Nativ vs. Web App — Sterben bald die “echten” Apps?

Ich als selbstständiger App Entwickler muss immer schauen, am Ball zu bleiben. Einen neuen Trend zu verschlafen kann dafür sorgen, dass ich in kürzester Zeit kein Geld mehr verdiene. Man erinnere sich an die unzähligen Flash Entwickler, die einst meinten, dass Flash die nächsten Jahrzehnte DAS GROßE DING bleiben wird. Viele haben sich in der Zeit ausgeruht und gedacht sie können ihr Leben lang das Geld mit der Schubkarre nach Hause fahren. Leider weit gefehlt und ich kenne nun schon einige Beispiele, die schnell in eine finanzielle Notlage gerutscht sind.

Ich muss mir natürlich auch darüber Gedanken machen. Meine Kernkompetenzen liegen in der Nativen App Entwicklung für Android und iOS. Allein damit bin ich schon eine Seltenheit. Immer wieder sehe ich überraschte Gesichter vor mir die sich wundern, dass ich beide Systeme bediene, doch aus weiter Ferne rennt ein noch ganz anderes Monstrum mir entgegen. Web Apps, gebaut mit React Native oder Angular, die momentan schon heißer Scheiss zu seien scheinen.

Der Grund dafür ist recht simpel, die unzähligen Webentwickler brauchen keine neue Programmiersprache lernen, sie arbeiten einfach nur mit einem neuen Framework, denn all diese tollen Web Geschichten laufen auf Javascript Basis.

Javascript? Javascript als App? Ja!

Funktioniert dies denn gut? Ja!

Genauso gut? Jein!

Ist es günstiger? Ja!

React Native ist aktuell der Mercedes unter den NativeScript Sprachen. Facebook hat es geschafft die Leistung immens zu erhöhen, was Performance und Funktionalität angeht. Im direkten Vergleich zu Swift, steht React Native kaum etwas nach, in manchen Dingen läuft es sogar noch etwas zügiger. Also warum nutzen wir dann eigentlich noch Native Entwicklungen?

Der Grund dafür ist einfach der Funktionsumfang. Das Android und iOS SDK ist State-of-the-art und bietet mir als Entwickler direkt die neusten und besten Funktionen und Möglichkeiten, wenn ich diese benötige führt daran kein Weg herum, doch sind wir mal ehrlich: ein Mittelständischer Betrieb benötigt nicht immer gleich Native Apps, oft reicht es ja aus Tabellen mit Daten zu befüllen, mit Servern Daten auszutauschen und fertig. Da nimmt man doch lieber die etwas günstigere Variante.

Für mich gibt es im Jahr 2017 ein klares Ziel: lerne React Native und Angular!

Ich muss nicht so tun, als würde ich den Markt nicht sehen können. Das ich Swift mittlerweile bis zur Perfektion beherrsche und das ich iOS sowie Android Apps entwickeln kann, sorgt erst einmal für eine solide Grundsicherheit für die nächsten Jahre, aber nicht unbedingt für die nächsten 5 sondern eher 3. Danach wird es zwar immer noch genügend Native Apps geben, aber der Markt wird kleiner und das große Geld zu verdienen wird dann auch schwieriger.

Finde ich es eigentlich schade? Natürlich!

Native Apps haben nicht nur den Vorteil von Aktualität und einer soliden Grundperformance, sondern auch die dazugehörigen IDE’s sind fantastisch. XCode hat die wohl mit beste Autocomplete Funktionalität, genau wie Android Studio. Dinge die ich der Entwicklung mit JavaScript schmerzlich vermisse. WebStorm gibt sich schon ziemlich viel Mühe, genau wie MS Visual Code, doch erreicht es leider nie die gewohnte Qualität. Hinzu kommt, man muss komplett umdenken. Storyboard und Co sind einfach weg, alte Gewohnheiten sind nicht mehr zu gebrauchen, eigentlich beginnt man wieder bei Null.

Diese Art von Zukunftsanalyse gab es natürlich auch schon vor Jahren, eigentlich gibt es sie jedes Jahr. “Native Apps sterben!” , “Javascript erobert die Welt”, “Nichts reicht den Progressive Web Apps das Wasser” und bla bla bla. Wann und ob es wirklich soweit kommt kann ich nicht mit Sicherheit sagen, vielleicht ist dieser Trend auch schon in ein bis zwei Jahren gegessen, doch schadet es ja nie sich weiter zu bilden.