Was Unternehmen wirklich sind

Es gibt kaum eine klare Definition eines Unternehmens in unserer Gesellschaft. Sie machen sich das zunutze um sich als etwas darzustellen, was sie eigentlich nicht sind.

Endlich ist es Zeit sich den Lösungsansätzen der Artikelreihe „Unternehmen und Politik“ zu widmen. In den letzten Wochen haben wir verschiedene Aspekte der Beziehung zwischen Unternehmen und der Politik diskutiert und Probleme herausgearbeitet. Wir haben die verschiedenen Formen legalen und illegalen Einflusses der Wirtschaft auf unsere Leben analysiert, aber auch die Stärken des kapitalistischen Systems erkannt. 
Im Laufe der nächsten Woche will ich verschiedene Ansätze vorstellen, welche die erwähnten Probleme beheben könnten und uns helfen, eine bessere, effizientere und gerechtere Wirtschaft zu gestalten.

Während ich die Themen dieser Serie recherchiert und analysiert habe ich ein großes Problem entdeckt, das die Implementierung jeglicher Lösung erheblich erschweren könnte. Das Problem ist die fehlende Abgrenzung der Wirtschaft nach außen. Im Laufe der Jahrhunderte erreichte die Wirtschaft alle unsere Lebensbereiche. Unsere Regierungen, unsere privaten Leben, unsere Träume und Wünsche. Wirtschaft ist überall heutzutage. Wenn man Unternehmen nun mit Regulierungen konfrontiert haben sie jede Menge Argumente auf ihrer Seite, warum sie wichtig für unsere ganze Gesellschaft sind. Wir haben aber vergessen, dass wirtschaftliches Handeln nur ein Werkzeug sein sollte, um knappe Ressourcen effizient zu verwenden. Das ist zumindest die Idee dahinter. Wie aber bilden wir eine Gesellschaft aus, die die wichtigen Grenzen der Wirtschaft wieder kennt, die die Wirtschaft nutzt und sie nicht lebt? 
 
Ein erster guter Schritt wäre dieser: Man erkennt Unternehmen als das an, was sie wirklich sind. Unternehmen sind keine Personen, keine einheitlichen Körper. Sie sind keine Wohltäter für die Gesellschaft. Sie sind legale Fiktionen, komplizierte Verträge, mit einem einzigen primären Zweck: Profit.

Legale Fiktionen sind ein weitläufig verwendetes juristisches Konzept. Die Fiktion, die uns hier besonders interessiert ist die juristische Person. Um Unternehmen (Aktiengesellschaften im Speziellen) in bestehende Gesetze zu integrieren, spricht man ihnen rechtliche Personeneigenschaften zu. In den letzten Jahren aber werden die Ausmaße dieser Annahme stetig erweitert. Unternehmen können Menschen verklagen, sie können Staaten verklagen (was normale Personen nicht können) und sie haben sogar ein Recht auf freie Rede, um nur einige Beispiele zu geben. Die Tatsache aber, dass Unternehmen keine Einzelpersonen und keine homogenen Gebilde sind, macht es äußerst schwer einige wichtige Fragen zu klären: 
 Was ist die Nationalität, die Staatsangehörigkeit eines Unternehmens? Welches Recht gilt? Wer wird bestraft und wie? Kann ein Unternehmen ins Gefängnis? 
 
Wenn man über diese Fragen nachdenkt, merkt man schnell, dass unser kulturelles und rechtliches System große Ungerechtigkeiten aufweist. Das Paradebeispiel ist hier wohl die Bestrafung. Wird ein Unternehmen für eine Tat schuldig gesprochen, dann bezahlt es eine Strafe in Geld, da Haft ja offensichtlich nicht in Frage kommt. Die bezahlten Summen sind enorm, und scheinen die Taten wieder gut zu machen. Sie lenken aber davon ab, dass irgendeine echte Person verantwortlich war für das Debakel. 
Man nehme den VW Dieselgate Skandal. Volkswagen bezahlt Milliardensummen für den absichtlichen Betrug. Die Innovation und die Mitarbeiter leiden unter den Kosten, aber diejenigen, die wirklich verantwortlich waren, sehen sich keiner Strafe ausgesetzt. Es war nicht die Absicht des Unternehmens, der rechtlichen Person, die Öffentlichkeit zu betrügen. Ein Vertragskonstrukt hat schließlich keine Absichten. Es waren ganz spezielle Manager in diesem Unternehmen, die das Profitziel auf illegale Weise interpretiert haben.
Ähnlich war es bei der amerikanischen Firma Arthur Andersen, die des Betrugs in einem Fall schuldiggesprochen wurde. Im Nachhinein ging die Firma aufgrund der Strafen und des Imageverlusts pleite. Hunderte verloren ihre Jobs, obwohl sie nichts mit dem hinterhältigen Betrug der Führungsriege zu tun hatten. Die verantwortlichen Manager aber, hatten keine Probleme neue lukrative Stellen zu finden.

„I’ll believe corporations are people when Texas executes one.“ — Robert. B. Reich

Wir sehen daran, dass es wichtig ist, ein Unternehmen, nicht als eine Entität mit Absichten, Meinungen und Verantwortung anzusehen. Es besteht aus wirklichen Menschen mit ganz verschiedenen Interessen. Selbst wenn es viel Aufwand ist immer eine Einzelperson bzw. eine kleine Gruppe für die Machenschaften verantwortlich zu machen, ist es ein unerlässlicher Schritt zu mehr Gerechtigkeit. Wenn wir aufhören, Firmen als Personen des Rechts darzustellen, eröffnen wir die Wege zu wesentlich klarerer und gerechter Rechtsprechung. Denn alles in allem sind es immer noch Menschen, die ihre eigenen Interessen und Absichten in der Firma ausleben. Niemand sollte in der Lage sein, sich hinter dem Schild einer legalen Fiktion zu verstecken, um rechtliche Verfolgung zu verhindern, die ihm/ihr alleine gelten sollte. 
 
Diese neue Ansicht eines Unternehmens ist schwer zu verbreiten, denn sie verlangt die Schulung aller Menschen auf dieses Bild. Trotzdem ist der Wandel in unserem Verständnis von Nöten, denn er ermöglicht uns viele weitere konstruktive Anpassungen an unserem Wirtschaftssystem. 
Einige dieser Ansätze will ich nächste Woche vorstellen.

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