Best of 2015

Das neue Jahr ist mittlerweile schon 10 Tage alt. Zeit, um kurz inne zu halten und die ganzen getrunkenen Weine der letzten 365 Tage Revue passieren zu lassen. Laut Delectable habe ich genau 250 Weine getrunken. Zwar nicht immer eine ganze Flasche, aber genug um mir ein Bild zu machen und den Wein bewusst wahrzunehmen. 250 mag für den einen eine sehr kleine Zahl sein. Für andere unheimlich viel. Es gibt sicherlich Leute die trinken diese Anzahl locker in einem viertel Jahr. Wein wird für mich jedoch bis auf Weiteres “nur” ein Hobby bleiben. Natürlich eines in das ich sehr viel Zeit, Leidenschaft und auch Geld stecke. Aber eben ein Hobby. 
Außerdem braucht es ja noch Luft nach oben :)

Für mich gilt immer: Lieber weniger, dafür besser.

Und das Niveau auf dem ich das letzte Jahr getrunken habe war durchaus passabel. Natürlich gab es einige Ausrutscher nach unten. Ich erinnere mich schmerzhaft an zwei gereifte Weine von Georges Roumier, (Eine extrem hoch gelobten Domaine aus dem Burgund) die mich bodenlos enttäuschten. Richtige Totalausfälle blieben aber (zum Glück) aus.

Auf der anderen Seite stehen Flaschen die mich durch ihre Komplexität, Balance, Feinheit, Eleganz und Kraft ergriffen haben. Drei meiner absoluten Favoriten möchte ich heute vorstellen. Sie sind in ihrer jeweiligen Kategorie absolute Benchmarks. Dabei allerdings nicht außerirdisch teuer. Mein Schaumwein, Weißwein und Rotwein des Jahres 2015. Bühne auf.

Schaumwein

Ich geb es unumwunden zu: Ich bin kein großer Schaumwein-Trinker und Fan. Kaufen tu ich sehr, sehr wenige Flaschen und nur wenn mich etwas wirklich reizt. Dieses Attribut vereinen die Weine von Jérôme Prevost wie selbstverständlich auf sich. Prevost ist ein Experte in Sachen Pinot Meuniers. Der Rebsorte, die nebst Chardonnay sowie Pinot Noir die Hauptrolle in der Champagne spielt. Allerdings taucht sie meist in einer Blend auf, wird nur selten reinsortig abgefüllt. Prevost tut es dennoch. Auch aus Mangel an Alternativen. Herausgekommen sind zwei Weine. Les Béguines und Fac-simile. 
Letzter ist ein Rose Champagner der mich durch seine Feinheit, Eleganz und Unaufgeregtheit absolut in seinen Bann ziehen konnte. 
In der Nase sehr dezent mit Anklägen an Cranberry, Himbeere, Orangen Abrieb sowie Heu und florale Noten. 
Am Gaumen findet sich eine Perlage die eine unglaubliche Feinheit besitzt. Ich mag keine Champagner wo ich beim ersten Schluck vor lauter Kohlensäure den eigentlich Wein nicht mehr schmecke. Prevost versteht es sie im Zaum zu halten. Trotz all seiner Eleganz hat der Wein ein solides Rückrat, dass ihm neben dem gesunden Lesematerial, der Ausbau im Holz mitgegeben hat. Eine gute Länge runden das Bild dieses Champagners ab.

Weißwein

Die Wahl beim Weißwein fiel mir bedeutend schwerer. Sehr viele gute Sachen habe ich im vergangenen Jahr in dieser Kategorie getrunken. Am Ende hat sich ein absoluter Klassiker durchgesetzt. F.X. Pichlers Riesling Smaragd aus seiner Parade-Lage Dürnsteiner Kellerberg. Jahrgang 2009.
Rieslingen die das Prädikat Smaragd tragen und im Gebiet der Wachau gekeltert werden, wird oft nachgesagt sie seien zu extraktsüß, hätten keine Säure, würden müde machen. Kraft und Mundfülle über Feinheit. Grundsätzlich nicht mein Stil. Ich finde meine Favoriten normalerweise eher in Deutschland, wo ein strengerer, gradliniger Riesling-Stil dominiert.
Was Pichler hier aber auf die Flasche gezogen hat, pulverisiert jedes Klischee. Schon in der Nase hat man diese überbordende “dreckige Mineralik”, nur ganz wenig Frucht (Nektarine, Zitrone, Grapefruit) scheint dezent durch. 
Am Gaumen vereint der Österreicher raffinierte eine bewusst zurückgenommene Power mit einem eher mittleren statt vollem Körper, vibrierender Säure und satter Länge. Die Komponenten scheinen perfekt aufeinander abgestimmt zu sein. Jede setzt die jeweils andere in Szene. Das ganze bei 14% Alc. die in keinster Weise auch nur ansatzweise auffallen. Potential für die Zukunft? 20 Jahre. Locker.

Rotwein

Es gibt Momente da riechst du ins Glas und denkst dir nur: „Scheisse, ist das geil!“. Dann nimmst du einen Schluck und dein Glücksgefühl steigt ins nahezu Unermessliche, denn der Wein hält nicht nur was er in der Nase vespricht, sondern legt noch eine Schippe drauf. Dieser Wow-Moment, der nur selten vorkommt. Thierry Allemand bescherte mir diesen Moment mit seinem Cornas „Chaillot“ aus dem Jahr 1999.

Cornas ist eine Appelation der lange Zeit viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Seit ein paar Jahren erwacht sie peu a peu aus ihrem Dornröschenschlaf. Auch dank Allemand, der zusammen mit der Familie Clape an der qualitativen Spitze des Gebietes steht. Die Weine sind in ihrer Jugend sehr primärfruchtig & zum Teil rustikal. Es kann nur erahnt werden was sich unter der Oberfläche verbirgt. Übt man sich in Geduld und gibt ihnen die Zeit die sie brauchen, dann vermischen sich – wie in diesem Fall – Frucht (Brombeere, schwarze Johannisbeere, Schwarzkirsche) und typischen Tertiäraromen wie grüne Olive, Liebstöckel, rohes Fleisch, gegrillte Kräuter, Eisen, kalter Rauch und etwas Lakritze zu einem irre komplexen Potpourri. 
Am Gaumen sticht die unfassbar gut eingebundene Säure hervor. Sie hält die Frucht, die sich erstaunlich präsent zeigt, im Griff und sorgt gleichzeitig für einen ungemeinen Trinkfluss. Druck, Spannung, Tiefe sind omnipräsent, allerdings nicht in einem “lauten” Kontext sondern wunderbar elegant verpackt. Das minutenlange Finale schließt den Kreis, eines für mich nahezu perfekten Weines.

Der Fac-simile von Prevost ist in Deutschland leider (noch) nicht erhältlich. Entweder in Frankreich kaufen oder auf den “normalen” Les Béguines zurückgreifen.
Den aktuellen Jahrgang und noch einige ältere Jahrgänge von Pichlers Dürnsteiner Kellerberg Riesling gibt es hier.
Ältere Jahrgänge von Thierry Allemand sind nahezu unmöglich zu finden. Wer genügend Zeit und Geduld hat, besorgt sich hier eine Flasche Cornas Chaillot oder Reynard 2011 oder 2012 und vergisst sie für die nächsten 10–15 Jahre im Keller.

Ich erhalte keinerlei Geld für das Vorstellen dieser Weine und habe diese auch nicht gestellt bekommen.

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