Der Geburtstagsdrache

Es war einmal ein junger Drache, der war gerade sieben Jahre alt geworden. Sein größter Wunsch war, zum Geburtstag das Klassenmaskottchen, einen achtjährigen Jungen, mit nach Hause nehmen zu dürfen. Alle anderen Drachen durften das schließlich auch. Aber seine Lehrerin, eine runzelschnäuzige Flachschwanzechse, wollte es ihm einfach nicht erlauben.

„Du bist viel zu ruhig für einen Drachen in deinem Alter, sitzt so still und konzentriert, und außerdem machst du immer deine Hausaufgaben. In meiner Klasse muss getobt und geschrien werden, dass der Rauch aus allen Fenstern quillt!“, sagte sie hochmütig. Der junge Drache ging nach Hause zu seiner Mutter und weinte ein paar bittere Schwefeltränen. Vor lauter Traurigkeit schlief er schließlich ein.

Im Traum erschien ihm auf einmal das Klassenmaskottchen, der achtjährige Junge. „Was machst du denn in meinem Traum?“, frage der Drache. „Ach“, sagte der Junge, „ich bin einfach traurig, dass wir uns nicht kennenlernen konnten, denn ich wollte dir die ganze Zeit etwas erzählen!“

„Was denn?“, meinte der Drache, immer noch etwas traurig.

„Weißt du“, sagte der Junge, „ich habe das auch mal erlebt. An meinem achten Geburtstag wollte ich auch gerne das Klassenmaskottchen mit nach Hause nehmen, einen kleinen Drachen. Aber meine Lehrerin hat es mir nicht erlaubt. Sie meinte, ich sei nicht brav genug, würde nicht fleißig sein. Ich war sehr traurig und dachte, dass ich auf meinen Geburtstag jetzt gar keine Lust mehr habe und schon gar nicht mehr in die Schule gehen will. Da erschien mir im Traum unser Drachenmaskottchen und sagte:

‚Du und ich, wir gehören zusammen. Du bist manchmal so wild wie ein junger Drache, und ich brav wie ein kleiner Junge. Du trägst einen Teil von mir in deinem Herzen, ich einen Teil von dir. Du bist manchmal viel lebendiger als deine Mitschüler, ich manchmal viel braver. Das macht uns aber nicht zu schlechten Kindern. Wenn unsere blöden Lehrerinnen das nicht verstehen, dann haben sie selber Schuld. Und weißt du, was das Beste ist?‘

Ich wusste es natürlich nicht.

‚Das Beste ist, dass wir uns gar nicht mit nach Hause nehmen müssen, weil wir immer beieinander sind. Ich als Drache in deinem Jungenherzen, und du als Junge in meinem Drachenherzen. Uns kann niemand trennen.‘ Und das hat mir sehr geholfen.“

Da lächelte der junge Drache zum ersten Mal, seit er aus der Schule nach Hause gekommen war, und fragte den Jungen im Schlaf, ob er vielleicht etwas spielen wolle.

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