
Und wenn das alles ist: ok
Nur schade, wenn man mehr erwartet.
Ich stehe auf und gehe in die Küche. Es ist nicht mein Reich. Es ist nie mein Reich gewesen. Es gehörte von Anfang an ihr.
Penibel und in Reihe sind verschiedene Utensilien an der Wand entlang aufgehängt. Jedesmal wieder lässt das bei mir den Eindruck von Instrumenten entstehen, die für eine komplizierte Operation gebraucht werden. Alles hat seinen angestammten Platz und fügt sich ungefragt in die geplante Gleichförmigkeit ein.
Der Küchentisch steht, wie ein Denkmal, im Schein des fahlen Nachmittagslicht. Ich vermag jeder größeren Kerbe im rauhen Holz eine Bedeutung zuzuschreiben, die aus dieser ach so normalen Szenerie schon wieder einen Privatkrieg in meinem Kopf macht.
Ich zähle meine Schritte, während ich durch die kleine Küche gehe, obwohl ich genau weiß, wie viele es sind. Vielleicht als Rückversicherung, dass das hier wirklich real ist.
Meine Bewegungen gleichen einem automatisierten Prozess. Ich schalte das Radio an, das in der Ecke der Küche auf einem Stuhl steht, und fülle den blauen Wasserkocher für meine morgendliche Kanne Schwarztee.
Marcus Wiebusch singt “Und wenn das alles ist: ok. Nur schade, wenn man mehr erwartet. Der Teil den ich versteh ist: Home ist nunmal where your heart is”, und ich sitze da, den Kopf in meinen Händen, und starre Löcher in die Luft. Recht haben sie, nur leider weiß ich nicht, wohin mein Herz sich geflüchtet hat.
Im Hintergrund blubbert subtil der Wasserkocher und jagt mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken.
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