Warten und beten unter sengender Sonne

Höhepunkt eines jeden Weltjugendtages ist der Pilgerweg zum Abschlussgelände. Heuer also dem Campus Misericordiae. Bis auf acht Kilometer konnten wir heranfahren, ab dann hieß es: Laufen, laufen, laufen. Das ist leichter gesagt, als getan. Jeder Pilger hatte ordentlich Gepäck zu tragen, zudem haben sich viele noch bei einem Supermarkt eingedeckt. Frisches Obst und kühle Getränke waren sehr verlockend, sorgten aber auch für zusätzliches Gewicht.

Trinken, trinken, trinken: Bei der Hitze half nur eine Kopfbedeckung und ausreichend Wasser. Foto: Sophia Michalzik

Der Weg selbst führte durch kleine polnische Ortschaften. Viele Häuser waren passend zum Anlass mit den Fahnen Polens und des Vatikans geschmückt. Ein schöner Anblick — und vor allem tröstlich. Denn er führte immer wieder vor Augen, wo wir hier eigentlich hingehen. Nicht irgendeinem Festival, sondern zum Treffen mit unserem Papst Franziskus.

Immer wieder konnten wir die unermüdliche Gastfreundschaft der Polen erleben. Obwohl sie sich selbst an diesem Samstag kaum durch ihr eigenes Dorf bewegen konnten, standen viele von ihnen vor dem Haus, winkten, gaben Wasser und Suppe aus, oder stellten schlicht ihren Rasensprenger auf die Straße, um für etwas Abkühlung zu sorgen. Die war dringend notwendig: Seit dem Morgen brannte bei knapp 30 Grad die Sonne vom Himmel herab.

Auf dem langen Fußmarsch begegneten wir zahlreichen Pilgern aus anderen Ländern. Foto: Sophia Michalzik

Der Campus Misericordiae ist an diesem Wochenende mehr als ein Feld auf dem polnischen Land, sondern gleicht eher einem emsigen Ameisenhaufen. Überall sind Pilger auf der Suche nach ihrem Pilgerabschnitt, „Volunteers“ weisen den Weg. Isomatten liegen dicht an dicht, es gibt kaum ein Durchkommen. Alle warten darauf, dass der Papst kommt (während ich gerade diesen Satz schreibe, springen übrigens alle auf — denn er fährt wohl tatsächlich vor. Ich schreibe „wohl“, weil ich schlicht nichts sehen kann). Ich rufe trotzdem: „Welcome, Pope Francis!“

Auf dem Campus konnten wir neue Freundschaften mit den Isomatten-Nachbarn knüpfen. Foto: Sophia Michalzik

Dieses Feld, auf dem hunderte Nationen versammelt sind, die direkten Isomatten-­Nachbarn nicht unbedingt die gleiche Sprache sprechen, hat trotzdem etwas ganz Besonderes an sich. Wenn alle ein Lied anstimmen, macht das Gänsehaut. Genauso wie die Vigil mit dem Papst, wenn abertausende Kerzen durch die Nacht leuchten. Für so einen Anblick, für so ein Gefühl lohnt sich auch ein langer Marsch. Gemeinsam mit so vielen den Glauben zu feiern, entschädigt für so einige Strapazen.

Kannst du ihn sehen? Die Pilger versuchten alles, um einen Blick auf den Papst werfen zu können. Foto: Antonia Schlosser
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