ETF sparen mit Rürup-Hülle

Mehr Rendite für den Preis der Freiheit

Ich habe mich einmal intensiver mit dem Thema Rürup befasst. Dabei habe ich gelernt, dass es Produkte gibt, bei denen man mehr oder weniger beliebige ETFs kaufen kann. Dies führt natürlich zu der Frage: Kann ich mit den Steuervorteilen von Rürup die Gewinne meines Aktiensparplans optimieren?

Kleiner Exkurs: Rürup

Das Rürup-Rentensystem ist relativ schnell erklärt: Man spart Geld von seinem Bruttolohn (braucht es also nicht zu versteuern) für das Alter weg. Wenn man das Geld dann im Alter verbraucht, muss man es eben dann versteuern. Weil die Wertzuwächse in der Zeit zwischen Einzahlung und Entnahme nicht versteuert werden müssen, ist das Vermögen für die Rente höher, als wenn man die Beiträge zunächst versteuert, dann angelegt und die Gewinne zwischenzeitlich auch versteuert hätte.

Vorteile von Rürup

Es gibt natürlich auch noch ein paar andere “Vorteile” der Rürup-Rente. Da wären:

1. Weil der Steuersatz im Alter niedriger ist als während der Erwerbstätigkeit, kann man unter dem Strich mehr davon behalten.

Während der Sparphase kann man die Beiträge von der Steuer absetzen. Müsste man das Geld statt dessen versteuern, würde es um den Grenzsteuersatz gekürzt werden. Und im Alter bezieht man (zumindest wenn die Sparphase länger als die Entnahmephase ist) höhere monatliche Raten, als man vorher eingezahlt hat. Die anderen Einkommen, insbesondere der Lohn, sind aber niedriger oder fallen weg. Die Rentenzahlungen sind also voraussichtlich mit einem günstigeren Steuersatz zu versteuern, vor allem, wenn sie den Löwenanteil des Gesamteinkommens im Alter ausmachen. Ich setze dafür in der Einzahlphase einen Grenzsteuersatz an und in der Auszahlphase den entsprechenden Durchschnittssteuersatz. Mit diesen Zahlen kann man je nach eigener Situation etwas spielen um ein realistischeres oder konservatives Szenario zu evaluieren.

2. Das angesparte Vermögen ist vor Privatinsolvenz und Hartz IV geschützt.

Das stimmt und ist vorteilhaft, gerade für Selbstständige, die zwischendurch beruflich “auf’s Ganze” gehen wollen. Messbar ist das allerdings nicht. Deshalb wird es in meiner Kalkulation auch ignoriert.

Nachteile von Rürup

Die Nachteile sind ebenfalls schnell erklärt und gerade für freiheitsliebende Menschen (also alle Selbstständigen) signifikant.

1. Das ersparte Geld darf nur verrentet werden.

Man hat lange gespart und geht nun endlich in den mehr oder weniger wohlverdienten Ruhestand. Das Geld aus einem Rürup-ETF kann man aber nur als monatliche Rente abrufen. Ende der Durchsage. Basta!

Ganz im Gegensatz dazu kann man als Riestersparer das (meist doch eher lächerliche — wer mehr als 4% vom Bruttogehalt verriestert ist ein Idiot) “Vermögen” auch sinnvoller einsetzen: Zum Beispiel für die Tilgung der Restschuld auf dem selbst genutzten Eigenheim.

Eine monatliche Rente bedeutet immer einen Vertrag mit einer Rentenversicherung, inklusive Provision und exorbitanter Kosten sowie extrem ungünstiger Sterbetafeln. Was nutzt es einem, wenn man eine tolle Rendite erwirtschaftet hat, die dann der nutzlose Versicherungsmakler für die nächste Bunga-Bunga-Party verwendet? Ich hoffe von diesem Zwangsgeld kriegt olle Rürup wenigstens einen Kickback. Sonst wüsste ich nicht, was ihn zu dieser sinnlosen Schikane bewegt haben könnte.

2. Man kommt vorzeitig nicht an sein Geld.

Als Unternehmer muss man womöglich in Engpässen auch mal an die Reserven gehen: Man will investieren, aber die Banken — die eigentlich dafür vom Steuerzahler subventioniert werden, aber meistens doch lieber Boni zahlen, statt Kredite zu geben — faseln von “niedriger Bonität” und verweigern einem Kredit. Also zahlt man wie immer aus der eigenen Tasche. Geld, das in normalen ETFs steckt, kann man dafür verwenden. Das Geld im Rürup-Mantel ist dem Zugriff entzogen. Dies kann ärgerlich sein.

Rürup Produkte

Ich selbst habe keinen Vergleich der Rürup-Produkte am Markt erstellt, man wird aber zum Beispiel bei Finanztip fündig. Wie beim Anlegen in Aktien halte ich nichts von “aktiv” gemanagten Fonds und genauso wenig von Rentenversicherungen, wo ich die Manager für ihre Fehler beim Investieren meines Geldes bezahlen muss. Die einzig erlaubte Anlageform sind demnach ETFs, die stumpf einen möglichst einfachen Index abbilden. Alas, es gibt ein (ein einziges!) Produkt, das genau dies ermöglicht: Fairrürup. Alle anderen Rürup-Produkte sind meiner Meinung nach Schrott. Wie oben gesagt schon alleine deshalb, weil dort Menschen Entscheidungen treffen dürfen. Ich nenne solch einen “in Rürup verpackten ETF” im Folgenden “Rürup-ETF”.

Womit wir zum Kern dieses Artikels vorstoßen.

Rürup-ETF vs ETF-Sparen

Bei Fairrürup hat man wie gesagt eigentlich nur eine Rürup-Hülle um seinen ETF. Das heißt man wählt den ETF und richtet sich ein Konto bei Fairr ein. Danach bucht Fairr (bzw. die dahinter stehende Sutor Bank) die Gelder, die man einzahlen will ab und kauft den entsprechenden Fonds dafür. Dies gleicht frappierend einem normalen ETF Sparplan bei beispielsweise der DKB.

Ich werde im Folgenden auch die DKB als Benchmark nehmen, weil man nur dort meinen Lieblings-ETF besparen kann, den auch Fairr für Rürup im Angebot hat.

Die beiden Anlageformen unterscheiden sich sowohl in der Besteuerung als auch in den Kosten, was den Vergleich ein wenig komplex macht. Ich werde zunächst die Kosten und dann die steuerlichen Feinheiten vergleichen.

Kosten ETF Sparen

Der Fonds hat eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,38% des verwalteten Kapitals. Die DKB verlangt pro Kauf eine Gebühr von 1,50 Euro. Das Depot an sich ist kostenlos.

Kosten Fairrürup

Der Fonds hat natürlich weiterhin und ebenfalls eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,38%. Die Sutor Bank kassiert pauschal 27 Euro im Jahr und zusätzlich einen gestaffelten Prozentsatz vom verwalteten Kapital:

  • bis 25.000 Euro: 0,47%
  • zwischen 25.000 Euro und 50.000 Euro: 0,42%
  • ab 50.000 Euro: 0,37%

Dafür entstehen keine Kosten beim Kauf des ETFs (auch nicht beim Umschichten). Ob das so bleibt halte ich für fragwürdig weil nicht finanzierbar, aber im Zweifelsfall macht man dann quartalsweise Sparraten und schichtet weniger um.

Steuern ETF Sparen

Jetzt wird es langsam ein wenig anspruchsvoll.

Zunächst einmal kann man auf einen gewöhnlichen ETF per Broker nur mit versteuertem Einkommen sparen. Generell ist also hier die Sparrate relativ um den persönlichen Grenzsteuersatz gekürzt. In meinem Beispiel gehe ich einmal von 40% aus (siehe auch unten).

Desweiteren muss seit der Reform der Investmentfondsbesteuerung auch bei thesaurierenden Fonds vorab ein fiktiver Pauschalbetrag versteuert werden. Dieser hängt vom Wert der Fondsanteile am Jahresanfang, dem aktuellen Basiszins, der Dividendenrendite und der Teilfreistellung ab.

Der zu versteuernde Betrag ergibt sich aus einem fiktiven Ertrag, welcher Entweder der Basiszins reduziert um die Teilfreistellung, oder — wenn die Dividendenrendite den Basiszins übersteigt — die Dividendenrendite reduziert um die Teilfreistellung ist.

Der Basiszins betrug zwar am 01. Januar 2017 0,88%, die Dividendenrendite des Fonds (ausschüttend) betrug aber etwa 2,0% im Jahr 2017. Mit Teilfreistellung sind also in unserem Model 1,4% des am Anfang eines Jahres gehaltenen Kapitals mit 26,375% zu versteuern. Unsere Rendite wird durch Steuern also etwa um 0,36925% gedrückt. Wenn man einen thesaurierenden Fonds nimmt, dann ist der negative Effekt auf die Rendite nur noch etwa 0,16247% pro Jahr.

Diese fortlaufende Besteuerung und damit Entnahme aus dem Kapital verringert natürlich den Zinseszinseffekt. Durch den Rürup-Mantel können diese Steuern umgangen werden, müssen dann aber am Ende mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden. Trotzdem ist der Effekt in den meisten Szenarien positiv, wie wir unten sehen werden.

Zurück zum normalen ETF: Wenn am Ende der Sparphase das Vermögen aus dem Fonds entnommen wird, müssen die Zugewinne dann vollständig mit der Abgeltungssteuer versteuert werden. Also Gewinne über all die Jahre mal 26,375%, wobei die bereits geleisteten Steuerzahlungen für die Vorabpauschalen gegengerechnet werden. Das eingezahlte Vermögen muss bei Entnahme nicht versteuert werden, es wurde ja vom Nettogehalt eingezahlt und ist somit bereits versteuert.

Steuern Rürup-ETF

Beim Rürup-ETF zahlt man die Beiträge quasi vom Bruttogehalt. Quasi, weil man noch nicht den ganzen Betrag, sondern in 2018 nur 86% von der Steuer absetzen darf. Dieser Wert steigt jedes Jahr um 2 Prozentpunkte, bis man im Jahr 2025 die gesamten Beiträge in Abzug bringen darf.

Wie oben gesagt sind die Wertzuwächse sowie die gezahlten Dividenden des Fonds während der Sparphase nicht zu versteuern. Das heißt alle Auszahlungen können unversteuert neu angelegt werden und erhöhen so die Rendite.

Bei der Entnahme ist das Vermögen allerdings inklusive Wertzuwächse vollständig und mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern. Das heißt die Zuwächse sind dann in den meisten Fällen höher besteuert, als wenn man das Geld über einen normalen ETF Sparplan angelegt hätte. Da sie zwischenzeitlich aber mehr Mist generiert haben, bleibt in den meisten Szenarien unter dem Strich mehr übrig.

Der Vergleich

Für meinen Vergleich habe ich noch ein paar weitere Annahmen getroffen:

  • Der Fonds erwirtschaftet eine Vorsteuerrendite von 5%
  • Während der Sparphase hat man einen Grenzsteuersatz von 40%
  • Während der Auszahlphase hat man einen Durchschnittssteuersatz von 30%
  • Die Gebühren der Anbieter und die Besteuerung bleiben in den nächsten 40 Jahren gleich (unwahrscheinlich, dürfte aber nicht entscheidend für das Ergebnis sein)
  • Der Basiszins bleibt die nächsten 40 Jahre gleich (auch unwahrscheinlich, aber was kann ich machen?)
  • Der Sparer zahlt am Anfang einmal 6.000 Euro und jährlich 2400 Euro ein (vom Brutto! effektiv landet insbesondere beim ETF-Sparen weniger im Depot)

Die Berechnung des zu erwartenden Kapitals habe ich in einem Google Spreadsheet angefertigt. Diese Datei kann man auch kopieren und dann die Parameter verändern (zum Beispiel die jährlichen Zahlungen, oder die erwartete Fondsrendite, sowie die Fondskosten usw.). Sehr gerne könnt ihr die Datei auch auf Fehler überprüfen. Wer einen kürzeren Horizont simulieren will, kann einfach ein paar Zeilen aus der Tabelle löschen.

Wie man sieht kann man beim Rürup-ETF ein Vermögen nach Steuern von 203.152,23 Euro erwarten wohingegen der klassische ETF nur mit 162.220,04 Euro aufwartet. Ein Unterschied von satten 25,23%. Auch wenn man mit diesem Geld eine furchtbar teure Rentenversicherung abschließen muss, sollte der Versicherungsmakler ganz schön in Form sein, wenn er diesen zusätzlichen Wertzuwachs versaufen will.

Wie oben gesagt kann jeder auch ein paar andere Szenarien durchspielen:

Steuer bleibt gleich

Wie viel niedriger die Steuer im Alter ist, ist schwer vorauszusagen. Um eine konservativere Analyse zu machen, können wir den Durchschnittssteuersatz auf 40% setzen. Ergebnis: Der Vorteil der Rürup-ETFs schmilzt auf 7,34%.

Thesaurierender ETF

Einfach das Feld AA22 auf 0 setzen, dann gibt es keine Dividenden und damit ist der Basiszins für die Vorabpauschale ausschlaggebend. Ergebnis: Vorteil Rürup-ETF 22,34%.

20 Jahre Laufzeit

Wenn die Einschläge im Bekanntenkreis schon zahlreicher werden, einfach in den Zeilen 23 bis 42 die Einträge in den Spalten A bis X löschen. Ergebnis: Vorteil Rürup-ETF: 20,42%.

Weniger Beiträge

Noch Student und wegen Soziologie-Diplom auch in Zukunft keine Knete? Einmalzahlung auf 0 Euro und jährliche Zahlungen auf 1200 Euro (100 im Monat) setzen sowie die Steuersätze um 20 Prozenpunkte kürzen. Vorteil Rürup-ETF: 20,47%.

Es gibt sicherlich noch viele mögliche und sinnvolle Permutationen der Parameter. Probiert es doch selbst mal aus und lasst mich interessante Ergebnisse als Kommentar wissen.

Keine klare Kaufempfehlung

Trotz dieser Zahlen kann ich mich persönlich noch nicht zum Abschluss des Rürup-ETFs durchringen. Hauptsächlich stört mich die Gängelung in Bezug auf die Verwendung des Vermögens im Alter. Dazu noch einige Überlegungen.

Rürup könnte verbessert werden

Weil ohnehin ständig an der Altersvorsorge gebastelt wird, halte ich es nicht für unwahrscheinlich, dass in Zukunft auch die Nutzung des Kapitals für den Kauf einer selbst genutzten Immobilie bzw. die Tilgung eines Kredits für solch eine Immobilie erlaubt wird. Ist bei Riester ja schon der Fall. Warum das bei Rürup verboten sein soll, verstehe ich nicht und hoffe hier auf Einsicht. Wenn es dafür einen guten Grund gibt, freue ich mich ihn als Kommentar zu lesen.

Langlebigkeitsrisiko

Meiner Meinung nach kann man nicht nur Aktien und Immobilien haben und auf die Absicherung des Risikos der Langlebigkeit durch eine Rentenversicherung verzichten. Was nutzt einem das ganze Vermögen, wenn man am Ende 100 Jahre alt wird und die letzten 10 Jahre ein Pflegefall ist und dadurch alles verbraucht und die Kinder in die Röhre schauen. Eine gewisse Grundabsicherung ist für mich Pflicht.

Beimischung zur gesetzlichen Rente

Deshalb zahle ich freiwillig in die gesetzliche Rente ein. Womöglich werde ich zu den Gründen auch noch einmal eine kleine Hetzschrift auf dieser Seite verfassen. Bis dahin kann man aber sagen, dass solch ein Rürup-ETF als Renditebaustein Sinn macht. Wer also gerade 1000 Euro im Monat in die gesetzliche steckt kann durchaus überlegen, ob er nicht 800 Euro in die gesetzliche investiert und 200 Euro in solch einen Rürup-ETF.

Keine Alternative zum klassischen ETF

Ich habe den Vergleich oben gemacht um den Rürup-ETF mit dem Modell “Ich spare für die Rente mit einem ETF” zu vergleichen. Also für Leute, die in Aktien investieren um das Geld am Ende zumindest teilweise in eine private Rentenversicherung zu überführen. Wer einen ETF zum Vermögensaufbau kauft, um sich dann davon ein Haus zu bauen oder toll in den Urlaub zu fahren, für den bringt der Rürup-ETF sicher nichts.

Die Gebühren werden sinken

Heute ist Fairr der einzige Anbieter, der so eine schöne, einfache und billige Hülle für den Rürup-ETF bietet. Da werden sicher noch viele hinzu kommen und damit die Gebühren langfristig wie bei ETF Brokern drücken. Was hält denn bitte die DKB oder Flatex davon ab, auch solch ein Produkt anzubieten, wenn zu erwarten ist, dass eine kritische Masse es kauft?

Die bessere Riesterrente

Wer heute ein hohes Einkommen und nicht 5 Kinder hat (sagen wir mal 60.000 Euro, keine Kinder) für den wiegt der Steuervorteil beim Riestern womöglich schon die Prämien auf. Die Steuervorteile bleiben also heute weitgehend und in Zukunft vollständig bestehen, wenn man statt dem Riesterprodukt den Rürup-ETF kauft. Wobei beim Riesterprodukt einem halt entweder Banksparpläne oder gemanagter Schrott verkauft wird, weil es die “Garantie” geben muss. Von daher würde ich jedem Gutverdiener mit Riesterrentenversicherung dringend raten, den Wechsel von Riester auf Rürup zu prüfen. Er darf dann zu 100% auf Aktien setzen.

Die Versicherung wechseln

Soweit ich verstehe bietet Fairr nur das User Interface für den Zugang zur Sudor Bank. Fairr ist kein Versicherungsunternehmen. Am Ende der Sparphase überträgt Fairr das Vermögen an ein Versicherungsunternehmen, welches einem dann die Rente auszahlt. Zur Zeit ist der Kooperationspartner von Fairr die myLife Versicherung. Von der habe ich noch nie gehört und sie hat auch nur eine Bonität von “A-”, also kurz vor Griechenland-Anleihe und Multilevel-Marketing-System. Ich würde mich nicht drauf verlassen, dass dieses Unternehmen bis zu meinem hoffentlich sehr späten Tod durchhält. Man kann aber kurz vor Renteneintritt kündigen, die ganzen Fondsanteile verkaufen und alles mit zu einem anderen Anbieter nehmen (bei Fairr sogar kostenlos). Dies würde ich empfehlen, wenn myLife nicht bis dahin zum Global Player aufgestiegen ist.