Warum es ein Silicon Valley für Österreich wohl so schnell nicht geben wird! … und was zu tun bleibt.
Die Forderung danach taucht ja immer wieder auf, bei uns und eigentlich überall auf der Welt. Auch aktive Versuche wurden etliche gestartet, in den USA, Asien und Europa. Warum das in Österreich aber mit absoluter Sicherheit nicht möglich ist, wir uns aber deshalb nicht entmutigen lassen dürfen, versuche ich hier darzustellen.
Zunächst, was macht das Silicon Valley eigentlich einzigartig?
Stanford. Das ist eine, für unsere Verhältnisse, mit endlosen Mitteln ausgestattete Elite-Uni (alleine das operative Jahres-Budget macht ~5 Milliarden (!) Dollar aus), die es jedem Professor oder Studierenden vglw. leicht macht, ein Spin-Off zu gründen. Sie ist sozusagen der akademische Kern des Valleys. Nach Stanford kommen aufgrund der Aufnahmekriterien nur die besten Talente und die mit dem dafür nötigen Kapital. Die Stanford’ianer sind darüberhinaus eine sehr mächtige, lebenslang zusammengeschweißte Alumni-Gruppe, die sich gegenseitig fördert. Die Spenden, die von erfolgreichen Unternehmern an die Uni gehen, sind mitunter beträchtlich.
Steuergesetze. Es gibt eine etablierte Angel-Szene, die pro Person Millionen pro Jahr mit Investments in Start-Up’s abschreiben kann und somit großen Anreize hat, das eigene Geld auch zu investieren.
Milliardenschwere, seit Jahrzehnten etablierte Fonds auf Sandhill-Road, die bereit sind, mit viel Risiko auch sehr hohe Wetten zu mitunter sehr großen Bewertungen einzugehen, um Neues zu probieren. Etliche erfolgreiche Ventures aus dem Valley waren am Beginn schwer als solche zu identifizieren oder einfach unscheinbar (selbst Citrix, Twitter, Apple, Youtube oder Google zählten dazu), jedenfalls aber fast nie offensichtlich zum Erfolg verdammt. Und dafür gibt es zig weitere Beispiele.
Infrastruktur. Es hat sich rund um Palo Alto, Mountain View und Menlo Park eine Infrastruktur in Jahrzehnten aufgebaut, die sich 100%-ig und fast ausschließlich an den Bedürfnissen von Start Up’s orientiert: Anwälte, HR-Berater, Designer etc.. Deren Spezialisierungsgrad und Know-how sind ein Schlüsselfaktor für rasche Innovation.
Hire&Fire auf Basis flexibler Löhne. Das Traumland von Milton Friedman sozusagen. Je nachdem ob man als Start-Up schrumpft oder waechst, man kann seinen Mitarbeiterstand sehr rasch und unkompliziert anpassen. In einem irren Tempo. Ideal für typische Start-Up Roller-Coasters.
High-Speed “Gesellschaftsrecht”. Ich gründe hier eine Aktiengesellschaft nicht nur in wenigen Tagen und für wenige hundert Dollar — ich kann auch flugs neue Investoren hinzufügen oder Mitarbeiter beteiligen, die rechtlichen Rahmen erlauben das.
Die besten Talente werden großzügig am Unternehmen beteiligt. Da gibt es keinen Geiz und keinen Founder-Neid und es zieht die allerbesten Talente an. 20% des Unternehmens an andere zu verteilen, die für den Erfolg des Unternehmens verantwortlich zeichnen, ist quasi Standard. Ein Exit wird nicht bloß für die Founder zum Fest, sondern für alle. Google hat hunderte Millionäre hervorgebracht und ein paar Milliardäre. Und auch für die tausenden kleineren Exits trifft das zu, wenn auch in anderem Maßstab.
Externe Talente werden mit Advisor-Shares entlohnt. Ebenfalls Standard im Valley ist das Einladen von guten Leuten in ein Advisory-Board, wo sie ihr Know-how an nicht konkurrenzierende Unternehmen weitergeben und sich somit ein besseres Standing schaffen und am Erfolg der Unternehmen partizipieren können. Diese High-Potentials sammeln mitunter beachtlich Kapital, denn sie sind in ihren Kern-Jobs grosszuegig mit Shares versorgt und haben dann noch 1–4 Advisory-Board Sitze, die ihnen kaum Zeit kosten, aber sehr viel bringen können. Von diesem System und dem Austausch an Erfahrungen profitieren alle in dem Eco-System und das wird auch von praktisch allen Playern so gelebt und gefördert.
“Kein Neid” und Scheitern als Must-have Erfahrung. Ein Starbucks-Millionär auf Sharon Hights erzählte mir einmal sehr bereitwillig über sein Scheitern und war nach eigenen Aussagen 2 Mal in Konkurs gewesen, bevor er durchstartete. Stolz erzählte er mir von seinen Fehlern und seinen Erfolgen. Er wolle heute, als Investor, nicht für die Lernkurve anderer zahlen, meinte er lapidar und gerade aus. Und dies wiederholte sich die folgenden Jahre dutzendfach. Die Amerikaner reden nicht bloß darüber, sie leben es: Sie kennen grosso modo keinen Neid und empfinden Scheitern als wesentliche Erfahrung für Erfolg. Keine Stigmatisierung, keine Missgunst. Das Einzige: Fail, but fail fast!
Friktionslose Gründung. Ein simpler Notariats-Akt wird im Silicon Valley vom mexikanischen Tankwart bei der Chevron-Tankstelle für 20 Dollar erledigt, gleich nach dem Tanken sozusagen. Die gesamte Gründung selbst dauert ca. 4 Tage und braucht in den meisten Fällen nicht eine einzige Beamten-Bewilligung.
Think Big. Wenn ich in den USA einen Venture-Fond nicht aus vollster Überzeugung pitche, nämlich in der Art, dass ich ein Milliardenunternehmen aufbauen möchte und darlegen kann, wie das passieren soll, ist der Termin sehr schnell vorbei. Sie denken nur groß. Alles andere bleibt den Angel-Investoren. In Europa gilt dieses extreme “Think Big” häufig noch als größenwahnsinnig, wenngleich sich das bei einigen Playern schon geändert hat.
Privat versus Politik. Die Amerikaner im Allgemeinen, das Silicon Valley aber im Besonderen, haben eine kritische Distanz zur Politik. Als ich vor 4 Jahren zu einem Entrepreneurs-Dinner mit Governor Arnold Schwarzenegger eingeladen war, war ich überrascht vom Ablauf. Ich fand ihn imposant und sehr charismatisch, aber die Amerikaner unterschieden ganz strikt: Business und Politik. So verlief der Abend eher unerwartet, denn der Schauspieler Schwarzenegger stand im Vordergrund, der Immigrant und Karrierist und nicht der Politiker. Keine einzige Frage an ihn hätte ich als politisch klassifiziert.
Als Obama vor wenigen Wochen die wichtigsten CEO’s des Valleys zu einem Round Table nach Stanford einlud, um persönlich Sicherheitsthemen zu erörtern, kam kein einziger. Sie ließen den U.S.-Präsidenten eiskalt abblitzen und schickten Ersatz aus der zweiten Management-Reihe! Sie wollen Washington D.C. nicht, misstrauen ihm zutiefst und erst recht seit dem NSA-Skandal ist die Distanz noch deutlich stärker geworden. Eine sehr mächtige Investorenrunde möchte sogar einen sehr radikalen Schritt gehen und das Valley zu einer autonomen Provinz erheben (neben anderen), um noch weniger “Reibung” (Friction) im Business- und Innovationsprozess zu haben. Und ein paar andere einfallsreiche Herren planen ernsthaft eine schwimmende Insel draußen am Pazifik zu bauen, um die US-Einwanderungsbestimmungen für Talente zu umgehen und diese eben dort im Niemandsland für ihre Ventures arbeiten zu lassen.
Die extreme Radikalität, der Innovation und dem Kapitalismus in allen Bereichen zum größtmöglichen Durchbruch zu verhelfen, sind beeindruckend und im Westen sicher einmalig. Zweifelsohne sind sie die Basis des Erfolges des Silicon Valley als Standort und Geburtsort so vieler global erfolgreicher Innovationen.
Toleranz und Offenheit. Im Valley leben über 100 Nationen auf sehr engem Raum. Dennoch wird man von keinem Amerikaner diesbezüglich kritische Worte hören. Die Toleranz anderen Kulturen und Lebensweisen gegenüber ist, ich nehme an aufgrund der eigenen Immigrations-Geschichten, enorm hoch. Fairerweise sei ergänzt, auch der Assimilationsdruck, gesellschaftliche Regeln und Konventionen zu befolgen, ist sehr hoch. Für unser Empfinden ist das Valley im sozialen Alltag sicher stark reglementiert.
Erdung und Bescheidenheit. Mit dem eigenen Erfolg anzugeben oder in Gesprächsrunden damit zu prahlen, ist im Valley unangebracht und verpönt. Gefeiert wird man höchstens von den anderen, und das meist nur bei Erfolgen in Milliarden Bewertungshöhen. Die Founder, bis hin zu Zuckerberg und Co, sind meist geerdet und sehr bescheiden. Sie geben kaum Geld für sich selbst aus und schlendern in ausgewaschenen Jeans, T-Shirts und Flip-Flops rum. Es sind hochbegabte Nerds und für sie zählt einzig Input, Fortschritt und die Fähigkeit zu netzwerken. Auffallen, z.B. durch Luxus oder Prahlerei gegenüber anderen, ist sozial nicht akzeptiert, man schätzt das Understatement. Man gönnt sich gegenseitig den Erfolg, erzählt auch offen darüber, aber eben ohne diesen selbst zu bewerten. Ich halte diese Erdung, die freilich mit einem gewissen Selbstbewusstsein kommt, für entscheidend für das Eco-System, für ein gutes Miteinander und im täglichen Umgang auch für sehr angenehm.
Ist das nun alles gut oder schlecht aus österreichischer Perspektive?
Das ist eine persönliche Einschätzung und sicher auch mit einer politischen Brille unterschiedlich zu bewerten.
Fest steht jedenfalls:
- Es ist fast nichts vergleichbar mit unserem Land: Weder was die Infrastruktur, noch die Investorensituation, noch so ziemlich alle weiteren wirtschaftlichen, politischen oder sozialen Rahmenbedingungen betrifft.
Gelernte Österreicher werden einsehen, dass ein “Kopieren des Silicon Valley” deshalb unmöglich ist. Diese Erkenntnis ist wichtig, um realistisch in die Zukunft zu planen. Man kann sich die einzelnen Erfolgsfaktoren ansehen und versuchen diese anzustreben, aber auch hier hält sich mein Optimismus, die Realpolitik in Österreich verfolgend, eher in Grenzen; sowohl was die Geschwindigkeit als auch die notwendige Radikalität der Umsetzung betrifft. Das liegt also gar nicht am fehlenden Talent oder Unternehmergeist, das gesamte System würde einfach eine umbruchsartige Revolution brauchen.
ABER: Was beim Blick nach Silicon Valley meist übersehen wird:
Was sich aus der Ferne vielleicht wie ein Paradies anhört, das ist es bei weitem nicht. Und das aus folgenden Gründen:
- Das Silicon Valley ist, sagen wir es gerade heraus, menschlich brutal. Man “verheizt” dort junge Entrepreneure. Und ich formuliere es bewusst drastisch. Man hört immer nur von den 0.01% die es geschafft haben, ewig dieselben Stories mit ein paar Neuerungen pro Jahr. Der Rest geht, meist um viel Geld erleichtert und ziemlich ernüchtert, nachhause. Und weil Scheitern in unseren Kulturen immer noch ein Problem anstatt ein Ansporn ist, erfährt diese Geschichten auch kaum jemand.
- Die Aura des Silicon Valley führt leider bei vielen zu irrationaler Mythenbildung. So boomt beispielsweise das Pilgern von Europäern ins Valley, vergleichbar mit jenem gläubiger Muslime nach Mekka. Tausende die für jeweils ein paar Wochen oder wenige Monate hier auftauchen und den Eindruck erwecken, als würde das enorm viel für sie bewegen, als seien sie dadurch um so vieles weiter gekommen. Leider überragt jedoch oft der betriebene Aufwand den tatsächlichen Nutzen der Reise. Nur das hört keiner gerne.
- Auch kaum am Radar der Öffentlichkeit sind die tausenden Menschen des Valleys die keine soziale Absicherung haben, keine Krankenversicherung und drei Jobs brauchen um über die Runden zu kommen. Aber sie machen das Valley auch mit zu dem, was es heute darstellt. Da spielen sich täglich menschliche Dramen ab, abseits der ge-hypten Start-Up Presse.
- Sowohl für Investoren als auch Unternehmer ist es ein extrem hartes Pflaster, denn die Konkurrenz ist sicherlich die härteste der Welt. Und viele verdienen deshalb gar nicht so schlecht mit dem Versprechen, Brücken ins Valley zu bauen. Diese Berater, die dann mit einem Bauchladen an Firmen in Palo Alto durch die Kaffees pilgern, wollen gut gewählt und vor allem richtig eingeschätzt sein!
- Sich ein funktionierendes Netzwerk im Valley aufzubauen, dauert viele Jahre, vor allem wenn du nicht passiv “entdeckt” oder rasch weiter gereicht wirst, weil du gerade ein “disruptive venture” zum exakt richtigen Zeitpunkt beim richtigen Investor gepitcht hast.
Was heißt das für österreichische Jungunternehmer die ins Valley kommen?
- Das offizielle Entsenden von jungen Entrepreneuren ins Valley für ein paar Wochen oder Monate sehe ich daher eher kritisch. Es wird, aus oben dargestellten Gründen, nicht viel bringen und die Lernkurve steht oft im geringen Verhältnis zum betriebenen Aufwand. Es interessiert sich im Valley einfach keiner der relevanten Persönlichkeiten für dich, wenn du nicht einen wirklichen added value stiften kannst oder bereits ein kleines funktionierendes Netzwerk hast. Und das will mal rücksichtslos und schonungslos reflektiert werden. Der Großteil der ankommenden Unternehmer scheitert schon am sehr verbreiteten 90-second elevator pitch, der, um ihn in der nötigen (auch sprachlichen und nicht nur fachlichen) Perfektion zu betreiben, enorme Anforderungen an das eigene Können hat. Das macht weder den Unternehmer noch seine Idee schlecht, er ist eben nur am falschen Ort. Einige wenige sind sehr gut darin, die sind dann auch am richtigen Platz. Sich selbst richtig einschätzen ist da gefragt.
- Lassen wir unsere jungen High-Potentials doch besser an amerikanischen Elite-Unis studieren, der dort gestiftete Mehrwert ist enorm. Sie sind ihr Geld wahrlich wert. Fördern wir das öffentlich und großzügig. Und besorgen wir den besten Nachwuchs-Managern und -Technikern 2-jährige Valley-Visas, damit sie Wissen und Erfahrungen aufsaugen können, die sie danach zuhause einbringen können. Und unterstützen wir einen wettbewerbsfähigen Curriculum für diese Eliten, der auch die Zeit danach regelt sowie den Rückfluss der getätigten Human-Invesitionen sicherstellt. Aber Unternehmer sollten aus Sicht Österreichs ihre Unternehmen besser im Land gründen, jedenfalls sehe ich das so. (Privatinitiativen einzelner oder Firmen die sich aus eigener Kraft im Valley ansiedeln, sind bei keinem der genannten Beispiel gemeint, das ist jeweilige Privatsache und mag in etlichen Fällen auch Sinn machen!)
Zusammengefasst: Das Valley ist (wirtschaftlich) so erfolgreich, weil es streng sozial-darwinistisch angelegt ist. Bist du hoch-talentiert, gesund und smart — dann kannst du dort, als Mitarbeiter oder Unternehmer, sehr gut verdienen und viel lernen. Fehlt einer dieser Parameter, dann bist du so schnell weg, wie die Stanford-Fahne am Palm-Drive einmal von links nach rechts schwenkt.
Persönliche Notiz: Ich selbst liebe ja das Valley nicht nur für seine Innovationskraft, die mir die letzten Jahre viele Chancen geboten und Start-Up-Erfahrungen ermöglicht hatte. Ich schätze es vor allem für seine Art Dinge zu sehen und anzugehen, seine geerdeten, bescheidenen und hoch-intelligenten Menschen und nicht zuletzt seine 340 Tage Sonnenschein pro Jahr! Aber das nur am Rande.
Aber was ist nun mit “Österreich”? …
Wir haben zweifelsohne enorm viel Talent in unserem Land, sehr hart und vor allem effizient arbeitende Menschen und ein gutes (wenn auch zu teures) Sozialsystem, das seinesgleichen sucht.
Wir haben als Österreicher, neben den Struktur- und Systemmängeln, aber vor allem auch Aufholbedarf im Bereich Selbstvermarktung und -let’s be straight- Selbstbewusstsein. Viele hoch innovative und erfolgreiche Unternehmen in unserem Land sind einfach leise und fallen (global) nicht auf. Ihr Potential ist enorm, wenn sie vor den Vorhang geholt werden und sich ihre Rahmenbedingungen verbessern.
Dazu ein Erlebnis aus jüngerer Vergangenheit: Ein ehemaliger Developer aus meinem Team arbeitet heute in einem wichtigen Bereich bei TESLA und so ergatterte ich etwa vor einem Jahr eine begehrte Fabriks-Führung in Fremont. Es ist ja beeindruckend, welche globale Presse-Coverage Elon Musk mit Tesla schafft. Jeder wird sich denken: Wahnsinn, was diese Amerikaner drauf haben. Nun, das Werk in dem sie arbeiten wurde von Toyota übernommen. Die Maschinen, die darin benutzt werden um das Auto zu bauen, kommen aus Österreich (wie z.B. viele Fronius Schweißanlagen aus Wels), Deutschland, Frankreich und Japan. Die besten Executives sind ebenfalls aus Europa und Asien und viele wichtige Patente wurden global zugekauft. Erfolgreiche Innovation ist heute also auch immer mehr ein Mash-Up von Kompetenzen Dritter und das Vermögen es zu vermarkten.
Dieses Vermögen, Investoren und eine Öffentlichkeit für seine Firma zu begeistern, wird auch dann gestärkt, wenn wir solche herausragenden Talente, und wenn man so will Eliten, nicht fürchten oder beneiden oder gar verhindern -sondern eben aktiv fördern und in Österreich halten.
Was ist jetzt also möglich für Österreich?
- Es bleibt uns nichts anderes übrig, als zu versuchen dort weiter zu tun, wo wir bereits gut sind und beispielsweise Industrie 4.0 zu nutzen, unsere bestehenden Innovatoren weiter nach vorne zu bringen sowie neue zu etablieren. Vielleicht werden wir in einzelnen I4.0-Bereichen sogar nachhaltige Weltmarktführer.
- Es darf keine Debatte mehr geben ob Breitbandausbau oder nicht oder wann. Keiner von uns Branchen-Insidern kann das mehr hören. Unsere besten Dienstleister können in einem Tiroler Tal sitzen oder am Neusiedlersee auf einer Schwimminsel, solange sie die schnellst möglichen Zugänge zum digitalen Markt haben und dort anbieten können, sind sie im Rennen. Viele Dienstleistungen werden global über Odesk, Elance oder ähnliche Clearing-Stellen für Workforce abgewickelt. Die Zunahme qualitativer Services in dem Bereich ist beachtlich. Wir sind hier in Österreich international betrachtet erst ganz am Anfang. Lasst uns da aufholen, womöglich auf Basis eigener, europäischer Systeme.
- Diese Internet-Zugänge mit extrem hohen Bandbreiten verschaffen uns auch die besten Ausbildungsmöglichkeiten, denn Stanford, MIT und Co sind heute (theoretisch) für alle erreichbar. Es braucht nur sehr hohe Englisch-Sprachkenntnisse und digital skills, 2 Kompetenzen, in denen künftig jeder berufstätige oder in Ausbildung stehende Österreicher ohnedies top sein muss. Was global, und auch bei uns, vollkommen fehlt, ist ein zentrales und überall anerkanntes Curriculum-Management, das auch autodidaktisch erlernte Fähigkeiten bewerten kann und für den Arbeitsmarkt verwertbar macht. Manche Auto-Didakten überragen heute die tüchtigsten Akademiker, E-learning macht es möglich und da stehen wir erst ganz am Beginn eines wahren Umbruchs. Warum sich somit noch nie jemand zu einer österreichischen oder besser gleich europaweiten E-Card für Bildung und Qualifikation Gedanken gemacht hat, die diese Entwicklung berücksichtigt, und wir in Österreich immer noch mit dem antiquierten Schulsystem von Maria Theresia der PISA Erniedrigung hinterher hoppeln, ist mir ein Rätsel. Disruption im Bildungsbereich ist für unsere Zukunft entscheidend, dem wird wohl kaum jemand widersprechen, nur wo bleibt sie wenn es eh alle wissen?
- Plus: Unser österreichischer Mind-Set muss sich einfach ändern. Wir müssen lernen Fehler und Niederlagen zu verzeihen und das Positive in ihnen zu sehen, ohne Karrieren auf Dauer zu zerstören und wir müssen allesamt lernen, uns für die Erfolge anderer ehrlich zu freuen. Das macht nicht nur erfolgreich, es macht auch die Gesellschaft “reich”.
- Wenn wir als Gesellschaft, kurz vor der digitalen “Singularitätswende”, (genauere Erklärung folgt demnächst ebenfalls hier) es nicht schaffen, genügend naturwissenschaftlich-technisches Know-how aufzubauen und uns und unseren Betrieben zur Verfügung zu stellen, dann ist das bedrohlich. AI (Artificial intelligence, bzw. in Folge superintelligence) wird uns in den kommenden 5–10 Jahren überrollen und wir werden bis dato gar nicht darauf vorbereitet. Hier braucht es Tabu-Brüche und radikale Innovation, im Technologie- und Bildungsbereich, ohne ideologische Brillen. Ich würde alle verfügbaren Mittel für Innovation danach prüfen, ob sie mit der kommenden AI-Revolution kompatibel sind und uns dort eine bessere Chance geben werden.
- Psychologie ist under-rated: Schaffen wir deshalb eine Aufbruchsstimmung für radikale Innovation und einen allseits geförderten Gründergeist! Wir haben einige sehr gute Ansätze dafür, bauen wir diese weiter aus, mit dreifachem Speed. Und da wir eben nicht in wenigen Jahren zu einem Silicon Valley werden, erweitern wir Initiativen wie die des AWS massiv. Diversifizieren wir aber auch solche Maßnahmen und schaffen wir eine gesunde Konkurrenz solcher auch neu zu schaffender PPP-Inkubatoren (?!) zu einander, damit es zu keinen Inzucht-Problemen und Klientilismus kommen kann. Denn das wäre der Untergang dieser guten Aktivitäten. Seien wir mutig. Sehr viele heute erfolgreichen Start-Up’s erhielten bis dato vom AWS ihre Geburtshilfe oder von einer FFG und das ist, mit dem österreichischem Hut auf, auch notwendig und gut so. So, warum nicht gleich eine Milliarde mehr ins Double-Equity und in Seed-Financings stecken und so unserer Gründerszene Flügel verleihen? Warum nicht Tech-Hubs wie Hagenberg zu Spin-Off Fabriken skalieren, sie beweisen jetzt schon, dass sie Großes bewegen, unsere Rahmenbedingungen in Betracht ziehend. Diese Maßnahmen zusammen werden Investitionen im großen Stil anziehen. Wir haben auch genug Geld für die Hypo-Schulden gefunden, die meines Wissens keine Arbeitsplätze schufen.
- Lassen wir eine weitere Milliarde mal versuchsweise für Steuerabschreibungen zugunsten von Start-Up Direktinvestitionen zu. Unseren jungen Firmen fehlt es vor allem an potenten SeriesA Kapitalgebern. Wenn diese bis zu 2 Millionen pro Unternehmen abschreibbar investieren können, wird dies eine weitere Sog-Wirkung entfalten und Talente anziehen. Etliche Start-Ups werden dann skalieren können und mehr nachhaltige Arbeitsplätze schaffen. Erweitern wir gleichzeitig dasselbe Abschreibe-System für Crowdfunding-Plattformen und der Effekt ist sozusagen sofort demokratisiert, weil dann auch für Kleinstanleger nutzbar und somit steuerlich gerecht.
- Schaffen wir eine Vision für das digitale Österreich, die mit realistischen und machbaren Zielen kommuniziert und auch funktionierende Metaphern verwendet, die schlussendlich in einen Erfolg umgemünzt werden können.
Tu Felix Austria, Evolve!
Mic.
(Mic Hirschbrich ist Co-Founder von Updatemi, einer semantischen App, die Information und Nachrichten aus Österreich und der Welt smart und relevant für User zusammenfasst. Das vergangene Jahrzehnt lebte und arbeitete er in Kalifornien, Asien und Österreich.)