Sie

Und Begegnungen, die uns alles vergessen lassen

Ich blicke auf und sehe, ihre grossen Augen. Ihre weiten Pupillen die diesen Moment verschlingen bis zum letzten Körnchen. Spüre, wie sie sich von den letzen Silben meiner Worte wegtragen lässt, höre, wie sie die eben erzählte Geschichte voll in sich aufsaugt. Und für einen Augenblick kann ich gar nichts mehr sagen. Weil es so schön ist und gar nichts zu sagen gibt.

Wie oft kommt es vor, dass uns jemand voll und ganz zuhört? Uns in die Augen schaut und nur, einfach nur bei uns ist? Wie oft haben wir einen Menschen vor uns, der sich getraut, uns so zu sehen, wie wir wirklich sind? Und sich echt darauf einlässt, was wir sagen, statt nur das zu hören, was er will?

Wir sitzen in einem Kaffe. Bilderrahmen, von denen die Farbe abblättert vor einer lila Wand. Eine Schiefertafel mit Schnürkelschrift und wo man hinsieht, viele kleine Details zu entdecken. Einladende Sofas mit bunten Kissen. Und heissen Kräutertee, währenddem draussen der Regen in Strömen die Strassen runterrasselt.

Wir tratschen, berichten und bereden dies und das, lachen, schmunzeln und wärmen uns an der warmen Tasse. Wir sprechen über Ängste, Wünsche, Sehnsüchte und darüber, den Mut zu haben, uns selbst zu sein. Raus zu gehen aus sich und rein ins Abenteuer. Darüber, auf Tischen zu tanzen und Fremde zu küssen. Zu wagen, was so viel Überwindung zu kosten scheint, obwohl es manchmal nur einem Wechsel des Blickwinkels bedarf. Wir fragen uns, wofür es sich lohnt zu leben, und, wofür zu sterben.

Wir sprechen von Menschen und was sie zusammen erreichen können. Von Schätzen, die geborgen und Seelen die befreit werden wollen. Und von Leben, die gelebt werden wollen.

Und dann. plötzlich nichts mehr. Freeeze.

Ist es nicht sonderbar, wie uns Menschen völlig unerwartet, plötzlich und ohne jede Vorwarnung in einen Zustand versetzen, bei dem alles um einen stehen bleibt und es nur noch diesen einen Moment gibt? Gerade noch gab es tausend Dinge, die in meinem Kopf herumschwirrten, mich durcheinander und weit weg von mir brachten und von einer Sekunde auf die andere…nichts mehr. Ich nehme wahr, wie still es ist um mich. Dass es nur noch mich und diesen Menschen gibt. Uns, und diesen Moment. Wie Magie vergesse ich alles um mich rum und bin nur noch bei mir, ihr und dem zwischen uns. Ich spüre, sie weiss ganz genau was ich meine, sogar wenn ich es nicht ausspreche. Mein Interesse an der Welt kollabiert innerhalb einer Millisekunde und unser Kosmos schrumpft auf unsere Sessel, den kleinen Tisch zwischen uns und den heissen Tee in unseren Händen.

Ich höre ihr zu, lausche ihren Worten und bin mir nicht mehr sicher ob sie oder ich die Sätze ausspreche. Auf jedes Wort scheine ich das folgende zu kennen und jede Pause katapultiert mich in Gefühlswelten. Wir wollen ausbrechen. Das tun, was der Moment gerade von uns will. Nicht entsprechen, weder jemand anderem noch unseren Vorstellungen. Wir wollen Abenteuer, Liebe, Leidenschaft und zwar pur. Ausreissen, um zurückzukommen. Nehmen, um wieder loszulassen. Lernen und wieder vergessen.

Es sind diese Augenblicke, wofür es sich zu leben lohnt. Die Magie, welche uns vergessen lässt was gerade noch war, die uns mitnimmt auf eine Reise in uns selbst. Und die vorbei sind, so schnell sie gekommen sind. Um ums sehnsüchtig, voller Hoffnung und Neugier auf den nächsten warten zu lassen, der uns dann wieder von Neuem, ganz unerwartet erwischt.

A single golf clap? Or a long standing ovation?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.