Wir wissen, was du letzten Sommer getan hast

Du läufst durch die Stadt um Erledigungen zu tätigen. Erst kurz zum Bäcker, dann auf die Bank und am Ende willst du dir noch die neue Hose im örtlichen Bekleidungsgeschäft kaufen. Auf dem Weg zur Bank wirst du von einer fremden Person angesprochen. Was an sich schon komisch ist, wird noch komischer als die Person Fragen stellt. „Wo wohnen Sie, welchen Familienstand haben Sie und wo waren Sie im Sommerurlaub, können Sie mir ein paar Fotos von sich zeigen?“

Was soll denn das? Niemals würdest du einer fremden Person solch intime Informationen über dich preisgeben, schüttelst den Kopf und lässt die Person einfach stehen. Du holst dein Handy aus der Tasche und postest diese merkwürdige Begegnung auf den sozialen Netzwerken deines Vertrauens, jeder soll mitkriegen, was für komische Menschen auf der Straße sind.

Im echten Leben öffnet man sich ungern fremden Personen und gibt keine persönlichen Informationen über sich preis. Doch in der virtuellen Welt ist das anscheinend etwas komplett anderes. Freiwillig werden persönliche Daten und Informationen gepostet, geteilt und sichtbar für die ganze Welt veröffentlicht.

Ich weiß, dass du seit deinem Studium in Schwäbisch Gmünd lebst, dich vor kurzem von deinem Partner getrennt hast, deshalb eine neue Frisur hast, denn jedes Ende ist auch wieder ein Anfang. Das schreibst du zumindest unter das Foto, dass du noch während des Besuches beim Frisör den du mit fünf Sternen und dem Kommentar „Schönste Frisur seit langem“ bewertet hast. Dass du im Sommer in Ägypten schnorcheln warst, viel zu viel Eis gegessen hast und deswegen ab September jeden zweiten Tag im Fitnessstudio bist habe ich auf Instagram gesehen.

Seit deiner letzen H&M Bestellung vor zwei Wochen werden dir ständig die neusten Styletrends des Bekleidungsgeschäfts auf sämtlichen sozialen Netzwerken und auch auf verschiedenen Internetseiten angezeigt, neuerdings landen diverse Fitness und Sportmails in deinem Posteingang und Booking.com schickt dir die neusten Urlaubsangebote und die besten Hotels rund um das rote Meer.

Irgendwie ist das alles komisch. Es scheint, als würde dich ständig jemand überwachen und genau wissen was du tust, und für was du dich interessierst — und im Prinzip ist das auch so.

Das digitale Zeitalter schreitet voran, es gibt fast täglich neue Technologien, die uns das Leben erleichtern oder einfach nur unterhalten. Das Internet entwickelte sich zu einer grenzenlosen Welt die zum größten Teil, falls man über einen funktionierenden Internetanschluss verfügt, kostenlos ist. Diverse soziale Netzwerke wie Facebook verlangen für die Nutzung keine Gegenleistung — völliger Blödsinn.

Soziale Netzwerke, wie Facebook und Co. sind gewinnorientierte Unternehmen. Dieser Tatbestand wird häufig von den Usern vergessen. So fallen im Rahmen ihrer Tätigkeiten enorme Server- und Datenverkehrskosten an, ganz zu schweigen von den zahlreichen Gehältern der Mitarbeiter. Die einzige Einnahmequelle der Netzwerke sind die Daten ihrer Mitglieder, die wie von Staubsaugern aus den Profilen gesaugt werden. Die größte Einnahmequelle für soziale Netzwerke stellt immer noch die Werbung dar. Hierbei kann es sich zum einen um die klassischen Werbeanzeigen handeln oder um sogenannte personalisierte Werbunganzeigen. Mit ihr ist es möglich den Nutzer durch individuelle Werbung anzusprechen. Dafür werden Profile vom einzelnen Nutzer erstellt, indem auf eine Vielzahl seiner persönlichen Daten und Aktivitäten zurückgegriffen wird. Bei diesen Daten handelt es sich zum Beispiel um Alter, Geschlecht, Schulbildung, Beruf, Beziehungsstatus, usw. Für die Unternehmen ist diese Form der Werbung besonders interessant, denn sie bietet ihnen ganz neue Möglichkeiten ihre Produkte oder Dienstleistungen beim Kunden zu bewerben. Die Mitglieder in sozialen Netzwerken machen es Unternehmen leicht, denn sie stellen den Netzwerken eine Fülle von persönlichen und privaten Daten zur Verfügung, die daraufhin ausgewertet werden können. Die Unternehmen können sich eigene Zielgruppen je nach Wunsch zu Recht basteln und dadurch nur die Kunden ansprechen, an die die Werbung gerichtet sein soll. Da mittlerweile 3 von 4 deutschen Internetnutzern in sozialen Netzwerken aktiv sind, stellen dies eine große Zielgruppe dar, die einfach und verlustfrei beworben werden kann, denn im Vergleich zur herkömmlicher Werbung ist der Streuverluste bei personalisierter Werbung erheblich geringer.

Während das Werben in sozialen Netzwerken durch das veröffentlichen verschiedener Daten des einzelnen Nutzers funktioniert, gibt es auf „normalen“ Internetseiten andere Wege und Mittel um an Daten zu kommen. Cookies, wie sie in der Fachsprache heißen greifen Informationen, wie die Internetseite an sich, die Zeit, die man auf der Webseite verbringt oder einzelne Unterseiten oder Artikel, die man während des Besucher einer Seite öffnet. Diese Informationen können wiederum gelesen werden und Profile der Nutzer erstellt werden. Diese Cookies müssen seit einiger Zeit vom Nutzer akzeptiert werden, akzeptiert der Nutzer nicht, kann man die Internetseite nur beschränkt oder gar nicht nutzen.

Der einzelne User, wird zu einem gläsernen Menschen, die Anonymität geht verloren. Doch gerne geben wir diverse Daten von uns preis, um soziale Netzwerke „kostenlos“ nutzen zu können. Der Tausch, Daten für Nutzungsrecht der Plattform ist für die meisten Nutzer völlig okay und scheint auf den ersten Blick auch fair zu sein, denn schließlich ist nichts für umsonst.

Doch leider werden die Daten oft für andere Zwecke als die reine Werbung eines Unternehmens missbraucht. Der Nutzer der sozialen Netzwerke weiß meistens nicht genau, wer die Daten des Profils abfängt, benutzt oder weiterverkauft. Viele Daten landen bei Drittanbietern, die die Daten wiederum weiterverkaufen. So verliert der Otto Normalverbraucher schnell den überblick und Informationen landen schnell an Orten, an denen man sie gar nicht will. Das britische Unternehmen Cambridge Analytica ist einer der genannten Drittanbietern, das sich damit rühmt, Donald Trump mit der „Expertise und den Einsichten“ versorgt zu haben, die ihm geholfen hätten, die amerikanischen Präsidentschaftswahlen zu gewinnen. Durch die Analyse von Millionen von Datenpaketen seien „die überzeugbarsten Wähler“ identifiziert worden, inklusive der Themen, die für diese Menschen von großer Bedeutung sind. Ihnen seien dann gezielte Botschaften“geschickt worden, um sie zum Handeln zu bewegen.

Das ist leider nur ein Beispiel von vielen, die inzwischen Publik geworden sind und zeigen, dass unsere Daten fast täglich für Zwecke, die wir eigentlich nicht unterstützen missbraucht werden.

Ich denke das Thema „Daten im Netz“ ist sehr kompliziert und sollte von jedem Nutzer genauer hinterfragt werden. Wir posten und veröffentlichen täglich viele Dinge, die eigentlich niemanden etwas angehen, nur um im sozialen Leben des Internets ein Wörtchen mitreden zu können. Klar, können wir inzwischen unsere Privatsphäre individuell einstellen und Cookies durch Plugins deaktivieren, sodass nicht jeder unsere „digitalen Spuren“ lesen kann. Doch ich stelle mir die Frage ob das wirklich so sicher ist,, wie wir alle denken.

Jeder Mensch kann über sich selber bestimmen und beeinflussen welche Daten er veröffentlicht. Uns sollte jedoch bewusst sein, dass diese Daten nie verschwinden und das Internet nicht vergisst. Ab und zu lohnt es sich, ein zweites Mal zu überlegen was die Welt über einen erfahren darf.

Quellen:

https://www.elegantthemes.com/blog/resources/how-to-create-your-own-social-network-with-wordpress