Tauchgang durch den Himmel

Über eine Reise ans Meer und zu mir selbst

Um mich rum ist es ganz still. Meine Hände graben sich in den kühlen, ganz feinen Sand auf dem ich sitze und ich geniesse es, die Körner immer wieder durch meine Finger rieseln zu lassen. Über mir leuchtet der Mond gross und rund und taucht die sich vor mir brechenden Wellen in ein silbernens, magisches Licht. Die Menschen in der kleinen Fischerstadt schlafen alle noch, nur ich bin wach und habe den sonst so lebhaften Strand für mich allein. Auch wenn es Zeit wird für uns, Abschied zu nehmen, fühlt sich dieser Moment einfach nur unglaublich an.

Liebes Punta, die letzten Tage haben sich angefühlt wie Wochen, die Momente mit dir haben die Zeit still stehen lassen und mit dir habe ich mich selbst nochmals neu kennengelernt. Unsere anfangs heisse Affäre hat sich ausgedehnt zu einer bewegenden, tiefen Beziehung und ich möchte die Stunden mit dir nie mehr missen. Selten war ein Ort so beharrlich darin, mich in seinen Bann zu ziehen, du aber hast nicht lockergelassen. Mit deinem warmen Winden hast du mich bezirzt, mit deinen vielen Sonnenstunden aufgeheizt. Deine Küche hat mich verführt und in deine Bewohner habe ich mich verliebt. Ich weiss nicht, was mir mehr an dir gefällt, deine ruhigen, wunderschönen Pinienwälder oder dass ich barfuss durch sie durch spatzieren kann. Die Möwen, welche über uns im Wind tanzen oder dass ich jedesmal das Gefühl habe, mit ihnen mitzutanzen.

Liebes Punta, ich habe dich beobachtet, zuerst aus der Ferne, dann immer genauer. Je näher ich dir kam, desto spannender wurdest du. Du hast mir deine Geheimnisse gezeigt und ich konnte bald schon meine Augen nicht von dir lassen. Ich wollte von dir entführt werden, dich erkunden, war aber noch nicht bereit, die ganze Kontrolle abzugeben und mich ganz auf dich einzulassen und loszulassen.

Du aber hast mich an der Hand genommen, mir die starken, kraftvollen Bewegungen deines Meeres und seine unendliche Sanftheit gezeigt. Du hast mir einen Muschelteppich ausgerollt und mich wie eine Königin behandelt. Und ja liebes Punta, spätestens als du mich mit deinen blutroten Sonnenuntergängen umarmt und mich mit einer endlosen Sternendecke zugedeckt hast, war es um mich geschehen. Mit dir habe ich mich getraut mich fallenzulassen, ein- und unterzutauchen und alles was war, loszulassen. Ich konnte nicht anders, als mich dir hinzugeben, wusste, ich war dir verfallen und es war mir klar, dass ich nichts mehr wollte als dich. Du hast es geschafft, all meine Sinne gleichzeitig zu berauschen, zu stimulieren und in mir einen Endorphincocktail der Extraklasse zu verursachen. Und ich genoss es, mich in dir zu verlieren.

In süsse Verliebtheit getränkt waren meine Augen und mein Verstand jedoch klarer als jemals zuvor. Ich beobachtete, wie sich die Menschen um mich herum veränderten, entspannten und auch sie von dir in den Bann gezogen wurden. Aus einem Beat in der Küche wurde eine Hymne, aus Wippen wurde Tanzen, aus Bekannten wurden Freunde. Du hast uns dein vielseitiges Wesen gezeigt, uns in deine unterschiedlichen Landschaften entführt und mit deinen kulinarischen Abenteuer verblüfft. Wir durften entdecken, wo deine Bewohner leben, bekamen die Welt hinter den Kulissen zu sehen und lernten die Fischer, die Köche und die Aussteiger von ganz nah kennen. Wir besuchten deine Nachbarstrände und wurden von deiner Mutter Sevilla eingeladen, mit dem heissen Stadtleben einen noch heisseren Salsa zu tanzen.

…spätestens als du mich mit deinen blutroten Sonnenuntergängen umarmt und mich mit einer endlosen Sternendecke zugedeckt hast, war es um mich geschehen…

In Bronze getaucht von deinen Sonnenstrahlen und angenehm erfrischt von deinen kühlen Brisen begleitest du uns in tiefgründige Gespräche über Molekularstrukturen, Diskussionen über Geschlechterrollen und das Sinnieren über Leben, Liebe, Tod und Transzendenz. Und immer wieder auch führtest du uns in die Stille, drehtest die Musik runter und das Rauschen des Meeres voll auf. Versunken im Vollmondlicht kamen wir uns selbst und den Geschichten, die wir uns über uns erzählten auf die Schliche. Und lernten, dass wir noch viel mehr sein dürfen was wir wollen und weniger was wir sollen.

Liebes Punta, unsere Zeit war intensiv, wild, bewegend, ruhig, besinnlich, herausfordernd, wunderschön und wie von Anfang an bekannt, begrenzt. Mit viel Liebe und Bestimmtheit hast du uns gezeigt, dass es sich immer wieder lohnt, loszulassen von all den was wir zu müssen glauben, uns und unser Tun zu hinterfragen und gleichzeitig hemmungslos zu vertrauen. Ganz ohne Worte hast du uns unmissverständlich zu verstehen gegeben, was Leben heisst. Dass wir so viel mehr sind als das, worauf wir uns begrenzen und dass es jeder von uns selbst in der Hand hat, wie viel Lebendigkeit, Sonne, Strand und magische Vollmondnächte sein Leben beinhaltet.

Und auch, liebes Punta, hast du uns gezeigt, dass es sich immer wieder lohnt, sich fallenzulassen, Abenteuer einzugehen, Aängste zu überwinden und sich zu verlieben. In Orte, Menschen, Situationen und zwar am besten in uns selbst.

A single golf clap? Or a long standing ovation?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.