Zwischenzeiten

Es ist ein seltsamer Gedanke. Gerade hier, im leicht überhitzten Abteil eines ICE, mit dem Laptop auf den Knien, in unmittelbarer Nähe eines etwas zu laut atmenden Mannes und einer etwas zu leise sprechenden Frau, ist es mir passiert? Gut, denke ich, dafür muss ich mich nicht schämen, das kann allen Menschen wiederfahren, wenn sie nicht aufpassen, und es geht auch wieder vorbei.

Mit ein wenig Abstand komme ich ins Zweifeln. Vielleicht war es gar nicht das, wofür ich es hielt. Viel spricht dagegen: Die vorherige Anspannung, das Dokument, das ich bearbeitete, die latente Unzufriedenheit mit der Kürze des Jahres in Relation zu dem, was ich eigentlich noch abschließen wollte. Andererseits: Der Herzschlag des Universums, der sich von Nick Cave auf meinen Atem überträgt, und ihn ruhig und tief werden lässt.

Sirius is eight-point-six light years away
/Arcturus is thirty seven
/The past is the past
/And it’s here to stay
/Wikipedia is heaven
/When you don’t want to remember no more
/On the far side of the morning
/Who was it?
/Yeah, you know we real cool
/I hope you hear me
/And you’ll call.

Möglicherweise ist es auch nur Erleichterung, eine phantasierte Unabhängigkeit, in der ich mich von jedweder Erreichbarkeit befreit wähne, und wahrscheinlich doch eher die eigenen Ansprüche meine. Oder es ist die Leichtigkeit, mit der ich durch das Schriftstück segele, die mir in den letzten Wochen abhandengekommen zu sein schien; kein Motor, und nur auflandiger Wind, der die Gezeitenströme ins Hafenbecken drückt.

Vielleicht ist die Absicht, so zu empfinden, ja tatsächlich nicht im Plan der Schöpfung enthalten. Dennoch vermisse ich das Gefühl, was auch immer es gewesen sein mag. Im neuen Jahr würde ich ihm gerne häufiger begegnen.

Wahrscheinlich sollte ich öfter mit dem Zug fahren.