Nicht pushen — ziehen lassen, Baby !

Die Welt und unsere Köpfe sind voll mit Facebook-Pinnwand-Sprüchen. „Dieses Leben ist ein Geschenk“, „mach was aus diesem Tag“ , „folge deiner Mission“. Gemixt mit einer Tonne an geteilten Poetry-Slam-Texten, Weltverbesserungsvideos und Menschen die nach diesem Tenor drei Sätze geradeaus sprechen können, glauben wir das. Und ja, dass mag ja irgendwie auch stimmen. Dieses Leben ist nicht immer scheiße, dieses Leben ist manchmal auch ziemlich geil. Wenn wir uns in eine gewissen Richtung bewegen.

Es gibt dabei bloß eine ziemlich dumme Sache. Wir genießen nicht. Wir pushen hart. So dass wir am Ende eines Weges vielleicht genau das erreichen, was wir erreichen wollen. Doch leider ist da kein Erfülltsein mehr. Und manchmal, erreichen wir das wir eigentlich wollten, auf diesem Weg erst recht nicht.

Lass mich das mal an einem Beispiel festmachen.

Ich habe vor ein paar Wochen, ein bisschen Fernsehen gemacht. Eine mehr oder weniger spielerische Art von Wissenssendung für RTL. Ja ich weiß, beides in Kombination klingt etwas komisch, ich weiß selbst noch nicht was dabei am Ende rauskommt. Unter anderem ging es dabei um das experimentelle Flirten auf offener Straße.

Mir ist das grundsätzlich zu blöd, fremde Menschen ohne Intention auf der Straße anzusprechen. Doch manchmal kommt es vor, dass ich instinktiv auch in solcher Situation, dass ein oder andere Gespräch gebacken bekomme, ohne das die Menschen schreiend davon laufen. Wie gesagt — manchmal.

Mit am Start war eine Frau, deren Job es ist, Menschen im Business oder im Alltag im Flirten besser zu machen. Und diese Frau versteht ihr Handwerk. Hat eine Menge Tipps, Wissen und vor allem eine Menge an Regeln. Und genau das war das Problem. Denn nach der üblichen Farcon, habe ich so fast alles falsch gemacht. Basics, wie Tür aufhalten bekomme ich ja noch hin — doch mich bei der Getränkeauswahl nach dem Gegenüber zu richten oder heikle Gesprächsthemen zu vermeiden, bin ich definitiv raus. Wenn ich wissen will wie das Wetter wird, rufe ich meine Oma an. Und wenn ich über Small Talk — Shit reden möchte — dann eigentlich auch. Ehrlich gesagt, ist meine Oma die einzige Person, mit der ich das wirklich gerne mache. Doch zurück zu unserer Video-Love-Story. Denn das witzige war — es lief gut. Ich hatte gute Gespräche. Ich hatte komische Gespräche. Doch vor allem waren sie lebendig. Und das, obwohl ich mal wieder alles falsch gemacht hatte.

Was mir in diesem Moment nach oben kam — und teilweise kam es mir wirklich sehr nach oben, fast bis nach ganz oben — wie sehr wir uns an den gängigen Regeln festhalten. Wie sehr wir dem Leben manchmal in sehr arroganter Weise zeigen wollen, dass wir hier die Regeln machen und wissen wie es geht. Beim „flirten“ bitte nur sanfte Themen auf den Tisch packen, der Körper braucht mindestens 7 Stunden Schlaf und will um 18 Uhr essen, du brauchst eine Mission für die du hart arbeitest, du musst jede Stunde deines kostbaren Lebens nutzen, bla bla bla….

Wenn Menschen so leben, passiert etwas trauriges. Sie nehmen sich verdammt ernst. So ernst, dass sie nie in den Flow kommen. So ernst, dass daraus nie was wirklich ernsthaft gutes, spielerisches entstehen kann. Diese Menschen haben es verlernt freie Luft zu atmen. Verlernt zu fressen, zu feiern, zu ficken, still zu sein und vielleicht auch zu lieben. Zumindest haben sie es vergessen. Weil sie das Anheften an die Dikaktur der eigenen Regeln dazu zwingt, gegen den intelligenten Instinkt aus dem Inneren zu rebellieren.

Und genau das passiert , wenn wir ES machen wollen. Es erzwingen. Es pushen. Es haben wollen. Beziehungen, Geld, Ideen, whatever. Versteh mich nicht falsch. Ich rede nicht davon, faul in der Ecke mit ner Tüte Chips vorm Fernseher abzuhängen und eine Scheiß-egal-Haltung zu kultivieren.

Doch in den Phasen meines Lebens, wo es wirklich Spaß macht, sehe ich einen Unterschied, der über alles entscheidet : Pushen wir die Sachen bis ans Limit und verlieren dabei den Juice des Augenblickes ? Oder lassen wir uns vom Leben selbst ziehen ?

Denn das witzige bei der Sache ist — die Sachen, die Du eh durch deine ganze Anstrengungen bekommen wolltest — bekommst du auf zweitere Art sowieso. Nur das es diesmal mehr Spaß macht.

Wie man in diesen Zustand kommt? Keine Ahnung. Vielleicht fragst du besser einen Motivations-Life-Empowerment-Coach, statt einen mit Steine schmeißenden Komiker mit Entfaltungsauftrag.

Doch ich kann dir sagen was mir hilft. Und das ist nicht viel. Es ist einzig und allein die Gewissheit, ein Werkzeug zu sein. Mit 2 Augen, in meinen Fall leicht krummen Penis und vor allem einem Ding, was ich als Seele bezeichnen würde. Und dieses Ding bekommt Impulse, die tiefer sind als jeder gedankliche Wille. Sie reichen von ADHS über komplette Stille bis hin zu konkreten Ideen, Gedanken und Taten. Und dieses Ding spürt zu jeder Sekunde, dass es sich von innen nach außen ausdrücken muss. Ungeachtet davon, wie das nun der Nachbar, der Flirtcoach oder manchmal sogar man selbst finden soll. Dieses Ding ist frei. Dieses Ding will lieben. Dieses Ding will alles drum herum nicht ernst nehmen, damit es sich in sich selbst vergessen kann.

Euer Poetry — Marc

FYI: Hier kannst Du meiner Facebook-Seite folgen. Da kommt immer alles ca. 5 Minuten früher, als woanders.

FYI II : Bock auf Flow ? Vielleicht ganz gut, wenn früher mal Geschichte ist und morgen lediglich Zukunfstmusik. Oder genauer: