Abschied

Ich steige in mein Car2go, als es anfängt zu regnen. Dann spüre ich die Tränen. Abschied.

Der ganze Tag war seltsam. Irgendwie gehörte ich nicht mehr dazu, aber irgendwie wurde mir auch gerade ganz besonders bewusst, wie sehr ich alle vermissen würde. Es war eine kurze, aber sehr intensive Zeit gewesen.

Abschiedsstimmung aber auch wegen Max. Ihn werde ich wohl wirklich erst Ende Juli wiedersehen. Zumindest hat er zugesagt. Eigentlich eine romantische Vorstellung, wenn wir uns dann zum ersten Mal wieder begegnen. Vielleicht bei Sonnenschein am Strand? Aber was wird bis dahin alles passieren? Wird er zu seiner Freundin in München zurückgehen? Oder wird er einen sauberen Schlussstrich ziehen können? Oder wird alles sein wie jetzt? Was wird aus mir?

Ich erwische mich dabei, dass ich ständig abwesend bin, wenn Christian bei mir ist. In Gedanken bin ich bei Max, meinem neuen Job und einem neuen Leben. Heimlich schaue ich mir Wohnungen im Internet an und merke, dass ich mir weder einen Umzug noch eine eigene Wohnung überhaupt leisten kann. Es ist Ironie des Schicksals, dass es damals vor 12 Jahren genauso war.

Gestern Vormittag sah ich ihn dann endlich zum ersten Mal an diesem Tag, als er durchs Büro lief. Tief berührt hat mich, als er sich zu Emma, meiner Retriever Hündin, herunterbeugte und mit ihr schmuste. Er hatte mir zwar schon mal gesagt, dass sie ein toller Hund ist, aber ich habe ihn bislang nie so liebevoll mit ihr gesehen. Meine Stimmung war gedrückt. Eigentlich war das ein Tag zum Feiern, aber stattdessen wusste ich, wie schwer es mir fallen würde zu gehen.

Ich wollte ihn nicht fragen, ob wir noch ein letztes Mal gemeinsam eine rauchen gehen. Aber ich wusste auch, er würde von selbst auch nichts sagen. Als ich mit Emma von unserem Mittags-Spaziergang zurückkam, ging er gerade nach draußen. Er trug wieder diesen roten Kapuzenpullover und dieses Mal keine Mütze. Mein Herz machte einen Sprung, als er mich anlächelte. Kurzentschlossen kehrte ich um und folgte ihm nach draußen. Es war eine seltsame Atmosphäre. Traurigkeit lag in der Luft. Wobei, vielleicht empfand ich das auch nur. Jedenfalls war er genauso schüchtern und unsicher wie ich. Als er mir sein Feuerzeug reichte und als ich es zurückgab, berührten sich unsere Finger. Fast schien es bewußt, jedenfalls war es elektrisierend.

Dann kam der Moment des Abschieds. Wir waren natürlich nicht unter uns, aber am Ende hätte auch das nichts geändert. Er wirkte so traurig, als er mich in den Arm nahm und an sich drückte. Ein vorerst letztes Mal berührten sich unsere Wangen. Ich kann nicht sagen, ob er mich ansah und wie. Ich nahm nichts mehr wirklich war. Im Auto kamen dann die Tränen.

Jetzt fange ich in einer Woche meinen neuen Job an. Dann geht es für sieben Tage ans Meer. Wenn ich wiederkomme, reist er für 3 Wochen geschäftlich in den Süden. Christian wird für mich immer mehr zur Last. Es fällt mir immer schwerer, ihm Normalität vorzuspielen. Ich weiß absolut nicht, wie wir eine Woche zu zweit im Urlaub verbringen sollen, ohne uns die Köpfe einzuschlagen oder unglaublich zu langweilen. Ich verstehe mich aber auch selbst gerade nicht. Später treffe ich meine beste Freundin. Vielleicht kann sie ein wenig Licht ins Dunkel meiner Gedanken bringen.

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