Handelt es sich bei der Gynäkomastie um eine Kassenleistung?

Bei der Gynäkomastie spricht man von einer Vergrößerung bzw. eines überschießendes Wachstums der Brustdrüse beim Mann. Dieses kann u.a. erblich oder hormonell bedingt sein. Sie sollte nicht mit der vermehrten Bildung von Fettgewebe, wie beim Übergewicht, gleichgesetzt werden. Kann die Ursache der Gynäkomastie nicht oder nur unzureichend behandelt werden, ist diese Veränderung der männlichen Brust oftmals eine große psychische Belastung für den Betroffenen.

Fragliche Kostenübernahme

Eine Option, dieses Symptom zu behandeln, ist der chirurgische Eingriff, bei dem überschüssiges Brustgewebe entfernt wird. Während die Aufwendungen “gewöhnlicher” operativer Therapien, beispielsweise bei einer Kniegelenkarthrose, in der Regel anstandslos von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden, wird bei der Gynäkomastie häufig ein sogenanntes kosmetisches Potential unterstellt, deren Kosten die Krankenkassen aufgrund der geltenden Gesetzeslage nur in Ausnahmesituationen tragen.

Gesetzliche Bestimmungen

In mehreren Grundsatzurteilen stellte das Bundessozialgericht fest, dass im gewissen Sinne eine Entstellung vorliegen muss (z.B. eine körperliche “Regelwidrigkeit”, die bereits im Vorbeigehen auffällt), um die Leistungspflicht der Krankenkassen zu begründen. Auf diese Urteile stützen sich die Krankenkassen, wenn Männer mit Gynäkomastie die Kostenübernahme einer korrigierenden Operation beantragen. Dabei werden die Anträge in aller Regel dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) zur Überprüfung vorgelegt.

Empfehlungen zur Antragstellung

Betroffene, die sich für eine chirurgische Korrektur entschieden haben, sollten unbedingt vorher einen Antrag bei ihrer Krankenkasse stellen, denn bei einer Gynäkomastie können OP Kosten in vierstelliger Höhe auftreten. Neben einem Anschreiben sollte der Antrag eine ausführliche Stellungnahme des behandelnden Arztes und im Optimalfall eines Psychologen enthalten. Eine beigelegte Fotodokumentation beschleunigt die Bearbeitung. Es besteht die Möglichkeit, von den begutachtenden Ärzten des MDK zu einer persönlichen Untersuchung eingeladen zu werden. Dieses sollte positiv bewertet werden, denn so kann der Antragsteller sein Anliegen in einem persönlichen Gespräch verdeutlichen.

Fazit

Die operative Behandlung der Gynäkomastie ist keine regelhafte Kassenleistung. Ein sorgfältig vorbereiteter Antrag bei der Krankenkasse kann die Wahrscheinlichkeit einer Kostenübernahme der OP um einiges erhöhen.

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