Trump ist überall

Mayrhofer Walther
Sep 8, 2018 · 4 min read

An der Präsidentschaft Donald Trumps ist eigentlich nur überraschend, dass es überhaupt dazu kam. Kaum jemand hatte erwartet, dass das Wutpotential in der amerikanischen Bevölkerung tatsächlich so groß war, einem narzisstischen Egomanen, notorischen Lügner und Sexisten das Land anzuvertrauen.

Wie sehr mussten die Menschen von der herrschenden Politikerkaste enttäuscht gewesen sein, um einen Typen wie Donald Trump zum wichtigsten Staatsführer der Welt zu machen und wie tief musste das Misstrauen , dass man der Truppe um Clinton und Obama entgegenbrachte, aber auch den alteingesessenen Republikanern, die ja zuvor schon in den Vorwahlen abgestraft worden waren?

Es ist anzunehmen, das ein erheblicher Teil der 62 Millionen Trumpwähler wusste, wen sie da wählten und trotzdem taten sie es — aus Frust, aus Wut und vielleicht aus der Hoffnung heraus, dass Amerika sich besinnen und während turbulenter 4 Jahre den Weg zurückfinden würde zu einer funktionierenden Demokratie — ein Spiel mit dem Feuer, wie man jetzt täglich sehen kann.

Keine Frage, der andere Teil seiner Wähler, seine „Streitmacht“ sozusagen, die immer noch jubelnd zu seinen Auftritten erscheint und in sozialen Medien einen erbitterten Kampf gegen die „Dems“ führt, das sind die Ewiggestrigen, die es überall gibt und die man mit den Trumpparolen von „Make America Great Again“ bis „We need the Wall“ abfüttert und die solche populistischen Brocken mit Vergnügen verschlingen. Die wollen einfach mehr Kohle im Geldbeutel, weniger Ausländer und der Welt zeigen, dass es nur ein Land gibt, das zählt, nämlich Amerika. Denen imponieren die Zölle, mit denen Trump wahl — und hirnlos um sich wirft, denen imponieren die markigen Sprüche gegen die Hymnenverweigerer in der NFL, die ihr Präsident schon mal „Hurensöhne“ nennt und natürlich seine Zuneigung zur Waffenlobby.

Die interessieren sich auch nicht für diverse Bücher über den grauenhaften Zustand der Administration im Weißen Haus, schon gar nicht für anonym verfasste Artikel in der NYT — im Gegenteil, das befeuert nur ihre Liebe zum Präsidenten, der es geschickt versteht, sich über sein Lieblingsmedium „Twitter“ zum Opfer einer „Hexenjagd“ zu machen.

Man muss auch bezweifeln, dass die Appelle Obamas viel bewirken, denn just unter seiner achtjährigen Präsidentschaft ist ja das Klima entstanden oder hat sich verfestigt, aus dessen Nebelschwaden sich die schreckliche Figur Trump erhob. Obama konnte natürlich auch nicht, wie er wollte, weil die unversöhnlichen Republikaner ihn blockierten und behinderten, wo immer es nur ging, aber trotzdem hängt ihm der Makel an, dass er als Friedensnobelpreisträger mehr Kriege begonnen als beendet hat und es ihm nicht einmal gelang, Guantanamo zu schließen.

Wenn er jetzt sagt, „es ist nicht normal“ was da im Weißen Haus vor sich geht, hat er zwar recht, aber Schuld daran trägt er selbst zu einem erheblichen Teil, auch weil er seine Position nicht genutzt hat, die Demokraten zu einen und einen besseren Nachfolger zu finden als die damals schon moralisch schwer angeschlagene Hillary Clinton.

Dass auch das antiquierte amerikanische Wahlrecht Trump zuhilfe kam — schließlich hatte seine Widersacherin fast 3 Millionen mehr Stimmen erhalten — spielt natürlich ebenso eine Rolle, wie sein untrüglicher Instinkt im Wahlkampf, das zu sagen, was die Leute hören wollten. Mit einem Mix aus Hassparolen gegen die Demokraten und das Establishment, mit markigen Sprüchen über die glorreiche Zukunft Amerikas, dem Schüren von Fremdenfeindlichkeit und Versprechungen brachte er die Menschen auf seine Seite.

Nun, man kann nur hoffen, dass im November die Vernunft siegt und man die Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus und im Senat kippt, damit der „Irre im Weißen Haus“, wie man ihn schon bezeichnet, an die Kandare genommen werden kann, ehe noch Schlimmeres passiert, als ein Handelskrieg mit China.

Trotzdem sollte sich die Bevölkerung Europas und auch die Politiker aller Länder vor Augen halten, wohin Polarisierung, Spaltung und Populismus führen können. Erste Ansätze gibt es bereits — die Parolen der AfD in Deutschland und die in sich zerstrittene Union sind ein perfekter Nährboden für den Aufstieg der Rechten und den Niedergang von CDU/CSU. Die perspektiven — und ideenlosen sozialdemokratischen Parteien in der Bundesrepublik und in Österreich drohen in der Bedeutungslosigkeit zu versinken und den rechten Populisten die politische Landschaft zu überlassen. Auch andere Parteien wie die Grünen kämpfen mehr mit sich selbst als gegen Missstände und verlieren zunehmend an Glaubwürdigkeit.

Widerliche Scharmützel in Parlament und in sozialen Medien beginnen die Menschen anzuekeln, führen aber natürlich auch zu Spaltung und Hass. Markige Aussprüche schüren die Angst vor Ausländern, nur um politisches Kleingeld einzuheimsen — all das sind gefährliche Spiele, die undemokratische Parteien und Anführer hochzuspülen, die, wenn einmal an der Macht, zur echten Gefahr für Freiheit, Stabilität und Frieden werden können.

Hoffentlich geht das „Experiment Trump“ zu Ende, ohne die Welt in den Abgrund zu stürzen, an dessen Rand er sie bereits gebracht hat und hoffentlich ziehen Wähler und Politiker die Lehre daraus, dass man nicht spielen soll mit der Demokratie, denn das mag sie nicht und ehe man es sich versieht, ist sie weg …

Mayrhofer Walther

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geb. 1960 in Wien, Gymnasium, Uni, erst angestellt, dann selbständig. Seit 2014 viel auf Reisen in Europa. Kann es nicht mehr mitansehen, muss Stellung nehmen