Wenn Investoren ihr eigenes Business “disrupten” wird es wirklich heiß!

Das Silicon Valley wird ja vor allem deswegen bei uns gehyped, weil seine Rahmenbedingungen Start Ups hervorbringen, die so enorm viele Innovationen und disruptive Ideas auf den Weltmarkt werfen, von denen viele eine Milliardenbewertung erhalten und globalen Impact in diversen Industrien haben. Pro Jahr werden ca. 25Milliarden Dollar nur hier in etwa 600 Start-Ups investiert und praktisch alle Technologieleader wurden hier geboren.

Worüber sehr wenige sprechen ist aber die Radikalität und Risikobereitschaft, die auch Venture Capitalists auf sich nehmen. Youtube, Citrix, Google oder Cisco würde es nicht geben, hätten nicht auch Investoren Millionen auf (aus damaliger Sicht) ziemlich unscheinbare, wenn nicht sogar irre Ideen “gewettet”, weil nichts anderes stellt eine Risikobeteilung am Ende dar. Sequoia hatte einer unfertigen App namens “Color” eine 25 Millionen Dollar Bewertung gegeben, als sie versprach eine neue Form von lokalem Social Networking zu entwickeln und ein paar Patente dafür vorweisen konnte. Viele dieser Ideen scheitern. Nur sie scheitern sehr schnell und andere setzen sich durch.

Die alten Herren (leider sind es kaum Damen) der Sandhill Road optimieren aber selbst hier noch mit Hochdruck ihre global ohnehin besten Rahmenbedingungen.

Das Valley bekommt zuwenige Developer aus dem Ausland herein, wegen VISA-Regulierungen aus Washington D.C., also plant man eine schwimmende Insel draußen im Pazifik, auf der man diese ohne Bürokratie ansässig machen und arbeiten lassen könne. In einem Gespräch im hiesigen Churchill-Club wurde dieses Projekt sehr ernsthaft diskutiert und hinsichtlich seiner Planungen vorgestellt. Und weil der Gesetzgeber ohnehin recht lästg ist für Innovation, selbst hier, wäre einigen großen Playern es nur allzu recht, man würde Kalifornien hinsichtlich seiner Grenzen nochmals unterteilen und aus dem Silicon Valley eine Art Freistaat machen, damit man die restlichen Teile nicht mühsam politisch mitschleppen müsse. — Nun, aus rein juristischen Gründen haben diese beiden ernsthaft erwogenen Ideen wohl nicht die besten Durchsetzungschancen, wenngleich man mit solchen Äußerungen hier immer recht vorsichtig sein sollte.

Umso schneller geht die Disruption aber dort, wo die VC’s nicht auf staatliche Regulatoren stoßen. Und in diesem Fall, lehren sie der Weltcommunity hinsichtlich Speed und Radikalität widerum das Fürchten.

VC-Disruption alá Silicon Valley.

Zwar ist Bitcoin immer wieder mediales Thema, nur seine anfänglichen Geburtsschwierigkeiten ließen unseren Fokus auf diese digitale Währung (die streng genommen ja keine ist) immer wieder weggleiten. Bislang ist Bitcoin ein Thema für die Webcommunity und wird als Zahlungsmittel von einigen NGO’s, Pizzadiensten oder einzelnen Anbietern verwendet, die darin eben auch eine spannenden Markt- und Marketingpositionierung erkennen. So wirklich vom Fleck kam Bitcoin User-seitig aber noch nicht, man schätzt die Gesamtzahl derer die Bitcoin verwendet haben auf weltweit 100.000 bis 1 Million, Einmaltransaktionen eingeschlossen.

Tim Draper (selbst in hunderte Ventures finanziert, wie diesen: Skype, Overture, Baidu, Tesla, Theranos, Parametric Technology, Hotmail, Digidesign, Twitch.tv), einer der legendärsten Investoren des Valleys, hat soeben angekündigt, künftig in Bitcoins zu investieren. Das mag zunächst trivial klingen, ist aber eine gewaltige “Disruption” sollte er es tatsächlich so umsetzen.

  • Zum einen verschwinden damit plötzlich Währungsschwankungsrisiken, wie wir alle sie kennen. Einmal verliert man beim Euro-Dollar-Wechsel fast ein Drittel, dann ist das Verhältnis, wie derzeit, wieder ausgeglichener. Investiert man in Bitcoin, liegt das Risiko ausschließlich bei jenen, die es in eine “analoge” Währung tauschen, z.B. um Einkäufe zu tätigen oder Mitarbeiter zu bezahlen. Aus VC-Sicht wird das globale Investieren damit enorm erleichtert und das Risiko outgesourced.
  • Zum anderen fallen plötzlich die enormen Vertragskosten weg, denn nutzt man die der Bitcoin Währund zugrunde liegenden “blockchains”, sind Transaktionen ohne weiteren vertraglichen Aufwand möglich, denn die sind sozusagen inherent. Auch Anteile lassen sich somit per Knopfdruck von einem zum anderen übertragen, eine Revolution im Gesellschaftsrecht. Es hebelt mit einem Schlag einen großen Teil der bürokratisch-legistischen Hürden aus. Und das Valley war schon ein Land, in dem man einfache Notariats-Akte an der Tankstelle abwickeln konnte.
  • Ein dritter Aspekt ist aber der bemerkenswerteste: Valley-VC’s denken immer entlang der Wertschöpfungskette, also vertikal und beweisen damit, da sie nicht nur für ihre Investments “think big” einfordern, sondern es auch selbst tun. Man investierte z.B. nicht nur in Youtube, das einst für die bei weitem größte Daten-Bandbreite interkontinental verantwortlich zeichnete, sondern auch in jene Firmen, die den Inhalt technisch auslieferten, CDN’s wie z.B. Akamai. Oder in Hollywoodstudios, die viralen Content produzierten, der zu mehr Views führte oder Metric- und Ad-Companies, die das Eco-System komplett machen sollten. An jeder Stelle der Wertschöpfung werden die besten Player finanziert. Nichts logischer, als dass Bitcoin-Investoren — ihr wirtschaftliches Umfeld eben Bitcoin als Währung “aufzwingen” und somit eine Verschiebung sämtlicher Transaktionen in Schritt 2 und 3 in der wirtschaftlichen Umgebung auslösen.

Ihre radikalen Ideen setzen sich nicht immer durch. Aber wenn, dann global und gewaltig. Und wenn sich diese Strategie durchsetzt, wird nach dem Dollar als Leitwährung irgendwann (?) eine neue digitale Währung Geschwindigkeit aufnehmen und das Wirtschaftssytem umstrukturieren.

Und wir Europäer werden uns damit begnügen, mehr oder weniger brauchbare Apps dafür zu entwickeln, denn die Core-Systeme und Frameworks kommen, wie praktisch immer in der digitalen Industrie, aus dem digitalen Gallien, dem Silicon Valley.