Warum ich jetzt kein Mellow Board kaufe

Stefan Wolfrum
Sep 8, 2018 · 3 min read
“person holding skateboard near building” by Martin Nordström on Unsplash

Hach … So eine elektrisches Longboard wäre schon schön. Ich geb‘s ja zu: Casey Neistat und Sam Sheffer sind schuld. Über ihre Videos habe ich zum ersten mal von Boosted Boards erfahren – und mich schlagartig verliebt. Das wäre schon cool, sich im urbanen Umfeld nicht mehr mit der Verfeuerung von fossilen Brennstoffen fortzubewegen, sondern mit per Ökostrom geladener Elektrizität! Und das Gefährt nicht irgendwo abschließen und aus den Augen lassen zu müssen, sondern es mit ins Gebäude (z.B. die Arbeitsstätte) nehmen (und dort aufladen) zu können.

Nun muss ich einräumen, dass ich – anders als Frank Thelen – nicht aus der Skater Szene komme. Mehr noch: ich stand noch nie auf einem Longboard, egal ob mit oder ohne Motor. Und dann gleich elektrisch?

Ja warum denn nicht!? Alles eine Frage der Einstellung und nicht etwa des Alters. Ich habs ausprobiert. In einem sehr netten Laden in Köln (der aktuell scheinbar keine Boosted Boards mehr führt). Stand auf einem original Boosted Board und bins gefahren. Leute, das ist SO cool, macht SO viel Spaß!

Behörden-Deutschland

Aber … wir leben leider in Deutschland, dem Land der Spaßverderber. Denn: elektrisch angetriebene Skate- und Longboards sind hierzulande leider verboten im Straßenverkehr. Man darf damit weder auf der Straße, noch auf dem Radweg, noch auf dem Fußgängerweg fahren. Bummer!

Jetzt überlegen die Verantwortlichen schon seit Jahren, ob und wie man das Thema endlich mal regeln will, aber aktuell scheint es so auszusehen, dass ausgerechnet die über Gewichtsverlagerung gelenkten e-Kleinstfahrzeuge nicht legalisiert werden sollen:

Lest dazu einen Artikel und einen offenen Brief an das BMVI. In vielen anderen Ländern gibt es da viel schönere Regelungen [PDF].

Schlechte Karten also für uns alle hierzulande:

  • e-Skater, die gerne so ein Gefährt nutzen würden, schrecken vor einem Kauf zurück, da sie sich bei der Nutzung im öffentlichen Raum kriminalisieren würden.
  • Hersteller solcher Gefährte haben Umsatzeinbußen. Das trifft leider insbesondere auch deutsche Startups wie Mellow Boards.
  • Bürger in der Stadt müssen weiterhin Auspuffgase einatmen, die Feinstaubbelastung wird nicht reduziert.

Deutsches Startup Mellow Boards

Ein elektrisches Longboard der US-Firma Boosted ist zwar schick, aber ich würde ja lieber mein Geld in Deutschland lassen und das Hamburger Startup Mellow Boards unterstützen.

Allerdings gibt es neben den schon geschilderten regulatorischen Gründen auch noch andere, die mich vom Kauf insbesondere eines Mellow Boards abhalten …

Liebe Mellowboarder, ich habe zwei Hauptgründe, die mich noch abhalten, euer e-Longboard zu kaufen.

Erstens: eure Fernbedienung ist design-technisch eher ein Verbrechen. Wie kann man nur auf die Idee kommen, da einen stinknormalen schwarzen Quader als Form zu nehmen? Hey, seid mal etwas hipper, bitte! Schaut euch mal die Remote von Boosted an! Sowas will ich! So ne Art Pistolengriff fürs Gasgeben und Bremsen!

Zweitens: der Preis! Really? Ein Longboard Deck, vier Rollen, zwei Motoren, ein Akku, ne Fernbedienung und ein paar Schrauben für knapp 2.100 Euro? Bei aller Liebe und allem Verständnis für eure geleistete Forschung und Entwicklung – konkurrenzfähig finde ich das nicht gerade. Das ist schon ein hoher Anschaffungswiderstand! Klar, auch die App und der Service und alles will finanziert werden und ein Startup hat es nicht leicht. Und ihr habt das alles natürlich genau kalkuliert und wollt in die Gewinnzone. Aber trotzdem: nicht nur ich, sondern auch viele meiner Bekannten, die der Elektromobilität sehr aufgeschlossen gegenüber sind schlagen die Hände überm Kopf zusammen, wenn sie vom Preis hören.

Ich war in meinem Leben schon unzählige Male der early adopter – ich kann & will es aber nicht immer sein (müssen). Daher ist mein Fazit leider: aktuell kaufe ich mir noch kein e-Longboard, ich muss abwarten. Warten auf die Bundesregierung bzw. das BMVI und warten auf die Hersteller, bis sie erschwingliche Boards mit gutem Design auf den Markt bringen. Schade.

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