Selbsthilfegruppen: Wenn man so viel gemeinsam hat. Und dann doch so wenig.

Es muss irgendwann Ende 2015 sein, als ich mich bei Facebook nach Gruppen umsehe. Fibromyalgie-Gruppen. Schließlich soll es ja entlasten, sich mit Gleichgesinnten (wobei mir “Gesinnung” wenig passend zu sein scheint) auszutauschen. Die Theorie verspricht mehr Verständnis, als es Freunde, Bekannte oder möglicherweise verfügbare Familienangehörige aufbringen können. Es winkt ein positiver Effekt auf allen erdenklichen Ebenen. Und wer weiß, vielleicht hat jemand schon die Schmerzweltformel gefunden, die zu blitzartiger Heilung von Zauberhand führt. Oder kennt einen der einen kennt. Und am allerbesten: Gleichleidende am Wohnort finden für einen möglichen analogen Austausch. Also “bewerbe” ich mich höchstoffiziell als Gruppenbeitrittsinteressentin in der “Fibromyalgie Berlin”-Gruppe. Kurze Zeit später bin ich im Inner Circle. Ich kann mitlesen und darf teilen, was immer mir teilungswürdig erscheint. Erste Skepsis keimt auf, als ich die Timeline durchscrolle und vor allem Diddl-Mäuse, Kuschelteddy-Comics, Fotos von arrangierten Blumengestecken und Memes vor 80er-Jahre Farbverläufen meine Sinne irritieren. Ich ermahne mich zu unbedingter Toleranz und Offenheit. Deshalb schaffe ich es auch über das Unwohlsein hinwegzusehen, welches durch für mich recht befremdliche Kommentare in der Qualität “och Du Süße/r, sei gedrückt, wir haben es nicht leicht” auf z.B. Schmerzzustandsposts, hervorgerufen wird. Letztlich sei erlaubt, was auch immer wem auch immer zur Ermutigung verhilft. Schlussendlich finde ich einen Beitrag, in dem eine Dame beschreibt, wie sie mit dem Rentenantrag wegen des FMS kämpft und denke “ach guck, mein Thema”. Ich kommentiere meine Erfahrungen. Ein bis zwei Reaktionen lang freue ich mich über den Austausch. Dann kommt, was kommen “muss”. Eine Gesinnte (ich lasse das vorangestellte Gleich- bewusst weg) meldet sich zu Wort und beklagt, dass “wir” es ohnehin schon nicht leicht hätten und es uns so schwer gemacht würde. Soweit, so nachvollziehbar. Weiterhin macht sie ihrem Unmut darüber Luft, dass hingegen den Flüchtlingen alles in den … gesteckt würde, sie habe erst kürzlich von einem kranken Flüchtlingskind gelesen, dem eine teure Behandlung ermöglicht wurde. Und mir würden solche Steine in den Weg gelegt. Ich kann nicht mehr sagen, was mich überhaupt dazu bewogen hat, zu glauben, ein weiterer Beitrag zum Dialog wäre fruchtbar, aber seit nach diesem mehrere weitere Gruppenmitglieder in ihren Canon einstimmten bin ich wieder ohne “Selbsthilfegruppe”. Ein gleiches Leiden macht eben doch keine Gleich”gesinnten”.