Mentale Modelle: Der Weg zur Weltklugheit

Über 100 mentale Modelle erklärt

Auf FarnamStreet gibt es den wohl besten englischsprachigen Artikel zu mentalen Modellen. Was ist das, ein mentales Modell? Die Idee populär gemacht hat der große Charlie Munger, der kongeniale Business-Partner von Warren Buffet.

Was sind mentale Modelle?

Ein mentales Modell — Munger spricht von einem »latticework of multidisciplinary mental models« — ist eine Denkhilfe, die einem dabei hilft, die Welt systematisch zu verstehen. Die meisten mentalen Modelle sind recht abstrakt und kommen aus verschiedenen Disziplinen. Sie helfen beim Denken und bei der Entscheidungsfindung.

Mentale Modelle sind Konzepte, die fundamentale Welt-Prinzipien abbilden. Sie sind zudem eine Art »Best-Of« aus unterschiedlichen Disziplinen — sei es Biologie, Psychologie, BWL, VWL oder Mathematik.

Jeder Mensch tut gut daran, einen Blick über den Tellerrand zu wagen und von anderen Disziplinen zu lernen. Im Grunde ist das nichts anderes als das humanistische Bildungsideal, das heute leider kaum mehr gelebt wird. Liest man die Biografien von großen Personen der Zeitgeschichte, zeigt sich, dass diese oft nicht nur in einer Disziplin bewandert, sondern vielmehr multidisziplinär unterwegs waren: Der große Ben Franklin (eines der großen Vorbilder von Charlie Munger) war »Drucker, Verleger, Schriftsteller, Naturwissenschaftler, Erfinder und Staatsmann.«

Mentale Modelle helfen dabei, nicht im Silo der eigenen Disziplin zu verharren — oder, ebenfalls bildlich gesprochen — sich nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaftler zu verschanzen. Sie bieten einem die Möglichkeit, verschiedene Perspektiven auf die Welt zu erlangen — um diese zu verstehen, Entscheidungen zu treffen und Herausforderungen zu bestehen.

Warum ich diese Sammlung anlege

Bisher habe ich im deutschsprachigen Internet noch keine Sammlung von mentalen Modellen gefunden. Der Wikipedia-Artikel hierzu ist bestenfalls unbefriedigend. Also nutze ich diesen Artikel, um eine Sammlung meiner mentalen Modelle anzulegen.

Mein Habit 50 Ideen für die Allgemeinbildung hat mir ungemein geholfen, mentale Modelle aus vielen verschiedenen Disziplinen zu finden. Gerade die Bücher zu den Themen Philosophie, Management und Wirtschaft sind in diesem Zusammenhang sehr zu empfehlen.

Wie diese Sammlung zu verwenden ist

Jedes mentale Modell wird folgendermaßen beschrieben:

  • Überschrift: Viele mentale Modelle haben nur eine unzureichende deutsche Übersetzung. Deshalb verwende ich in der Überschrift bei vielen die englische Bezeichnung oder schreibe diese mit dazu
  • Verschiedene Bezeichnungen, ähnliche Modelle: Oft ist ein und dasselbe Modell unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt und/oder es gibt ähnliche bzw. verwandte Modelle; auch diese Bezeichnungen finden sich in der Überschrift oder kursiv unterhalb der Überschrift (siehe nächster Punkt)
  • Person/Quelle/Kontext: Kursiv unter der Überschrift steht die Person, die Gruppe oder der Kontext, die man mit dem mentalen Modell verbindet; das kann der »Erfinder« sein, die Person, die es populär gemacht hat aber auch der Kontext, in welchem das mentale Modell oft zu finden ist; manchmal steht auch ein ähnliches, weniger bedeutendes Modell kursiv unter der Überschrift
  • Zitate: Bei dem ein oder anderen Modell sind mir entsprechende Zitate eingefallen, die ein noch besseres Verständnis des jeweiligen Modells ermöglichen; die Quelle findet sich als Link beim Autor des Zitats
  • Verweis auf andere Modelle: Verwandte mentale Modelle werden unten durch ein ➞ gekennzeichnet; viele Modelle bedienen sich anderer Modelle oder haben einen direkten Bezug zu diesen; immer weist der Pfeil (➞) daraufhin
  • Besonders wichtige Modelle: Mentale Modelle mit einem ★ halte ich für besonders wichtig: hier sollte man — wenn man das Modell noch nicht en détail kennt — weitere Recherche anstellen, um ein besseres Verständnis zu bekommen

Du kannst diese Sammlung überfliegen, um einen Eindruck von verschiedenen Modellen zu erhalten. Oder Du liest sie von vorne bis hinten durch und öffnest die Links zu den Modellen, die Du interessant findest. Oder Du nutzt sie als Inspiration für eine eigene Liste. Oder Du nutzt sie als (sehr, sehr lange) Checkliste bei der Entscheidungsfindung.

Es gibt viele Möglichkeiten, Gebrauch von dieser Sammlung zu machen. Wenn sie Dir gefällt — teile sie mit anderen, die davon profitieren können!

Aus Gründen der Übersichtlichkeit habe ich die verschiedenen Modelle lose in verschiedene Kategorien aufgeteilt. Naturgemäß finden die meisten Modelle nicht nur in ihrem jeweiligen Silo Anwendung — nichtsdestotrotz macht eine Kategorisierung die Liste übersichtlicher und zugänglicher. Die neun Kategorien (in Klammer die Anzahl an mentalen Modellen) sind:

  1. Denken & Logik (20)
  2. Systeme (14)
  3. Management (BWL) (13)
  4. Wirtschaft (VWL) (15)
  5. Philosophie & Religion (4)
  6. Statistik & Wissenschaft (10)
  7. Psychologie (15)
  8. Naturwissenschaften (11)
  9. Sonstige (4)
  10. In Planung (>30)

Aktuell sind über 100 mentale Modelle in dieser Sammlung.


DENKEN & LOGIK

★ Die Welt sehen, wie sie ist, Die Welt wie sie ist vs. Wie man sie sieht vs. Wie sie sein sollte, Positive vs. normative Aussagen

Ray Dalio, Realismus, rose-colored glasses
Es gibt drei Perspektiven auf die Welt: erstens, wie die Welt wirklich ist. Zweitens, wie man sie sieht. Und drittens, wie sie sein sollte. Wir wissen, dass diese drei Sichten nicht deckungsgleich sind. Es gilt, die zweite Sicht so nah wie möglich deckungsgleich mit der ersten Sicht zu machen. Es hilft nämlich nicht, wenn man ein falsches, naives Bild der Welt hat — es führt nur zu falschen Entscheidungen.

Auch ist die Welt nicht, wie sie sein sollte. Eine Aussage über die Welt, die diese so beschreibt, wie sie ist, ist positiv. Eine Aussage, die einen Wunschzustand beschreibt, ist normativ. Es ist wichtig, diese Sichten nicht zu vermengen.

➞ Die Karte ist nicht das Territorium
➞ Naturalistischer Fehlschluss, Humes Guillotine

Reasoning from First Principles vs. Reasoning form analogy, Die Sokratische Methode, Greenfield approach, »Ad fontes«, »Back to the roots«

Elon Musk, Sokrates

»With analogy we are doing this because it’s like something else that was done, or it is like what other people are doing. With first principles you boil things down to the most fundamental truths … and then reason up from there « — Elon Musk

Mein Bruder, großer Musk-Fan, hat mich auf dieses Modell aufmerksam gemacht. First-Principles-Reasoning bedeutet, das man ein Problem auf den Kern runterbricht und nicht, wie es oft der Fall ist, Abwandlungen (Analogien) von bestehenden Lösungen verwendet. Es bedeutet, dass man frei ist von preconceived notions und das Problem von Grund auf löst. Dafür muss man das Problem auf den Kern reduzieren — die fundamentale Wahrheit — und von dort lösen.

Es erinnert mich and die sokratische Methode (alles hinterfragen, bis man beim Kern angelangt ist) und den Greenfield-Ansatz, den man vermehrt in der Management-Literatur findet.

Thinking in bets, Numbers Game, Probabilities

Poker, Sales, Mathematik, Pferdewetten
Alles im Leben hat Wahrscheinlichkeiten, alles ist ein Numbers Game. Jede Entscheidung, die man macht, gleicht einer Wette, die man eingeht. Das gilt insbesondere für Sales (hier spricht man vom sales funnel und von conversions, das heißt, die Wahrscheinlichkeiten manifestieren sich ex post).

Dazu fällt mir ein, dass ich gelesen habe, dass in den Sozialwissenschaften (Psychologie, Soziologie) eine Korrelation von 0,2 (so sie signifikant ist) bereits ein großer Effekt ist. Das heißt, dass in 20 % der Fälle ein Effekt auftritt.

Im Poker geht es — neben der psychologischen Komponente — fast ausschließlich darum, die Gewinn-Wahrscheinlichkeiten verschiedener Kartenkombination zu kennen.

Äpfel und Birnen, Like-for-like, A/B-Tests, Ceteris paribus

Unternehmensberatungen, Wissenschaft
Wenn man Dinge miteinander vergleicht, dann müssen diese in sich auch vergleichbar sein. Der Volksmund nennt das Äpfel mit Birnen vergleichen, in der Berater-Lingo spricht man von like-for-like-Vergleichen. Das Ganze hat mit der wissenschaftlichen Methode zu tun: man vergleicht immer ein treatment, bei dem eine Variable geändert wurde mit der control group. Das Gleichhalten der anderen Variablen nennt man »ceteris paribus« — »unter sonst gleichen Bedingungen«.

Im Internet-Marketing (z. B. eine Produktseite) nutzt man für Tests der Conversion sogenannte A/B-Tests, um zu sehen wie verschiedene Methoden/Designs performen. Man muss bei einer solchen univariaten Analyse vorsichtig sein, denn die meisten Systeme sind non-linear und die verschiedenen Variablen haben untereinander Beziehungen, die man auf den ersten Blick nicht sieht.

➞ Unknown unknowns
➞ Wissenschaftliche Methode

Inversion, Via negativa, Pre-mortem

Charlie Munger, Carl Gustav Jacob Jacobi

»Man muss immer umkehren« — Carl Gustav Jacob Jacobi

Oft wird versucht etwas zu verbessern, indem man positive Elemente hinzufügt. Das Gegenteil aber — das Entfernen von negativen Elementen — ist meistens jedoch effektiver. Wer raucht, kann Medikamente nehmen (via positiva) oder aber auch einfach mit dem Rauchen aufhören (via negativa). Letzteres hat einen größeren Effekt. Straßen werden nicht dadurch bedeutend sicherer, dass man viele neue Regeln einführt, sondern dadurch, dass verkehrsuntüchtige Teilnehmer, z. B. betrunkene Fahrer, aus dem Verkehr gezogen werden.

Es gilt also, nicht immer nur in additiven Konzepten zu denken, sondern zu überlegen, was man Entfernen kann, um ein System zu verbessern. Oder anders: Anstatt zu versuchen besonders schlau zu sein, hilft es oft, weniger dumm zu handeln. Das hat schon viele Probleme gelöst.

Ockhams Rasiermesser, Law of parsimony, Pferde und Zebras

William von Ockham, Charlie Munger, Keep it simple stupid (KISS)
Okkhams Rasiermesser ist eine einfache Entscheidungsheuristik: wenn es eine einfache und eine komplexe Erklärung gibt, wähle die einfache. Denn damit eine komplexe Erklärung zutreffend ist, müssen alle Elemente der komplexen Erklärung vorliegen. Eine komplexe Erklärung ist demnach leichter zu falsifizieren. Ein Beispiel: wenn man in den USA vierbeinige, Pferde-ähnliche Wesen durch die Gegend rennen sieht, dann sind es eher Pferde als Zebras. Diese Heuristik hat auch mit der base rate zu tun, denn einfache Erklärungen haben eine höhere base rate als komplexe.

➞ Thinking in bets
➞ Satz von Bayes

Mutually exclusive, collectively exhaustive: MECE, Mengenlehre

Barbara Minto, McKinsey, Unternehmensberatungen, Mathematik
MECE stammt, so heißt es, von McKinsey. Es ist eine Methode, die für eine klare Struktur sorgt. Es bedeutet, dass Teile des Ganzen klar voneinander getrennt sind (mutually exclusive), zusammengenommen aber das Ganze ergeben (collectively exhaustive). Die Subbestandteile sind dann disjunkt (Mengenlehre). Mit MECE kann man ein Problem strukturiert in seine Einzelteile zerlegen. Beispiele:

  • Interne Faktoren vs. Externe Faktoren
  • Zerlegung des Gewinns eines Unternehmens in Umsatz und Kosten

Da es aber immer Wechselwirkungen zwischen einzelnen Komponenten gibt, ist MECE nur eine Heuristik, ein Model, das nie 100 % der Realität entsprechen wird. Oft wäre viel Aufwand nötig, um ein Problem perfekt MECE-konform in Einzelteile zerlegen zu können. Wenn das nicht möglich ist, muss man vereinfachen. Ich spreche dann von 80–20-MECE. Es bedeutet, dass die MECE-Aufteilung nicht perfekt ist, aber nur wenig Aufwand erfordert.

➞ Paretoprinzip

Pyramidales Denken, Analyse & Synthese, Problem tree, Top-down & Button-up

Barbara Minto, McKinsey, Unternehmensberatungen
Pyramidales Denken hat direkt mit MECE zu tun. Hier geht es darum, dass man ein Problem MECE gerecht in seine Einzelteile zerlegt und analysiert (Analyse). Man geht hier von einem Hauptproblem aus und zerlegt dieses in die Einzelbestandteile. Diese ergeben zusammen das Hauptproblem. Die Einzelbestandteile können wieder Unterpunkte haben. Sobald man auf dem tiefsten Level angelangt ist, analysiert man und aggregiert dann von unten nach oben (button-up). Das nennt man Synthese. Pyramidales denken hilft, Probleme sauber in Bestandteile zu zerlegen und diese Stück für Stück zu bearbeiten.

Karte vs. Territorium, The map is not the territory, The menu is not the meal, Modell vs. Realität

Alfred Korzybski, Geographie
Alle Karten bilden nur eine vereinfachte Form des Territoriums ab und sind nie 100 % mit dem Territorium identisch. Dasselbe gilt für sämtliche Modelle, sei es in der VWL oder der Physik. Natürlich sollen Modelle so gut es geht mit der Realität konform sein. Aufgrund der Komplexität der Welt ist dies aber nie möglich. Daher muss man bei jedem Modell — und jeder Karte — beachten, dass diese nur eine Abstraktion der Realität darstellt und bei dieser Vereinfachung immer auch Informationen verloren gehen.

★ Effekte zweiten Grades, Second order consequences, Hidden effect, Peltzman effect

Josh Kaufman, Ray Dalio,
Viele Dinge haben einen direkten Effekt und Effekte zweiten oder dritten Grades, die man erst später sieht. Rauchen ist ein gutes Beispiel. Der direkte Effekt ist die Dopamin bedingte Belohnung, die gesundheitlichen Auswirkungen allerdings sind ein hidden effect, den man erst später wahrnimmt. Alle intertemporalen Entscheidungen –also Entscheidungen, deren Auswirkung verzögert eintritt — , haben starke Effekte zweiten Grades: Kraftsport, Drogenkonsum, Diäten, Investments.

Lagging indicator vs. Leading indicator

Performance Management
Das Konzept des lagging indicators ist mit dem der Effekte zweiten Grades vergleichbar. Weltlicher Erfolg ist ein lagging indicator, denn er stellt sich erst ein, wenn davor investiert wurde. Das Investieren hingegen ist ein leading indicator, der vor dem gewünschten Ergebnis eintritt. Man muss vorsichtig sein und unterscheiden können, was ein leading indicator und was ein lagging indicator ist.

➞ Statisch vs. dynamisch

Äquifinalität, Equifinality

»Viele Wege führen nach Rom« — Volksmund

Man kann auf verschiedenen Wegen von A nach B kommen. Das ist das Konzept der Äquifinalität. Äquifinalität ist das Resultat von komplexen, non-linearen Systemen. Um Unternehmer zu werden gibt es viele Wege.

Effective truth, Realpolitik, Utilitarismus

Niccolò Machiavelli, Helmut Kohl, Ludwig von Rochau, Stephen Covey, Robert Greene

»Entscheidend ist, was hinten rauskommt« — Helmut Kohl

Laut Machiavelli zählt am Ende das Resultat. Er nennt das effective truth. Im negativen Sinne kann daraus ein gefährlicher Utilitarismus werden (Der Zweck heiligt die Mittel).

Positiv ausgelegt kann man dieses Konzept aber auch so verstehen, dass man ergebnisorientiert arbeitet. Stephen Coveys zweites Habit lautet: »Always begin with the end in mind«. Auch in Robert Greenes »48 Laws of Power« wird dieses Konzept berücksichtigt. In Law 29 heißt es: »Plan all the way to the End« …

➞ Konsequentialismus vs. Non-Konsequentialismus (Utilitarismus vs. Deontologie)
➞ Aktionen vs. Worte

Circle of competence

Warren Buffet, Sokrates
Sokrates sagte: »Ich weiß, dass ich nichts weiß«. Auch Buffet nutzt dieses Modell für die Entscheidungsfindung. Er macht nur Investments in Branchen und Unternehmen, die innerhalb seines circle of competence liegen. Deshalb hat er lange auch keine Investments in Internet-Technologien gemacht, da er sie nicht genug verstanden hat.

Es hilft ungemein, nicht nur zu wissen, was man weiß, sondern insbesondere auch zu wissen, dass man vieles einfach nicht weiß. Alles was man nicht weiß, ist nicht Teil des circle of competence. Man tut gut darin, zu Wissen, wo hier die Grenzen liegen.

➞ Unknown unknowns

Unknown unknowns

Erkenntnistheorie, Schwarzer Schwan
Es gibt Dinge, von denen man weiß, dass sie existieren, deren Wert oder Wahrscheinlichkeit man aber nicht kennt. Das sind die known unknowns. Dann aber gibt es Dinge, die existieren, von denen man aber nicht weiß, dass sie existieren. Das sind die unknown unknowns. Es ist gefährlich anzunehmen, dass man perfekt informiert ist. In vielen Fällen übersieht man etwas, von dem man nicht weiß, dass es existiert. Das führt oft zu schwarzen Schwänen.

➞ Schwarzer Schwan

★ The path less travelled

Christopher Kolumbus
Man kann der Meinung der Mehrheit, dem Konsens folgen, oder aber eigene Wege gehen. Je nach Situation ist das eine oder das andere besser. Allerdings: Will man das haben, was weit rechts von der Mitte einer Gauß-Kurve liegt, muss man auch ein Investment fahren, das viele Sigmas hat: das heißt, den path less travelled wählen. Nicht jeder ist bereit entsprechend viel zu investieren. Wer den Markt schlagen will, wird dies nie schaffen, wenn er sich wie der Markt verhält.

➞ Normalverteilung, Gauß-Kurve

Theorie vs. Praxis, Bauernschläue, Streetsmarts vs. Booksmarts, Common sense

Elfenbeinturm der Wissenschaftler, Rigor vs. Relevance, Green lumber fallacy
Die Dichotomie zwischen Theorie und Praxis gibt es schon lange. Was im Business funktioniert wird oft erst später in der Wissenschaft bestätigt: Business vor Wissenschaft. Für mich gibt es daneben noch die Dichotomie zwischen streetsmarts und booksmarts, die im amerikanischen Sprachraum oft zu finden ist.

Booksmarts ist der Weg der Mittelschicht, der den meisten ein gut-bürgerliches Leben ermöglicht und einigen wenigen wirklichen Erfolg. Es ist der Weg, den ich den Weg der Akademiker nenne. Er ist geprägt von Dogma, harter Arbeit und vielen Regeln. Der Weg der Akademiker zeichnet sich in erster Linie durch Intelligenz und Fleiß aus.

Anders als bei den Akademikern ist Intelligenz im Sinne von guten Noten bei den Streetsmarts nicht das Entscheidende. Streetsmarts weisen bestimmte Charaktereigenschaften auf, den die meisten Akademiker vermissen lassen. Sie sind risikobereit, unkonventionell und auch ein bisschen dreist, manche gar rücksichtslos. Beispiele: sämtliche Sales-Leute, von Staubsaugerverkäufern über Versicherungs- und Immobilienmakler, viele Unternehmer.

Vergleichbar ist die notion vom gesunden Menschenverstand oder, wie die Amerikaner sagen, common sense.

➞ Aktionen vs. Worte

★ Aktionen vs. Worte, Talk is cheap, Walk the talk

Matthäus 7:15–20, Lukas 6:43–45, die Pharisäer

»Es ist nicht alles Gold, was glänzt« — Volksmund
»Taten sagen mehr als Worte« — Volksmund

Menschen reden viel, was zählt ist aber, was sie machen. Dies muss man bei allen Entscheidungen berücksichtigen. Zumindest langfristig kann man so ziemlich gut zwischen wirklichen Performern und Schaumschlägern unterscheiden.

➞ Attitude behavior gap
➞ Theorie vs. Praxis

Attitude behavior gap, Value action gap

Corporate Social Psychologie, Experimente, Umfragen, Social desirability bias,
Dieses Modell habe ich in der CSR-Veranstaltung im Master in Mannheim gelernt. Wenn man Menschen fragt, wie wichtig ihnen Umweltschutz oder vergleichbare Themen sind, sagen fast alle, dass es »sehr wichtig« sei. Das ist die attitude. In der Realität, also anders als auf dem Papier, verhalten sich die meisten Menschen dann aber anders. Plötzlich ist Umweltschutz nicht mehr ganz so wichtig. Das ist das behavior. Zwischen diesen beiden gibt es eine große Lücke. Das erinnert an das vorherige Modell: Taten sagen mehr als Worte.

➞ Aktionen vs. Worte

Done ist better than perfect, Minimum Viable Product, Imperfectionism, Satisficing vs. Maximizing

Facebook, Stephen Guise, Macher,
Viele Ingenieure planen und planen, um ein möglichst perfektes Produkt zu entwickeln. Oft es ist aber besser, ein einfaches, aber funktionierendes Produkt (MPV) zu erstellen und dieses dann zu verbessern.

Dasselbe gilt zum Beispiel für Workouts: ein gutes Workout ist besser als ein perfekt geplantes, das man dann nicht macht. Zu viel Planen führt zu nichts, es ist oft besser, einfach anzufangen. Anders formuliert: In Schönheit sterben bringt nichts.

➞ Aktionen vs. Worte


SYSTEME

Holistisch, Emergenz, Emergence

Komplexe Systeme 
Systeme sind holistisch. Das bedeutet, sie sind mehr als die bloße Summe ihrer Einzelteile. Menschen sind auch holistisch: auf dem Papier besteht ein Mensch lediglich aus vielen Atomen unterschiedlicher Elemente — und doch ist ein Mensch weit mehr als das. Systeme sind holistisch, weil Teile miteinander in sehr komplexen Beziehungen stehen und interagieren.

➞ Einzelpersonen vs. Gruppen

Non-Linearität, Komplexität, Skalierung, scaling

Komplexe Systeme 
Wir versuchen die Welt in einfachen kausalen Beziehungen zu sehen: A ➞ B. Das aber ist naiv und falsch. Die Welt ist nur selten linear und es gibt viele Asymmetrien. Darüber hinaus ist die Welt unfassbar komplex. Dasselbe gilt für kleinere Subsysteme. Ein Auto mit 200 PS fährt nicht doppelt so schnell, wie ein Auto mit 100 PS. Vielmehr sorgt der Luftwiderstand dafür, dass Geschwindigkeit nicht linear mit den Pferdestärken korreliert. Metallische Legierungen, die plötzlich ganz andere Eigenschaften als die beiden Ausgangsmaterialien haben, sind ein weiteres Beispiel dafür, dass die Welt nicht linear ist und komplex skaliert. Wir leben zu Teilen in Mediocristan, zu anderen Teilen in Extremistan. Skalierungen von Systemen können linear, exponentiell, logarithmisch, binär (siehe Schwellenwert), mit einer Mischung daraus erfolgen und natürlich auch chaotisch erfolgen.

➞ Break point
➞ Tipping point
➞ Potenzgesetze
➞ Einzelpersonen vs. Gruppen
➞ Aktivierungsenergie

Statisch vs. dynamisch, Absolut vs. relativ, Zustand vs. Änderung

Komplexe Systeme 
Wir müssen vorsichtig sein, wenn wir von statischem Beobachten, absoluten Werten und Zuständen ausgehen — denn die Welt ist ständig in Bewegung, steht nie still. Daher gilt es, immer auch einen Blick auf die Dynamiken zu werfen: ein Sprinter, der großen Vorsprung hat, aber gerade stolpert, wird das Rennen nicht gewinnen. Research in Motion (Blackberry) hatte 2011 den höchsten Umsatz der Unternehmensgeschichte — nur um in weniger als einem Jahrzehnt komplett irrelevant zu werden. Die Momentaufnahme allein ist in den meisten Fällen nicht aussagekräftig.

Der Matthäus-Effekt, Paretoprinzip, Asymmetrie, Aufwärtsspirale

Joseph Juran, Vilfredo Pareto, Mt 25,29

»Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.« — Mt 25,29

Wer kennt es nicht, das Paretoprinzip. Überall hört man von »80–20«. Daher möchte ich hier nicht weiter detailliert darauf eingehen. Das Paretoprinzip ist ein sehr gutes Beispiel für Asymmetrie. Der Matthäus-Effekt schlägt in dieselbe Kerbe: Wer Erfolg hat, wird noch mehr Erfolg haben — man befindet sich in einer Aufwärtsspirale. Eine Studie, die bereits oft zitiert wurde, wird nur noch mehr zitiert werden.

➞ Potenzgesetz
➞ Lindy effect

Bottlenecks, Flaschenhals, Weak links

Teamsport, Produktion
Jedes System hat unterschiedliche Bestandteile und die Qualität dieser Bestandteile bestimmt darüber, wie gut das System als Ganzes funktioniert. Ein Fußballteam, z. B. Bayern München oder der Liverpool FC, kann mit noch so vielen Stars bespickt sein — wenn der Torwart patzt, verliert das ganze Team. Auch in Produktionsprozessen kennt man dieses Phänomen als bottleneck. Bottlenecks können die Performance von Systemen deutlich beeinflussen. Deshalb tut man gut darin, sie schnell ausfindig zu machen und zu fixen. Justis von Liebig hat dieses Prinzip in der Landwirtschaft entdeckt und vom „Prinzip des Minimums“ gesprochen. Wenn ein Pflanzennährstoff, etwa Stickstoff, fehlt, bringt es gar nichts, mit noch mehr Phosphat und Kali zu düngen.

Algorithmus, Funktionen, Von-Neumann-Architektur, EVA-Prinzip

John von Neumann, Ray Dalio
Die Von-Neumann-Architektur beschreibt die Eingabe, Verarbeitung und Ausgabe von Daten von Computern. Sie ist natürlich nicht direkt dasselbe wie ein Algorithmus, doch das zugrundeliegende Prinzip ist gleich: Aus einer Menge an Input wird durch eine Form von Verarbeitung ein Output erzeugt. Selbiges gilt für mathematische Funktionen. Ray Dalio, der bekannte Hedgefonds-Manager und Autor des sehr empfehlenswerten Buches Principles schlägt vor, alle Entscheidungen in Form von Algorithmen zu modellieren.

➞ Garbage In, Garbage Out, GiGO

Garbage In, Garbage Out (GiGO)

Programmierung, Datenauswertung
Auch dieses Konzept stammt aus der Informatik. Aus schlechten Input (garbage in) kann kein guter Output (garbage out) generiert werden. Das Ergebnis von Studien ist nur so gut, wie die verwendete Methodik zur Datenerfassung.

Netzwerkeffekte,Network effects

Google, Amazon
Netzwerkeffekte treten dann auf, wenn in einem Netzwerk der Wert des Netzwerks mit der Anzahl der Nutzer desselben steigt. Wenn nur zwei Menschen auf der Welt ein Telefon haben, dann stiftet das nur bedingt Nutzen. Sind es hingegen zwei Milliarden, dann steigt der Nutzen enorm. Besonders deutlich sieht man das bei sozialen Netzwerken, die erst dann attraktiv sind, wenn viele Nutzer dabei sind. Und wenn viele Nutzer dabei sind, kommen noch mehr Nutzer dazu.

➞ The-Winner-takes-it-all-Effekte
➞ Matthäus-Prinzip
➞ Potenzgesetze

Tipping Point, Bandwagon effectTrends

Malcolm Gladwell, soziale Epidemien, Kim Kardashian, Kylie Jenner
Der Tipping Point beschreibt den Punkt, an welchem eine Epidemie nicht mehr aufzuhalten ist: »the moment of critical mass, the threshold, the boiling point«. Das gilt nicht nur für Epidemien im klassischen Sinne, sondern auch social epidemics, wie Gladwell sie nennt.

Der Bandwagon effect, wenn auch konzeptionell nicht ganz identisch, ist mit dem Tipping Point verwandt: Auf den bandwagon aufspringen, bedeutet einem Trend zu folgen. Und das passiert gemäß social proof dann, wenn viele andere es auch tun — mithin der Tipping Point erreicht ist.

➞ Influence: Social Proof
➞ Netzwerkeffekte

The-winner-takes-it-all-Effekte

Amerikanisches Wahlsystem, Champions League, Jahrgangsbester
The-winner-takes-it-all-Effekte sind eine starke Form von Asymmetrie, sozusagen das Paretoprinzip on steroids. Man findet sie im amerikanischen Mehrheitswahlrecht, aber auch im digitalen Umfeld. Die Google-Suche, Google Maps und PDFs sind ein gutes Beispiel hierfür.

➞ Paretoprinzip
➞ Netzwerkeffekte
➞ Matthäus-Prinzip

Fragil — Robust — Antifragil

Nassim Taleb
In seinem Buch »Antifragilität« beschreibt Tale selbiges Konzept. Etwas, das fragil ist, wird durch Risiko und Stress (z. B. physischer Schock) zerstört, sobald der breaking point erreicht ist. Die Beziehung zwischen Schock und Zerstörung ist dabei nicht linear. Der menschliche Körper ist fragil, d. h. physischer Stress führt ab einem gewissen Punkt zur Zerstörung. Ein Sprung aus einem Meter Höhe reicht dafür noch nicht, aber ein Sprung aus 20 Metern endet fast immer tödlich. Etwas das robust ist, kann diesem externen Stress standhalten.

Das Gegenteil von Fragilität ist Antifragilität. Es ist mehr als robust: es profitiert von externem Stress. Der Löwenzahn, die Pusteblume ist ein Beispiel hierfür. Beispiele aus der Mytholgie:

  • Fragil: Schwert des Damokles
  • Robust/Resilient: Der Phönix
  • Antifragil: Die Hydra

Der Schwarze Schwan, Black swan, Fat-tailed distributions, Mediocristan vs. Extremistan

Nassim Taleb, Extremistan, »Sei kein Truthahn«
Früher dachte man, es gäbe nur weiße und graue Schwäne — wieso sollte es auch einen schwarzen Schwan geben, man hat ihn ja noch nie gesehen? Dann hat man einen schwarzen Schwann in Australien entdeckt. Schwarze Schwäne sind Ereignisse, die sehr selten vorkommen, aber einen immens großen Einfluss haben. Der 11. September war ein schwarzer Schwan. Die globale Finanzkrise, ausgehend von der Pleite von Lehmann Brothers, ebenso. Schwarze Schwäne lassen sich unmöglich vorhersehen. Aber sie tauchen immer wieder wie aus dem Nichts auf — ob wir wollen oder nicht. Taleb schlägt vor, Antifragilität zu entwickeln, um uns vor schwarzen Schwänen zu schützen.

➞ Schmetterlingseffekt
➞ Antifragilität

Schmetterlingseffekt, Butterfly effect, Chaostheorie

Edward Lorenz, Wetter, Jurassic Park
Geprägt hat den Begriff des Schmetterlingseffekts der US-Meteorologe Edward Lorenz: könnte ein Schmetterlingsflügel in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen? Das mag auf den ersten Blick weit hergeholt erscheinen, aber wir müssen uns eins verdeutlichen: die Welt ist noch weit komplexer, als wir annehmen. Kleine Änderungen hier führen zu großen Änderungen da. Oft sind diese Änderungen nicht linear, sondern sind exponentieller oder logarithmischer Natur.

➞ Der Schwarze Schwan, Black swan, Fat-tailed distributions
➞ Unknown unknowns

Lindy-Effekt, Lindy proof, Lindy compatible, Kanon, Evergreens

Albert Goldman, Nassim Taleb, Mozart, Musik, Pfeil und Bogen
Der Lindy-Effect besagt folgendes: etwas ist Lindy proof wenn ein Fortbestehen mit zunehmendem Alter immer wahrscheinlicher wird. Was Lindy proof ist, ist damit auch zu einem gewissen Grad antifragil. Ein Buch, das bereits seit 100 Jahren gelesen wird, wird vermutlich auch in 100 Jahren noch gelesen werden. So beschreibt Taleb den Lindy-Effekt. Verwandt damit sind Evergreens in der Musik. Mozart hört man mit Sicherheit auch noch in 100 Jahren. Dasselbe gilt für: Seneca, Shakespeare, Mozart, Pizza, Milch.


MANAGEMENT

Doppelte Buchführung, Double-entry bookkeeping

Luca Pacioli, Big Four
Die doppelte Buchführung mit Soll und Haben, Aktiva und Passiva hat gegenüber der einfachen oder kameralistischen Buchführung erhebliche Vorteile, weshalb sie weltweit eingesetzt wird. Jedem Vermögensgegenstand auf der Aktivseite steht eine Quelle auf der Passivseite gegenüber. Entweder ist diese Quelle Eigenkapitel des Unternehmens oder eine Verbindlichkeit. Diese Aufteilung ist MECE.

➞ MECE

Zins, Zinseszins, 72er Regel

Banken, ETFs, Investments, Compounding, Josephspfennig
Zinsen wachsen nicht linear, sondern exponentiell an. Das ist der Zinseszins. Mit der einfachen 72er Regal kann man, unabhängig vom angelegten Betrag, leicht abschätzen, wann sich ein Investment verdoppelt. Das ist der Fall, wenn das Produkt aus Zinssatz in Prozent Mal angelegte Jahre 72 (zwischen 70 und 75) ergibt. Bei einem Zinssatz von 7 % dauert es also etwa 10 Jahre, bei einem Zinssatz von 2 % dauert es in etwa 36 Jahre. Deshalb ist es von erheblicher Bedeutung, wieviel Gebühren man zum Beispiel bei einem Fonds jährlich „abdrücken“ muss. Ob ein oder zwei Prozent im Jahr — das scheint nicht viel auszumachen. Doch auch hier schlägt der Zinseszinseffekt zu und führt mit den Jahren zu einer ganz erheblichen Verschlechterung der Rendite — allein wegen der ein Prozent höheren Gebühren.

➞ Potenzgesetze
➞ Barwert, NPV

Zeitwert des Geldes, Time value of money, Barwert, Net Present Value (NPV), Sunk costs, Discounted Cash Flow (DCF)

Private Equity, Investmentbanking, Unternehmensbewertung
Das Konzept des Barwerts, kurz NPV, ist eines der wichtigsten in der BWL. Der Barwart ist der abgezinste Wert zukünftiger Zahlungsströme. Er erlaubt so die Vergleichbarkeit verschiedener Investments. Die Abzinsung erfolgt mit einem Zinssatz, der das Risiko eines vergleichbaren Investments widerspiegelt. Der NPV ist ein gutes Vergleichsmittel hat aber auch verschiedene Schwächen, die man beachten muss.

Sämtliche Kosten, die in der Vergangenheit liegen, werden beim NPV-basierten Berechnungsmethodennicht berücksichtigt, denn sie sind sunk costs, also versunken. Auch wenn ein Projekt bereits 5 Millionen Euro gekostet hat, aber einen NPV von -3 Million Euro aufweist, dann geht man es — als rationaler Entscheider — nicht ein, auch wenn es heißt »wir haben ja schon so viel investiert, jetzt müssen wir das Projekt auch abschließen…« Das drückt sich in der Volksweisheit aus, dass man schlechtem Geld kein gutes hinterherwirft.

➞ Potenzgesetze

Effektivität & Effizienz

Management-Bingo
Diese beiden Konzepte werden oft verwechselt, dabei meinen sie unterschiedliches. Etwas ist effektiv, wenn es den gewünschten Effekt erzielt, also Wirkung entfaltet. Etwas ist effizient, wenn es dabei so wenig Aufwand wie möglich erfordert. Da auf vielen Folien im Mannheimer BWL-Bachelor die Rede von »effectively and efficiently« ist, nenne ich die beiden scherzhaft die »Mannheimer Es« (Sie eignen sich gut zum Bullshitten).

Wert vs. Preis (Value vs. price), Value-Pricing, Arbitrage

Baltasar Gracián, Value Investing

»Was viel wert ist, kostet viel; ist doch das edelste Metall das schwerste.« — Baltasar Gracián

Nicht alles ist so viel wert, wie es kostet. Und für verschiedene Akteure, hat ein und dieselbe Sache einen unterschiedlich hohen Wert. Wert und Preis korrelieren zwar zu einem gewissen Grad miteinander, aber eben nicht perfekt. Daher gibt es in jedem Markt immer wieder die Möglichkeit, diese Disparität auszunutzen. Das nennt man Arbitrage. Nichts anderes nutzt Buffet, wenn er für Aktien, also Unternehmensanteile, weniger bezahlt, als sie intrinsisch Wert sind (intrinsic value vs. market value).

Auch das Value-Pricing, eine Pricing-Methode, die am ehesten zu Profit führt, nutzt diesen Mechanismus. Wenn Apple ein iPhone mit 64 GB für 800 € anbietet und eines mit 256 GB 900 € kostet, dann ist das Value-Pricing. Für den Kunden sind die zusätzlichen 192 GB Speicherplatz 100 € wert (denn sie liefern zusätzlichen Value). Apple hingegen bezahlt nur unwesentlich mehr für einen 256-GB-Speicherchip im Vergleich zum 64-GB-Speicherchip und nutzt die Wert-Preis-Disparität sehr klug aus.

➞ Prospect Theory, Endowment effect

Influence: Reciprocity, Commitment, Social Proof, Authority, Liking, Scarcity

Robert Cialdini, Catch Me If You can, Vertriebler, Staubsaugervertreter
In seinem Weltbestseller »Influence«, der seit jeher Teil von MBA-Programmen ist, beschreibt Cialdini sechs Techniken, die zur Überzeugung genutzt werden. Sie alle fußen auf fundamentalen Prinzipien der menschlichen Psyche und funktionieren daher auch heute noch. Die sechs Techniken sind:

  1. Reciprocity: »Wie du mir, so ich dir«, Werbegeschenke; aber auch im Negativen (»Auge um Auge«, Ex 21,23–25)
  2. Commitment/Consistency: »Kostenlose Probe-Angebote«, Demos, Shareware (macht sich die Vermeidung kognitiver Dissonanz zu nutze, Ben Franklin effect)
  3. Social Proof: »Bereits 10.000 zufriedene Kunden« oder »Bestseller«
  4. Authority: »Von führenden Medizinern empfohlen«
  5. Liking: Freundlichkeit, Höflichkeit
  6. Scarcity: »Nur noch 9 Stück vorhanden«

➞ Kognitive Dissonanz
➞ Altruismus: reciprocal
➞ Ben Franklin effect

Shareholder & Stakeholder

Jack-Welch-Management, Greenpeace, NGOs
Shareholder sind Aktionäre — Stakeholder all diejenigen, die Entscheidungen einer Organisation treffen oder von diesen betroffen sind, also Manager, Angestellte, Shareholder, Anwohner, die Allgemeinheit. Früher orientierte man sich nur an den Shareholdern, heute gilt es, alle Stakeholder bei Entscheidungen zu berücksichtigen.

Balanced Scorecard

Amerikanisches Management, Horváth & Partners in Europa
Die Intention der Balanced Scorecard ist es, ein holistischeres Bild eines Unternehmens zu zeigen, als es durch reine finanzielle Kennzahlen (KPIs) möglich ist. Es gibt vier Dimensionen: Finanzen, Kunden & Stakeholder, interne Prozesse, Lernen & Wachstum.

Brand equityMarken

Coca Cola, BMW, Ferrari, Versace, Luxusmarken
Marken haben einen großen Einfluss darauf, wie wir Entscheidungen treffen. Brand equity ist die Konzeptualisierung dieses Effekts. Ein Logo auf einem T-Shirt kann dessen Preis um ein Vielfaches vergrößern. Das gilt insbesondere auch für Wasser: Evian und VOSS sind hier ein sehr gutes Beispiel. Der Effekt des Brand values, von Marken allgemein, wird beim Value-Pricing ausgenutzt. Starke Marken wie Coco-Cola, Star Wars und Google können so im Vergleich zu Unternehmen mit weniger starker Marke ein premium verlangen, also letztlich höhere Preise am Markt durchsetzen.

➞ Wert vs. Preis, Value-Pricing

Red Ocean & Blue Ocean

Chan Kim, Renée Mauborgne, INSEAD, Nische
Der rote Ozean ist rot, weil es dort so viele Haie gibt. Mit dem roten Ozean ist das klassische, hoch kompetitiven Marktumfeld gemeint, in dem die meisten Unternehmen agieren. Ein blauer Ozean dagegen ist eine eigene Nische mit einem Produkt oder Service, der dort friedlich Profite erwirtschaftet. Beispiele für den Blue Ocean sind: Cirque du soleil, Nintendo Wii, Apple. Der Schwabe spricht in diesem Zusammenhang übrigens nicht von einem blauen Ozean, sondern von einer „gemähten (grünen) Wiese“, wenn man in einem Umfeld agiert, in dem einem eigentlich niemand in die Quere kommen kann und es eben läuft, wenn man sich nicht ganz blöd dranstellt.

➞ Nische

4 Ps des Marketing (Marketing-Mix), 7P des Marketing

Marketing, Service Marketing
Das klassische Marketing kennt die 4 Ps: Product, price, promotion, place. Für das Service-Marketing wird dieses Framework um drei weitere Ps ergänzt: Processes, people und physical evidence. Diese Einteilung ist weitgehend MECE, auch wenn es natürlich Interdependenzen gibt. Die 4/7 Ps helfen, systematisch den Marketing-Mix zu bestimmen.

➞ MECE

Porter’s 5 Kräfte, Porter’s Five Forces

Michael Porter, Management-Bingo, Strategie
Porter’s Five Forces sind ein staple an jeder Business-School. Die meisten Studenten sind davon schon genervt, was aber nichts an der konzeptionellen Eleganz dieses Management-Tools ändert. Die fünf Kräfte, die laut Porter den Wettbewerb definieren, sind:

  1. Verhandlungsmacht der Lieferanten (suppliers)
  2. Verhandlungsmacht der Kunden (customers)
  3. Bedrohung durch neue Wettbewerber (new entrants)
  4. Bedrohung durch Ersatzprodukte (substitute products)
  5. Wettbewerbsintensität in der Branche (direct competition)

Die Nutzung der 5 Kräfte hilft einen holistischen Blick auf die aktuelle Situation eines Unternehmens zu werfen. Die Aufteilung ist auch MECE-konform.

➞ MECE

Long-tail-Prinzip, ABC-Produkte

Amazon
Das Paretoprinzip gilt für klassische Geschäfte: Etwa 20 % der Produkte sind für etwa 80 % des Umsatzes verantwortlich. Das Long-tail-Prinzip kehrt das Paretoprinzip um. Während es früher nur eine geringe Anzahl an Hits und Mainstream-Produkten gab (weil sich Nischenprodukte schlecht offline verkaufen lassen), gibt es heute dank Amazon eine Vielzahl von Nischenprodukten im long tail.

➞ Potenzgesetze
➞ Paretoprinzip
➞ Nische


WIRTSCHAFT

Angebot und Nachfrage, Supply and demand

Das wohl bekannteste Konzept der VWL ist das von Angebot und Nachfrage. Auf der Angebotsseite stehen die Unternehmen, auf der Nachfrageseite die Kunden. In einem Markt wird sich zwischen diesen beiden Kräften ein Gleichgewicht herausbilden. Dieses Marktprinzip gilt nicht nur für wirtschaftliche Transaktionen, sondern in vielen anderen Bereichen des Lebens, zum Beispiel in der Partnersuche.

Die unsichtbare Hand, Invisible hand

Adam Smith

»He intends only his own gain, and he is in this, as in many other cases, led by an invisible hand to promote an end which was no part of his intention. … By pursuing his own interest he frequently promotes that of the society more effectually than when he really intends to promote it« — Adam Smith

Adam Smiths unsichtbare Hand ist die Metapher für die Effektivität und Effizienz von Märkten. Wenn jeder seinen Nutzen optimiert, dann entsteht ein optimiertes System. Die einen stimmen mit Smith über ein, die anderen glauben nicht an die unsichtbare Hand. In Deutschland gibt es die soziale Marktwirtschaft — einen Mittelweg.

Opportunitätskosten, Alternativkosten, Verzichtskosten

Eines der ersten Konzepte der VWL, das ich in meinem Studium gelernt habe, ist das der Opportunitätskosten. Es ist ein einfaches und elegantes Konzept, das weitreichende Auswirkungen hat. Opportunitätskosten sind die Kosten des entgangenen Nutzens (Gewinns). Wenn man sich für A statt für B entscheidet, dann verzichtet man implizit auf den Nutzen von B. A kostet also so viel, wie einem B an Nutzen stiften würde. Wenn man für einen kostenlosen Burger eine halbe Stunde lang ansteht, dann ist der Burger nicht kostenlos — man zahlt vielmehr mit einer halben Stunde Lebenszeit, die man für andere schöne Dinge oder auch zum Geld verdienen nutzen könnte, um sich dann fünf Burger zu kaufen.

➞ Free lunch

Free lunch, TANSTAAFL, »There is no such thing as a free lunch«

Robert Heinlein, Milton Friedman

»There ain’t no such thing as a free lunch« — Robert Heinlein

Auch dieses Konzept habe ich gleich zu Anfang meines Studiums gelernt: Nichts im Leben ist kostenlos. Man zahlt für alles einen Preis. Das ist der Kern dieses mentalen Models. Ist etwas kostenlos, so zahlt man dafür doch die entstehenden Opportunitätskosten.

➞ Opportunitätskosten

Skaleneffekte, Economies of scale

Produktion, Fabriken
In der BWL wird zwischen Fixkosten und variablen Kosten unterschieden. Die variablen Kosten beschreiben dabei die (zusätzlichen) Kosten, die für die Produktion einer (weiteren) Einheit eines Guts benötigt werden. Die Fixkosten, z. B. die Kosten für die Fabrik und die Maschine, fallen unabhängig von der produzierten Menge an (in Wahrheit sind langfristig alle Kosten variabel, aber das ist eine andere Sache). Wenn man mehr produziert, so verteilen sich die Fixkosten auf mehrere produzierte Einheiten — die Durchschnittskosten pro Einheit senken also. Ist dies der Fall, spricht man von Skaleneffekten.

Skaleneffekte findet man in der klassischen Industrie, z. B. bei der Produktion von Autos. Noch deutlicher ist der Effekt der Skaleneffekte aber im digitalen Bereich. Denn hier gibt es variable Kosten nicht oder sie sich verschwindend gering. Eine Datei kann beliebig oft kopiert werden.

Verbundeffekte, Economies of scope

Verbundeffekte sind mit den Skaleneffekten verwandt und werden oft verwechselt. Stellen wir uns auch hier eine Fabrik vor. In dieser Fabrik kann man nicht nur den Golf, sondern auch den Passat bauen. Das ist ein Verbundeffekt.

Tragik der Almende, Tragedy of the commons

Überfischung der Weltmeere, Raubbau, Teufelskreis
Ein Gut, das der Allgemeinheit zur freien Verfügung gestellt wird, wird übernutzt. Das ist die Tragik der Almende. Eine Wiese, die ein ganzes Dorf zu Weide benutzen darf, wird übernutzt werden: zu viele Kühe werden dafür sorgen, dass die Nährstoffe verbraucht werden. Bei privater Nutzung würde der Bauer darauf achten, die Wiese hinreichend zu schonen. Analog gilt das für öffentliche Toiletten, Umweltverschmutzung und viele andere Themen.

Es handelt sich um Anreizproblem, denn denn die durch Übernutzung entstehenden Kosten oder Verluste werden von anderen getragen. Man hat demnach nur bedingt skin in the game, da man das Risiko (downside) für die Übernutzung kaum trägt. Bewirtschaftet man eine Wiese alleine, so trägt man auch das komplette Risiko (die komplette downside) — man hat also skin in the game.

➞ Skin in the game
➞ Incentives
➞ Abnehmender Grenznutzen
➞ Rückkopplung

Anreize, Incentives

Vertrieb, Provision
Menschen (und auch Tiere) reagieren auf Anreize. Das ist einer der wesentlichen Grundsätze der Mikroökonomie. Anreize funktionieren. Wir wissen, dass Geld ein großer Anreiz ist. Deshalb funktionieren Rabattaktionen auch so gut (zumindest dann, wenn das Ziel ist, den Umsatz zu erhöhen).

Naturgemäß etstammt ein großer Anteil der Anreize der biologischen Natur des Menschen — seit Jahrtausenden gilt: »Sex sells«.

Prinzipal-Agent-Theorie, Moral hazard, Adverse selection, Informationsasymmetrie

Arbeitnehmer, gebrauchte Autos, Versicherungen
Wenn ich (Prinzipal) ein gebrauchtes Auto kaufe, dann weiß der Verkäufer (Agent) mehr über dessen Eigenschaften, als ich. Er wird mir versteckte Mängel gerne verschweigen, denn sie würden den Preis, den ich zu zahlen bereit bin, reduzieren. Diese Informationsasymmetrie nennt man adverse Selektion.

Ähnliches gilt, wenn ich mich versichern möchte: die Versicherung (Prinzipal) weiß nicht um mein Risiko, denn das verschweige ich besser. Es versichern sich ja ohnehin eher die Menschen mit einem hohen Risiko (Agent), denn für die lohnt es sicher eher. Personen, die versichert sind, gehen ein höheres Risiko ein, denn sie tragen ja nicht die Kosten — das ist das moral hazard. Versicherte Personen haben kein skin in the game, tragen also nicht das Risiko ihrer Aktionen.

Alle Probleme dieser Art werden mit dem Principal-Agent-Modell dargestellt. Auch das Verhalten von Managern (Agent) und Stakeholder (Prinzipal) kann man mit damit erklären, z. B. debt overhang.

➞ Anreize
➞ Skin in the game

Komparativer Vorteil, Comparative advantage

David Ricardo
Der komparative Vorteil zeigt, dass Handel sich immer lohnt. Ein etwas moderneres Beispiel, das den komparativen Vorteil erklärt, ist folgendes: Ein Manager ist wahrscheinlich besser darin, seine Termine zu managen, als seine Sekretärin. Er ist aber um ein Vielfaches besser darin, Manager zu sein. Es macht also nur Sinn, wenn er das macht, was er am besten kann — das ist sein komparativer Vorteil. Nur Donald Trump hat dieses einfache Prinzip offenbar noch nicht verstanden und errichtet deshalb immer neue Handelshemmnisse wie Zölle.

Gefangenendilemma, Prisoner’s dilemma, Nash-Gleichgewicht, Nash equilibrium

Spieltheorie, Reinhard Selten, John Forbes Nash Jr.
Das Gefangenendilemma ist eines der bekanntesten Konzepte aus der Spieltheorie.

Zwei Gangster werden verhört.

  • Wenn sie beide auf schuldig plädieren, erhalten beide je 4 Jahre Strafe.
  • Wenn beide schweigen, erhalten beide je 2 Jahre Strafe.
  • Wenn einer der beiden aussagt, der andere aber schweigt, dann erhält der aussagende 1 Jahr, der schweigende 5 Jahre

Nun könnten sich die beiden Gangster — streetsmart wie sie sind — natürlich darauf einigen, dass beide schweigen — denn dann kriegen sie je nur zwei Jahre Strafe. Das tun sie auch. Da sie aber beide besonders clever sein wollen, versuchen sie den anderen hinters Licht zu führen — und sagen aus. Denn wenn der andere sich an die Abmachung hält, dann kommt der Aussagende mit einer Strafe von einem Jahr davon. Blöd nur: beide sagen aus, weil beide besonders clever sind, also kommen beide vier Jahre in den Knast.

Das ist das klassische Gefangenendilemma. Denn obwohl es ein Ergebnis gibt, bei dem beide besser abschneiden (beide schweigen), lohnt es sich individuell stets, auszusagen. Das ist, so sagt man, die dominante Strategie. Das entstehende Gleichgewicht ist ein Nash-Gleichgewicht. Spannend wird es, wenn man ein solches Spiel wiederholt. Gefangenendilemma gibt es nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis — und sie führen stets zu einem nicht optimalen Ergebnis.

Mr. Market

Ben Graham, Warren Buffet, Charlie Munger, Value Investing
Mr. Market ist eine Allegorie des großen Ben Grahams, den Warren Buffet als »my hero« bezeichnet. Mr. Market ist ein launiger Geselle, ein bisschen wie ein schlecht gelaunter Nachbar, der manchmal komische Dinge macht. Als Investor muss man das Verhalten des Mr. Market ausnutzen. Die Hypothese des effizienten Marktes widerspricht dem Konzept von Mr. Market: im perfekten Markt ist Mr. Market alle gleichgültig, denn alles ist ja effizient. Hier zeigt er keine Gefühle. Die oft sichtbare Irrationalität der Menschen deutet darauf hin, dass Mr. Market immer mal wieder Gemütsschwankungen haben wird — und die kann man immer wieder nutzen.

➞ Arbitrage

Erwartungsnutzen, Expected utility

Sankt-Petersburg-Paradoxon, Allais-Paradoxon
Der Erwartungsnutzen ist eine Erweiterung des Konzepts des Erwartungswertes. Hier wird nicht nur der value eines outcomes herangezogen, sondern die utility eines Ergebnisses. Der Erwartungsnutzen modelliert die Risiko-Präferenzen eines Entscheiders. Menschen können risikofreudig/risikoaffin, risikoneutral oder auch risikoscheu/risikoavers sein. Die Nutzenfunktionen sind dann jeweils konvex, linear und konkav.

➞ Abnehmender Grenznutzen
➞ Prospect Theory

Abnehmender Grenznutzen, Law of diminishing returns, Law of diminishing marginal utility, Sättigung

Essen, Geld, Düngen
Die meisten Dinge haben, so sagt man, einen abnehmenden Grenznutzen. Wer 30.000 € verdient, freut sich über eine Gehaltssteigerung auf 60.000 € mehr, als jemand der von 500.000 € auf 530.000 € kommt. Geld ist ein sehr gutes Beispiel für den abnehmenden Grenznutzen. Bei Essen ist es ganz genau so: ein Burger schmeckt gut, ein zweiter vielleicht auch noch, aber ab dem dritten Burger nimmt der zusätzliche Nutzen stark ab. Auch das erste kühle Pils schmeckt mit Abstand am besten. Dieses Konzept der Sättigung ist von fundamentaler Bedeutung in vielen Bereichen — immer da, wo Menschen konsumieren.

➞ Erwartungsnutzen

Prospect Theory, Endowment effect, Verlustaversion, Loss aversion, Framing effect,

Daniel Kahneman, Amos Tversky, Niccolò Machiavelli
Die Prospect Theory und alle damit einhergehenden Konzepte ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der Psychologie überhaupt. Kahneman hat hierfür den Nobelpreis in Wirtschaftswissenschaften erhalten.

Im Gegensatz zu Erwartungswert und Erwartungsnutzen, die beide eine Entscheidungskriterium im rationalen, positiven Sinne, also präskriptiv sind, ist die Prospect Theory eine deskriptive Methode, das heißt sie beschreibt, wie Menschen tatsächlich Entscheidungen treffen. Im Kern sagt sie aus, dass Verluste stärker schmerzen als Gewinne uns erfreuen (Loss aversion) und wir Verluste und Gewinne immer von einem Referenzpunkt aus beurteilen.

Der Endowment effect besagt, dass wir Dinge, die wir besitzen, mehr schätzen, als es rational gegeben wäre. Darum wollen wir auch oft, wenn wir etwas Gebrauchtes verkaufen, mehr, als viele Käufer dafür bereit sind zu bezahlen.

➞ Preis & Wert


PHILOSOPHIE & RELIGION

Gedankenexperiment

Das Konzept des Gedankenelements ist so alt wie das menschliche Denken an sich. Es stellt ein wichtiges Werkzeug dar, das uns erlaubt verschiedene Szenarien im Kopf durchzuspielen. Wir können dabei Überlegungen über die Einflüsse bestimmter Faktoren machen und Rückschlüsse für unsere Entscheidungen ziehen. Die viele der nachfolgenden mentalen Modelle sind im Kern Gedankenexperimente.

★ Platons Höhle, Platons Höhlengleichnis, Flatland, n-Dimensionen

Platon, Edwin Abbott Abbott,
Platons Höhlengleichnis ist eines der bekanntesten Gedankenexperimente der Antike. Eine vereinfachte Form lautet wie folgt. Man stelle sich vor, man wachse zeitlebens in einer dunklen Höhle auf. Dort ist man gefesselt. Das einzige was man sieht, sind Schatten. Diese Schatten werden vor einen an die Wand geworfen; sie entstehen durch ein Feuer und Personen, die durch die Höhle laufen. Mehr sieht man in seinem Leben nicht. Es gibt keine Dreidimensionalität, keine Farben. Nur Schatten vor einem an der Wand.

Nun legt man die Fesseln ab und verlässt die Höhle. Man sieht bunte Farben, Wälder und Seen — alles erscheint dreidimensional und ist wie unvorstellbar. Geht man nun in die Höhle zurück, so werden einem die anderen Höhlenbewohner kaum glauben. Es erscheint für sie schwer vorstellbar, dass es da noch mehr gibt.

In Flatland, leben die Quadrate und Linien in einer zweidimensionalen Welt. Nun versucht die Kugel dem Quadrat zu erklären, wie eine dreidimensionale Welt aussieht. Das Quadrat versteht es erst, wenn es zum Würfel wird.

Wie können wir Menschen uns n-Dimensionen vorstellen? Woher wissen wir, was wir nicht wissen? Die Dunkle Materie ist ein besonders krasses Beispiel für etwas, das wir nicht sehen, von dem uns die Astrophysiker aber sagen, dass es 95 % unseres Universums ausmacht! Generell helfen uns die Mathematik und die Naturwissenschaften, in „andere Dimensionen“ vorzudringen und auch Dinge außerhalb unserer Höhle „zu sehen“ oder zumindest begründet annehmen zu können, dass es sie dort gibt.

➞ Gedankenexperiment
➞ Circle of competence
➞ Unknown unknowns

Kategorischer Imperativ, Goldene Regel

Emmanuel Kant, Christentum, Judentum

»Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.« — Immanuel Kant

Der Kategorische Imperativ von Kant verlangt von Handlungen, dass sie folgende Eigenschaften aufweisen:

  1. Universalisierbarkeit: Die Handlung kann zum allgemeinen Gesetz werden
  2. Selbstzweckformel: Menschen sind immer an sich Zweck und werden nie als Mittel gebraucht
  3. Naturgesetzformel: Die Handlung kann zum allgemeinen Naturgesetz werden

Die Goldene Regel, die sich in zahlreichen Schriften der großen Weltreligionen wieder findet (nicht aber wortwörtlich im Koran), ist inhaltlich sehr ähnlich:

»Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.«

Die via negativa-Fassung, die Nassim Taleb als silberne Regel bezeichnet, lautet so:

»Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.«

➞ Deontologie, Pflichtethik

Konsequentialismus vs. Non-Konsequentialismus (Utilitarismus vs. Deontologie)

Emmanuel Kant, John Stuart Mill, Jeremy Bentham, Trolley problem
Es gibt zwei große ethische Strömungen: konsequentialistische und non-konsequentialistische. Der Utilitarismus ist eine konsequentialistische Ethik, das bedeutet, das Ergebnis einer Handlung ist entscheidend. Bei non-konsequentialistischen Ethiken — auch deontologische Ethiken genannt — zahlt nicht das Ergebnis, sondern die Intention einer Handlung: Handlungen wie Lügen oder Töten sind universell schlecht, gleich welches Ergebnis damit erzielt wird.

In manchen Situationen folgen Menschen dem Utilitarismus, in anderem einer deontologischen Ethik. Das wird am transplant/surgeon case (hier handeln die meisten deontologisch) vs. trolley problem (hier handeln die meisten konsequentalistisch) deutlich. Hier wird das Ganze auf Englisch erklärt (sehr spannend!); hier auf Deutsch.

➞ Effective truth
➞ Kategorischer Imperativ


STATISTIK & MATHEMATIK

Algebra, Gleichungen, Äquivalenzumformung

Mathematik, Physik
Gleichungssysteme sind unfassbar elegant: was links steht, ist äquivalent mit dem rechten Teil der Gleichung. Das ist immer so. Mit den Grundrechenarten kann man Gleichungen beliebig umformen. Ohne das Konzept der Gleichungssysteme wäre unsere Zivilisation heute nicht da, wo sie ist. Gleichungen findet man in nahezu allen nur denkbaren Bereichen: in der Versicherungsmathematik, im Fahrzeugbau, in der Informatik und der Statistik.

Potenzgesetze, Power laws

Mathematik, Finanzmathematik
Potenzgesetze beschreiben nicht-lineare Funktionen, Funktionen also, die für ein exponentielles Verhältnis von X und Y sorgen. Dadurch werden Effekte wie der Zinseszins möglich. Für den Menschen sind diese non-linearen Beziehungen intuitiv sehr schwer zu erfassen, wie Kahneman in »Schnelles Denken, Langsames Denken« demonstriert. Das menschliche Gehirn versteht lineare Größen wie Alter und Körpergröße; es kann allerdings intuitiv nur schwer nachvollziehen, wie jemand Milliardär wird — denn hier sind Potenzgesetze im Spiel. Einfache lineare Beziehungen versteht das System 1 (schnelles Denken) für komplexe exponentielle Beziehungen bedarf es System 2 (langsames Denken.

➞ Paretoprinzip
➞ Zinseszins, 72er Regel
➞ Netzwerkeffekte
➞ Zwei Systeme: Schnelles Denken, Langsames Denken

Erwartungswert, Expected value

Risikoberechnung, Finance, Poker, Expected Goals im Fußball
Der Erwartungswert ist das Produkt aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Wert (probability times outcome). Er gibt an, mit welchem Ergebnis im Mittel zu rechnen ist. Der Erwartungswert tritt selten genau ein, gibt aber bei einer Vielzahl von Situationen aber ein recht genaues Bild des zu erwartenden Ergebnisses. Die Schwächen des Erwartungswerts, etwa dass er kein Risikoverhalten modelliert, werden im Konzept des Erwartungsnutzens ausgebessert. Als deskriptives Modell hat dann allerdings die Prospect Theory den höchsten Erklärungswert, da sie zusätzlich loss aversion und den Referenzpunkt-Effekt beinhaltet.

➞ Thinking in Bets
➞ Erwartungsnutzen
➞ Prospect Theory

Größenordnung, Order of magnitude, Logarithmus

Kilo, Mega, Giga, Giga, Tera, Peta, Exa
Oft kann man Systeme schlecht im Detail beschreiben. Aber es besteht fast immer die Möglichkeit, eine Größenordnung anzugeben. Eine Größenordnung ist dabei der Faktor 10. 100 ist demnach eine Größenordnung über der 10. Die Angabe von Größenordnungen gleicht einer Heuristik, da sie einem dabei hilft, eine ungefähre Vorstellung von der Größe eines Effekts oder eines Systems zu machen. Journalisten haben mit Größenordnungen so ihre Probleme. Kaum eine Tageszeitung erscheint, in der nicht vereinzelt Größenordnungen falsch angegeben werden.

➞ Heuristik

Normalverteilung, Gauß-Kurve, Bell curve, Normal distribution

Carl Friedrich Gauss, Statistik, Mediocristan, System 1
Die Normalverteilung sieht aus wie eine Glocke. Sie ist, wenn sie keine fat tails aufweist — in Mediocristan beheimatet. Schwarze Schwäne gibt es hier nicht. Bei der Körpergröße ist das der Fall: es gibt keinen Menschen, der 5 m groß ist — in Mediocristan ist alles ruhig und geordnet und sauber um den Mittelwert verteilt. Dieses naive Konzept führt zur Unterbewertung von Risiken — dann treten die schwarzen Schwäne aus Extremistan auf, die man vorher gar nicht auf dem Schirm hatte.

Die Normalverteilung kennt nur zwei Parameter: den Mittelwert und die Standardabweichung. 50 % der Werte sind rechts des Mittelwerts, die anderen 50 % auf der linken Seite. Ein Sigma bedeutet eine Standardabweichung. Bei der Standardnormalverteilung befinden sich etwa ⅔ der Werte innerhalb einer Standardabweichung vom Mittelwert (je 34,1 % links und rechts). Dann aber flacht die Kurve ab. Bereits 95 % aller Werte befinden sich ± zwei Standardabweichungen — das heißt zwei Sigmas — vom Mittelwert entfernt. Wer rechts von drei Sigmas liegt, gehört zu den 0,1 %. Auch die Intelligenz ist normalverteilt. Deshalb ist ein IQ von 130 schon extrem selten — und längst nicht alle Kinder, deren Eltern von hochbegabten Sprösslingen ausgehen, sind tatsächlich hochbegabt.

➞ Schwarzer Schwan
➞ Six Sigma

➞ Intelligenzquotient

Das Gesetz der großen Zahlen, Law of large numbers, Law of small numbers (Faulty generalizations)

Statistische Signifikanz, Stichprobengröße, Outlier
Das Gesetz der großen Zahl bildet das Fundament der Statistik. Wenn ich einen perfekten Würfel 20 Mal würfele, dann kann es gut sein, dass eine »4« 5 Mal vorkommt (also mehr, als es der Erwartungswahrscheinlichkeit vermuten lassen würde). Doch wenn ich 100.000 würfele, dann wird die Wahrscheinlichkeit, eine »4« zu würfeln immer näher an die Erwartungswahrscheinlichkeit heranreichen. Aus genau diesem Grund bedarf es für eine hinreichend große statistische Signifikanz — je nach gewählten Signifikanzniveau oder α — auch einer entsprechend großen Stichprobe n.

Das Gesetz der großen Zahl besagt, via negativa, dass man Rückschlüssen, die auf wenigen Daten basieren — also ein kleines n aufweisen — skeptisch gegenüber sein sollte, da Outlier hier das Ergebnis deutlich verzerren können.

Satz von Bayes, Bayes’ theorem, Base rate, Bayesian updating, Conjunction fallacy

Thomas Bayes, Daniel Kahneman
Der Satz von Bayes hat mit bedingten Wahrscheinlichkeiten zu tun und erlaubt es uns, eine Ausgangswahrscheinlichkeit prior — die base rate — durch ein signal genauer zu bestimmen. Man erhält dann den posterior. Mit dem Satz von Bayes’ lassen sich falsch positive und falsch negative berechnen, wie in diesem Artikel und diesem dargestellt wird.

➞ Thinking in bets

★ Die Wissenschaftliche Methode, Scientific method

Humanismus
Wer etwas behauptet, muss es auch beweisen können. Das ist das Kernkonzept der wissenschaftlichen Methode. Wer etwas behauptet und einen Gegenbeweis fordert — getreu dem Motto: »Na dann beweis mir doch das Gegenteil!« — ist ein Scharlatan.

Die Wissenschaft funktioniert so: Man stellt eine Hypothese auf und versucht dann, sie zu beweisen. Gelingt einem dies unter Anwendung sauber Methoden, dann gibt es einen Erkenntnisgewinn. Findet dann aber ein Gegenbeweis statt, müssen die Bücher neu geschrieben werden. Vorsicht ist geboten, wenn einem der Beweis einer Hypothese nicht gelingt, denn dies beutetet nicht zwangsläufig, dass die Hypothese falsch ist.

Die Hypothese, die man beweisen will, heißt Alternativhypothese oder H1. Zum »Beweis« von H1 muss man die sogenannte Nullhypothese H0 verwerfen. Gelingt einem dies, dann gibt es einen statisch signifikanten Unterschied zwischen den Hypothesen und es liegt ein Effekt vor, der mit großer Wahrscheinlichkeit systematisch und nicht zufallsbedingt ist.

Korrelation vs. Kausalität, Cum hoc ergo propter hoc

Spurious correlations, Mierscheid-Gesetz
Wenn A mit B korreliert, bedeutet das, dass A eintritt wenn auch B eintritt (und umgekehrt). Die Korrelation wird über die Kovarianz bestimmt und ist definiert zwischen -1 und 1. Eine Korrelation von 1 bedeutet, dass eine perfekte lineare Beziehung zwischen A und B existiert. 0 bedeutet, dass keine Beziehung zwischen den beiden vorliegt und -1, dass B steigt, wenn A fällt. Werte dazwischen weisen auf einen geringeren Effekt hin: Eine Korrelation von 0.3 bedeutet, dass 30 % der Varianz erklärt werden kann.

Oft wird die Korrelation mit der Kausalität verwechselt; rote Autos sind schneller als silberne Autos, aber liegt das wirklich daran, dass sie rot sind oder gibt es einen anderen Grund? Wenn A und B korrelieren, heißt das nicht zwangsläufig, dass A für B ursächlich verantwortlich ist. Damit aus einer Korrelation eine Kausalität wird, müssen folgende vier Bedingungen erfüllt ein:

  1. A und B müssen unterschiedliche Konstrukte sein (distinct entities)
  2. Es muss eine Korrelation zwischen A und B vorliegen (association)
  3. Die Ursache muss zeitlich vor der Wirkung erfolgen (temporal precedence)
  4. Es gibt keine anderen Einflussgrund (eliminating other causal explanations)

Gerade der letzte Punkt ist schwierig zu prüfen. Es bedeutet, dass es kein C gibt, dass sowohl auf A als auch auf B einen Einfluss hat.

Regression zur Mitte, Regression to the mean

Sports Illustrated cover jinx
Regression zur Mitte bedeutet, dass sich Zahlen und Systeme langfristig an Mittelwert orientieren. Ein Beispiel: Ein Fußballverein, der ein Jahr weit überdurchschnittlich oberhalb der Erwartungen performt hat (Leicester City) wird im darauffolgenden Jahr wieder eine Performance zeigen, die näher am Mittelwert liegt. Die Tatsache, dass Leicester City in den Saisons nach der unerwarteten Meisterschaft wieder dort in der Liga stand, wo man es erwarten würde, beweist die Regression zur Mitte. Da wir Menschen alles logisch erklären wollen, können uns solche Ausreißer täuschen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn man ein Medikament nimmt und in den Tagen nach der Einnahme gesund wird. Wir können uns nicht sicher sein, ob das Medikament dafür kausal verantwortlich ist, oder ob der Körper einfach ganz natürlich wieder zum »normalen« Gesundheitszustand zurückkehrt.


PSYCHOLOGIE

Intelligenzquotient (IQ)

Jordan Peterson
Der Intelligenzquotient wird kontrovers diskutiert. Und doch unterscheiden sich Menschen teils erheblich in ihren kognitiven Fähigkeiten — und natürlich auch in vielen anderen Parametern wie Körpergröße und Persönlichkeit. Gewisse Berufe sind, so sieht man in diesem hochinteressanten Video von Jordan Peterson, nicht für jede Person geeignet. Es gibt keine andere Variable, die für sich genommen, Joberfolg so gut vorhersagt, wie der IQ. Das Konzept des IQ hilft einem — ähnliche wie die Big Five — sich selbst und andere Menschen besser verstehen zu können.

➞ Die Welt sehen, wie sie ist

Fluide vs. Kristalline Intelligenz

Raymond Cattell
Laut Cattell gibt es zwei Faktoren der generellen Intelligenz: fluide und kristalline. Ich stelle mir das immer ein bisschen wie bei einem Computer vor: die fluide Intelligenz ist die Taktung der CPU, die kristalline Intelligenz der Arbeitsspeicher. Je älter man wird, desto eher nimmt die fluide Intelligenz ab –da man aber viel Wissen, z. B. mentale Modelle als kristalline Intelligenz gespeichert hat — wird man im Alter tendenziell weiser. Je nach Forschung variiert das Alter, in welchem die fluide Intelligenz — ich stelle sie mir als brutale, harte, analytische Logik vor — ihren Höhepunkt erreicht.

Big Five (OCEAN), Big Five personality traits

Psychologie, Jordan Peterson
Ich halte das Konzept der Big Five für eines der wichtigsten überhaupt. Was die Hofstede-Dimensionen für Länder sind, sind die Big Five für Menschen. Sie erlauben es einem nicht nur, sich selbst und seine Persönlichkeit systematisch besser zu verstehen. Viel wichtiger ist vielleicht, dass sie es einem erlauben, besser nachzuvollziehen, warum Menschen manchmal ganz andere Ansichten haben als wir selbst. Denn die Big Five spielen eine große Rolle im Hinblick darauf, wie wir die Welt sehen. Ein kurzer Eintrag wie hier reicht natürlich nicht annähernd aus, um dieses so wichtige Konzept in Gänze nachvollziehen zu können. Deshalb rate ich jedem dazu, Jordan Petersons Videos zu den Big Five anzuschauen — dort gibt es viele faszinierende Insights!

Der Vollständigkeit halber hier eine Auflistung der fünf Dimensionen aus den Big Five mit den jeweiligen Unterdimensionen:

  1. Offenheit (Openness to new experience): Openness und Intellect
  2. Gewissenhaftigkeit (Conscientiousness): Industriousness und Orderliness
  3. Extraversion: Enthusiasm und Assertiveness
  4. Verträglichkeit(Agreeableness): Compassion und Politeness
  5. Neurotizismus (Neuroticism): Withdrawal und Volatility

Kognitive Dissonanz, Cognitive dissonance

Aesop, Leon Festinger, Ben Franklin

»Der Fuchs biss die Zähne zusammen, rümpfte die Nase und meinte hochmütig: „Sie sind mir noch nicht reif genug, ich mag keine sauren Trauben.“ Mit erhobenem Haupt stolzierte er in den Wald zurück.« — Aesop, Der Fuchs und die Trauben

Kognitive Dissonanz entsteht dann, wenn unsere bestehenden Entscheidungen, Handlungen oder Informationen mit Überzeugungen, Gefühlen oder Werten kollidieren. Wenn ich ein Auto kaufe (Entscheidung) und dann plötzlich feststelle (Gefühl Überzeugung), dass ich eine Schrottkarre am Start habe, dann entsteht dadurch ein Spannungszustand. Denn ich selbst habe ja die Kaufentscheidung getroffen. Um die kognitive Dissonanz abzubauen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann handeln (das Auto verkaufen) oder versuchen, die Überzeugung zu ändern, was oft der Fall ist: vielleicht ist die Karre ja nicht so schlecht. Und außerdem habe ich ja auch nicht sooo viel dafür bezahlt. Genau das ist es auch, was der Fuchs in Aesops Fabel macht, als er die Trauben — die zu hoch hängen — nicht erreichen kann. Eigentlich wollte er sie ja gar nicht, denn sie sind sauer. Der Fuchs mag keine sauren Trauben.

➞ Die Welt sehen, wie sie ist
➞ Zwei Systeme: Schnelles Denken, Langsames Denken
➞ Influence: Commitment/Consistency
➞ Ben Franklin effect

Der Elefant-und-der-Reiter, The Elephant and the Rider, Präfrontaler Cortex vs. Mesolimbisches System

Jonathan Haidt
In seinem sehr empfehlenswerten Buch »The Happiness Hypothesis« entwirft der New Yorker Professor Jonathan Haidt das Konzept des Elefanten und des Reiters. Diese beiden Akteure sind Teile unseres Gehirns. Der Reiter stellt dabei den rationalen Teil dar — die bewussten Denkprozesse –, während der Elefant das intuitive, triebhafte und emotionale Denken repräsentiert. Und wie der Reiter, sind auch wir Menschen nicht immer in der Lage, den Elefanten zu kontrollieren. Meistens funktioniert es, aber nicht immer. Diese Metapher zeigt in meinen Augen sehr schön, dass wir Menschen eben nicht — wie im Modell des homo oeconomicus vermutet — immer rational handeln. Trotz aller Intelligenz, die der präfrontale Cortex uns bietet, sind wir immer auch Säugetiere mit biologischen Bedürfnissen. Wenn wir Hunger haben, haben wir eben Hunger — dann hört der Elefant nicht mehr ganz so gut auf seinen Gebieter.

➞ Anreize
➞ Overconfidence bias

Zwei Systeme: Schnelles Denken, Langsames Denken

Daniel Kahneman
In seinem Weltbesteller mit dem gleichnamigenTitel unterscheidet Kahneman — einer der größten Denker unserer Zeit — zwischen schnellem Denken und langsamen Denken. Das sind die beiden Denkweisen, die unser Gehirn nutzt: Das schnelle Denken ist System 1, das langsame Denken System 2.

System 1 funktioniert durch Heuristiken, Bauchentscheidungen — es ist unser reptile brain und beheimatet in Mediocristan. Es versteht lineare Zusammenhänge und Konzepte wie Alter, Körpergröße und Gewicht — alles Dinge, die physisch leicht erfassbar sind.

System 2 ist das langsame System des präfrontalen Cortex, das mit Training auch in der Lage ist, komplexe non-lineare Zusammenhänge zu verstehen. Es fühlt sich — zumindest in Teilen, wenn man Denkfehler vermeidet und mentale Modelle nutzt — auch in Extremistan wohl und kann mit non-linearen Konzepten wie Zinseszins und abstrakten Ideen umgehen.

➞ Non-Linearität, Komplexität, Skalen
➞ Potenzgesetze, Power laws

★ Einzelpersonen vs. Gruppen, Peer pressure, Group think, Psychologie der Massen, Bystander effect, Herd mentality

Gustave Le Bon, Scientology, Sekten, Kriegsverbrechen, Teams, Gruppendynamik
Einzelpersonen und Gruppen verhalten sich völlig unterschiedlich. Das ist seit Menschengedenken bekannt. Vom Verhalten von Einzelpersonen auf das Verhalten von Gruppen zu schließen ist denkbar naiv. Menschen gleichen in dieser Hinsicht einem Bienenschwarm oder einem Ameisenhaufen: Die Untersuchung einer einzelnen Ameise oder Biene lässt wenig Rückschlüsse auf die Dynamiken des Schwarms zu, denn es gibt eine Interaktion zwischen den einzelnen Bestandteilen. Das nennt man holistisch oder emergent.

Wie Gruppen funktionieren, ist nicht hinreichend erforscht. Festzuhalten bleibt aber, dass Gruppen eigene Dynamiken entwickeln. Hier noch ein paar Beispiele von irrationalen Entscheidungen in Gruppen, die man bei einem Individuum nicht so erwarten würde:

  • Tätowierungen bei MEG AG mit dem Namenskürzel des Gründers
  • Die US-Sekten in den 70/80ern, wo kollektiv Selbstmord begangen wurde
  • Sämtliche indische Gurus; gute Case-Study hier ist Kumaré
  • Sämtliche militärische Operationen mit Korpsgeist
  • Scientology und andere Sekten

➞ Holistisch, Emergenz

Heuristiken

Gerd Gigerenzer: homo heuristicus, Nassim Taleb
Heuristiken sind mentale Abkürzungen, die Gebrauch des schnellen Denksystems (System 1) machen. Sie folgen keinem rationalen Entscheidungsprozess, sie sind vielmehr Bauchentscheidungen. Wäre Heuristiken nicht sinnvoll, wären Menschen, die sie nutzen, bereits ausgestorben. Gigerenzer spricht daher von der ecological rationality. Heuristiken machen sehr viel Sinn in einer Welt von Säbelzahntigern und Mammuts. In einer Welt von Steuererklärungen und Instagram sind sie allerdings nicht immer so vielführend. Es gibt eine Vielzahl von Heuristiken und Denkfehlern (einige sind in dieser Sammlung enthalten). Hier gibt es eine long list auf Wikipedia.

➞ Zwei Systeme: Schnelles Denken, Langsames Denken

➞ Lindy proof
➞ Evolution

Denkfehler, Kognitive Verzerrungen, Cognitive biases

Daniel Kahneman, Amos Tversky, Dan Ariely, Richard Thaler, Rolf Dobelli
Hier eine Liste mit den aus meiner Sicht wichtigsten Denkfehlern und Heuristiken, die man kennen und — noch wichtiger — bei seinen Entscheidungen beachten sollte:

Marshmallow-Effekt, Delayed gratification, Belohnungsaufschub, Frustrationstoleranz

Walter Mischel, intertemporale Entscheidungen, Diäten, Kraftsport, Erfolg
Das Marshmallow-Experiment ist mittlerweile eines der bekanntesten der Psychologie. Es geht wie folgt: Einem Kind wird ein Marshmallow angeboten. Wenn es allerdings ein paar Minuten wartet, dann gibt es statt einem Marshmallow sogar zwei! Die Kinder, die warten können, zeigen delayed gratification — und sind später erfolgreicher. Wer bereit ist zu investieren, erntet später mehr. Das gilt für Investments (hier macht man sich den Zinseszins zunutze) und natürlich auch für Diäten. Wer Frustrationstoleranz entwickelt, ist in der Lage, auf kurzfristigen Genuss zu verzichten, um langfristig mehr zu haben — sei es Geld, Erfolg oder sogar die finanzielle Freiheit mit Mitte dreißig.

➞ Effekte zweiten Grades
➞ Der Elefant-und-der-Reiter

10.000-Stunden-Regel, Deliberate practice

Malcolm Gladwell, Anders Ericsson, Robert Greene: Mastery
Die 10.000-Stunden-Regel — ich nenne sie die Gladwell’sche 10.000-Stunden-Hypothese — besagt, dass man 10.000 Stunden ernsthaft trainieren oder lernen muss, um in einem Gebiet die Weltspitze zu erreichen. Ernsthaft trainieren nennt Ericsson deliberate practice und unterscheidet sich von normalem Training insofern, als man sich konstante Herausforderungen setzt, mit dem Ziel stetig noch besser zu werden. Ein Konzertpianist der Weltklasse hat also mindestens 10.000 Stunden tägliches Üben hinter sich!

Erleben vs. Erinnern, Experience vs. memory, Peak-end rule

Daniel Kahneman

»Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist« — Volksmund

Was wir erleben und wie wir uns an das Erlebnis erinnern sind zwei Paar Schuhe. Ein Ergebnis kann wundervoll sein, wenn das Ende des Erlebten aber schlecht ist, wird auch unsere Erinnerung des Erlebnisses eine negative sein. Andersherum gilt es ganz genau so: Wenn man auf einem peak aufhört, ist die Erinnerung eine schönere. Das ist die peak ende rule. Der Volksmund hat das schon früh begriffen: wenn man einen Höhepunkt erreicht hat, kann es ja nur bergab gehen. Sportler, die ihre Karriere nach einem großen Titel beenden — mir fallen da Lahm und Zidane ein — sind clever, denn sie wissen: ab jetzt geht es nur noch bergab. Ganz anders erging es dem Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. 2014 als Weltmeister gefeiert, schied er mit seinem Team bei der WM 2018 schon in der Vorrunde aus.

Altruismus: Kin & Reciprocal, Warm glow

Blutspende, Organspende, soziales Engagement, Spenden
Warum sind Menschen altruistisch? Es gibt verschiedene Erklärungsansätze in der Psychologie. Warm glow bedeutet, dass sich altruistische Handlungen gut anfühlen — sind sie also doch egoistisch? Kin altruism bezieht sich auf Altruismus gegenüber Verwandten (i.S.v. Dawkins Selfish Gene), während reciprocal altruism in kleinen Gruppen anzufinden ist und vergleichbar mit »Wie du mir, so ich dir« ist (allerdings gibt es, anders als bei einem Tausch, keine 1-zu-1-Transaktion).

Fairness, Neid, Inequity aversion

Aristoteles, Rolex, Ferrari, Millionäre
Neid und Eifersucht sind bekannte menschliche Emotionen. Fairness ist ein Konzept, das ebenfalls vielen geläufig ist. Was, wenn ich sage, dass die beiden mehr miteinander zu tun haben, als auf den ersten Blick ersichtlich ist? Ist das Streben nach Fairness — auch als inequity aversion bekannt — nicht vielmehr eine Methode, um Neid zu vermeiden? Food for thought.

Neid hat zwei Voraussetzungen:

  1. Das Objekt der Begierde muss für uns eine Rolle spielen
  2. Die Person, die das Objekt besitzt, muss für uns relevant sein

Man ist nicht neidisch, wenn jemand etwas hat, das man gar nicht will. Und auf Menschen, mit denen man wenig zu tun hat, ist man auch weniger neidisch, als auf solche, die einem nahe stehen. Junge Menschen beneiden andere junge Menschen.

Placebo

Homöopathie, Rituale
Einer der robustesten Effekte der Medizin ist das Placebo. Wenn wir glauben, dass ein kleines Zuckerkügelchen einen gewissen Heileffekt hat, dann hat es den wahrscheinlich auch. Derselbe Heileffekt würde aber auch auftreten, wenn wir glauben würden, dass es hilft, bei Mitternacht unterm Vollmond zu tanzen. In beiden Fällen ist die Wirkung annähernd gleich groß. Ja, es gibt eine Wirkung, aber diese tritt nur durch den Glauben an selbige ein. Ein Placebo wirkt nur, wenn man daran glaubt. Deshalb funktionieren bei mir homöopathische »Medikamente« auch nicht mehr — wohingegen sie prächtig wirkten, als meine Mutter sie mir verabreichte, als ich noch klein war.


NATURWISSENSCHAFTEN

Hebelwirkung, LeverLeverage

Mechanik, Physik, Finanzinstrumente

»Gib mir einen Punkt, wo ich sicher stehen kann, [einen Hebel, der lang genug ist,] und ich bewege die Erde mit einer Hand« — Archimedes

Mithilfe eines Hebels kann man Gewichte bewegen, die um ein Vielfaches schwerer sind, als es ohne Hebel möglich wäre. Mit Hebeln werden große Gebäude und Brücken errichtet. Und auch im Investment-Bereich kann man mit Hebeln Großes erreichen — oder ein Vermögen verzocken. Bei Herausforderungen gilt es, die Stellhebel zu finden, die mit kleinem Aufwand den größtmöglichen Ertrag liefern.

➞ Effektivität vs. Effizienz
➞ Paretoprinzip

Aktivierungsenergie, Activation energy, Kritische Masse, Critical mass, Schwellenwert, Threshold

Reaktionen, Atombomben
Damit eine gewisse chemische Reaktion stattfinden kann, muss die sogenannte Aktivierungsenergie erreicht werden. Wird diese nicht erreicht, findet auch keine Reaktion statt. Damit ein Stück Holz brennt, also chemisch gesprochen der darin enthaltene Kohlenstoff oxidiert wird, ist ein bestimmte Temperatur erforderlich. Die Aktivierungsenergie ist insofern ein binäres, non-lineares Konzept. Das Konzept des Schwellenwerts oder der kritischen Masse bei einer Atombombe ist damit vergleichbar. Viele Systeme weisen keine linearen Beziehungen auf, sondern Dinge passieren, wenn ein bestimmter Schwellenwert erreicht ist — unterhalb dieses Wertes passiert nichts, und man sollte nur so viel Energie aufwenden, wie nötig ist, um den Schwellenwert zu erreichen, denn alles darüber ist verschwendete Energie und bringt nicht mehr Ertrag.

➞ Effektivität & Effizienz
➞ Tipping Point 
➞ Non-Linearität, komplexe Systeme

Trägheit, Inertia

Physik, Mechanik, Großunternehmen mit vielen Hierarchieebenen

»Ein ruhender Körper bleibt in Ruhe, wenn keine äußeren Kräfte auf ihn einwirken; auch ein in Bewegung befindlicher Körper bewegt sich mit konstanter Geschwindigkeit weiter, wenn keine äußeren Kräfte auf ihn einwirken.« — Leifi Physik

Der Trägheitssatz aus der Physik — wir sehen ihn oben — besagt, dass Körper in Ruhe bleiben oder sich weiterhin mit konstanter Geschwindigkeit bewegen (sofern keine Reibung auftritt). Nicht nur physische Systeme sind träge — das Konzept der Trägheit oder Inertia gilt insbesondere auch für Unternehmen. Wenn keine Kräfte nach vorne wirken, passiert mit dem Unternehmen auch nichts. Und da immer irgendwelche Kräfte wirken (Entropie, Rote-Königin-Effekt, Chaostheorie, »Die Konkurrenz schläft nicht«), muss man aktiv werden. Große Unternehmen mit vielen Tausenden an Mitarbeiten leiden oft unter Trägheit: Sie kommen nicht vom Fleck, da verstaubte und verkrustete Strukturen Kräfte blockieren, die mit großem Hebel (leverage) Energie freisetzten können.

➞ Status quo bias
➞ Entropie
➞ Rote-Königin-Effekt
➞ Chaostheorie
➞ Hebelwirkung

Gesetze der Thermodynamik, Entropie

Physik
Energie in geschlossenen Systemen wird von den Gesetzen der Thermodynamik beschrieben. Dies sind fundamentale Gesetze wie der Energie-Erhaltungssatz — die man nicht »austricksen« kann. Das Konzept der Entropie (Zweiter Hauptsatz der Thermodynamik) besagt, dass selbige innerhalb eines Systems steigt, wenn Wärme aufgenommen wird. Dies ist zum Beispiel für das Wasser eines Eiswürfels, der langsam schmilzt, der Fall. Mehr Entropie bedeutet mehr Chaos/Unordnung und mehr Komplexität.

Für mich ist das Konzept der Entropie ähnlich mit dem der Chaostheorie und auch mit dem Red-Queen-Effekt: es muss Energie aufgewendet werden, um den Status Quo beizubehalten — im Falle des Eiswürfels: es muss gekühlt werden, im Falle der bösen roten Königin: man muss weiter laufen, nur um Schritt halten zu können.

➞ Chaostheorie, Schmetterlingseffekt
➞ Red-Queen-Effekt

Rückkopplung, Feedback

Komplexe Systeme

»Simple causal reasoning about a feedback system is difficult because the first system influences the second and second system influences the first, leading to a circular argument. This makes reasoning based upon cause and effect tricky, and it is necessary to analyze the system as a whole.« — Karl Johan Åström

In der Physik bedeutet Rückkopplung, dass Ausgangsgrößen wieder als Eingangsgrößen ins System zurückgeführt werden. Rückkopplungen gibt es nicht nur in der Physik, sondern auch in vielen anderen Bereichen. Aus der Logistik fällt mir der bullwhip effect ein. Natürlich sind Netzwerkeffekte ebenfalls auf den Mechanismus der Rückkopplung zurückzuführen. Auch ein Börsencrash und Kettenreaktionen sind Beispiele für Rückkopplungsprozesse. Rückkopplungen können, wie im Falle des Börsencrashs negativer Natur sein, oder, wie im Falle des Matthäus-Effekts, eine positive Auswirkung aufweisen.

➞ Netzwerkeffekte
➞ Matthäus-Prinzip

Katalysatoren

Chemie, Automobiltechnik
Ein Katalysator leitet chemische Reaktionen oder erhält diese, reagiert aber selbst nicht. So funktioniert auch der Autokatalysator, der Schadstoffe in ungiftige Stoffe wie Wasser und Kohlendioxid umwandelt. Das Konzept des Katalysators kann man natürlich analog in andere Bereiche übertragen: Das Internet ist beispielsweise ein Katalysator für die Demokratie, da es freien Informationsaustausch ermöglicht.

Backup, Redundanz, Margin of safety, Options engineering

Warren Buffet, Bauingenieure

»Mehrere Eisen im Feuer haben« — Volksmund

Ursprünglich kommt das Konzept von Backups & Redundanz — wie viel andere — aus der Wissenschaft bzw. aus dem Ingenieurwesen. Sämtliche Systeme, bei denen menschliches Leben auf dem Spiel steht — Flugzeuge, Autoverkehr, Fahrstühle, Kraftwerke — haben ein oder oft sogar mehrere redundante Backup-Systeme, die die Sicherheit erhöhen. Das kann man sich ausrechnen. Angenommen eine Sicherheitsebene sorgt für eine Sicherheit von 90 %. Bauen wir eine zweite solche Ebene ein, dann erhöht sich die Sicherheit auf auf 99 %.

Unter Options engineering verstehe ich, dass man seine Entscheidungen so trifft, dass, auch wenn A nicht funktioniert, es einen Plan B gibt. Das sorgt dafür, dass man mit jedem Outcome gut leben kann. Dieses Konzept ist verknüpft mit Thinking in bets. Da vieles ein Numbers Game ist, bekommt man im Leben nicht immer die Wunschpräferenz. Also tut man gut daran, Entscheidungen so zu treffen, dass es ein Backup-System gibt. Wie mein Mannheimer Accounting-Professor Wüstemann immer zu sagen pflegte: »Redundanz schafft Sicherheit«.

Schrödingers Katze

Erwin Schrödinger, Quantenphysik
Schrödingers Katze ist eine bekannte Metapher aus dem Bereich der Teilchenphysik. Eine Katze sitzt in einem blicksicheren Käfig. In diesem Käfig befindet sich auch ein Mechanismus und eine Giftphiole. Der Mechanismus wird beim Zerfall eines radioaktiven Elements aktiviert und zerstört dann die Giftphiole. Das darin befindliche Gift tötet die Katze in Sekundenbruchteilen. Die Zerfallswahrscheinlichkeit des radioaktiven Teilchens beträgt zu Zeitpunkt X (der Halbwertszeit des Teilchens) 50 %.

Die Katze ist zum Zeitpunkt X demnach weder tot noch lebendig. Sie befindet sich in einem Schwebezustand. Sie ist entweder tot oder lebendig, das ist klar. Aber erst, wenn wir den Käfig öffnen, sehen wir, was mit der armen Katze passiert ist. Das zugrundeliegende Prinzip ist klar: Erst durch Beobachtung erfahren wir mehr über ein Ergebnis. Bis dahin ist alles pure Spekulation.

Evolution vs. Revolution, Anpassung

Charles Darwin, Kaizen, japanisches Management, Machine Learning, genetische Algorithmen

»In the long history of humankind (and animal kind, too) those who learned to collaborate and improvise most effectively have prevailed.« — Charles Darwin

Lebewesen entwickeln sich ständig weiter. Das gilt für Tiere, Menschen und Systeme. Auch bei Produkten nutzen wir das Konzept der Evolution: Das iPhone 5S ist eine evolutionäre Weiterentwicklung des iPhone 5. Das erste iPhone dagegen war eine Revolution. Evolution bedeutet kontinuierlicher Fortschritt (siehe japanisches Konzept des kaizen), Revolution steht für etwas fundamental neues. Ein weiteres gutes Beispiel für evolutionären Fortschritt ist das in Deutschland allseits beliebte Automodell »Golf » von VW.

Ökologische Nische, Euthymia von Seneca

Biologie, Evolution
Manche Tiere überleben nur oder insbesondere deshalb, weil sie sich eine sogenannte Nische gesucht haben — einen Platz in der Welt, in der sie friedvoll gedeihen können. Ähnlich wie Tiere können auch wir Menschen und natürlich auch Unternehmen sich eine Nische suchen. Diese Idee wurde in Kim und Mauborgnes Blue Ocean Strategy populär. Das ist natürlich alter Wein in neuen Schläuchen: das Konzept der Nische ist so alt wie die Menschen selbst. Nur: wenn man es »Blue Ocean« nennt und eine neue Metapher drumherum baut, dann kann man es natürlich besser verkaufen.

➞ Blue Ocean

Red-Queen-Hypothese, Red Queen hypothesis

Alice im Wunderland, Biologie, Evolution

» Now, here, you see, it takes all the running you can do, to keep in the same place.« — Die Rote Königin in Lewis Carrols »Alice im Spiegelland«

Kein Fortschritt bedeutet Rückschritt. Das ist der Kern der Red-Queen-Hypothese. Denn alles entwickelt sich ständig weiter. Der Volksmund weiß: »Wer nicht mit der Zeit geht, der muss mit der Zeit gehen«. Wie im Spiegelland muss man laufen, nur um den Status Quo überhaupt beizubehalten. Ähnlich wie in der Natur müssen auch Unternehmen kontinuierlich aktiv sein — denn handelt man nicht, ist Rückschritt die Folge.

➞ Chaostheorie
➞ Entropie


SONSTIGE

Skin in the Game (SITG)

Nassim Taleb, Ärzte, Maurer, Feldherren
SITG zu haben, bedeutet, dass man sowohl von den positiven wie auch den negativen Folgen einer Handlung betroffen ist. Wer an der Front kämpft, hat SITG. Laut Taleb führt ein Mangel an SITG zu einer Anhäufung an Risiken: Banken profitieren von riskanten Aktionen und wenn sie verlieren, rettet sie der Steuerzahler. Das ist eine Asymmetrie — Banker haben kein SITG. Andere Personengruppen, die laut Taleb kein SITG haben sind: Unternehmensberater, Journalisten, Politiker und angestellte Manager im Gegensatz zu Unternehmern, die mit ihrem Privatvermögen haften.

➞ Theorie und Praxis

Intellecutal Yet Idiot (IYI)

Nassim Taleb, Journalisten, »Forecaster«
In SITG beschreibt Taleb den IYI. Der IYI ist auf dem Papier ein Akademiker, versteht die Welt aber nicht, ist letztlich also doch ein Idiot. Für Taleb sind fast alle Journalisten, Consultants, Politiker und Psychologen IYIs — eine Einschätzung, die ich nicht vollumfänglich teile. Nichtsdestotrotz ist IYI ein Konzept, das sich oft bewahrheitet, und viele Personen kennen mindestens eine andere Person, auf die die Bezeichnung IYI zutreffend ist. Mir fällt dazu auch das Buch »Rich Dad, Poor Dad« von Robert Kiyosaki ein: der »poor dad« hat einige der Eigenschaften, die einen IYI ausmachen.

➞ Bauernschläue, Theorie vs. Praxis, streetsmarts vs. booksmarts

Externally enforced discipline, Other-enforced discipline

Arbeitnehmer, Schulpflicht, Hausaufgaben, Amy Chua, Chinesische Erziehung
Die wenigsten Menschen haben genug Selbstdisziplin und Willenskraft, immer das zu tun, was für sie am besten ist. Externally enforced discipline, sei es durch die Schule oder den Arbeitgeber, sorgt dafür, dass wir trotzdem lernen oder arbeiten (das heißt nicht zwangsläufig, dass Arbeiten immer für uns am besten ist).

Aus diesem Grund sind viele Menschen auch bessere Arbeitnehmer als Unternehmer, da man als Arbeitnehmer durch das Korsett der externally enforced discipline dazu »gezwungen« wird zu arbeiten. Dasselbe gilt für die Erziehungsmethode der als Tigermutter bekannte Yale-Professorin Amy Chua.

Talent Stack

Scott Adams, Donald Trump

»As I explained in my book, there are two ways to make yourself valuable. The first way is to become the best at some specific skill, the way Tiger Woods dominated golf. But not many of us can be Tiger Woods. So that path is unavailable to 99% of the world. I recommend a different approach. Most people can — with practice — develop a variety of skills that work well together. I call this idea the Talent Stack.« — Scott Adams

Scott Adams, Autor der Dilbert-Comics, hat dieses Konzept gecoined. Es besagt, dass es neben der 10.000-Stundenregel als Fußballer, Schauspieler oder Musiker auch noch eine andere Möglichkeit gibt, sehr erfolgreich zu werden. Der Talent Stack beschreibt alle Fähigkeiten einer Person. Nach Adams kann man durch die Kombination von verschiedenen Fähigkeiten einen Talent Stack aufbauen, der einem dabei hilft erfolgreich zu sein.

Er nimmt sich selbst als Beispiel: Er ist ein überdurchschnittlicher Comedian, aber nicht Weltspitze; er ist überdurchschnittlicher Comiczeichner, aber nicht Weltspitze; er hat überdurchschnittliches Wissen über Unternehmern, aber ist hier nicht Weltspitze; er kann überdurchschnittlich gut mit Technologien umgehen, ist aber, auch hier, weit entfernt davon, Weltspitze zu sein.

Die Kombination dieser Fähigkeiten schafft einen Talent Stack, der es ihm ermöglicht hat, einer der erfolgreichsten Comic-Autoren aller Zeiten zu werden. Man muss nicht zwangsläufig in einem Bereich Weltspitze sein, es geht auch mit der Kombination von mehreren Bereichen, in denen man nur überdurchschnittlich ist.


IN PLANUNG

Folgende mentalen Modelle habe ich noch auf der long list stehen. Ich werde sie im Laufe der Zeit in die Sammlung einarbeiten.


BUCHEMPFEHLUNGEN

Folgende Bücher sind voller »worldy wisdom« und mentaler Modelle: