Die Südpanke

Dies ist ein kleiner Fotobericht über den Verlauf der Südpanke in Berlin. Wo früher mal ein richtiger Fluss war, findet man heute über weite Strecken nur noch ein trockenes Flussbett und eine Vielzahl unterirdischer Rohrleitungen. Mir waren an mehreren Stellen in Berlin einige dieser Überreste aufgefallen, die ich schon lange mal im Zusammenhang dokumentieren wollte, was nun auf dieser Seite hier geschehen soll.

Teil 1 — Von der Rechenanlage bis zur Chausseestraße

Die Südpanke beginnt ihren Weg kurz nach der “Rechenanlage Panke” an der Schulzendorfer Straße in Wedding.

Rechenanlage Schulzendorfer Straße

Auf den Fotos ist gut die motorisch verschließbare Öffnung zu sehen: vier runde Rohrklappen hinter einem Gitter.

Rohrklappen — Der Anfang der Südpanke

Diese kleine Klappe ist also die eigentliche Fortsetzung des Flusses, während das Flussbett hier in einen Kanal übergeht, der zum Nordhafen führt und auch als Nordpanke bezeichnet wird.

“Nordpanke”

Irgendwann soll hier wieder mehr Wasser in die Südpanke fließen. Inwieweit das machbar ist, wurde sogar schon durch eine Diplomarbeit erforscht. Die “Rechenanlage” hat übrigens natürlich nichts mit Computern zu tun, sondern heißt so wegen der großen Rechen, die hier stehen, um den Dreck aus dem Fluss abzufischen.

Die Rechen der Rechenanlage

Die Südpanke verläuft ab den Klappen unterirdisch durch den kleinen Südpanke-Park, der ganz früher mal ihr eigentliches Flussbett war. Jetzt verraten hier nur noch zwei Gullys ihren Verlauf.

Der Fluss verlief ursprünglich schon etwa ab der Schönwalder Straße etwas östlicher, wie man auf einer Karte von 1884 sehen kann. Früher war hier allerdings kein Park, sondern zunächst eine Art Biergarten des Gastwirts Liese, zu dem zeitweise sogar eine Flussbadeanstalt gehörte. 1868 kaufte die Norddeutsche Brauerei das Grundstück und überbaute die Panke mit zahlreichen Gebäuden für festliche Zwecke.

Anlässlich der Anlegung des Parks 1956 (mit Mitteln aus dem Marshall-Plan) wurde die Panke hier komplett verrohrt. Spuren ihres Verlaufs sind außer den Gullys wohl ein weiterer durch vier rot-weiße Stäbe markierter Zugang zum unterirdischen Fluss.

Außerdem gibt es hier diese etwas merkwürdige Skulptur, die genau oberhalb der Panke steht, eine Art bepflasterer Hügel mit Metallkappe. Ob das irgendwas mit der Panke zu tun haben soll, konnte ich bislang nicht herausfinden.

Pankekunst?

Die Panke verläuft hier dann also durch den Park und kreuzt kurz vor der Liesenstraße die Chausseestraße. Hier befindet sich ein sogenannter Düker, also ein tiefergelegter, unterirdischer Wasserverlauf, der hier noch einige Meter unterhalb des U-Bahn-Tunnels verläuft.

Genau hier verläuft der Düker unter der Straße

Dieser Düker wurde in Zusammenhang mit dem Bau der Berliner Mauer von den DDR-Behörden wegen Fluchtgefahr verschlossen, so dass danach auch kein Wasser der Panke mehr in den weiteren Verlauf der Südpanke fließen konnte. Bei der Sanierung der Chausseestraße wurde dieser Düker 1999 aber offenbar wieder geöffnet, so dass zumindest dieses Hindernis nicht mehr besteht. Das nachfolgende Foto zeigt eine steinerne Struktur am nordöstlichen Rand der Chausseestraße, genau an der Stelle, wo die Panke die Straße überquert. Ich bin mir sicher, dass diese Steine zum Pankeverlauf gehören. Ich müsste nochmal ein besseres Fotos machen.

Teil 2 — Chausseestraße bis Bundeswehrkrankenhaus

Auf der südwestlichen Seite der Chausseestraße gibt es keinerlei Hinweise auf den weiteren Verlauf des Flusses. Dort, wo laut Google Maps der Fluss zumindest unterirdisch verlaufen müsste, wird derzeit der Keller eines großen Neubaus ausgeschachtet.

Der Verlauf der Südpanke liegt hier offenbar so tief in der Erde, dass man ihn auch in der Baugrube nicht sieht. Die schräg verlaufende Spundwand scheint aber genau dem kartierten Verlauf zu entsprechen.

Auf den Baustellenfotos ganz hinten links sieht man einen alten Mauerrest. Genau dahinter verläuft der Fluss weiter in Richtung Süden. Laut der Auslobung der Senatsverwaltung von 2007 ist sogar geplant, hier irgendwann einen schmalen Zugang von der Chausseestraße zum Pankeverlauf zu schaffen.

Hinter der Bebauung an der Chausseestraße geht der Verlauf hier zunächst weiter durch ein wild bewachsenes Gelände und durchkreuzt dann die letzte Ecke des großen Geländes des Bundeswehrkrankenhauses. Hier habe ich nur Fotos von beiden Enden, da die betroffenen Grundstücke nicht öffentlich zugänglich sind. Wenn die BND-Zentrale fertig ist, soll dieser Teil des Verlaufs noch ausgebaut werden.

Laut Karte müsste der Fluss genau unter der Ecke des auf dem letzten Fotos zu sehenden roten Gebäudes verlaufen. Erkennbar ist davon derzeit gar nichts. Besser sieht man den (geplanten) Verlauf auf dieser Kurzreferenz (pdf) zum Grünzug Südpanke.

Teil 3 — Grünzug Südpanke

Genau auf der anderen Seite der nicht benannten Stichstraße kommt die Südpanke nun wieder zum Vorschein, und zwar in Gestalt eines vergitterten Rohrendes nur knapp zwei Meter unter Straßenniveau.

Es schließt sich der einzige wirklich ursprünglich anmutende Abschnitt des Flusslaufs an, eine etwa 200 Meter lange, gar nicht befestigte Rinne entlang des Zauns der neuen BND-Zentrale, umgeben von hohen Pflanzen.

So richtig ursprünglich ist diese Rinne natürlich nicht, weil dieser Abschnitt wohl erst im Zuge der Entwicklung des Grünzugs Südpanke 2010 bis 2012 aus der Verrohrung befreit wurde. Bei meinem Besuch war zwar kein Wasser in der Rinne, sie war jedoch matschig und es gab Pfützen. Diese Rinne macht am Ende eine Kurve um einen großen, aufgeschütteten Sandhügel. In diesem letzten Abschnitt ist des Flussbett völlig trocken.

Was nun folgt, ist der einzige Abschnitt des Flusslaufs, in dem sich tatsächlich Wasser befindet. Eventuell gibt es hier noch eine andere Speisung als bloßes Regenwasser. Es handelt sich um den ersten Abschnitt des “Grünzugs Südpanke”, der erst im November 2012 fertig gestellt wurde. Die ganze Anlage wirkt etwas steril und die hellen Steinwege blenden in der Sonne stark. Aber trotzdem ist dieser Park ein Beweis dafür, dass man die Südpanke noch nicht abschreiben muss. Das anliegende Neubaugebiet trägt auch den Straßennamen “Am Pankepark”.

Pankepark

Wie ein Fluss wirkt das Wasser hier im Park allerdings nicht. Es ist eher ein langgestreckter See ohne jede Bewegung. An dessen Ende kurz vor der Habersaathstraße liegt ein großer, breiter Abfluss, durch den aber zumindest derzeit wegen des geringen Pegelstands auch gar kein Wasser austritt.

Es ist schon geplant, auch den oberen, derzeit wilden Teil noch zu einem benutzbaren Grünzug umzugestalten. Damit soll begonnen werden, wenn die BND-Zentrale fertig ist, also voraussichtlich 2016.

Teil 4 — Habersaathstraße bis Philippstraße

Der weitere Verlauf der Südpanke ist etwas kurios. In den Karten ist überall noch der historische Verlauf eingezeichnet, der direkt geradeaus geht und dann tatsächlich zwischen dem Naturkundemuseum und dem Altbauteil des heutigen Verkehrsministeriums hindurchführt. Wie ich gelesen habe, wurde dieses Teilstück allerdings 1999 beim Bau des neuen Teils des Verkehrsministeriums stillgelegt. Wenn man von der Invalidenstraße aus zwischen die beiden Gebäude tritt, erkennt man allerdings am rechten Rand des Ministeriums noch eine Art Trasse, die mal zum Flusslauf gehört haben könnte.

Die Südpanke wurde hier aber durch die Bauarbeiten letztlich nicht unterbrochen. Vielmehr wurde sie unterirdisch an die Vorderfront des Ministeriums (zum Invalidenpark hin) verlegt. Der Verlauf kommt hier zutage und zieht sich 260 Meter lang in Form einer Art “Burggraben” über die ganze Front des Gebäudekomplexes am Invalidenpark entlang hin.

Das Ministerium kann hier nur durch Brücken über die Südpanke betreten werden. Bei meinem Besuch war dieser Graben allerdings nicht mit Wasser gefüllt, sondern nur feucht und matschig-moosig. An der Ecke Schwarzer Weg / Invalidenstraße verschwindet die Panke wieder im Untergrund.

Über den weiteren Verlauf kann ich nur spekulieren. Früher unterquerte die Südpanke die Invalidenstraße etwa in Höhe der Hessischen Straße, deren Verlauf sie dann unterirdisch folgte. Ich nehme mal an, es wurde beim Neubau des Verkehrsministeriums hier eine Querverbindung geschaffen, die dann an den alten Verlauf in der hessischen Straße angeschlossen wurde.

Flucht des alten Verlaufs über die Invalidenstraße in die Hessische Straße

Wenn man die Hessische Straße entlang geht, fragt man sich schon, wie tief und wo genau hier die Rohre für die Südpanke wohl verlegt sind. Denn dort, wo die Panke dann wieder an die Oberfläche kommt, kurz nach der Unterquerung der Hannoverschen Straße, sind es wiederum nur gut zwei Meter unter Straßenniveau. Ob das Rohr bei den Häusern in der hessischen Straße durch die Keller führt? Da würde ich gerne mal einen Bewohner fragen.

Auf dem breiten Gehsteig an der Ecke Hannoversche Straße / Hannoversche Straße (kein Witz, die Straße biegt hier um die Ecke) wurde mit einem Muster in der Bepflasterung offenbar auf den darunter liegenden Fluss aufmerksam gemacht, indem eine Wellenlinie eingearbeitet wurde. Ganz nett.

Der weitere Verlauf des Flusses ist hier ganz offenbar im Zuge der Neubebauung der letzten beiden Jahrzehnte ganz neu gestaltet worden. Die ganze Anlage ist nach meinem Dafürhalten durchaus auf erhebliche Wassermengen angelegt.

Direkt nördlich der Philippstraße ist der Flusslauf ganz freundlich in das Ensemble zwischen modernem Wohnhaus und Spielplatz integriert. Kurz vor der Philippstraße verschwindet der Fluss dann wieder im Untergrund Richtung Charité.

Teil 5 — Charitégelände

Der Verlauf der Südpanke auf dem verträumten und ruhigen Gelände der Charité ist sicherlich der schönste Teil der Strecke. Der Fluss ist zwar hier überall in einem festen, gemauerten Flussbett; aber sowohl der überaus kurvige Verlauf als auch die uralt anmutende Bauweise dieses Flussbetts und der zahlreichen Brücken lassen eine vergangene Zeit lebendig werden.

Das wirkt heute alles so ganz romantisch. Aber da der Fluss für die damalige Tierklinik eine Bedeutung als “Abfluss” hatte, waren die damals vorgenommenen Arbeiten an der Befestigung des Flussbetts natürlich wirtschaftlich motiviert. Es wirkt heute lustig, dass man sich diese ganze Mühe der Befestigung gemacht hat, zugleich aber den kurvigen Verlauf offenbar unberührt ließ. Das ganze Gelände ist jedenfalls — nicht zuletzt wegen des kleinen Flüsschens — eine Oase der Ruhe mitten in Berlin.

Derzeit wird hier viel gebaut und abgerissen. Auch einige der alten Gebäude sind davon betroffen. Die Panke wird dadurch aber sicherlich nicht beeinträchtigt. Bei den Neubauten im hinteren Bereich des deutschen Theaters hat man sich ja offenbar auch viel Mühe gegeben, den Verlauf nicht zu beeinträchtigen.

Am Ende dieses Abschnitts wird die Südpanke dann in ihrem ganz neuen Bett nochmal sehr gerade und verschwindet ein letztes Mal im Boden.

Teil 6 — Vom Boros-Bunker bis zur Mündung

Der letzte Abschnitt der Südpanke verläuft heute ausschließlich unterirdisch. Eine Freilegung des Pankeverlaufs im Zuge des Ausbaus des Bunkers und des dahinter stehenden Hotels ist offenbar an den zahlreichen dort verlaufenden Leitungen, u. a. Fernwärmerohre, gescheitert. Der eigentliche Verlauf der Panke ist hier auf der Nordseite der Reinhardtstraße aber noch gut zu erahnen.

Am Boros-Bunker

Noch besser erkennt man ihn auf der Südseite der Reinhardtstraße. Hier befindet sich diese ungewöhnliche, keilförmige Baulücke, in der früher die Panke floss. Diese kleine Brache ist derzeit immer eine recht schmutzige Ecke. Im hinteren Teil sieht man aber noch ein gusseisernes Geländer. Lange bevor ich von der Südpanke gehört hatte, war mir diese komische Ecke immer schon aufgefallen. Angeblich ist die Panke hier erst 1987 abgedeckt worden. Da die Ecke ja sonst für gar nichts gut ist, könnte man das mal rückgängig machen, finde ich.

Brache Reinhardtstraße

Der weitere Verlauf schleicht sich unterirdisch durch den zweiten Hinterhof des Hauses Albrechtstraße 22, den man auch über das tote Ende der Straße “Am Zirkus” erreichen kann. Auch hier lässt sich der Verlauf ganz gut erahnen. Müsste ich bei Gelegenheit nochmal ein Foto machen.

Angeblich verlief die Panke danach früher durch die 1863 eröffnete Markthalle, die hier noch vor dem alten Friedrichstadtpalast stand, so dass im Wasser z.B. Fische frisch gehalten werden konnten. Unvorstellbar. Heute sieht man davon nichts. Das letzte Stück der Panke ist unterirdisch wohl so etwa entlang der Front des Berliner Ensembles, dann unter dem Schiffbauerdamm durch und hinaus in die Spree durch eine große, rechteckige Öffnung in der Mauer der Uferbefestigung. Wegen des Zustands dieser Uferbefestigung wurde hier vor einigen Jahren eine Spundmauer davor gesetzt, so dass man den Austritt heute kaum sehen kann.

Die Spundwand von gegenüberliegenden Spreeufer

In diesem Zusammenhang wird oft ein alter Berliner Spruch zitiert:

“Am Schiffbauadamm Numma zwee, da fließt die Panke in die Spree.”

Die Spundwand von oben

Eine kartografischere Ausarbeitung des Textes mit viel mehr Fotos findet sich hier: panke.buettner.eu

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