Wie mein beruflicher Weg mich fand

Mein Name ist Madlen Koslowski. … Ja, genau die. … Die Sängerin …

Das bin ich nicht und die Blogparade #entscheidungtreffen von Zielbar ist ein guter Anlass, zu erzählen, warum ich Gespräche doch nicht so beginne, obwohl ich mal davon geträumt habe.

Am Ende meiner Schulzeit dachte ich, dass mir die Welt bald offen stehen wird. Dass ich tun könnte, was auch immer ich möchte. Ich musste nur entscheiden, worauf ich die nächsten 45 Jahre Lust haben werde. In meiner jugendlichen Zukunftsromantik war ich überzeugt davon, alles erreichen zu können. Und vor allem glaubte ich an diesen einen großen Plan. Ich malte mir Luftschlösser meiner kommenden Jahre — wie gut ich das Gesangsstudium abschließen würde, danach Erfolg haben werde und glücklich bis an mein Lebensende bin. Wie in einer Ehe, würde ich meiner beruflichen Entscheidung immer treu bleiben und es nie bereuen, diese Wahl so getroffen zu haben. Jedoch kam die Ernüchterung ziemlich schnell. Um genau zu sein, ein Jahr später.

Ich bereitete mich lange Zeit sehr intensiv auf die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule vor. Der Tag des Vorsingens war im August und ich hoffte, einen der wenigen Plätze ergattern zu können. Den Platz bekam ich nicht, aber das Feedback: „Sie sollten zur Komödie gehen.“ Ich war also ziemlich erfolgreich, indem ich die Zuschauer ungewollt zum Lachen brachte, aber meinem Ziel war ich kein Stück näher gekommen. Es fühlte sich an, als wäre ich mit Vollgas gegen eine Mauer auf meinem Weg gerannt. In dieser Enttäuschung wurde mir bewusst, dass es wahrscheinlich nicht so klug ist, in sehr unsicherem Terrain nur einen Plan in petto zu haben. Ich sollte mich darauf gefasst machen, noch mehr Mauern, Sackgassen und Weggabelungen zu begegnen. Darauf wollte ich ab jetzt vorbereitet sein.

Ich informierte mich nun noch genauer, wie real überhaupt die Chancen sind, einen dieser begehrten Studienplätze deutschlandweit zu bekommen. Und ich stellte fest, dass sie ziemlich klein sind. Es ging um eine Entscheidung fürs Leben. Für mein Leben. Ich überlegte lange, ob ich es weiter probieren sollte. Ich würde jobben und weiter an mir arbeiten, um noch besser zu werden. Aber der Ausgang würde immer ungewiss bleiben. Oder sollte ich besser eine neue berufliche Richtung suchen und sicheres Fahrwasser wählen?

Die Entscheidung fiel mir sehr schwer. Vermutlich, weil mir noch die Erfahrung mit dem Umgang solcher Situationen fehlte. Und auch, weil mir nicht bewusst war, dass ich das beste Hilfsmittel jederzeit bei mir habe: meine Intuition. Selbstvertrauen ist etwas, das erst mit der Zeit wächst. Gerade in jungen Jahren, nach den ersten Rückschlägen, ist dieses noch nicht gefestigt. Wenn es dann noch um wegweisende Entscheidungen mit hoher Tragweite geht, ist die Verunsicherung vorprogammiert.

Mir halfen viele Gespräche mit Freunden und meiner Familie und ich entschied mich dafür, den solideren Weg zu gehen. Durch einen Zufall bekam ich sogar die Möglichkeit, noch im gleichen Jahr zum Wintersemester ein Studium zu beginnen, obwohl die Bewerbungsfristen bereits verstrichen waren. 3 Jahre später war ich Internationale Diplom-Betriebswirtin, hatte zusätzlich einen Ausbildungsabschluss und bereits einige Monate im Ausland gelebt. In dieser Zeit lernte ich neben all dem Fachwissen so viel mehr über andere Menschen, fremde Kulturen und vor allem über mich. Das aber mehr oder weniger ungewollt.

2005 absolvierte ich ein Praktikum in Dubai. Es war spannend, weil ich das erste Mal für längere Zeit allein weit weg von meinem vertrauten Umfeld in einer ganz anderen Kultur lebte. Ich fand recht schnell ein Zimmer in einer Haus-WG und lebte mit zwei Pakistanern, zwei Libanesen und einem weiteren Deutschen zusammen. Zwei Wochen später brannte allerdings der Hausverwalter mit der gesamten Miete durch und der Eigentümer verlangte den Auszug innerhalb von zwei Tagen. Da ich meine Miete für die gesamten 10 Wochen im Voraus gezahlt hatte, stand ich also mit einer extrem geschrumpften Auslandskasse in einem fremden Land auf der Straße und hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte.

Glücklicherweise merkten wir schnell, dass ein deutscher Pass einige Türen öffnen konnte. Also beschlossen mein deutscher Mitbewohner und ich: Wir sind jetzt ein deutsches verheiratetes Doktorenehepaar und streben ein zeitlich unbegrenztes Visum an. Mit dieser Geschichte und den passenden Koseworten für meinen kurzzeitig angetrauten Gatten gelang es uns tatsächlich, einen neuen Vermieter zu überzeugen, uns einen Mietvertrag für seine Doppelhaushälfte zu geben. Ein Tunesier und ein Saudi, die wir bereits Tage zuvor kennenlernten und die dasselbe Problem wie wir hatten, zogen mit uns ein. Es hätte wirklich schön werden können. Wäre nicht drei Tage später morgens 6 Uhr eine Verflossene des Saudis aufgekreuzt, um ihm eine extrem lautstarke Szene zu machen, die leider auch unser neuer Vermieter mitbekam. Drei Stunden später hatten wir unsere Miete zurück und die fristlose Kündigung.

Ich stand also wieder vor demselben Problem. Die Situation war sehr anstrengend und meine finanzielle Lage recht angespannt, so dass ich ernsthaft überlegte, das Praktikum abzubrechen und wieder nach Hause zu fliegen. Ich blieb, und bin heute sehr froh, genau so entschieden zu haben. Wenige Tage später beruhigte sich die Lage endgültig und ich hatte wieder eine Bleibe bis zum Praktikumsende.

Insgesamt war meine Studienzeit eine sehr prägende Phase, die mich lehrte, Vertrauen in mich zu haben. Vieles, was schwer erreichbar erscheint, ist möglich. Es ist nicht unbedingt einfach, aber die eigenen Grenzen sind meist weiter entfernt, als gedacht.

Ich glaube, dies ist ein Lernprozess, der sich lange, vielleicht sogar lebenslang, fortsetzt. Denn auch als ich bereits beruflich aktiv war, stand ich mehrmals Situationen gegenüber, in denen ich schwierige Entscheidungen treffen musste. Ist es zum Beispiel schwerer einer Arbeit nachzugehen, die mich nicht mehr glücklich macht, weil ich merke, dass ich im Unternehmen nicht mehr vorankomme, dafür aber eine finanzielle Sicherheit habe? Oder beginne ich, mich nach einer neuen Stelle umzusehen und nehme in Kauf, in einer anderen Firma ähnliche Erfahrungen zu machen und dem Risiko eines abrupten Endes während der Probezeit ausgesetzt zu sein?

Um ehrlich zu sein, wurde mir diese Entscheidung abgenommen. Im Nachhinein bin ich sehr dankbar dafür. Und ärgere mich gleichzeitig, dass ich nicht früher selber aktiv wurde. Aber auch diese Erfahrung musste ich erst einmal sammeln: Nichts ist schlimmer, als vermeintlich bewegungsunfähig vor einer Entscheidung zu hocken und nichts zu tun. Das Gefühl der Hilflosigkeit macht erst recht handlungsunfähig. Dabei ist es recht einfach, sich klar zu machen, dass man immer aktiv sein kann. Sollte ich noch einmal in einer vergleichbaren Situation sein und wochenlang nichts tun, habe ich mich dennoch entschieden. Nämlich nichts zu tun und in der Unzufriedenheit auszuharren. Und vor allem dagegen, meine Situation zu ändern und zu verbessern. Ich bin meines Glückes Schmied.

Inzwischen hilft mir diese bewusste Reflektion in vielen Lebensbereichen. Ich weiß nun, dass ich immer die Wahl habe. Auch wenn die manchmal heißt: Entscheide ich mich für die Pest oder doch lieber für die Cholera?

Meine wohl beste berufliche Entscheidung traf ich letztes Jahr. Wobei ich zugeben muss, dass ich ziemlich unsanft dahin gestoßen wurde. Ich arbeitete im sozialen Bereich. Der Abstecher raus aus dem Marketing war eine willkommene Abwechslung. Jedoch endete das Projekt viel schneller als ich und auch mein Arbeitgeber es gedacht hatten. Ad hoc eine neue Anstellung zu finden, gestaltete sich schwierig. Überhaupt überlegte ich, welche Richtung ich nun einschlagen wollte. Bleibe ich in der Branche oder gehe ich back to the roots? Ich entschied mich für zweiteres und begann intensiv nach Weiterbildungsmöglichkeiten zu recherchieren. Nach einigen Beratungsgesprächen bei verschiedenen Trägern stand für mich fest, dass ich gerne Social Media Managerin werden möchte.

Seit Dezember mache ich nun diese Weiterbildung und bin sehr glücklich darüber, dass sich alles so gefügt hat. Ohne das plötzliche Ende meines beruflichen Ausflugs in die soziale Arbeit, würde ich nicht wissen, wie viel Spaß mir dieser Bereich macht. Dass diese Verbindung von aktiver Kommunikation mit analytischem Denken genau mein Ding ist. Und das selber Artikel zu schreiben so großartig ist.

Mein beruflicher Weg hat mich gefunden und ich werde ihn weitergehen.

Es kommt nicht immer darauf an, zu wissen, was man möchte. Welcher Weg der richtige ist und welche Entscheidung dich in der Karriere weiterbringt. Wichtig ist zu wissen, wie du für dich die Worte Karriere und Erfolg definierst. Es ist nicht ratsam, deine beruflichen Entscheidungen von äußeren Einflüssen, erst recht nicht von den Erwartungen anderer, abhängig zu machen. Hör darauf, was deine Intuition, dein Bauchgefühl dir sagt. Denn meist wissen sie genau, was richtig für dich ist. Und solltest du dir unsicher sein, weil es mehrere Möglichkeiten gibt, dann spüre in dich hinein. Welche Entscheidung fühlt sich richtig und gut für dich an? Und dann triff sie — aus tiefster Überzeugung. Es wird funktionieren.