Digitales Gedächtnis

Im Umgang mit digitalen Speichermedien

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“Big Brother is watching you” oder wie war das nochmal mit der totalen Überwachung? Sind wir doch mal ehrlich, sobald es um den staatlichen Ein- oder Zugriff auf unsere digitalen Daten geht, werden wir sofort hellhörig und versuchen zumindest semiprofessionell den totalen shutdown. Da wird dann auch die ein oder andere digitale Petition unterschrieben, welche dann jeglichen staatlichen Datenzugriff verhindern soll.

Von diesem Verhalten ist aber kaum noch etwas zu spüren, wenn wir unserem täglichen Konsum von WhatsApp, Facebook, Instagram und Co. nachgehen. Hier werden ohne Hemmungen die neuesten Urlaubsbilder hochgeladen und mit den Liebsten intime Texte und Bilder ausgetauscht. Es wird keine Zeit verschwendet um nachzudenken, wer da eventuell zwischen den „Leitungen“ mithört oder mitliest. Die virtuelle “Handy-Fotospeichererweiterung” in der Cloud wird wie automatisch aktiviert, da die vielen tollen Urlaubsbilder den internen Handyspeicher vollkommen überfordern. Und das obwohl keiner so genau weiß, was beim Abschluss des Abonnements im Kleingedruckten stand. Wo diese Speicher verwaltet werden und wer alles darauf Zugriff hat, ist uns scheinbar völlig egal. Das wird schon passen — werden die meisten denken. Dass diese Daten nicht nur virtueller -sondern auch realer Speicherplatz bedeutet, darüber machen sich nur die wenigsten Gedanken.

Früher war man durch den analogen Foto-Film und die begrenzte Anzahl von Bildern eingeschränkt. Heute “knipst” man fröhlich darauf los, denn das einzelne Bild “kostet ja nix”. Dieses Verhalten ist leider nicht weitsichtig oder gar nachhaltig. Wir empfinden die Bilder zwar nicht als Platzverschwendung, da sie uns physisch nicht vorliegenden, dennoch benötigen die dazu gebuchten Cloudspeicher am anderen Ende der Leitung eben doch realen Platz. Wenn wir weiterhin so unnachsichtig sind und handeln, könnte dies zu einem Problem von uns allen führen.

Leider wirkt der Drang sich selbst darzustellen, nicht gegen diese Entwicklung, sie fördert diese. Da kommt der neueste Trend auch schon um die Ecke — „Life Logging“ — und geht damit sogar noch einen Schritt weiter, denn er ermöglicht dem Nutzer sein Leben auf digitalem Film festzuhalten.

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So erfahren wir vom Soziologen Stefan Selke, dass es beim “Life Logging” schlichtweg um die Archivierung von Erinnerungen geht. Natürlich gefällt der Gedanke, sein ganzes Leben aufzeichnen zu können, um jeden erlebten Moment in Bildformat noch einmal zu erleben, aber er ist auch in gewisser Weise ein Weg um nicht in Vergessenheit zu geraten. Nicht zuletzt ist dieser Gedanke aber auch vermutlich sehr vermessen. Es zeigt einmal mehr unseren falschen Umgang mit Daten und das richtige Abschätzen von Datenmengen.

Die Menge an Daten und den Drang, diese so lange wie möglich nutzen zu können, zwingt uns auf die Suche nach neuen Speichermedien zu gehen. Aber ist es gut, noch nicht einmal Halt vor der DNA, als Speicherort und zur Lösung des Platzproblems, zu machen?

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Klar, wenn man bedenkt, dass zur Zeit die umgerechnete Datenmenge pro Kopf bei 2.012.369 GByte liegt und diese Menge Jahr für Jahr auch noch weiter steigt, sind neue Lösungen unumgänglich.

Dennoch sollten wir endlich damit beginnen, uns selbst zu einem nachhaltigeren Umgang mit Daten und dem damit benötigten Speicherplatz zu erziehen.

Quellen:

(1) https://bluepartner.de/blog/wp-content/uploads/sites/2/2016/02/digitale-revolution-server.jpg
(Abgerufen: 16. Juni 2017, 10:38 UTC)

(2) https://www.youtube.com/watch?v=f2PTOpx9z1c
(Abgerufen: 16. Juni 2017, 10:56 UTC)

(3) https://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/datenspeicherung-fuer-die-ewigkeit?id=893643be-c75b-4548-875e-bb66dd101d9c
(Abgerufen: 16. Juni 2017, 11:40 UTC)

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