Frei sein. Für Schuld?


(„Frei sein. Für Schuld“ so steht es auf dem Kalenderblatt vom 3. Fastensonntag des Osterkalenders von “Exodus” aus Hannover. Es bezieht sich auf Joh 4,5–42. Daniel Konnemann hat hier etwas dazu geschrieben. Es hat mich dazu bewegt, auch meine Gedanken dazu aufzuschreiben:)


Frei sein für Schuld ?

Schuld. — Was ist das?
Schuld. — Ist es das?
Schuld. — Nein, das ist es noch nicht.

Denn

Schuld ist so binär. Schuldig oder eben nicht. Aber passt das? Ist mein Handeln wirklich so zu bewerten? Wie ein Schalter, an oder aus, schuldig oder unschuldig? Ist dies das einzige Maß?

Schuld ist so „Ursache — Wirkung“. Ich tue etwas. Ich werde schuldig. Aber gibt es immer eindeutige Ursachen und Gründe? Ist die Ursache für mein Handeln nicht das Ergebnis eines anderen Handelns. Wäre somit meine Schuld nicht auch nur eine Konsequenz aus einer anderen Schuld?

Gibt es wirklich immer einen Weg, um schuldlos zu bleiben? Kann ich wirklich frei sein und etwas nicht tun? Ist nicht auch die Unterlassung eine (andere) Schuld?

Gott,

ich lebe in einer vernetzten Welt. Ich kann nicht anders als schuldig werden.

Wirst Du mich wirklich fragen: „Warum hast Du das gemacht?“ 
Oder wirst Du mich fragen: „Wozu hast Du das gemacht? Erzähl’ mir, was hat dich da bewegt?“

Ich entscheide mich. In meiner ganzen Gebundenheit. In deinem Angesicht.
Ich übernehme Verantwortung. Für mein Handeln. In deiner Freiheit.

Das macht mich frei.
Vor Gott. Für Gott.
Mit Gott. Mit Menschen.

Führe mich in meiner Verantwortung.

Lass mich

Frei sein für Verantwortung.

Amen.

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