Kosteninformation zum Wertpapiersparplan

Ein gutes und ein schlechtes Beispiel

Durch die Einführung von MiFID II wurde einiges im Aktienhandel für Endanleger durcheinander gewirbelt. So konnte ich selbst zum Beispiel eine zeitlang nach dem Jahreswechsel 2017/2018 meinen Lieblingsfonds nicht kaufen und auch keinen neuen Sparplan dafür anlegen, weil einige Fondsinformationen noch nicht vorlagen.

Trotz dieser unangenehmen Entwicklungen gibt es natürlich auch ein paar positive Änderungen. Ich möchte heute auf die neue und hoffentlich transparentere Kosteninformation eingehen. Ich habe ein sehr gutes Beispiel gefunden und ein ganz fürchterliches. Die Comdirect zeigt uns, wie man es gut machen kann, so dass der Kunde von den neuen Informationen stark profitiert. Und die DKB zeigt uns, dass man auch vollständige nutzlose, weil falsche “Informationen” verbreiten kann.

Szenario: Kauf des ETF001

Wir betrachten für unseren Vergleich das Szenario eines Wertpapiersparplans auf den ETF001 mit einer Sparrate von 200 Euro pro Monat.

Comdirect macht’s fast richtig

Fangen wir mit dem Beispiel Comdirect an, weil hier auch besser klar wird, wozu es die Information überhaupt geben soll.

Legt man den entsprechenden Sparplan bei der Comdirect an, dauert es einige Sekunden, bis man die Kosteninformation im digitalen Postfach hat. Man muss wohl den Auftrag tatsächlich bestätigen, bevor man die Information bekommt, bei der DKB wird das Dokument bereitgestellt bevor man den Auftrag ausführt, was natürlich eher im Sinne der Richtlinie ist. Man kann den Auftrag aber einfach wieder löschen, wenn einem die Kosteninformation missfällt. Es ist also noch nichts in den Brunnen gefallen.

Das Dokument ist bei der Comdirect zweigeteilt. Zunächst eine grobe Übersicht mit jährlichen Kosten.

Comdirect Kosteninformation Teil 1

Und dann noch eine Tabelle mit einer genauen Aufschlüsselung.

Comdirect Kosteninformation — Teil 2

Mir gefällt insbesondere der zweite Teil sehr gut.

Die Dienstleistungskosten der Comdirect

Für eine Sparplanausführung der Comdirect werden im Moment bei der Sparplanausführung 1,5% der (tatsächlichen) Ordergebühr als Provision abgezwackt. Bei einer Abbuchung von 200 Euro fließen also 197,04 Euro in die Fondsanteile und 2,96 Euro gehen als Gebühren ab. 12 mal 2,96 Euro macht 35,52. Die Comdirect rundet zwischendurch nicht, sondern geht von 2,955665025 Euro Gebühren pro Ausführung aus und kommt so auf den Wert von 35,46 Euro pro Jahr, was zwar ein bisschen schäbig, aber gerade noch vertretbar ist. Noch etwas schäbiger ist, dass man hier selbst so tut, als wenn das Depot immer um 200 Euro anwachsen würde und man am Ende 12.000 Euro eingezahlt hat. Das stimmt wie oben gesagt nicht, es landet weniger im Depot.

Auch zu berücksichtigen sind natürlich die Kosten um die Position zu liquidieren. Das kostet in dieser Größenordnung bei der Comdirect 4,90 Euro plus 0,25% Gebühren, was bei mir 34,90 Euro macht. Dazu kommt dann noch ein Entgelt für den Börsenplatz, also stimmt die Zahl oben mit 35,96 Euro auch ungefähr.

Die Produktkosten des ETF Emittenten bei der Comdirect

Comstage nimmt 0,08% Gebühr des verwalteten Vermögens pro Jahr. Das kumuliert sich also in unserem Beispiel im ersten Jahr (erste 12 Monate, nicht erstes Kalenderjahr, man kann ja auch zum Beispiel im März erst anfangen mit dem Sparplan) auf 0,97 Euro. Den Wert konnte ich mit dem Taschenrechner nicht nachvollziehen, ich komme auf erwartete Kosten von 1,02 Euro, aber vielleicht habe ich etwas übersehen. Im Groben stimmt diese Rechnung. Mit diesen Zahlen kann man dann die Auswirkung auf Rendite bestimmen. Diese sinkt mit der Zeit, weil die jährlichen Kaufkosten einen immer kleineren Anteil am verwalteten Vermögen haben und bei diesen Zahlen ja der “Renditekiller” sind, und nicht die Verwaltungskosten.

Ich bitte hier auch zur Kenntnis zu nehmen, dass die jährliche Renditeminderung sich nicht nur verändert, sondern auch sinkt. Das liegt am eben angesprochenen Sachverhalt. Das noch einmal festzuhalten ist aber für die Betrachtung des Beispiels der DKB hilfreich.

Fazit Comdirect

Die Kosten sind übersichtlich und weitgehend korrekt dargestellt. Das Planspiel “ETF über 5 Jahre kaufen und am Ende komplett liquidieren” ist sinnvoll durchgerechnet, die Gesamtkosten gut aufgeschlüsselt und man kann alles gut nachvollziehen. Der Spaß kostet einen insgesamt in etwa 240 Euro. Ich sage “In etwa”, weil der ETF ja hoffentlich auch einen Wertzuwachs hat. Dann erhöhen sich aber natürlich auch die jährlichen Verwaltungskosten seitens der Comstage, also womöglich zahlt man etwas mehr, hat aber auch mehr Geld auf dem Konto.

DKB: Epic fail

Wie wir gleich sehen werden ist das Pendant der DKB zu dieser Information vollkommen unverständlich und inhaltlich auch noch falsch. Ich habe zunächst gar nicht verstanden, was das Dokument beinhalten soll und es nur mit Hilfe des guten Beispiels von Comdirect einordnen können. Ich bin mal wieder persönlich beleidigt, dass sich Banken solch eine Schlamperei erlauben können. Das ist natürlich auch der Grund für diesen Blogpost.

Die Informationen der DKB sind immerhin auf einer Seite zusammengefasst.

Ex-Ante-Kostensimulation der DKB

Dazu kommen noch ein paar Erläuterungen auf der nächsten Seite, die aber leider auch nicht helfen. Das Foto habe ich weiter unten angefügt.

Die Dienstleistungskosten der DKB

Zunächst ist natürlich hervorzuheben, dass ein Kauf bei der DKB nur 1,50 Euro (und nicht 1,5%) kostet. Das sind also bei 200 Euro nur 0,75% und damit etwas weniger als bei der Comdirect. Auch ist es bei der DKB so, dass die Gebühren auf den Fondssparplanbetrag aufgeschlagen werden, man also tatsächlich 1,50 bezahlt, 200 Euro auf dem Depotkonto landen und das Girokonto mit 201,50 belastet wird. Kleiner Exkurs: Meine Sparpläne bei der Comdirect mache ich deshalb immer in Höhe x+1,5%. Also zum Beispiel 101,5 Euro für meinen Spaß-Sparplan auf Xetra Gold (geht sowieso nur bei der Comdirect) damit auch wirklich 100 Euro im Depot landen.

Zurück zur DKB: Damit kommen wir dann auf 12 mal 1,50 Euro, also 18 Euro im Jahr, macht 90 Euro in 5 Jahren. So weit so gut.

Der Verkauf wird bei der DKB allerdings gar nicht mit berechnet! Der Verkauf verursacht aber auch Kosten. Diese müssen mit berücksichtigt werden. Bei der DKB kann man hier mit 25 Euro plus Börsenplatzgebühren kalkulieren. Das ist der erste eklatante Fehler in diesem Dokument. Auf die Verkaufsgebühren wird in den “Hinweisen” (siehe unten) zwar hingewiesen. Aber das muss schon konkret in Zahlen aufgeführt werden.

Die Produktkosten des ETF Emittenten bei der DKB

Es handelt sich hier um denselben Fonds wie im Beispiel der Comdirect. Die Kostenprognose sollte also genau dieselbe sein, weil die Bank auf diese Kosten keinen Einfluss nimmt. Aber was sehen wir? Die DKB weist jährliche Kosten von 6 Euro aus. Das ist natürlich eine hanebüchene Schwachsinnszahl. Wie wir oben gesehen haben steigen die jährlichen Kosten im Laufe der Zeit. Mann kann wie die Comdirect natürlich durchschnittliche jährliche Kosten schätzen, dann kommt man aber auf 4,83 Euro und nicht auf glatte 6 Euro. Mir fehlt die Kreativität herauszubekommen, auf welchem Unsinn diese Zahl beruht und auch was die ominösen 0,05% daneben bedeuten sollen (Erinnerung: Der Fonds kostet 0,08% pro Jahr, es geht um eine Laufzeit von 5 Jahren). Vielleicht kann das ja ein Leser reverse engineeren. Für mich ist das jedenfalls einfach Quatsch. Es wird aber noch besser…

Die Prognose der DKB

Wenn die DKB also die Kosten für 5 Jahre zusammenrechnet, dann macht das 90 Euro für die DKB und 30 Euro (5*6 Euro) für den Fondsanbieter. Sind ingesamt — Trommelwirbel — 30 Euro. WAT?

Von den 30 Euro Produktkosten sind übrigens 90 Euro Zuwendungen. WAT?

Und dann zur Königsdisziplin: Die Renditeeinbußen pro Jahr. Hier hört der Spaß dann vollends auf. Zugrunde gelegt werden hier nicht nur die eben genannten falschen Zahlen, sondern eine vollkommene Ignoranz der Frage, worum es hier geht. Es geht um einen Fondssparplan, der Vermögen akkumuliert. Das heißt, dass die Gebühren der Fondsverwaltung absolut steigen und relativ gleich bleiben und die jährlichen Kaufkosten absolut gleich bleiben und relativ steigen. Deshalb können die relativen Kosten auf das Gesamtkapital nicht jedes Jahr gleich sein. Die von der DKB ausgewiesenen 0,05% in jedem Jahr müssen — unabhängig von den anderen Merkwürdigkeiten oben — falsch sein. Wenn da fünf mal die gleiche Säule im Diagramm steht, braucht man nicht mehr weiter zu fragen. Das Dokument ist Stuss. Setzen, sechs. Das sieht man sofort.

Ich kann nicht nachvollziehen, dass es eine Software, die Ausgabedokumente mit solch vollkommen unbrauchbaren und nicht im Zusammenhang stehenden Daten produziert, auch nur durch die lächerlichste QA Session schafft. Die DKB hat ein echtes Problem im IT Management.

Fazit

Keine der beiden Banken berechnet die zu erwartenden Kosten korrekt.

Die Comdirect zeigt aber die richtigen Kostenstellen und weist transparent auf alle Folgekosten inklusive den Verkaufskosten hin. Ich halte das Dokument also für ein gutes Beispiel, was durch die MiFID II erreicht werden kann. Ich hoffe, dass in einer nächsten Iteration auch alle Zahlen stimmen und nicht mehr fragwürdig gerundet oder falsch aggregiert wird.

Die DKB versagt allerdings auf ganzer Linie. Die Kunden kratzen sich am Kopf und verstehen nur Bahnhof. Weil sie ihrer Bank vertrauen, suchen sie womöglich den Schuldigen in der MiFID II und tun ihr zumindest damit unrecht. Und zu allem Überfluss meint die DKB, sie hätte die MiFID II umgesetzt, obwohl das gar nicht stimmt. Ich finde die EBA müsste diese Art der Dokument flächendeckend und penibel prüfen und bei Fehlern harte Strafen verhängen. Immerhin sollen Kunden ihre Verkaufsentscheidung von diesen, im Prinzip betrügerischen Dokumenten (bei der DKB werden mindestens 200 Euro zu erwartende Kosten verschwiegen), abhängig machen. Dann müssen die Dokument auch stimmen. Von alleine werden die Banken das nicht gewährleisten. Als Vergleich: Die Zinsen auf dem Sparbuch werden ja auch korrekt berechnet. Da erlaubt sich die Bank keinen groben Unfug.

Bei Flatex habe ich übrigens den Sparplan auch angelegt. Da habe ich bis jetzt noch gar kein Dokument in meiner Postbox. Das einzige was ich bezüglich Kostenprognose finden konnte ist ein grausam zu lesendes PDF Ungetüm. Ich frage mich, ob die einfach langsam sind, oder so ein pauschales Konstrukt reicht. Schlimm wäre letzteres.

Die Hinweise der DKB zur Kostensimulation