu überwinden. Und wer weiß — vielleicht könnte er sogar in ferner Zukunft in Erfüllung gehen…

Zumindest hoffen darauf einige „Patienten“ — wie sie das Unternehmen ALCOR aus den USA nennt. Denn auch wenn sie in ihren Edelstahlbehältern aus medizinischer Formulierung „Leichen“ aufbewahren, sind es im Prinzip nur eingefrorene Körper, die auf ein Leben danach hofften. Leber, Niere, Herz und Kopf — alles ist immer noch intakt, wenn man so will. So sagen zumindest die Experten der Organisation. Es ist ein Experiment gegen die aktuelle Wissenschaft. Es gibt viele Skeptiker. Aber auch viele, die von dem Fortschritt der Medizin und einem Leben nach der Kälte fest überzeugt sind.

ALCOR ist einer der wenigen Unternehmen, die diesen Service anbieten. In den USA ist das Konservierungsverfahren legal, in vielen andere Ländern allerdings noch nicht. Ein weiteres Beispiel bietet Russland. Auch hier wurde vor einiger Zeit ein „billiganbieter“ solcher Dienste ins Leben gerufen. Denn der Spass ist nicht leicht bezahlt. Für einen vollkommen eingefrorenen Körper soll man bei ALCOR bisher 200 Riesen zahlen.

153 Menschen haben sich bereits für einen Platz in der Tiefkühltruhe entschieden (1). Max More, Präsident des Kryonik-Unternehmens in der Nähe der 1,5 Millionen großen Arizona-Stadt Phoenix, weiß selbst nicht, ob ein verlustfreies Auftauen bzw. Heilen jemals möglich sein wird. Auch der Mediziner Aaron Drake ist der Meinung, dass das Vorhaben vielleicht nur ein “ewig fortlaufendes Wissenschaftsexperiment“ sei. Trotz der Skepsis lassen jedoch beide nicht los von dem Science-Fiction-artigen Gedanken, ein Leben nach dem Tod könnte bald in unserer Hand liegen.

Der Archivierungsprozess

Der Prozess hinter der Kryonik ist simpler, als der Begriff an sich klingt; im Prinzip ist es die Frischhaltung von Körpern in bis auf -196 Grad Celsius heruntergekühlten Containern. Dies soll es wie gesagt ermöglichen, über Jahre hinweg zu „schlafen“ und irgendwann — hoffentlich in absehbarer Zukunft — wieder aufwachen zu können und in dem Körper zu stecken, in dem man einst geboren wurde.

Bei dem Tod eines Menschen versagt das Herz mit der Durchblutung des Körpers und seiner Innereien. Damit verliert er mit der Zeit immer mehr Sauerstoff, bis keiner mehr im Körper vorhanden ist. Um diesen Prozess zu verlangsamen wird der Körper dann vorübergehend abgekühlt. Zur Erhaltung des Körpers wird zunächst eine Zellschutzlösung als Injektion durch die Adern eingeführt, um alles noch vorhandene Blut auszutreiben. Dieses Vorgehen soll Platz für Frostschutzmittel machen. Dies soll Gehirn und andere Organe, wie auch den restlichen Teil des Körpers erhalten und vor der Zerreißung durch Mikro-Kristalle schützen, die sich sonst in den Gefässen bilden würden. Dieses Vorgehen wird „Vitrifizierung“ genannt. Damit ist es dann möglich, einen Körper für immer so zu erhalten, wie man ihn eingefroren hat.

Eigentlich ein brillanter Gedanke — auch aus der anderen Richtung gesehen. Denn wer ist für die Zukunft der Menschheit ein besserer Informationsträger, als wir selbst?


Gibt es ein Erwachen?

Es ist eine Frage, die keine beantworten, sondern nur schätzen kann. Wie wird die Medizin in den kommenden Jahren voranschreiten? Wird es irgendwann überhaupt möglich sein, die gefrorenen Organismen zurück ins Leben zu rufen oder wird dies ein Wunsch bleiben? Auch die Finanzielle Lage der Unternehmen ist ungewiss, denn Organisationen wie ALCOR basieren neben ihren Patienten/Kunden ausschließlich auf Spendeneinnahmen. Fallen diese irgendwann weg, könnten die Firmen pleite gehen und wären gezwungen das Experiment abzubrechen, wie es bereits einmal der Fall war. Dabei ging die Geschichte vor Gericht, wird heute jedoch — für die Unternehmen glücklicherweise — in ein paar Ländern als legal behandelt.

Der philosophische Beigeschmack

Aus philosophischer Richtung ist die Einfrierung eines Körpers und das Hoffen auf ein Erwachen danach schon fast religiös. Schon immer behandeln Religionen das Leben nach dem Tod. Das System des alten Ägypten baute sogar darauf auf.

Natürlich ist in der ganzen Geschichte auch ein wenig Egoismus und unsere narzisstische Art verankert, wir seien das wichtigste Wesen auf diesem Planeten und müssten bis in alle Ewigkeit fortbestehen. Und es steht außer Frage, dass wir die fortgeschrittenste Schöpfung auf dem Planeten sind. Haben wir uns aber überhaupt ein ewiges oder verlängertes Leben verdient?

Quellen:

  1. https://magazin-forum.de/de/node/7430
  2. http://www.vdi-nachrichten.com/artikel/Gevatter-Tod-auf-der-Wartebank/62633/1