Was nun, Herr Vilimsky? Cool down?

Mayrhofer Walther
Sep 5, 2018 · 2 min read

Die nächste Peinlichkeit in den Reihen der Regierungspartei FPÖ geht gerade über die Bühne.

Der Nationalratsabgeordnete! Bösch hatte gestern wortreich behauptet, seine Aussagen zur Besetzung von nordafrikanischem „Raum“ wären nie so gefallen und das sei völliger Unfug (Tweet Harald Vilimsky, 03.09.2019). Dem fügte Herr Vilimsky noch die patzige Aufforderung an alle hinzu: „Cool down!“

Dann erschien gestern Nachmittag ein Tonbandmitschnitt, der den Offizier der Reserve Bösch doch als militärischen Aggressor entlarvt. Die Worte, so wie sie die Neue am Sonntag veröffentlich hatte, sind tatsächlich so gefallen. Mittlerweile hat Herr Bösch das auch bestätigt, aber gemeint, eine Besetzung auf Zeit wäre sein Vorschlag gewesen und man habe ihn missverstanden.

Was bitte kann man an dem Wort „Besetzung“ missverstehen?

Das ist ziemlich peinlich, nicht wahr?

Übrigens auch für den Europasprecher der Volkspartei, Herrn Lopatka, der ebenfalls in üblicher Bereitwilligkeit der FPÖ gegenüber dem Kollegen Bösch einen Persilschein ausgestellt und ihn von aller Schuld freigesprochen hatte.

Was wird jetzt passieren? Wird sich Kurz, der Schweiger zu Wort melden? Was wird das Ausland sagen? Wie wird man es in Brüssel aufnehmen, dass ein österreichischer Nationalratsabgeordneter tatsächlich zur Besetzung von Land in Nordafrika mit militärischen und polizeilichen Kräften aufruft?

Und vor allem — was sagt die Opposition?

Außer der berechtigten Frage des NEOS-Ageordneten Hoyos, ob denn Herr Bösch „von allen guten Geistern verlassen sei“ (Zitat orf.at) und einem Statement von Herrn Schieder (SPÖ) war noch nicht viel zu hören.

Sind die Herrschaften so mit dem U-Ausschuss BVT beschäftigt und mit dem Zähneknirschen über das neue Arbeitszeitgesetz, dass Manpower fehlt, diesen Skandal zu bearbeiten?

Man kann gespannt sein, was sich tut, aber eines sollten wir nicht tun, dem Rat von Herrn Vilimsky folgen. Für „cool down“ ist jetzt nicht die richtige Zeit.

Mayrhofer Walther

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geb. 1960 in Wien, Gymnasium, Uni, erst angestellt, dann selbständig. Seit 2014 viel auf Reisen in Europa. Kann es nicht mehr mitansehen, muss Stellung nehmen