Nimm mich mit

Sarah Berger

Nimm mich mit. Heute Nacht.

Zur Musik und zu den Menschen;

Leben.

Ich dachte, ich summe die richtige Melodie aber ich summ nur so vor mich hin — fällt mir erst später auf, also zu spät natürlich. Ich halte mich halt immer an den Details auf — also z.B. an der Form der Lippen, am Nasenring, an der Sprachmelodie und eben nicht an den Worten, an der Distanz, an der Abwesenheit irgendeiner Geste. Serena sagt, sie glaube, 1/5 all der Dinge, die man sage, seien Selbstgespräch. Ich muss lachen. 1/5 erscheint mir wenig. Ich würde sagen … 80 % — na eigentlich will ich 100 % sagen. Ich sage: Ein Dialog sind zwei Monologe aber Serena stimmt mir nicht zu. Sie wittert die literarische Überhöhung. „Beim letzten Date haben sich der Typ und ich darauf geeinigt, dass man immer aneinander vorbei redet — es gibt keine Kommunikation.“ — „Hart.“ sagt Serena. Ja. Na, ich dachte ja auch, sich summe die richtige Melodie aber ich summ nur so vor mit hin — fiel mir natürlich erst später auf, also zu spät natürlich. Witzig. Ich habe mal wieder gewartet — also erwartet, alles erwartet. Aber die Sache ist die: Wenn der Typ neben dir liegt, behauptet Tinder, er sei drei Kilometer entfernt und irgendwie stimmt das ja auch.

Nimm mich mit. Heute Nacht.

Einfach nur fahren — und ich will nie wieder nach Hause.

Nie wieder. Nach Hause.

Denn ich habe keines.

Nimm mich mit.

Und ich weiß nicht, was Liebe ist.

Ich weiß. Plötzlich bist du

außerhalb meiner Träume.

Und du hättest wissen sollen,

dass ich gehe.

Nimm mich mit. Heute Nacht.

Zur Musik und zu den Menschen;

Leben.

Nimm mich mit. Heute Nacht.

Nie wieder. Nach Hause.

Liebe ist ein Schuss.

Und du hättest wissen sollen,

dass ich nicht bleibe.

Nimm mich mit. Heute Nacht.

Zu den Menschen.

Und wenn ein Zehntonner uns mitreißt –

egal. Neben dir zu sterben ist

so eine wunderbare Art.

Ja, in der Dunkelheit dachte ich,

meine Chance sei endlich gekommen.

Nimm mich mit. Heute Nacht.

Ins Leben.

Neben dir zur sterben ist

so eine wunderbare Art.