Priming: Warum Du “Fail fast” nicht zu Deinem Start-up-Mantra machen solltest

Schnelles Scheitern, Fail fast, ist zu einem Mantra der Start-up-Szene geworden. Dahinter steht die Idee, dass Konzepte für neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle möglichst schnell mit “echten Menschen” getestet werden sollen, um die dahinter stehenden Hypothesen zu überprüfen, zu bestätigen oder diese abhaken zu können. Je realistischer der Test durchgeführt wird - idealerweise also unter Marktbedingungen mit zahlungsbereiten Kunden - desto besser. Bestätigt sich die Hypothese nicht, kann frühzeitig umgesteuert werden, bevor unnötig Zeit und Geld in das “falsche” Projekt investiert werden. Man ist “gescheitert”, aber eben nur ein bisschen.

Fail fast gehört zu dem Lean-Startup-Dreiklang Build - Measure - Learn: Schnell einen Prototypen realisieren, die Reaktionen darauf mit den richtigen Messwerten erfassen und dabei möglichst viel lernen. Auf die Nase fallen inbegriffen. Aufstehn, Nase putzen, weiter machen.

Und auch das reale, “große” Scheitern wird in der Start-up-Szene kultiviert. Kaum ein erfolgreicher Entrepreneur, der sich nicht seiner früheren Misserfolge rühmt. Gerade der Silicon Valley Dream als moderne Version der American Dream erzählt die Geschichten gescheiterter Pläne, die dann durch den raffinierten Pivot doch noch zu einem Millarden-Dollar-Unternehmen geführt haben. Der einstige Phoenix, der später ordentlich Asche macht. Solche Geschichten füllen die Entrepreneurship-Blogs und sind Grundlage für den weltweiten Erfolg der Fuckup Nights, auf denen der unternehmerische Misserfolg ins Rampenlicht gestellt wird.

So weit, so gut. Doch trotzdem sollten sich Gründerinnen und Gründer das schnelle Scheitern als obligatorisches Etappenziel auf dem Weg zum Markterfolg nicht vornehmen. Warum nicht? Weil die Zielsetzung, schnell zu scheitern, direkt und langfristig die realen Erfolgsaussichten reduziert. Grund dafür ist ein psychologischer Effekt, der als Priming bezeichnet wird.

Priming (deutsch: Bahnung) bezeichnet das Phänomen, bei dem ein Reiz die Wahrnehmung aller darauf folgenden Reize beeinflusst. Positive Empfindungen beeinflussen das Nachfolgende positiv, negative Start-Reize dagegen negativ. Wird zum Beispiel ein Meeting mit einem kritischen oder konfrontativen Statement eröffnet, steigt dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass der gesamte weitere Gesprächsverlauf einen negativen, kritischen Verlauf nimmt. Dagegen kann eine positive Stimmung zu Beginn zu einem guten, konstruktiven und kreativen Ergebnis führen. Neben Worten und Begriffen bewirken auch Bilder, der Raum, Gerüche oder Töne ein Priming.

Die Bedeutung des Priming ist in zahlreichen Studien und Experimenten nachgewiesen worden. Und selbst die Alltagsbeobachtung bestätigt diese Theorie: Wer positiv denkt, kann mehr erreichen.

Warum ist nun aber der Glaube an das Fail fast-Mantra so gefährlich für ein Gründungsprojekt? Wenn Gründer von Beginn das Scheitern in den Produktentwicklungsprozess einplanen, beeinflusst dies unbewusst alle weiteren Aktivitäten. Das Scheitern aktiv in Kauf nehmen bedeutet, sich Chancen zu blockieren, die sich ohne ein negatives Priming realisieren lassen würden.

Und dabei will die Aussage “Fail fast” ja nur eines erreichen: die Angst vor einem möglichen schmerzhaften Lernprozess zu mildern. Doch gerade das kann auch mit einem positiven Priming erreicht werden - eventuell sogar viel besser!

“Learn fast” wäre zum Beipiel eine gute Alternative, denn Lernen ist wesentlich positiver besetzt als angekündigte Scheitern.

Oder: “Party early and often”. Die Aussicht auf die erste Feier eines noch so kleinen Erfolgs setzt weitaus mehr Energien frei als die Aussicht auf ein “Ok, hat dann wohl nicht geklappt. Ist ja aber nicht so schlimm.”

Positives Priming ist ein Schlüssel zu mehr Erfolg. Gründer sollten daher das Bild vom Fail fast aus ihrem Vokabular streichen.