Freiheit oder Einschränkung — 
wie verändert uns die Digitalisierung?

Die Digitalisierung ist in vollem Gange und kaum einer kann sich ihr entziehen. Sie sorgt für einen fundamentalen Wandel in den meisten Lebensbereichen der Menschen. Unter der Digitalisierung versteht man kurz gesagt, das Umwandeln von analogen Werten in digitale Formate. In den letzten Jahren ist unser Leben immer digitaler geworden. 
 Die Digitalisierung hat uns das Leben in vielen Bereichen vereinfacht, meiner Meinung nach jedoch auch einiges genommen.

Man schreibt das Jahr 2006, ich bin 12 Jahre alt und besuche die Realschule.Ich bin ein großer Fußballfan und gehe in meiner Freizeit am liebsten Fußballspielen. Gerade sind Sommerferien und ich fahre jeden Tag mit meinem Fahrrad zum örtlichen Bolzplatz und treffe dort meine Freunde. Wir können uns nichts besseres vorstellen, als jeden Tag von morgens bis abends zu kicken. „Morgen um 10 wieder hier“, sind meist die letzten Worte bevor wir dreckig und mit aufgescheuerten Knien nach Hause fahren. Nach der obligatorischen Grundreinigung und dem Abendessen spiele ich am Abend gerne mit meinen jahrelang angesammelten Legosteinen. Während dem Fußballspielen gehört das Bauen mit Lego zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

Es ist Samstagabend, kurz nach acht und im Fernseher läuft gerade „Wetten Dass“. Die ganze Familie hat sich vor dem kleinen Röhrenfernseher versammelt und schaut gemeinsam die spannende Sendung an. Ich darf länger aufbleiben und fast die ganze Sendung anschauen — 
 ein großes Highlight. Zugegeben, der Fernseher bei uns läuft nicht allzu oft.

Wieder sind Sommerferien. Man schreibt das Jahr 2018 und Anna liegt in ihrem Zimmer auf dem Bett. Die nervige Sonne wird durch den Rolladen aus dem Zimmer ausgesperrt. Auf dem Smart TV läuft gerade die neue Folge von Bibis Beauty Palace während Annas iPhone vibriert. Der Bildschirm leuchtet auf und berichtet: „Du hast drei neue Follower und 12 „likes“ auf deinem neuen Instagram Foto. Außerdem haben sieben Leute deine Story kommentiert. Katja hat dir vor fünf Minuten einen Snap geschickt und WhatsApp berichtet über 15 neue Nachrichten. Während Bibi von äußerst wichtigen Styletrends berichtet, beantwortet Anna all ihre Nachrichten auf ihrem Smartphone. Es ist Samstagabend, kurz nach acht und im Fernseher läuft gerade Dschungelcamp. Die ganze Familie hat sich vor dem großen Flachbildfernseher versammelt um diese Sendung zu verfolgen. Langweilig — zum Glück hat Anna ihr Handy in der Hand und schon befindet sie sich wieder in der sozialen Welt des Internets. Dabei bemerkt sie gar nicht, dass das soziale Netzwerk gerade auf dem Sofa sitzt.

Die zwei Geschichten beschreiben den Wandel und die stetig steigende Wertigkeit der digitalen Medien. Während es für uns als Kinder ein Highlight war, elektronische Geräte zu benutzen, ist es für Kinder heutzutage nichts besonderes. Das Besitzen eines Smartphones, eines Tablets oder sonstige elektronische Geräte ist für Kinder in jungem Alter elementar wichtig. Für sie ist es ein Gefühl der Freiheit und der Eintritt in eine Welt, bei der die Eltern meist den Überblick verlieren.

Ich muss zugeben, dass ich in den letzten Jahren erschreckend digital geworden bin. Auch ich könnte mir ein Leben ohne Smartphone und Internet nicht mehr vorstellen. Dafür ist es viel zu bequem, die neuste Platte meiner Lieblingsband auf iTunes herunterzuladen oder mir die schnellste Route bei „Google Maps“ anzeigen zu lassen. Gerade die Wissensvermittlung hat sich durch das Internet revolutioniert und Informationen lassen sich innerhalb Sekunden über verschiedene Suchmaschinen generieren.

Jedoch bin ich sehr glücklich in diese Digitalisierung langsam hereingewachsen zu sein und das leben als „primitiven“ analogen Mensch noch kenne. Ich konnte meine Kindheit voll und ganz ausleben und musste mir keine Gedanken über Follower, Likes und Softwareupdates machen. Während das digitale Leben für die meisten Kinder heutzutage die ultimative Freiheit ist, empfinde ich es eher als eine Einschränkung. Durch die „Verpflichtung“ jederzeit digital erreichbar zu sein geht meiner Meinung nach ein wesentlicher Bestandteil des Kindseins verloren.

Doch nicht nur bei uns zu Hause hat die Digitalisierung großen Einfluss. Auch auf dem Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft macht sich dieser Wandel bemerkbar. Durch die Globalisierung scheint sich die Welt immer schneller zu drehen — Prozesse müssen optimiert und beschleunigt werden und die Technik muss sich stetig weiterentwickeln. Angefangen hat das vor einigen Jahren mit der Email, die nach langer Zeit den Brief verdrängt hat, bis hin zu autonomen Robotern, die in Rekordzeit Autos zusammenbauen. Was sich im ersten Moment total genial anhört, ist für viele Menschen eine Katastrophe. Nicht selten kommt es vor, dass ein qualifizierter Arbeitnehmer durch solch einen Roboter ersetzt wird. Laut Experten wäre in 20 jähren jeder zweite Arbeitsplatz durch einen Roboter ersetzbar — manche Berufsfelder könnten für Menschen komplett verschwinden –kaum vorstellbar. Gerade ältere Menschen, die sich mit der neuen Technik nicht auskennen fürchten ihren Arbeitsplatz. Die Digitalisierung erschafft jedoch auch neue Arbeitsfelder. Laut Bitkom benötigen beinahe 80 Prozent aller Betriebe mehr Personal mit Digitalkompetenz. Fachkräfte sind heiß begehrt. Hier können besonders Berufseinsteiger profitieren und auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen. Ein Vorteil der Digitalisierung ist die zunehmende Flexibilität im Beruf: Mitarbeiter profitieren von einer selbstbestimmten Arbeitsorganisation, wenn sie mobil arbeiten und ihre Arbeitszeiten flexibel einteilen können. Diese neue Freiheit kommt zum Beispiel berufstätigen Müttern zugute, die bei einem Notfall ihr Kind aus der Schule abholen können und die verpassten Stunden dann später zu Hause aus nacharbeiten können.

Ich denke, Digitalisierung hat viele Vorteile, die uns sowohl im Alltag sowie bei der Arbeit helfen und Freiheit schaffen können. Jedoch hat sie auch ihre negativen Seiten, die mich nachdenklich machen. Ich bin der Meinung dass viele Kinder durch die Digitalisierung einen großen Teil des Kindseins verlieren und viel zu früh dem Druck der die Digitalisierung mit sich bringt, ausgeliefert sind. Ich glaube das eine gesunde Balance zwischen digitalem und realem Leben notwendig ist, um die Digitalisierung als Vorteil und Schritt in die Freiheit zu sehen. Dabei sollte uns immer bewusst sein, dass das wirkliche Leben und die wichtigen Momente immer analog sein werden.

Quellen:

https://www.familien-magazin.com/handysucht-bei-kindern-anzeichen-erkennen-und-richtig-handeln/