Privatisierung II

Mängel hinter den Kulissen

Bei den Nachforschungen für meine Texte versuche ich immer so neutral wie möglich alle Informationen aufzunehmen, die ich finde. Nicht nur jene also, die meine grundlegende antikapitalistische Einstellung unterstützen. Klar sind meine Artikel trotzdem immer voreingenommen, denn ich konstruiere sie auf eine Art, dass sie zwar dem Leser beide Seiten darstellen, ihm am Ende aber die Alternative als wertvollere Möglichkeit nahelegen. 
Aus genau diesem Grund haben wir im letzten Artikel die Vorteile privater Unternehmen gegenüber öffentlichen Firmen analysiert. Anders als es vielleicht dort den Anschein gemacht hat ist das Thema Privatisierung nicht klar und bestimmt. Es gibt kein „privat ist besser als öffentlich“. Um euch die Schwierigkeiten aufzuzeigen, denen man gegenübersteht, wenn man über ein solches Thema berichten spricht, will ich heute auf die Widersprüchlichkeiten und Schwächen des letzten Posts eingehen. Dabei soll dann Stück für Stück ein detaillierteres Bild der beiden Möglichkeiten gezeichnet werden, die wir heutzutage haben: Privat oder Öffentlich? 
 
Die Schlüsselbehauptung im letzten Artikel war zweifellos, dass private Unternehmen konsistent besser wirtschaften als öffentlich verwaltete Firmen im selben Sektor. Man könnte diese Behauptung einfach als Fakt hinnehmen, aber dadurch würde man die Vielseitigkeit und Fairness, die Fachwissen haben sollte, vernachlässigen. Stattdessen wollen wir also hinter den ersten guten Eindruck des freien Marktes schauen und einige Fragen stellen. Erstens, wie wurden die besagten Studien erstellt? Auf welchen Faktoren basiert das „besser“-Urteil?

Zwei Wörter die im Zusammenhang mit den Vorteilen der Privatisierung immer wieder fallen sind Effizienz und Profitabilität. Die zitierten Ausarbeitungen der Weltbank interpretieren Effizienz meist als Verkäufe pro Angestellten, was ein einfacher Ansatz ist, Input mit Output ins Verhältnis zu setzen. Gesteigerte Effizienz führt gewöhnlich zu erhöhter Profitabilität, denn aus den gleichen Ressourcen wird mehr Absatz generiert. Aus Gründen, die wir letzte Woche genauer genannt haben, finden diese Studien eine konsequente Verbesserung dieser beiden Kennwerte, wenn eine Firma privatisiert wird. Was viele Ausarbeitungen aber vernachlässigen sind die neben den direkten Effekten auf die Unternehmen auftretenden indirekten und weitreichenderen Konsequenzen für die Gesellschaft als Ganzes. Ja, es gibt mehr Verkäufe pro Angestellten, aber wer bekommt den Profit aus diesem Anstieg wirklich? Die Analysten nehmen oft an — beweisen aber nicht -, dass höhere Profite automatisch zu Wohlstandssteigerung für alle führen. Dabei bedienen sie sich oft der traditionellen Pferdeäpfeltheorie von Adam Smith. Diese Annahme aber zu beweisen stellt sich relativ schwer heraus, denn es müssen viele Faktoren berücksichtigt werden. Einige wenige davon sind beispielsweise Beschäftigung, Preise und Zugang. Wenn die Effizienz in die Höhe schießt, die Beschäftigung aber stagniert oder gar abnimmt, ist es fraglich ob der allgemeine Wohlstand gesteigert wird. Wenn Effizienz nur gemeinsam mit dem Preisen steigt, um die Profite noch weiter zu erhöhen, ist das dann wirklich gut für uns? Werden Effizienzsteigerungen durch bewussten Fokus auf ein bestimmtes Absatzgebiet erreicht, bleibt vielen der Zugang verweigert. Wer gewinnt dann wirklich? 
 
Wir sehen, dass die alleinige Referenz auf eine Studie bei weitem nicht genug ist, wenn man über Privatisierung diskutieren will. Wer eine Studie verwenden will, muss genau beachten welche Faktoren berücksichtigt werden und — viel wichtiger — welche Faktoren fehlen. Zu sagen es gebe keinen Vorteil durch Privatisierung, weil die Studien zu wirtschaftsbezogen sind ist dabei genauso falsch wie jedem kritischen Statement mit Unverständnis zu begegnen.

Das zweite große Argument welches wir im letzten Post völlig vernachlässigt haben, sind die grundlegenden wirtschaftlichen Restriktionen, die gegen die Privatisierung sprechen. Was, wenn der zu privatisierende Sektor nicht umkämpft ist? Staatsmonopole sind sehr häufig, aber kann ein privates Monopol eine solche Struktur einfach ersetzen und immer noch besser funktionieren? Wir haben gesehen, dass ein Schlüsselfaktor funktionierender Märkte der Wettbewerb ist, wodurch private Unternehmen so viel effizienter werden. In einer Monopolsituation fehlt aber auch der privaten Unternehmung die Konkurrenz. Welches Konzept funktioniert in einer solchen Situation also besser? Privat oder öffentlich? Aus rein wirtschaftlicher Sicht fällt diese Entscheidung wohl auf den Staat, den der ist nicht nur auf Profit fokussiert, sondern produziert oft nur, um für die Allgemeinheit eine Ware zur Verfügung zu stellen. Diejenigen unter euch mit wirtschaftlichem Hintergrund wissen vielleicht wozu die Preismechanismen des freien Marktes in einer Monopolsituation führen. Da sie keine Wettbewerber haben, tendieren Monopolisten dazu, weniger zu produzieren als das bei gleicher Kostenstruktur im Wettbewerb der Fall wäre. Sie erzeugen so eine künstliche Knappheit und Angebot-und-Nachfrage erledigen Rest. Die Preise steigen und die Firma macht gleiche Profite bei kleinerer Produktion. Ein öffentliches Unternehmen dient dem Kunden in einer solchen Situation oft besser. 
 
Es sollte nun klar sein, dass die reine Pro-Privatisierungs Argumentation von letzter Woche nicht auf richtigen bzw. umfassenden Daten basiert und daher voreingenommen oder in Teilen gar falsch ist. Außerdem wissen wir nun, dass wir die Dinge von einer anderen Seite betrachten können. Die pure Wirtschaftssicht ist zwar einfacher mit Daten zu unterlegen und zu begründen, aber alles in Allem ist Wirtschaft nicht der einzige Faktor, der uns als Gesellschaft interessieren sollte. Aus diesem Grund möchte ich die Stärken der privaten Wettbewerbswirtschaft mit den sozialen und ethischen Bedürfnissen der Öffentlichkeit kombinieren und so meinen Ansatz zur „richtigen“ Privatisierung formulieren. 
Seit gespannt auf nächsten Sonntag!

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