Horrormärchen über die extreme Armut
Tobias Blanken
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Ja, das mit den Daten und dem saloppem Umgang. Nur weil ich den Begriff “extreme Armut” verwende, bin ich dadurch nicht an eine bestimmte Definition einer bestimmten Organisation gebunden. Dann hätte ich in den Satz eingebaut “im Sinne der Definition von xyz”.

Es gibt viele verschiedene Definitionen von Armut , dankenswerter Weise inzwischen auch sehr viele, die nicht so eine eindimensionale Sicht auf die Welt vermitteln, wie die Dollar-Definition. Und wenn gleichzeitig Multi-Milliardäre entstehen, so sind Menschen mit weniger als 1,25USD am Tag ziemlich unfraglich extrem arm dagegen.

An keiner Stelle in dem Artikel habe ich davon gesprochen, dass die Wohlstandsgewinne der letzten Dekaden nicht historisch einzigartig hoch gewesen sind. Genau der Satz, auf den Sie verweisen, ist aber keine absolute, sondern eine relative Aussage: im Verhältnis zum rasant gestiegenen GDP wäre theoretisch eine viel bessere Verteilung und Höhe pro Kopf drin. Nirgendwo ging es um die genaue Definition von “extremer Armut”.

The World in Data als Initiative nimmt auch sehr gerne den Mund ziemlich voll damit, dass Sie nun alles “objektiv” beschreibt — in aller Regel in völliger Ignoranz der ökologischen Realität. Referenz auf durchaus divergierende Realitätsbeschreibungen je nach Auswahl von Indikatorensatz wären bei einer solchen “Daten”-Initiative durchaus eine wünschenswerte Ergänzung.

Gerade Menschen, die nun die Integrität anderer Wissenschaftler*innen in Frage stellen wollen und ketzerisch von “saloppem Umgang mit Fakten” sprechen, sollten sich umgekehrt in diesem Anspruch ernst nehmen und darauf verwiesen, dass es durchaus unterschiedliche Definitionen und damit auch Einschätzungen von Sachverhalten gibt.