Facebooks Trending Topics Dilemma

Aktuell ist eine Debatte darüber entbrandt, wie gut (im streng journalistischen Sinne) und objektiv (unbiased) Facebooks Trending Topics sind. Das ist aus drei Gründen bemerkenswert:

Erstens wird diese Debatte exklusiv von journalistischen Anbietern geführt. Dass sich Nutzer massenhaft über die Themenauswahl der Trending Topics geärgert hätten, ist nicht bekannt und auch eher unwahrscheinlich. Der Grund: Facebook-Nutzer haben sich bei Facebook niemals angemeldet, um journalistisch ausgewogene Inhalte präsentiert zu bekommen. „Echte“ News gibt es da halt auch. Aber vor allem gibt es bei Facebook News von Freunden, Verwandten, Veranstaltungen, Sport-Teams und Stars.

Zweitens ist gerade bei journalistischen Anbietern ein Wandel hin zu mehr Subjektivität zu beobachten. Es geht nicht mehr in erster Linie darum zu sagen, was ist, sondern darum, was man sieht, wie man sich fühlt, was man denkt, wie man sich zu einer Sache verhält. Warum sollte dann ausgerechnet Facebook, das sich selbst nicht als journalistischer Anbieter versteht, unbiased sein?

Drittens ist überhaupt nicht überliefert, wie stark die Trending Topics Box genutzt wird. Es gibt zwar einzelne Artikel, denen zu entnehmen ist, dass über eine Platzierung in den Trending Topics Millionen Klicks erzielt würden. Aber von Facebook selbst gibt es dazu keine Angaben.

Für mich ist die Debatte deshalb vor allem eins: Ein weiterer Nebenkriegsschauplatz von Verlagen und Journalismus-Angeboten im Überlebenskampf mit Facebook.

Wer sich näher mit dem Thema auseinandersetzen möchte, der sollte die aktuelle Ausgabe des Social Media Watchblogs lesen. Dort wurden alle wichtigen Texte zu Facebooks Schritt, bei den Trending Topics Algorithmen gegenüber Menschen zu bevorzugen, zusammen getragen.


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