Nächster Karriereschritt: Mitarbeiter-Influencer

Andere zu motivieren und zu befähigen sich auf Social Media zu bewegen, gehört inzwischen zum guten Ton in Unternehmen. Es gibt Schulungen, Vorträge, Weiterbildungen, Messebesuche und vieles mehr. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: ich als Mitarbeiterin bekomme Aufmerksamkeit auf mich, meine Themen und Interessen. Ganz nebenbei rückt mein Arbeitgeber ebenfalls in ein gutes Licht. Denn er schenkt mir das Vertrauen und die Freiheit, mich als Person und Mitarbeiter sichtbar zu machen.
Grundsätzlich eine wirklich tolle Sache! Denn diese Unternehmen haben erkannt, welches Potential in ihren Mitarbeitern steckt. Und jeder, der möchte, kann sich daran beteiligen.
Der goldene Weg
Nur etwas bringt mich zum Nachdenken. Es wird immer davon gesprochen, dass es auf Social Media kein Schwarz/Weiß gibt. Dass es eine große Spielwiese für alle ist, so lange man sich benimmt und an die Regeln hält. Soweit so gut. Aber für mich schwingt irgendwie unterschwellig immer das Gefühl mit, du bist nur was, wenn du auch etwas zusagen hast und das auch laut mit Getöse tust. Und wenn du viele Follower hast.
Aber wo bleibt dann die Motivation sich einfach mal auszuprobieren? Ab wann hat man denn etwas zu sagen? Und wer hat überhaupt festgelegt, welche Zahl an Followern viel und erstrebenswert ist?
Ich gehöre nicht unbedingt zu den Menschen, die mit stolzgeschwellter Brust laut trommeln und herausposaunen, wie toll sie sind. Bin ich deswegen dann weniger interessant oder habe weniger Wichtiges mitzuteilen?
Klar, ein wenig Trommelwirbel gehört dazu um überhaupt wahrgenommen zu werden. Nur heißt das dann im Umkehrschluss, dass ich mich in einer Social-Media-Welt dauerhaft verstellen muss, in der Authentizität immer so betont wird? Dass ich Tools nutzen muss um meine Followeranzahl in die Höhe zu treiben?
Es geht auch anders
Im Bereich des Influencer Marketing geht der Trend mehr und mehr über zu den sogenannten Micro-Influencern. Also den Influencern, die eben nicht über eine hunderttausendfache Followerschaft verfügen. Ihre Stärken liegen unter anderem in der Thementiefe und Interaktionen mit ihren Communities. Warum sollte das nicht auch für Andere anwendbar sein? Zum Beispiel für Experten? Kann ich als Mitarbeiter und Experte in meinem Thema nicht auch ein Micro-Influencer und damit Mitarbeiter-Influencer werden?
Keine Frage, Soziale Netzwerke wie Twitter helfen enorm dabei Sichtbarkeit zu erhalten und sich mit anderen zu vernetzen. Aber am Ende zählt doch Wissen und der Austausch mit den Menschen im Netz. Followerzahlen sind dabei irrelevant.
Ob in der Kommunikation oder in anderen Themenbereichen gilt: man sollte das Potential und die Möglichkeiten, die Social Media bietet, kennen und für sich nutzen können. Für mich ist das allerdings nicht gleichzusetzen mit zwingend einem eigenen Account. Es ist das Wissen darüber, wie es funktioniert und wie es meinen Zielen dient.
Wenn ich mich dann doch für eine eigene Präsenz auf Social Media entscheide und das dazu führt, dass ich mich als Micro-Influencer und damit als Mitarbeiter-Influencer dabei herauskristallisiere — umso besser!
Aber was bedeutet das für mich als Mitarbeiter und auch für meinen Arbeitgeber? Bei aller Begeisterung sollte jeder im Kopf behalten: natürlich repräsentiere ich dann das Unternehmen, für das ich arbeite. Das bringt dann auch gewisse Verpflichtungen mit sich kann auch schon einmal eine Herausforderung werden, wenn zum Beispiel plötzlich Kundenbeschwerden oder „Trolle“ bei mir eintrudeln. Aber das macht nur einen kleineren Anteil aus. Das kann ich aus persönlicher Erfahrung sagen.
Mit gesundem Menschenverstand, einer gewissen Distanz und einer Prise Humor kann nicht viel passieren. Und bei Unsicherheiten gibt es mit Sicherheit einen Kollegen, mit dem man sich beratschlagen kann.
Nutze deine Chancen
Lieber Mitarbeiter, nutze die Chance, die dir hier gegeben wird! Du verlierst nichts, sondern kannst nur gewinnen: Erfahrungen, Wissen, Sichtbarkeit und vor allem neue Impulse. Finde deinen eigenen Weg, wie du dich auf Social Media bewegen und zeigen möchtest. Beschäftige dich mit den Mechanismen. Und wenn du dich dafür entscheidest „Das ist nix für mich.“ ist das ok. Denn du hast dich damit auseinandergesetzt, dir eine Meinung gebildet und es nicht von vornherein abgelehnt. Du entscheidest dich für eine Social-Media-Präsenz: super! Probier dich aus und finde deinen Weg.
Denn trotz aller Vorteile und vermeintlichen Zwängen: der Spaß darf dabei nicht verloren gehen.
