Vorhersehbar, langweilig und eindimensional

Photo by Nicola Jones on Unsplash

Nein, das ist keine vernichtende Kritik des neusten Hollywood-Auswurfs. Auch wenn man versucht ist, diese Worte im Timbre von Reich-Ranicki den Autoren des gemeinten Machwerks entgegen zu schleudern. Es ist die Zusammenfassung dessen, das uns als Politischer Diskurs in Talkshows und Social Media-Kanälen vorgesetzt wird. Ein immer wieder bis zur Absurdität durchgekautes Schauspiel von zwei sich unerbittlich bekämpfenden Positionen ohne Chance eines Endes oder gar Willen zu Konsens.

Wie kommt es eigentlich zu dieser Schwarz-Weiß-Denke in der Politik. Dieses Bild einer Schach-Welt, in der es nur zwei Spielfarben gibt.

In der Popkultur haben wir überhaupt kein Problem damit, in eine Serienwelt einzutauchen, die auf 7 Häusern basiert und über 7 Staffeln ein unendlich komplexes Netz von Allianzen, Intrigen, Charakteren und wechselnden Perspektiven spinnt. Selbst Disney, die mit einfachen Gut-gegen-Böse Märchenfilmen groß geworden sind, durchbrechen dieses Schema. Sie nehmen einen der Ultimativen Bösewichte — Maleficent — und entwickeln aus ihr in der Neuerzählung einen komplexen Charakter, dessen Handlungen man versteht und sogar mit ihr sympathisiert.

Interessant, herausfordernd — na gut noch immer Popcorn-Kino — aber zumindest ein Großer Schritt von Böse Fee verzaubert schwaches Mädchen und Prince Charming rettet sie.

Wie Dröge ist da das aktuelle Narrativ, das in dutzenden Wiederholungen uns von Parteien und Politisch denkenden Menschen vorgesetzt wird. Plumper Dualismus. Gut gegen Böse. Licht gegen die Dunkelheit.

  • Links vs. Rechts
  • Feminismus vs. Maskulinismus
  • Ost vs. West
  • Bio vs. was auch immer …

Kein Wunder, dass sich ständig angeschrien wird. Wer eine komplexe Welt immer wieder in zwei alberne Schubladen steckt bekommt natürlich lächerliche Kombinationen. Das ist der Tod jeder brauchbaren Debattenkultur.

Männlein/Weiblein

So entstehen unfruchtbare, langweilige und vorhersehbare Diskussionen. Zum Beispiel wenn Julia Schramm mit dem Satz »Männer. Wir müssen reden.« einen monolog über die Verkommenheit der Männer einleitet und dabei alles was einen Penis hat in eine Schublade des grotesk konstruierten Maskulinismus stopft.

Wir müssen reden … oder auch nicht.

Natürlich bekommt sie böswilligste Kommentare von sogenannten Hatern, die genau auf dieses öde Level herabsteigen und mit Schwung die selbe Keule schwingen. Nicht, weil sie eine Frau ist —wie sie selbst denkt — sondern weil sie wie gerade so beliebt auf den plumpen Dualismus der Geschlechter zurück greift. Sie wirft allen Männern ihre Sichtweise entgegen und drückt ihnen allen ihre eindimensionale Analyse auf. Als währe die Gesamtheit der Lebewesen mit einem Penis absolut identisch. Als gäbe es keine Schattierung, als gäbe es nur Feminismus und Maskulinismus. Schattierungen der Geschlechterrollen blendet sie aus. Was in der Absurdität vielleicht dem Medium Twitter geschuldet ist. Aber unter dem Strich bleibt es einfach nur schlechter Stil.

Vielleicht hätte sie mal einen Blick in die LGBTI… Community werfen sollen. Hier haben wir und so sehr mit den komplexen Geschlechterrollen auseinandergesetzt, dass wir so langsam Probleme bekommen, noch mehr Buchstaben an die Abkürzung anzuhängen, ohne lächerlich zu wirken. Außerdem braucht mal bald ein Lexikon um Bären, Cubs, Huskies, Butches, Femmes und so weiter auseinander zu halten. Als Schwuler Mann steht einem eine Bunte Wundertüte von Identitäten und Objekten der Begierde zur Verfügung.

Wann ist der Mann ein Mann? Die Vielfalt macht’s!

Wie dünn wirkt dagegen das Narrativ, das viele Twitter-Feministinnen als Weltbild offerieren. Während sie sich gegenseitig ihre Progressivität versichern, stecken sie im Sumpf des langweiligen Dualismus fest. Und viele Männer, die darauf reagieren steigen genau darauf ein. Das Ergebnis sind eskalierende, langatmige Diskussionen, ohne jeden Zweck, die nur in Fingerpointing enden. Und zack hat man wieder Stoff um sich stundenlang den selben Hashtag um die Ohren zu schlagen.

Wie spannend währe es gewesen, die vielseitigen Rollen und Begierden, die selbstverständlich auch Heterosexuellen Menschen zur verfügung stehen, gemeinsam auszuloten? Sich zu fragen, warum es eigentlich keine Hetero-Bärenparties gibt? Oder vielleicht, warum es bei Hetero-Frauen im Werbeblock des Abendprogramms neckisch im Karton rappelt, die Spielzeugkiste der Männer aber immer noch anrüchig in der Nebengasse versteckt ist.

Aber stattdessen kommt „Männer sind Sch…“ und die Reflex-Antwort „Frauen auch“. Wie schade, ich fürchte dieser Film wird bei den Kritikern floppen.

Links vs. Rechts

Und genau dieses Phänomen sehen wir bei der Diskussion von Links und Rechts. Zum einen malt man von der wahrgenommen Gegenseite ein groteskes Horrorbild und macht so aus jedem, der die eigene Meinung nicht Teilt eine mordlüsternen Nazi oder einen Steinewerfer-Links-Chaoten. Eine Situation, die durch Wahlkampf, Hamburg und G20 unerträglich eskaliert ist.

Auf der anderen Seite verklärt man das vermeidlich eigene Lager und entschuldigt offenkundiges Fehlverhalten und schimpft auf die andere Seite. Und wenn Fehler offenkundig sind fangen Eingeständnisse immer mit „Ja, aber die anderen …“ an. Dieses „Ich bin Links, der ist Rechts“ hat genau so viel Erklärungswert wie „Ich habe ein Y-Chromosom, die da hat zwei X“. Maximal Stoff für eine sich immer im Kreis drehende Telenovela. Für mehr aber auch nicht.

Die Begriffe Links und Rechts sind bis zur Bedeutungslosigkeit ausgelutscht. Zwei schlecht beschriftete Schubladen, in die man alles irgendwie hineinstopft, was nicht schnell genug weglaufen kann.

Einen Roman, der so Plump zusammengestrickt ist, würden wir nach 2 Kapiteln gelangweilt zur Seite legen. Das mag Stoff für Popcornkino mit viel Bum-Bum sein, oder vielleicht für einen halbwegs anregenden Porno. Aber doch bitte nicht, wenn es um Politik geht. Dieser politische Monotheismus, dieses dunkle Seite der Macht gegen die helle, bringt uns keinen Schritt weiter. Es verleitet nur dazu eine einzelne von vielen verfügbaren Handlungsmöglichkeiten als die einzig wahre zu verklären, dessen Defizite auszublenden, und in einen Kreuzzug gegen andere Ideen zu ziehen.

Statt einem fein ziseliertem politischen Diskurs zu folgen wird uns ein plumpes Hau drauf frei nach Punch and Judy vorgesetzt.

Diese perpetuelle Selbstspiegelung der Parteien ist im besten Fall ermüdend im schlimmsten Fall grob fahrlässig. Für so einen Unfug haben wir, ehrlich gesagt, keine Zeit.

Sorry! Aber Utopia ist abgesagt

In der Politik der vielen global agierenden Player und der Probleme, die sich nicht im Staatsgrenzen kümmern, sind Ideologien ein Luxus, den wir einfach mal zu Seite legen können. Hübsch anzusehen, aber insgesamt nutzlos. Moderne Politik muss sich vor allem um praktische Probleme kümmern. Wieviele Menschen haben Hunger, sind krank oder haben einfach nur schlechte Laune. Wieviel Anbaufläche steht zur verfügung, wie sieht es mit der Artenvielfalt aus und wie mit der medizinischen Versorgung? Sind die Menschen zufrieden, gesund und können sich entfalten. Sind Energieversorgung, Lebensmittelproduktion und Transport nachhaltig und können sich ändernden Rahmenbedingungen anpassen? Bei solchen Problemen bringt einen ein ideologischer Kompasses nicht weiter. Jeder dieser Herausforderungen liegen eigene Wirkmechanismen zu Grunde. Und meist führen viele Wege zum Ziel. Oder zumindest gemeinsam in die richtige Richtung — das Ziel gibt es nämlich nicht. Sorry Jungs und Mädels, Utopia ist abgesagt.

Denn im Gegensatz zu langweilige Bum-Bum-Filmen gibt es in der echten Welt weder den großen End-Fight noch den finalen Cum-Shot. Es geht einfach immer weiter und weiter, mit immer neuen Handlungssträngen und Herausforderungen. Also legt endlich dieses Langweilige Schwarz/Weiß Getöse zur Seite. Erweitert euren Wortschatz. Arbeitet zusammen. Erarbeitet alternativen. Seid ehrlich und legt die Karten auf den Tisch.

Alles andere ist langweilig und bringt die Handlung nicht voran.

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