Welche Portfoliostrategie ist Mitte 2018 die beste Investmententscheidung?

Marco Alberti
Sep 1, 2018 · 5 min read

Als Strategieberater beschäftigen wir uns bei Murakamy viel mit dem Erfolg von Unternehmen. Darüber kommen wir in den spannenden Austausch mit zahlreichen Unternehmern über die richtigen Anlagestrategien für ein diversifiziertes Portfolio. Grundsätzlich ist die Marktlage seit Jahren so positiv, dass man mit Investitionen in Aktien oder Immobilien nicht viel verkehrt machen konnte. Der klassische Kleinanleger verzweifelte an nicht mehr existenten Festgeldanlagen, doch der etwas „mutigere“ Anleger konnte bisher stark von den Entwicklungen der Märkte profitieren.

Was man als Investor vermeiden sollte ist, die Investmententscheidungen (ausschliesslich) an der bisherigen Performance zu orientieren. Das fällt natürlich extrem schwer, wenn man bei dem Kauf von „Internetaktien“ bisher ein gutes Händchen bewiesen hat oder einfach der Nasdaq100 oder Global Tech ETF super gelaufen sind. Doch geht es immer so weiter? Wahrscheinlich nicht; aber nicht dabei sein, wenn es noch eine Zeit lang so weiter geht wäre auch schade. Daher steht man wieder vor der quälenden Frage der richtigen Asset-Allokation.

Grundsätzlich ist eine Verteilung auf die folgenden Assetklassen nach wie vor sinnvoll:

  • Aktien
  • Anleihen
  • Immobilien
  • Gold & Commodities
  • Cryptocurrencies

Die Frage ist nur, wie genau sollte man das Balancing betreiben? Gehen wir die einzelnen Assetklassen einmal durch:

Aktien

Das kaufen und halten von Unternehmensanteilen an grundsätzlich profitablen oder stark wachsenden Unternehmen halte ich persönlich für die beste Anlageform — wenn man einen gewissen Anlagehorizont von 10+ Jahren hat und sich relativ sicher ist, die Liquidität aus der Anlage nicht zwischenzeitlich zu benötigen. Langzeitbetrachtungen von Indizes wie MSCI World, Dax oder S&P500 zeigen, dass es trotz aller Krisen immer eine solide Verzinsung brachte, in Unternehmen zu investieren.

Was aktuell ein bisschen zur Vorsicht rät sind die Indikatoren, die bereits bei der DotCom Blase ähnliche Ausmasse angenommen haben. Zum einen sind Indizes wie der Nasdaq100 auf Rekordniveaus, andererseits schlagen die Risikoindikatoren wie KGV-Indizes Alarm, wie sie es auch damals taten, bevor die Nasdaq um über 80% verlor innerhalb von drei Jahren. Dieses spezielle Marktsegment hat um die 15 Jahre gebraucht, um die Verluste im Vergleich zu den Hochständen wieder einzuspielen.

Die Anlageklasse Aktien scheint damit über einen langen Anlagehorizont mit ausreichender Streuung halbwegs vernünftig zu sein — von sicher möchte ich an der Stelle nicht sprechen. Aber Stand heute würde mich auf Basis der historischen Daten wenig einfallen, warum sich diese Muster nicht wiederholen sollten und ein akzeptabler durchschnittlicher Ertrag generiert werden kann. Spannend wir die Betrachtung aber bei deutlich spitzeren Branchen, wie der Tech-Branche beispielsweise. Ich bin der festen Überzeugung, dass viele der Tech Werte derzeit alternativlos sind. Darunter fallen für mich Werte wie Amazon — natürlich auch Facebook, Google und Apple -, aber auch „kleinere“ wie beispielsweise Square. Die Konzentration auf die Cluster oder gar das Stock-Picking, also das Investieren in Einzelwerte ist natürlich noch einmal mit einem anderen Risikoprofil — aber natürlich auch entsprechenden Chancen — verbunden.

Da ich das Tech Segment auf keinen Fall aufgeben möchte geht meine Überlegung aktuell dahin, die speziellen Cluster mit einer Put Option auf beispielsweise den Nasdaq100 gegen einen Verlust von 20% oder mehr abzusichern. Das kostet natürlich etwas der Performance, schützt aber gegen die schlimmen Verluste, die sich aus dem „Platzen“ einer Blase ergeben könnten (zumindest teilweise).

Anleihen

Gemischte Anleihen in Form von ETFs haben derzeit wenig Performance zu erwarten. In einem Niedrigzinsumfeld bringen die Anleihen wenig Ertrag und sobald der Zins steigt, fallen die Kurse für die Anleihen mit den geringen Verzinsungen, wodurch die Anlageklasse gerade etwas eingeschränkt nutzbar ist. Steigende Kurse der Anleihen aufgrund einer Zinssenkung sind eher auszuschliessen und eine Flucht des Kapitals in eine sichere, aber unattraktive Anlageklasse ist auch eher auszuschliessen. Dadurch ergibt sich eine sehr limitierte Upside, zumindest was die Kurse betrifft. Daher kann ich mir Investments in breit gestreute Anleihen ETFs mit regelmässigem Rebalacing nicht rechtfertigen, da diese sehr an der Kursschwankung der Anleihen hängen.

Anders betrachtet ist die Anlageklasse aber durchaus eine sinnvolle Beimischung, nämlich dann, wenn man die Anleihen kauft und bis zum Ende der Laufzeit behält. Dabei sollte man Werte aussuchen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ihren Verpflichtungen nachgehen können und nicht während der Laufzeit total ausfallen. Findet man Papiere mit einem Kurs von um die 90% und einer attraktiven Verzinsung, so lassen sich mit einem guten Risikoprofil Renditen von um die 7% erzielen. Auch hier sollte der Anlagehorizont entsprechend lang sein, um Schwankungen aushalten zu können und das Ende der Laufzeit abwarten zu können.

Immobilien

Des Deutschen liebstes Kind (nach dem Auto) ist sicher die Anlage in Immobilien. Allerdings sind die Preise in den spannenden Regionen gerade derart angezogen, dass man sich nur schwer vorstellen kann, dass hier mit steigendem Zins nicht eine wirkliche Wertkorrektur einsetzt. Man muss hier wohl unterschieden zwischen den Objekten, die auch dann noch Käufer haben werden, wenn das Geld teurer wird (nämlich Luxusimmobilien oder echt Renditeobjekte) und den überteuerten Reihenhäusern, deren Finanzierungen reihenweise zusammenbrechen wenn der Zins steigt und die monatliche Belastung dem jetzt schon in die Enge gedrängten Bausparer die Luft ausgehen lässt. Für diese Art der Immobilien findet sich dann wohl schwer ein Käufer, denn wer dann (noch) Geld hat, der will auch weiterhin dahin, wo es schön ist. Daher sind wahrscheinlich die drei alten Regeln bei den Immobilien auch immer noch der sinnvollste Anhaltspunkt: Lage, Lage und Lage.

Gold und Commodities

Rohstoffe werden auch sichern weiterhin gebraucht; gerade vor dem Hintergrund von mehr Elektromobilität in Bezug auf seltene Erden usw. Doch ist es ein Gebrauchsgut, wodurch es sich als Spekulationsobjekt nur begrenzt vorhersagen lässt. Ich habe es als Risikoindikator betrachtet, denn wenn die Anlageklassen steigen, dürfte in den anderen Assetklassen eine Korrektur anstehen (oder schon durch sein). Da Ray Dalio es in seinem „All Weather Portfolio“ empfiehlt kann man es sicher mal mitnehmen — eine wirkliche Prognose ausser als Gegengewicht zu den anderen Klassen kann ich hierzu nicht wirklich treffen.

Cryptocurrencies

Bleiben noch die Cryptos. Wer — wie ich — im Goldrausch eingestiegen ist dürfte Verluste zwischen 50–80% durchaus nicht als unrealistisch erlebt haben. Jetzt muss man sich die Frage stellen, ob das Thema technologisch betrachtet Sinn macht und sich durchsetzen wird. Ich glaube fest daran, dass Smart Contracts die Welt verändern werden und der Notar und eine Horde von Juristen weniger zu tun haben werden. Selbst der Staat dürfte nicht uninteressiert sein bei einer Immobilientransaktion in der Blogchain automatisch seinen Obolus zu erhalten. Sinn macht das also hochgradig (von der Ineffizienz und dem Energieverbrauch abgesehen). Ob es nun aber Bitcoin, Etherium oder Cardano werden ist bisher noch ungewiss. So wirklich sinnvoll scheint es nicht zu sein, dass es tausende „Währungen“ gibt, also wird sich da nur einiges weniges durchsetzen, zumindest als Tauschmittel. Dauern wird es auch noch; aber wenn man ein paar Euro übrig hat, dann ist es vielleicht eine gute Idee die jetzt wieder rationalen Kurse zu nutzen ein Portfolio dahingehend zu erweitern und die Sachen einfach liegen zu lassen. Aber auf jeden Fall das Passwort gut sichern, nicht dass man am Ende nicht mehr dran kommt 😉

Was sind Eure Überlegungen zu einer sinnvollen Portfolioaufteilung?

    Marco Alberti

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    OKR Coach, strategic Advisor, convinced Food Investor www.murakamy.com | www.sobremesa.de |

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