Einmal Ausreiten mit König Minos. Terry Gilliam macht auch das möglich.

15 Filmklassiker, die man mit seinen Kindern anschauen sollte

Meine Kinder haben mittlerweile die zwölf Jahre überschritten. Damit hat sich unserer Familie eine komplett neue Welt an Filmen eröffnet, die wir uns zusammen anschauen können. Dabei spielt das FSK-Siegel für mich weniger eine Rolle als die Tatsache, dass sie nun auch die Geschichten besser verstehen, weil auch ihr eigenes Leben komplexer geworden ist und sich immer mehr in dem Filmstoff wiederfindet, den auch ich bevorzuge.

Bis heute haben die Animationsfilme von Disney und Pixar für uns gut funktioniert, dazu ein paar Harry Potter-Filme und der ein oder andere Star Wars- oder Herr der Ringe-Teil. Geschenkt. Doch genauso wie Kinder nicht nur Pommes und Milchschnitte, sondern auch mal Oliven oder Kapern essen sollten, weil das eben der gute Shit ist, genauso können sie auch mal andere Filme sehen als das was ständig durch die Medien-Hauptkanäle rauscht.

Es gibt immer noch Kinder, die kennen nur Kinderfilme, Kinderbücher und Kindermusik. Dabei wissen wir es doch eigentlich besser. Wenn wir das Entdecken von neuen Filmen oder Büchern gut begleiten, bereichern wir ihren Geschmack und vermitteln ihnen Wissen, das nicht unbedingt auf dem Lehrplan steht.

Man muss kein Filmnerd sein, um hier auf Anhieb fünf oder zehn Titel nennen zu können, die für diese Liste in Frage kommen. Mir sind 15 eingefallen, und meine Kinder waren von den meisten ziemlich begeistert. Aber diese Liste ist nichts, um mal eine DVD einzulegen und zwei ruhige Stunden zu haben, um zu backen, zu joggen oder das Mail-Postfach aufzuräumen. Und wenn möglich nicht mit dem iPad auf den Knien daneben sitzen. Diese Filme brauchen auch unsere Aufmerksamkeit, denn es tauchen bei den Kindern Fragen auf, die man mitunter auf der Stelle beantworten sollte. Manche Konflikte lassen die Heranwachsenden stark mitfühlen. Das gehört dazu und fühlt sich besser an, wenn wir greifbar sind.

Alle diese Filme laufen regelmäßig im TV. Ich habe mir bei tv-info.de mittlerweile einen Suchagenten angelegt, der mich per E-Mail benachrichtigt, wenn Filme mit bestimmten Schauspielern oder Regisseuren gesendet werden. Um eventuelle Werbepausen zu überspringen empfiehlt sich ein Festplattenrekorder. Entweder die Sendung vorher aufnehmen oder einfach eine Stunde später den Fernseher einschalten. Kennt ihr.

Für DVDs gebe ich mittlerweile kein Geld mehr aus, ich möchte sie nicht mal mehr geschenkt haben. Die muss ich ja alle irgendwann wieder an Momox schicken. Abgesehen von Streamingservices nutze ich auch die Bücherei am Ort, die meisten haben die gängigsten Filmklassiker im Programm. Vorbestellen geht heute auch hier einfach übers Web.

Im Übrigen ist keiner der Filme dazu geeignet, um seine Kinder danach gleich ins Bett zu schicken. Kinder empfinden die Geschichten viel intensiver und brauchen danach mindestens eine Stunde, um wohlbehalten wieder zu landen. Also einfach mal an einem Nachmittag am Wochenende zwei oder drei Stunden einplanen, dazu eine Kanne Kakao und Kekse oder halt: Oliven und Kapernäpfel. Auch die gehen weg, wenn die Augen am Bildschirm hängen.

Zurück in die Zukunft (1985) — FSK 12

Welcher Jugendliche möchte nicht wissen, was seine Eltern in ihrer Jugend ausgefressen haben und wie sie sich kennengelernt haben? Was liegt also näher, als zusammen mit einem verrückten Erfinder in einem zu einer Zeitmaschine umgebauten Sportwagen in die Vergangenheit zu reisen und sich selbst davon zu überzeugen, wie es wirklich war? Mir fällt kaum ein Film ein, den ich lieber mag und immer wieder sehen kann. Die Gags sind immer noch frech und heute ein fester Bestandteil der Popkultur, ohne den man nicht aufwachsen möchte, auch 30 Jahre später. Und ja, wir warten immer noch auf das Hoverboard und die selbsttrocknende Jacke! (Die kam aber erst im zweiten Teil vor.)

Time Bandits (1981) — FSK 6

Terry Gilliam war bei Monty Python für die schrägen Animationsfilme zwischen den Sketchen verantwortlich. Einer seiner ersten eigenen Filme war Time Bandits. Der Film erzählt von einer Truppe kleinwüchsiger Gauner, die ihrem göttlichen Boss eine Karte geklaut haben, in die Zeitlöcher eingezeichnet sind. Damit reisen sie in andere Epochen und rauben berühmte Persönlichkeiten wie Napoleon (Peter Holm), König Minos (Sean Connery) und Robin Hood (John Cleese) aus, um sich danach gleich wieder aus dem Staub durch die Zeit machen. Ein zehnjähriger Junge schließt sich ihnen an und rettet am Ende sogar die Welt. Vielleicht der einzige Kinderfilm von Terry Gilliam. Phantastische Bilder und die Effekte wirken noch nicht allzu angestaubt. Gilliam hat seine ganz eigene, irgendwie barocke, Handschrift, und der Film ein “Happy End” ganz nach meinem Geschmack.

Breakfast Club (1985) — FSK 12

Fünf Jugendliche müssen an einem Samstag Nachmittag in der Schule nachsitzen und einen Aufsatz über sich selbst schreiben. Ein Alptraum für jeden Schüler, aber der Stoff für ein sehr unterhaltsames Kammerspiel. Die Sorgen der jungen Leute haben sich heute vielleicht etwas verlagert, aber unterm Strich machen die Erwachsenen ihnen immer noch oft das Leben zur Hölle und sich gegenseitig dazu. Die Musik der Simple Minds katapultiert einen sofort um dreißig Jahre in die eigene süße Vergangenheit.

Leoparden küsst man nicht (1938) — FSK 6

Einer der älteren Filme in der Liste. Dazu auch noch in Schwarzweiss und garantiert nicht in HD. Ich war am Anfang skeptisch, ob meine Töchter hier andocken. Aber der Film ist so meisterhaft und rasant erzählt, dass man von der ersten Minute an ein breites Grinsen nicht mehr loswird. Cary Grant und Katherine Hepburn spielen wunderbar albern. Man merkt sofort, dass sich hier die Komiker von heute wie Jim Carrey oder Julia Roberts was abgeschaut haben.

Rain Man (1988) — FSK 12

Habe ich mir erst neulich nach langer Zeit wieder angeschaut. Erst alleine, dann nach zehn Minuten gestoppt und bei nächster Gelegenheit zusammen mit der Familie bis zum Ende. Robert de Niro kann vielleicht ein Schnitzel spielen, doch Tom Cruise war von Anfang an spezialisiert auf Arschlöcher. Aber auch ein Yuppie-Arschloch wie Charlie Babbitt kann sich ändern. Dustin Hoffman spielt den Autisten Raymond so gut, dass der Film zu seiner Zeit die Bedürfnisse behinderter Menschen stärker ins Licht der Öffentlichkeit rücken konnte. Man kann von Eltern nicht erwarten, alles über Autismus zu wissen. Nicht zögern und Wikipedia befragen.

Tanz der Vampire (1967) — FSK 16

Ich selbst habe diesen Film als Kind etwas zu früh gesehen. Die Anfangsszenen mit dem Buckligen und die Schlittenfahrt im Sarg haben mich lange beschäftigt. Aber der Film konnte auch mir als Achtjährigem seinen Reiz gut vermitteln. Roman Polanski macht manche Dinge einfach anders als seine Kollegen. Die Kulissen und Figuren haben viel Tiefe und den optischen Reichtum aus Malerei und Scherenschnittbildern. FSK 16 finde ich gemessen an heutigen Filmen etwas übertrieben. Den ein oder anderen Tropfen Blut gibt es hier schon zu sehen, ist ja auch ein Vampirfilm.

Brust oder Keule (1976) — FSK 6

Was essen wir eigentlich? Louis de Funès spielt hier den Resaturantkritiker Charles Duchemin, für den das Meiste, was man ihm auftischt, “verdammt nah an der Kotzgrenze” ist. Aber es kommt noch schlimmer, als er die Machenschaften des großen Lebenmittelkonzerns Tricatel aufdeckt. So respektlos wie Louis de Funès über alle und jeden vom Leder zieht, das können unsere Kinder auch gut, wenn wir sie lassen und so möchten wir manchmal auch sein, wenn wir mal ehrlich sind.

Das Fenster zum Hof (1957) — FSK 12

Ein Hitchcock sollte schon dabei sein. Natürlich ist der Regisseur nicht für seine Kinderfilme bekannt. Die möglichen menschlichen Abgründe sind hier nicht ganz so tief und verstörend wie seine anderen Werke und das Drama bleibt räumlich und erzählerisch übersichtlich. Dazu hat der Film mit James Stewart und Grace Kelly zwei tolle Schauspieler, deren deutsche Synchronstimme sich hören lassen kann. Gegen Ende unerträglich spannend, also Beißhölzer oder Gummibärchen bereitlegen!

Das Leben des Brian (1979) — FSK 12

Ja, man darf sich über Religionen lustig machen. Auch wenn darauf heute in manchen Gesellschaften die Todestrafe steht, dieser Film erinnert uns daran, dass das hier anders läuft und das ist gut so. Religion ist halt so ein ernstes Erwachsenending. Kinder würden sich vielleicht nicht darum scheren, wenn sie es nicht aufgedrückt bekämen. Wie in vielen Lebenslagen gilt auch hier: locker bleiben. An historischen Fakten ist “Das Leben des Brian” mit dem Neuen Testament mindestens gleichauf, wenn nicht sogar akkurater.

Moderne Zeiten (1936) — FSK 6

Warum ist Chaplin eigentlich so wichtig? Weil er wie kein anderer Schauspieler seine Filme nicht nur gespielt, sonder auch getanzt hat. Keine seiner Bewegungen scheint normal. Jede Geste ist so übertrieben und gleichzeitig elegant. Und damit erzählt er seine Geschichten, in denen er immer der Fremde ist. Ein Kind in einer Umgebung, die viel von ihm verlangt. Doch er macht aus jeder Aufgabe einen Tanz. Wir leben immer noch in modernen Zeiten und einem Bein stehen wir heute schon in der Zukunft. Damit müssen wir klarkommen, irgendwie. Unsere Kinder erst recht.

… und täglich grüßt das Murmeltier (1993) — FSK 6

Noch eine Zeitreise, also eigentlich eine Zeitschleife und stellvertretend für eine handvoll Bill Murray-Filme, die ich auch nennen könnte (Was ist mit Bob, Kingpin, Ghostbusters). Eine tolle Liebesgeschichte und für mich eine wunderbare Parabel darauf, dass man sein Leben nicht ewig mit dem gleichen Stoff füllen sollte, und dass ein Ausbruch aus Routinen harte Arbeit ist, die sich aber lohnt.

Die 12 Geschworenen (1957) — FSK 12

Laut IMDB einer der zehn besten Filme aller Zeiten. Kein lustiger Reigen, sondern eine messerscharfe Analyse über Recht und Gerechtigkeit. Und dass unsere staatlichen Institutionen eine Errungenschaft sind, die man ernsthaft verteidigen sollte, wenn es drauf ankommt. Nach innen wie nach außen. An den Dialogen hängt kein Gramm Fett, jeder Satz ist glasklar, jede Rolle perfekt besetzt. Und nicht der Schreihals gewinnt die Debatte, sondern der mit den besseren Argumenten. Das sollte sich Papa mal merken.

Jurassic Park (1993) — FSK 12

Vielleicht die unglaublichste Filmstory aller Zeiten, die so phantastisch gar nicht mehr ist. Wir stehen heute kurz davor, das Mammut wieder zum Leben zu erwecken. Aber abgesehen davon, Spielberg war der erste, der uns überzeugende Dinos auf der Leinwand gezeigt hat. Seitdem laufen sie täglich auf allen Kanälen. Die groß angekündigte Fortsetzung “Jurassic World” kommt 2015 in die Kinos.

Forrest Gump (1994) — FSK 12

Dazu muss ich nicht viel sagen. Ein Crashkurs in moderner amerikanischer Geschichte. Eine rührende Story über jemanden, der einfach mal ja sagt zu allem, was man ihm vorschlägt, der sich was traut, ohne es zu merken, der ein hartes Schicksal mit einer Leichtigkeit erträgt, dass wir uns schämen sollten wegen unseres Gejammers über Dinge, die wir jede Sekunde ändern könnten. Forrest ist für mich in mancher Beziehung mehr Role Model als mancher reale geistreiche Kopf der Zeitgeschichte.

Manche mögen’s heiß (1959) — FSK 16

Ohne Jack Lemmon und Marylin Monroe wäre diese Liste nicht komplett. Ja, wenn Männer sich als Frauen verkleiden, ist das oft sehr lustig. Funktioniert heute immer noch als Filmkonzept. Billy Wilder hat hier ordentlich die Puppen tanzen lassen. Manche anzüglichen Gags wirken heute ein bisschen zu herrenwitzmäßig (vielleicht deshalb FSK16?), das mag aber auch an der deutschen Synchronisation liegen. Vielleicht einfach mal in die Originalversion reinschnuppern und nicht gleich aufgeben, die Kids lernen ja schon Englisch in der Schule, die kommen da schon rein. Die Musik ist durchweg Klasse, der Film rast an einem vorbei wie ein Partyzug, in dem eine beschwipste Frauen-Big Band probt. Oder waren da auch Männer dabei?

Das war’s schon? Mir fallen noch mehr ein, Euch sicher auch.

Originally published at bleikreisel.de on November 12, 2014.

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.