Mein erster Monat in Afrika

Wow, 5 Wochen seit meinem Abflug. 5 Wochen. Wie krass- das sind immerhin 35 mal aufstehen. Davon 30 mal mit der Sonne aufstehen :) ihr lieben daheim tut mir wahnsinnig leid, weil ich weiß, wie ekelig diese dunklen, nassen, kalten morgen sein können, aber naja- eure Entscheidung hihi ;)

Mittlerweile habe ich auch das Gefühl, hier besser angekommen zu sein. Es brauch halt immer seine Zeit. Ist so. Also was auch immer ihr grad tut – nicht so schnell aufgeben! Mein Körper hat sich sowohl an die 1800 m über Meeresspiegel, als auch an die physische Arbeit gewöhnt. Zum Glück bin ich nicht direkt vom Schreibtisch hierher, das wäre wirklich schlimm gewesen. Habe heute zur Abwechslung mit dem Vieh (cattle) geholfen. Wir sind früh morgens raus, haben sie zusammen getrieben und zur Farm gebracht. Zu Fuß. Also schön einige Kilometer durch den Busch. So toll. Auch wenn die Beine jetzt schwer sind. Musste an den Typen aus Avatar denken, wie er sagt; meine Beine werden mit jedem Tag stärker. Oder so ähnlich. Mich hat ein warzenschwein ein paar Meter begleitet, ein Oryx ist vor mir geflüchtet und ein Haufen Vögel und so Rebhuhn ähnliche Tiere, die garnicht so viel Angst hatten. Wenn man da bewusst geht, entdeckt man so so viele Sachen. Hab Schalen gefunden, die so aussahen, als hätte sich ein Tausendfüßler geschält. Wie eine Schlange. Ganz viele kleine zusammenhängende weiße Ringe. Versuche mich auch noch am Spuren lesen, aber des ist ne Kunst für sich.

Bei den Kälbchen würden die Ansätze der Hörner verbrannt, die Ohren getagged, gestanzt und die männlichen Kälbchen kastriert. Hatte ein Flashback aus Neuseeland. Da haben die es genau gleich gemacht. Bzw ich. Gummiring mit ner Zange aufspannen, drüber stülpen und das schneidet die Blutzufuhr ab, so dass die Hoden dann einfach abfallen. Der Teil der Herde war wohlgenährt, ein anderer Teil, den wir am späten Nachmittag reingebracht haben, sah nicht so gut aus. Haben brav in den Kuhfladen mit Stöcken nach Würmern gesucht als möglicher Grund, aber nichts gefunden. Aber geil, musste schmunzeln. Da hocke ich am Boden und durchsuche kuhscheiße in Afrika. Hallo farmlife! Morgen fange ich um 6 an und checke den einen Teil der Farm nochmal zu Pferd, um zu schauen, ob wir noch Kühe vergessen haben. Schlimmster Fall wäre, dass Mutter und kalb jetzt getrennt sind. Deswegen morgen doppelt checken, wobei keine nach ihrem Kalb rufende Kuh da war. Gutes Zeichen. Gestern hatte ich frei. Dem erstem Tag in 3 Wochen. Hab mich tagsüber fast zu Tode gechillt und ein schönes Buch fertig gelesen, das ich euch nur empfehlen kann- für die, die ein bisschen Lust auf Afrika – Lektüre haben: the elephant whisperer von Lawrence Anthony. Finde es immer schön, landestypische Bücher zu lesen. Eine tolle Art, so viel mehr über das Land, die Menschen, Tiere oder die Natur zu lernen. Je nachdem welche Art von Buch, gell?

So also so nach nem Monat versuche ich mal ein kleines Mini – Fazit zu ziehen. Bisher finde ich Afrika toll. Namibia zeigt sich von seiner wunderschönen, heißen und vor allem trockenen Seite zur Zeit. Aber allein bei dem Gedanken an die Vielfalt und Unterschiedlichkeit, die es zu erkunden gilt, würde ich am liebsten sofort meine Sachen packen und loskundschaften. Aber erstmal Kühe suchen und am Mittwoch 350 Ballen Gras abladen.

Namibia ist anders als alle Orte der Welt, an denen ich bisher war und ja, es sind schon einige mittlerweile. Ich muss es erst noch ein bisschen besser kennenlernen und dann versuche ich es besser zu beschreiben :) aber ich glaub es hat absolutes Potential, sich zu verlieben. Während ich das tippe, erwische ich mich aber bei einem Gedanken. Ich bin bekennender Australien-Fan, denke unendlich positiv an meine Zeit in Neuseeland zurück, bin immer noch fasziniert von Indien und freue mich auf meinen nächsten Besuch, habe mich in Dänemark so so wohl gefühlt… Irgendwie ist das hier ein Muster. Was die Länder angeht, ein sehr unregelmäßiges, aber was meine Begeisterung angeht nicht. Die ist die gleiche. Hmm… Aber ich erinnere mich auch an so schöne Momente im Good old Germany, meine geliebte Bodensee – Region kann halt auch echt einiges ;) also um diesen Gedanken zu beenden, habe ich mal wieder ein paar Zeilen für euch:

It’s the little things.
Sunsets, Long drives, giggles,
ice-crem, deep conversation,
Walking barefoot and music.
These things are so little,
yet mean a great deal to me.
Suppose, it is not the extent of
things „small or big“ that
make a difference.
But perhaps, the extent to which
they spark a fire in your soul, that
no substance on earth can extinguish,
leaving You to burn with
a passion for life.

Burn wird a passion for life. Darum geht’s liebe Leute. Selbstreflektierend bedeutet das für mich, dass ich das Leben an sich liebe und gerade genau das richtige tue. Denn das reisen, das Leben an Fremden Orten mit fremden Menschen mit anderem essen, Anderen Sprachen, anderen Hautfarben und alles was dazu gehört, das macht mich glücklich- und wenn ich auf der Ladefläche eines Landrover fahre, der Wind mir ins Gesicht bläst und am Horizont ein riesiges Gewitter zu sehen ist, dann fühle ich mich lebendig.

Nur die Sache ist eben die. Es muss nicht unbedingt in Afrika sein. Macht das Fenster ganz auf, auch wenn es kalt ist und singt das Lied im Radio Vollgas mit. Erneut euch an den kleinen Dingen im Leben und übergeht sie nicht einfach, weil ihr auf der Suche nach was größerem, tollerem seid. Appreciate the little things.

Oh man, also kurzes Abschweifen von meinem Fazit. Upsi. Also Natur und Tiere und Wetter und Landschaft toll. Kurzer Einblick in mein Leben hier: Weißenfels wird von Rosi und Winston geleitet. Es gibt eine klare Arbeitsteilung und Rosi ist die Pferde- und damit meine- Chefin. Bin momentan die einzige Volunteer hier. Sonst gibt es noch 2 Männer, die auf der Farm und der eine, Johannes, ab und zu mit den Pferden hilft und 2 Frauen für Haus und drumrum. Haben bzw hatten zwischendrin noch 2 weitere Arbeiter, aber sagen wir mal so: die hire&fire rate hier ist sehr hoch aus verschiedenen Gründen. Manchmal gibt es einen klaren Wochenplan und manchmal erfahre ich erst am Morgen, was den Tag über ansteht. Damit komme ich gut klar. Im vornherein wurde ich von mehreren Seiten etwas nervös gemacht, was die Arbeit hier angeht. Aber als Fazit bleibt für mich grade nur, dass ich sehr gut damit klar komme, wenn man mir klare Ansagen macht. Manche finden das vll bestimmend und hätten gerne ein bisschen mehr Watte, aber so weiß ich woran ich bin und was von mir erwartet wird. Spätestens nach meiner Zeit bei Samuel sage ich dazu nur: Qualität, Qualität. Qualität ;) ich arbeite hart, denke aktiv mit und bin bemüht zu lernen. Das sind grundsätzliche Dinge, die ich auf allen möglichen wegen gelernt habe und sie helfen. Egal in welchem Land. Deswegen klappt es (zumindest aus meiner Sicht) gut hier mit den Menschen, obwohl man eben in einem sehr kleinen Kreis ist und intensiv miteinander arbeitet.

So ich glaube das reicht erstmal. Bin mega k.o. und nach 21 Uhr ist schlafen gehen angesagt ;)

Am Wochenende ist eine Geburtstagsfeier von Rosis Tochter draußen bei Mama Tembas- also wieder Feldbett und unter freiem Himmel schlafen. Sonntag fahre ich mit nach windhoek, weil am Montag noch eine deutsche als Volunteer kommt und wir am Montag Bisschen windhoek anschauen und dann zusammen auf die Farm fahren. Bin mal gespannt, genieße meine Zeit alleine grade noch so sehr, aber wird vll Au cool noch nen Partner in Crime zu haben.

Bis dahin meine Lieben,

Passt auf euch auf und ich schick euch viel Sonne in für den Spätherbst!!!

Eure Lion

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