Soooooo langweilig…

…kann es sein, wenn man sein Geld in ETFs anlegt. Rückwärts betrachtet war der Weg der Erkenntnis schnell gebaut: Verzichte auf Schrott und Menschen (ich meine Fondmanager und Bankberater), akzeptiere wie Geld funktioniert, verteile deine Kohle dahin wo heute schon viel davon liegt, spare Kosten und um Himmels willen, schau bloß nicht zu oft ins Depot. Die — für Leute die sich noch nicht viel mit Finanzen auseinandergesetzt haben durchaus sehr anspruchsvolle — Lektüre von Gerd Kommers Büchern zu Exchange Traded Funds sind schon ein guter Einstieg. Zum Frühstück serviert kann man sich noch ein paar Youtube Videos zur Abrundung reinziehen. Um wirklich mit Geldanlage anfangen zu können, brauchts natürlich noch ein kostenloses Depot — da wird die Auswahl schon recht klein. Es bleiben Onvista, Flatex und MaxBlue (lt. EXtra Magazin 04/2017) die dauerhaft kostenlos sind und ETF Sparpläne verschiedenster Anbieter zum Nulltarif anbieten — befristete Aktionen betrachte ich hier nicht.

Im nächsten Schritt sollte man sich einige Fragen stellen:

  • wie lange will ich mein Geld anlegen? Unter 3 Jahren geht man besser ins Kasino, denn
  • welche Renditeerwartung (pro Jahr) habe ich realistisch an mein Vermögensaufbau (6% — locker drin, 8% — realisitisch wenn mans richtig macht, 10%-ambitioniert, 12% — da hat man schon Glück oder ein ausgefeiltes diversifiziertes, ggf. leicht strategielastiges Portfolio, 14% und mehr — Übergang zum Glücksspiel, 100% und mehr pro Monat — Bauernfängerei)
  • Brauche ich das Geld an einem bestimmten Zeitpunkt? (wenn ja, dann ist dies der falsche Artikel, bzw. man müsste dein Portfolio anders bauen)
  • Kann ich nachts ruhig schlafen, wenn mein Geld über einen gewissen Zeitraum auch mal WENIGER wert ist? Wer dabei kalte Füße bekommt und panikartig sein Depot verkauft ist bei Aktien auf jeden Fall auch flasch. Wer diszipliniert daran glaubt, dass morgen die Sonne aufgeht und man sich nicht in einem Krieg wiederfindet, wird sehr wahrscheinlich von Unternehmen umgeben sein. Wer nun noch daran glaubt, dass über Nacht die Weltwirtschaft nicht gerade auf andere Motivationsstrategien außer der exponentiellen Ausweitung der Geldmenge umgestellt wird, ist mit Aktien gut bedient. Alle anderen sollten auf BitCoins, Ether, Gold, Konserven oder Schräbergarten setzen.

Zum Schluss bleibt die Frage wie viel man investieren möchte. Da ETF Sparpläne in 50€ Schritten gestückelt gekauft werden können, habe ich nachfolgend bis 500€ monatlich MEINE Empfehlung für ein mögliches Portfolio aufgeschrieben. Die Auswahl orientiert sich am kostenlosen ETF Angebot von Flatex. Es sind allesamt thesaurierende, synthetische SWAP-ETFs von Comstage (der Swap ist bei Comstage überbesichert, trotz des selben Anbieters besteht also kein Emitentenrisiko) die durch diese Kombi trotz der Domizilierung in Luxemburg steuereinfach sind. Darüber hinaus bieten sie einfach auch geringere Kosten und genauere Indexabbildungen als die BlackRock ETFs, welche ebenfalls kostenlos besparbar bei Flatex wären. Wie das Steuerverfahren ab 2018 aussieht — ich weiß es noch nicht genau, also gilt bis Ende 2017: Halten und nicht verkaufen heißt man muss keine Steuererklärung für diese Dinger machen. Selbst bei einem Verkauf muss mans nicht. Die Besteuerung ab 2018 betrachte ich später nochmal separat. Also legen wir los:

  • 50€-100€: ETF110 — MSCI World (Alternativ auch MSCI ACWI , weil hier auch auf Schwellenländer mit verteilt wird— den gibts aber nur von anderen Anbietern, steuerhässlich, kostenintensiv, etc…bei Onvista gibts den mit leicht höheren Kosten — 0,45% — von Lyxor: LYX0MG)
  • 150€: Wer’s einfach mag setzt 100€ auf MSCI World (ETF110) und 50€ auf MSCI Emerging Markets (ETF127). Wer Spaß hat kann den MSCI World Block auch schon in einen Nordamerika (ETF113) und einen Europa-Teil (ETF111) splitten.
  • 200€: die vorherige Split-Variante wird erweitert durch einen MSCI muss um einen 50er Block erweitert werden. Egal wohin — eine Assetklasse wäre nun übergewichtet. Welche? Amerika oder Europa? Deine Entscheidung! Das hängt auch ein wenig davon ab, ob du irgendwann noch mehr reinsparen möchtest — und realistisch auch irgendwann kannst. Eine esoterische Stückelung auf Pacific Small Caps macht hier noch keinen Sinn.
  • 250€: Hier kann man schon 100€ auf Nordamerika, 100€ auf Europa und 50€ auf Emerging Markets setzen. Die 100er Blöcke kann man idealerweise noch auf Large- (EU:ETF124, USA:ETF120) und Small Caps (EU:ETF126, USA:ETF123) verteilen, da MidCaps nicht allzu stark performen.
  • 300€: ein weiterer 50€ Block geht auf Emerging Markets
  • bis 450€: erst mal die Aufteilung in gleichen Verhältnissen so weiter fahren
  • 500€: man kann mal langsam einen MSCI Pacific mit dazu nehmen (ETF114)

Wer ernsthaft darüber nachdenkt, monatlich noch größere Sparraten in ETFs zu hauen, sollte sich vielleicht auch irgendwann mit Faktorprämien auseinandersetzen. Die MSCI Indizes gewichten stumpf nach Marktkapitalisierung. Eine Unternehmensauswahl im Index nach Value oder Momentumfaktor, eine Dividendenstrategie und weitere Diversifizierung mit REITs und Rohstoffen wären weitere Möglichkeiten. Je nach Broker und akzeptierter Kostenquote sind andere Konstellationen denkbar. Und nicht für jeden sind thesaurierende, ausländische SWAP ETFs die richtigen Produkte. Einzelne Aktien — sofern es wirklich “gute” Unternehmen sind- können sich interessierte Investoren auch immer zulegen(Unternehmensbewertung ist auch keine exakte Wissenschaft). Wenn man gute Unternehmen und tolle Geschäftsmodelle gerne unterstützen möchte, soll man das auf jeden Fall auch tun.

Aber Hey: für mich ist das Aufbauen von möglichst kostengünstig und sinnvoll diversifizierten ETF Portfolios ein Hobby. Das Lesen dieses Arikels hat vielleicht nur 5 Minuten gedauert. Die Recherche zur Thematik, das Finden der Ruhe zur Umsetzung und Beibehaltung der Strategie, die ausführlichen Erläuterungen aller hier aufgeworfener und flapsig beantworteter Fragestellungen dauern schon etwas länger.

Für Dich ist das vielleicht nur lässtig? Wichtig ist nur: auch einfach anzufangen und später eine Optimierung im Vergleich zu deinem Ersten Investment vornehmen zu können. Ohne Anfang nimmt die Qual der Wahl kein Ende. Also klöppel dir kein zu kompliziertes Portfolio zusammen, für dessen Aufbau und Tracking du viel zu viel Lebenszeit aufwendest. Frag mich ;-)

Für alle anderen die jetzt noch wach sind, möchte ich gerne folgende Seite verlinken: Germann Violins

Wer 20k€ Startkapital hat, kann sich eine durchschnittlich 7%ige Wertsteigerung in Form von Violinen sichern. Einen Wertverlust gab es nach eigener Aussage der Geigenbaumeisterin Laura Germann seit 1922 nachweislich noch nicht — sofern man ein echtes Originalinstrument in den Händen hält. Eine Korrelation mit anderen Assetklassen halte ich für sehr gering. Bei privaten Gebrauch ohne gewerblichen Handel dürften die Gewinne aus dem Verkauf auch steuerfrei sein (min. ein Jahr Haltedauer wäre im Zweifel nachzuweisen). Die Wohnung aufwerten tut das gute Stück auch. Nur für den Tresor ist so ein schickes Stück schon fast wieder zu schade :-D

Für mich war es eines der wenigen Instrumente auf der Invest2017 in Stuttgart, die man tatsächlich auch spielen sollte. Die Tonnen an Zertifikaten, Optionen, CFDs, Forrex und weiterem Daytrading-Schrott waren aberwitzig groß. Das Interesse des Publikums an solchen Dingen noch größer. Das Erstaunen über die fällige Steuernachzahlung auf die Gewinne ist auch nach Jahren ggf. riesig. Der einzige Grund sich solche Produkte ins Portfolio zu legen ist genau einer: Der Spaß am Zocken. Im Kasino gibts aber wenigstens noch andere Menschen und reich machen tue ich das Kasino, keine Bank. Ich wurde in meiner Haltung zu ETFs auf jeden Fall bestärkt — denn davon gabs auf der Invest fast keine Angebote. Immerhin habe ich mir die laminierte Übersicht der Comstage ETFs gekrallt.

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