Veränderung Konsumverhalten und Auswirkungen

Ist der Einzelhandel in der Innenstadt ein Auslaufmodel?

(1)

Ich erinnere mich gerne an die Zeit zurück, als ich als kleines Kind mit meiner Oma samstagvormittags beim Metzger an der Wursttheke stand und mit großen Augen ungeduldig darauf wartete, von der netten Fleischwarenfachverkäuferin eine dicke Scheibe “Gelbwurst” über die Theke gereicht zu bekommen (welche dann auch gleich und unmittelbar verdrückt wurde).

Oder wie ich mit meinem Uropa zum “Tante-Emma-Laden” um die Ecke lief, vor den großen Süßigkeiten-Regalen stand und von dieser Auswahl überwältigt war. Wir waren in geheimer Mission unterwegs, da meine Eltern nicht wissen durften, dass wir ab und an für ein paar Pfennig Süßigkeiten und Wassereis von Uropa bekommen. Auf dem Heimweg haben wir selig und mit einem verschmitzten Lächeln die süße Beute verputzt. Bis heute sind dies Momente, an die ich mich nur zu gerne und schmunzelnd zurückerinnere.

Es sind aber auch Gedanken, die mich nachdenklich stimmen. Warum? Naja, weil ich mir dann versuche vorzustellen, wie das mal ist, wenn ich alt und Opa bin. Vermutlich ziemlich „digital“ um es auf den Punkt zu bringen. Ob ich wohl mit meinem Enkel vor der neuesten Version eines Tablet-Herstellers sitze und via Mausklick Süßigkeiten in meinen virtuellen Einkaufskorb schiebe und mir innerhalb der nächsten Minuten der Einkauf per “Fooddrone” vorbeigebracht wird?

Wirklich schwer vorstellbar, dass meine schönen Kindheitserinnerungen früher oder später „Geschichte“ sein sollen. Denn bereits heute bestelle ich meine Waren einfach und bequem von Zuhause aus. Und ich spreche jetzt nicht von dem neuen ultimativen 43Zoll Flat Screen mit 5K Auflösung oder der neuen Multifunktionswaschmaschine mit eingebauter App-Steuerung, welche ich mir noch eine Woche zuvor beim regionalen Fachhändler “Elektro Miller” bis ins kleinste Detail habe erklären lassen. Nein, heute befähigen mich die neuen digitalen Helferlein meinen wöchentlichen Lebensmittelkonsum per Mausklick zu bewerkstelligen und liefern mir meine “Gelbwurst” via “REWE und Konsorten” direkt vor die Haustüre.

Was aus dem “Tante-Emma-Laden” um die Ecke oder dem kleinen Elektrofachhandel “Elektro Miller” wird, fragt in diesem Moment niemand. Es scheint, dass nur noch der Preis und die Bequemlichkeit zählen, um Kaufentscheidungen zu treffen. Das Gefühl für gute und kundenorientierte Beratung und dem damit verbundenen Kundenservice scheint keinen Wert mehr zu haben. Und es passiert immer wieder, dass wir gezielt und ganz “Analog” in ein Fachgeschäft gehen um wie “blutsaugende Kreaturen” die Vorteile des realen Einzelhandels in Anspruch zu nehmen und alle nötigen kaufentscheidenden Kriterien zu notieren um am Ende dann doch wieder digital zu kaufen.

Natürlich lässt sich der digitale Wandel nicht stoppen und die damit einhergehenden Vorteile sind ja auch viel zu verlockend. Aber wir sollten uns dann nicht beschweren, wenn die Innenstädte verwaisen und sich das altbewährte Lebensgefühl, während man shoppend durch die Einkaufsgassen der Städte schlendert, einstellt. Wir selbst sind mit verantwortlich, wie sich unser Lebensumfeld verändert und mit welcher Schnelligkeit digitaler Konsum fortschreitet. Vielleicht sollten wir alle bewusster handeln?

Quellen:

(1) https://www.locafox.de/blog/wp-content/uploads/2015/12/ropo-research-online-purchase-offline_locafox_titelbild-pwc-studie-artikel.png (Abgerufen: 16. Juni 2017, 10:39 UTC)

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.