Und das ist jetzt die Zukunft? Das neue Apple MacBook 12"

Das neue MacBook 12" ist ein Hingucker — keine Frage. Als es Tim Cook im März 2015 vorstellte und ich das Video sah, war ich natürlich erst einmal sofort verliebt und vor meinen Augen prangte in blinkender Neonschrift das eine Wort, was ich so oft bei Apple Events sehe: “Habenwollen!” — Ach, was sag ich, “Habenmuss!”

Auf was man verzichtet.

Natürlich liegen alle Zahlen, Daten, Fakten zum Gerät offen auf dem Tisch. Gern lässt man sich jedoch von den positiven Dingen blenden und verdrängt die negativen. Und obwohl ich weiß, dass es immer besser ist, erstmal mit dem Positiven anzufangen, falle ich ausnahmsweise mal mit dem Negativen zuerst ins Haus. Aber keine Sorge: warum dann doch alles toll ist, steht weiter unten!

Adieu MagSafe! Hello USB-C.

Ja was ist denn da los?! Da hat man sich schon seit Jahren an die wirklich mal schlaue und sinnvolle Innovation des magnetischen Lade-Anschlusses gewöhnt, möchte ihn nicht mehr missen, hat MagSafe 1 und MagSafe 2 mitgemacht, sogar Adapter gekauft, alle Kabel-Stolper-Sorgen vergessen und dann kommt DAS! Ein schnöder, oller, herkömmlicher Plastikstecker!

Das ist schon ein herber Rückschlag zurück auf die Bäume. Fast. Natürlich ist beeindruckend, was sich hinter dem neuen USB Standard verbirgt, wie schnell er ist, dass man über ihn parallel (mit einem unglaubliche €89,– teuren Adapter) das MacBook laden, per HDMI an einen Monitor anschließen und noch sein iPhone verbinden kann. Aber ich hab ihn mir (erstmal) nicht geleistet, den Adapter. Nur den simplen USB 3.1 auf USB-C für €25 — immer noch happig.

Hello MagSafe. Well, sort of …

Man muss aber zum Glück nicht auf magnetisches Laden verzichten, denn auf Kickstarter gibt es eine schöne Kampagne, die für Lightning, Micro USB und seit kurzem auch USB-C Anschlüsse einen magnetischen Adapter zur Verfügung stellt. In so fern ist das jetzt nicht mehr sooo das Gegenargument. Und scheinbar wird auch der Datentransfer über diesen magnetischen Adapter möglich sein, wie das Entwicklungsteam in seiner letzten Status-eMail mitteilte.

Was den Apple Puristen natürlich auch trüblich stimmt ist das nicht mehr beleuchtete  Logo auf der Außenseite des Gehäusedeckels. Aber so, wie bei meinem ersten 11" MacBook Air die Tastatur auch noch nicht beleuchtet war, nehme ich mal stark an, dass das ein schnödes Marketing Instrument ist, damit man auch in der 2. Generation — dann mit leuchtendem Logo — noch gut Geräte verkaufen kann (klar, das sollte dann nicht das einzige neue Feature sein …). Ja, es ist etwas enttäuschend, aber bei einem iPad haben wir das ja (leider) auch nicht und man kann dennoch wundervoll damit arbeiten. Sicher kein K.O.-Kriterium.

Der Verwendungszweck

Doch zurück zu den technischen Daten. Das sieht natürlich auf dem Papier mager aus. Aber was ist der use case für solch ein Gerät? Schauen wir erneut aufs Papier: ein Intel Core M mit zwei CPU Kernen und 1.1 bzw. 1.2 GHz. Das ist kein Kraftpaket und von daher sollte man auch die richtigen Maßstäbe an das Gerät anlegen. Das ist nichts für number crunching, 3D Grafik à la Apple Motion oder Cinema 4D, Musikproduktionen mit Cubase oder Apple Logic, Photoshop, Final Cut etc.
Das ist vielmehr eine süße kleine Maschine fürs Immerdabeihaben, bequem Texte schreiben, Recherchieren, Skizzieren, Mindmappen, Korrespondenz, Social Media, Musik genießen und ähnliches. Natürlich kann man auch mit Apples Photos App seine Bilder verwalten. Sogar Adobe Lightroom ist zur Not mal möglich — aber natürlich deutlich schöner am 27" iMac mit zweitem 27" Cinema Display.

Für Entwickler: Xcode geht prima

Und ja, auch für mich als Gelegenheits-Software-Entwickler taugt es ganz hervorragend, Xcode läuft einwandfrei. Es ist eine App mit vielen Panels, die viel Platz auf dem Bildschirm brauchen. Man kann sie zwar auch teilweie ausschalten (und das macht zuweilen auch Sinn), aber man braucht sie halt doch recht häufig. Was uns direkt zum Thema Bildschirm-Auflösungen bringt.

Mit einem kleinen Hack kann man Apples Monitor Einstellungen dazu bringen, auch die 1680∙1050 Auflösung anzuzeigen und auswählbar zu machen.

Zunächst habe ich nur die von Apple in den Monitor-Einstellungen maximal vorgesehene Auflösung von 1440⨉900 Pixeln getestet. Die native Auflösung des Displays ist ja nochmal deutlich höher (2304⨉1440), aber ohne spezielle Tools (Suchbegriffe sind hier SwitchResX, SetResX, Display Menu oder auch elegant das hier) kommt man da nicht dran. Ich habe nach ein wenig Probieren für mich die 1680⨉1050er Auflösung als (derzeit) optimalen Kompromiss zwischen screenestate und Lesbarkeit gefunden — Brille trage ich mittlerweile ja sowieso am Rechner … Dazwischen gibt es noch die 1536⨉960er Auflösung — auch sehr schön.

Das Design

Das Beste: es ist einfach wunderschön! Wirklich! Man mag gar nicht mehr wegschauen. Und es ist natürlich super flach — und dabei aber stabil. Und wirklich erstaunlich leicht. Meines ist das spacegrey Modell, denn silber gab’s schon immer und gold fand ich zu auffällig.

Trackpad und Tastatur

Das Trackpad? Gewöhnungsbedürftig! Aber dann: sau cool! Dieser force touch ist schon ne feine, praktische Sache! Neben den schon bekannten Einsatzmöglichkeiten (Videoabspielgeschwindigkeit, Lexikon-Nachschlagen) wird es z.B. auch bei Xcode eingesetzt und lässt einen tatsächlich am Finger spüren, wenn ein neu hinzugefügtes GUI Element an einer Hilfslinie einrastet.

Zur Tastatur ist zu sagen: nicht nur der sehr geringe Hub ist ungewöhnlich und braucht seine Zeit zum Anfreunden. Auch sorgt die Flachheit der Tasten dafür, dass sich die einzelne Taste weniger abgrenzt von den sie umgebenden Tasten. Kurz: man rutscht schonmal leichter etwas ab und landet (zumindest zum Teil) auf einer benachbarten Taste. Aber auch das ist eine Frage der Umgewöhnung. Anfangs geschah das öfters mal, mittlerweile treffe ich genauer.
Sie ist ein bisschen laut. Wenn man so abends im Bett liegt, alles drum herum ist still, dann ist es schon ein deutliches Klackern. Schwer zu sagen, ob das lauter als bei einer herkömmlichen MacBook Tastatur ist. Anders. Etwas knackiger, etwas weniger klapperig vielleicht.

Das Display

Das Display ist brillant. Retina halt. Da muss man nicht mehr viel sagen. Sie haben die Technologie noch mal verbessert, was man aber jetzt als Normalsterblicher nicht wirklich bemerkt. Wie oben schon beschrieben, hat es physikalisch 2304⨉1440 Pixel, die man aber nativ wohl kaum nutzen wird.

Der Akku

Aber das Allerbeste: heute hatte ich das neue MacBook wieder im Büro dabei und dann habe ich voller Schreck gemerkt, dass ich mein Netzteil zu Hause vergessen hatte — das macht nichts! Der Akku hält! Mittlerweile ist es 23:15 Uhr und mein Akku sagt, er hält immer noch zweieinhalb Stunden! Und dabei habe ich u.a. heute auch mit HandBrake eine Handvoll Videos konvertiert. Das ist dann schon ein bisschen Numbercrunching. Da bekommt man schon fast so merkwürdige “Probleme” wie “Der Akku wird nicht leer, ich wollte ihn doch schön wieder von 0 bis 100% über Nacht laden!”

Lüfter? Lärm? Hitze?

Auch das empfinde ich als einen Meilenstein und großen Schritt nach vorn in meinem täglichen Umgang mit einem Laptop: das Teil wird nur mäßig warm, es hat schlicht keinen Lüfter mehr eingebaut und macht demnach auch null Geräusche — außer dem Tastaturklappern natürlich.

Fazit

Alles in allem: ich liebe mein neues MacBook! Es ist klein, aber der Bildschirm ist gerade groß genug, sogar fürs Programmieren in Xcode. Es ist dünn, es ist leicht, der Akku hält praktisch den ganzen Arbeitstag, ich nehme jetzt bewusst mein Netzteil gar nicht mehr mit ins Büro. Dass es kein MagSafe mehr ist, ist schade, aber da ich es eh nur nachts lade, während alle schlafen, ist das auch kein großes Problem. Tagsüber kann keiner übers Kabel stolpern, da kein Kabel angeschlossen ist.

Die Performance ist für meine Aufgaben allemal ausreichend. Filme schneiden, Fotos extensiv bearbeiten, komplexe Musikprojekte — all sowas mache ich am iMac zuhause. Die SSD tut ihr übrigens, dass der allgemeine Speed-Eindruck gut ist. Das Display ist brillant, das Trackpad genial (nach ein bisschen Umgewöhnung). Es hat keinen Lüfter! Hallelujah! Es wird manchmal ein bisschen warm, aber da hatte ich schon ganz andere MacBooks …

Dass es nur eine einzige USB-C Schnittstelle hat schreckt erstmal ab, aber im Alltag war das für mich bisher kein großes Problem. Einmal vielleicht wäre es schön gewesen, wenn ich neben der externen Festplatte auch noch mein iPhone hätte anschließen können. Aber das ist extrem selten und wenn, dann nutzt man halt mal einen USB Hub.

Die größte Umgewöhnung wird man mit der Tastatur haben! Der Hub ist wahrlich super klein und das ganze Tastengefühl ist erstmal sehr ungewohnt. Aber nachdem ich mich nun daran gewöhnt habe (ein, zwei Wochen hat’s gedauert), möchte ich es nicht mehr missen, denn man kann damit logischerweise auch super schnell schreiben.

Ich würde es immer wieder kaufen. :)

Und die Antwort auf die Frage im Titel: ja, das ist die Zukunft!