Das soziale Netzwerk der Zukunft

Die großen sozialen Netzwerke sorgen immer wieder für Aufreger. Neue Netzwerke wollen dagegen halten und machen die gleichen Fehler.

Ob Facebook oder Twitter, die großen sozialen Netzwerke sorgen immer wieder für Aufreger. Die einen verschließen sich immer mehr, die anderen sammeln immer mehr Daten. Neue Netzwerke wollen dagegen halten und machen die gleichen Fehler.

Zugegeben, ich bin schon so ein bisschen twittersüchtig. Sobald ich morgens aus den Augen gucken kann, überfliegen diese auch schon meine Timeline.

Doch Twitter verschließt sich immer mehr. Entwicklern von Twitter-Clients wird ab 100.000 Usern der Hahn abgedreht, keine neuen User können sich mehr authentifizieren. Die Konsequenz ist, dass die App nicht mehr verkauft werden kann.

Das ist schlimm genug, noch schlimmer macht es die Tatsache, dass Twitter nicht in der Lage ist, selber eine vernünftige App auf den Markt zu schmeißen. Eine App, die in ihrem Funktionsumfang nicht hinter allen anderen her hinkt.

Über Facebook brauchen wir wohl gar nicht reden. Facebook ist böse. Und trotzdem benutzt es gefühlt jeder. Ist ja auch okay, man muss sich halt nur bewusst machen, dass Facebook alles, was es an Informationen über seine User kriegt, gierig einsaugt und versucht zu vermarkten. Wer damit leben kann, möge dies tun.

Ob Facebook einen tollen Client hat, weiß ich nicht, weil ich Facebook schon seit Ewigkeiten von meinem Telefon verbannt habe. Sorry, Mark.

Vielleicht liegt es daran, dass ich selber Entwickler bin, aber immer wenn ich mich bei einem Dienst registriere und beginne ihn regelmäßig zu nutzen, Daten einzugeben und hochzuladen, dann macht es *puff* und eine kleiner Nerd mit zotteligem Haar und Tux-T-Shirt erscheint auf meiner Schulter und krakehlt mir ins Ohr: „UND WAS IST MIT DER KONTROLLE ÜBER DEINE DATEN?! WAS MACHST DU, WENN DER DIENST DICHT MACHT? WAS DANN?!

Dann denke ich, ja, Mensch, da hat mein kleiner Kollege hier Recht. Ich sollte dringend dafür sorgen, dass ich auch an meine Daten komme, wenn der Dienst mal nicht mehr ist (und außerdem sollte ich dringend was gegen diese Halluzinationen tun).

Es gab da ja schon Ansätze, via WordPress-Plugin seine Daten ins eigene Blog zu ziehen. Nett, nett. Aber anstatt sich mit kleinen und großen Tricks zu behelfen, um irgendwie Herr der eigenen Daten zu bleiben, könnte man sich doch mal überlegen, wie man so einen Dienst besser aufziehen könnte.

Utopia

Wie sähe also mein neues Lieblings-Social-Network aus? Anwärter gibt es ja inzwischen einige. tsu.co verspricht uns allen Geld, wenn wir da fleißig Content erzeugen und Werbeeinnahmen generieren.
Und ello.co will ganz ohne auskommen, also Werbung, und dafür mit Premium-Funktionen Kohle machen. Leider wird das aber kaum jemand nutzen. Die Leute sind inzwischen zu geizig einen Euro für eine App zu bezahlen, an der diverse Entwickler diverse Monate gearbeitet haben. Warum zum Teufel sollten sie also für irgendwelche Premiumfunktionen bezahlen, wenn sie nur ein neues Selfie oder eine Kalenderweisheit teilen wollen?

Also, tabula rasa.

Wir nehmen uns jetzt alle mal ein leeres, chlorfrei gebleichtes Blatt Papier und einen Bleistift und fangen an zu skizzieren, wie unser neues soziales Netzwerk aussehen soll.

Ich nehme mein neues Lieblings Netzwerk und packe rein:

Ein offenes Protokoll, damit jeder sich ran hängen und Clients, Tools, Widgets und was auch immer bauen kann.

P2P. Mein neues Netzwerk soll gefälligst dezentral sein. Es soll ein Netzwerk im wahrsten Sinne des Wortes sein, jeder der sich via Client oder Weboberfläche reinhängt, wird ein Teil des Netzwerks und verteilt dessen Daten.

Verschlüsselt. Mein neues Netzwerk arbeitet über verschlüsselte Kanäle und bietet mir die Möglichkeit einzelne Nachrichten zu verschlüsseln und zwar so, dass jemand der Null Ahnung davon hat, das auch hinbekommt!

Kontrolle. Wenn ich ein Bild hoch lade und später wieder lösche, dann soll dieses Bild tatsächlich gelöscht sein und nicht nur unsichtbar. Genauso verhält es sich mit allen Daten. Ich will die volle Kontrolle.

Spamschutz. Mein Netzwerk soll bitte — irgendwie — verhindern, dass mir 1.000 Spam-Bots folgen. Danke.

Echtzeit, Push, Direct Messages, Mentions, Eierlegendewollmilchsau.

Umsetzung

So. Wie setzen wir das jetzt um?

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