Vorurteile gegen den Diabetes…

…und seine Sklaven.

Das wohl größte Vorurteil ist wohl, dass wir, die armen Diabetiker, nicht alles essen dürfen. Mittlerweile schon. Dank schnell wirkendem Insulin. Das einzige, was Diabetiker nicht essen dürfen ist Gift und Kekse, die aus Gift gemacht sind.

Genauso schön ist das Vorurteil, dass Diabetes ansteckend ist. Er ist nichtmal vererbbar, weshalb also dann ansteckend? In Internet-Foren findet man wahre Juwelen zu dem Thema, vor allem in Verbindung mit (un-)möglichen Organspenden von Diabetikern. Laut Aussage Einiger sind sämtliche Organe eines Diabetikers hinüber. Keine Frage, die Bauchspeicheldrüse ist Schrott, aber solange der Blutzucker gut eingestellt ist und somit auch die Nieren einwandfrei funktionieren, ist bloß dieses einzige Organ unbrauchbar. Und ganz bestimmt fängt man sich mit der Transplantation eines Diabetiker-Herzens keinen Diabetes ein…Der Ärger über solche gefestigten Meinungen trifft bloß die Verleumdeten, also Diabetiker wie mich, die sich dann auch noch rechtfertigen müssen, wenn sie einen Organspende-Ausweis ihr Eigen nennen.

Ein weiteres Vorurteil ist, dass es verschiedene Schweregrade des Diabetes gibt. Gibt es nicht. Entweder man hat Diabetes oder eben nicht.

Diabetiker müssen auch nicht unbedingt übergewichtig sein, die meisten Typ-I-Diabetiker sind völlig normalgewichtig, ich selbst übrigens auch.

Es steht außer Frage, dass es gewisse Unterschiede zwischen den zwei Diabetes-Typen gibt, ich schreibe hier jedoch über den Typ I. Dieser ist von Insulin abhängig und kann auch nicht mit Rohkost geheilt werden, eine weitere (lustige) Meinung. Allerdings auch nur lustig, wenn man sich als Typ-I-Diabetiker nicht daran hält.

Bei Typ-I-Diabetes geht kein Weg daran vorbei.

Diabetes entsteht auch nicht, wenn man zu viel Süßes isst. Als ich mit Diabetes diagnostiziert wurde, war ich knapp 2 Jahre alt und hatte die Welt der Süßigkeiten nichtmal erobert.

Dass nach so langer Zeit noch immer solche Aufklärungsarbeit nötig ist, macht fast traurig, doch dafür gibt’s ja mich.