Googles digitale Marketingausbildung für jedermann: Ist sie das Geld Wert?

Squared Online ist ein Weiterbildungsprogramm in den Bereichen Digital Marketing und Digital Transformation, entwickelt von Google und Avado. Ich habe das Programm dieses Jahr von April bis September absolviert. Als ich ein Foto meines Zertifikats kürzlich auf Linkedin gepostet hatte, wurde ich mit Anfragen zum Kurs regelrecht überschwemmt. Die meisten haben mich gefragt ob sich der Kurs lohnt und wie viel Zeit sie dafür einberechnen müssten.

Darum nun dieser Beitrag hier, der hoffentlich einige dieser Fragen beantwortet. Bevor ich mich für den Kurs angemeldet hatte, hätte ich mir gewünscht, einige detaillierte Reviews und Meinungen online zu finden um nicht die Katze im Sack zu kaufen.

Ganz alle Fragen wird aber auch dieser Post nicht beantworten können, und die Lernerfahrungen sind je nach Vorwissen, Lebenssituation und Erwartungen natürlich auch sehr individuell. Ich schildere hier darum lediglich meine ganz persönliche Erfahrung mit allen positiven und negativen Seiten, denn dieser Beitrag ist gänzlich ohne Einwirkung von Google oder Avado entstanden.

Kannst du Squared Online empfehlen?

Die Frage lässt sich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Grundsätzlich war ich mit dem Preis-Leistungsverhältnis zufrieden. Für die knapp 2000 Euro bekommt man ein umfassendes Programm geboten, das einem klaren Ablauf mit strukturierten Modulen, Einzel- und Gruppenarbeiten folgt. Zudem steht das Supportteam von Squared fast rund um die Uhr zur Verfügung und die Speakers sind allesamt Fachexperten auf ihrem Gebiet. Im Vergleich zu einem CAS (Certificate of Advanced Studies) an einer Fachhochschule hier in der Schweiz, lernt man in einer vergleichbaren Zeitspanne etwa gleich viel, bezahlt aber aufgrund der rein virtuellen Lernumgebung deutlich weniger.

Ich empfehle Squared vor allem jenen Interessierten, die erst wenig Digitalerfahrung mitbringen. Ich selbst habe bisher ca. 8 Jahre in Jobs gearbeitet, die alle einen starken Digitalbezug hatten und war darum in einzelnen Modulen des Programms mit vielen Wiederholungen oder mit Basiswissen konfrontiert, das mir zu wenig in die Tiefe ging. Für Interessierte mit weniger Berufserfahrung gibt dieses Programm aber eine sehr gute Übersicht über verschiedene Fachbereiche des digitalen Marketings.

Grundsätzlich schwankt das Anforderungsniveau und somit auch der Wissensgewinn jedoch von Modul zu Modul und von Aufgabe zu Aufgabe sehr stark. So dass Anfänger schnell mal überfordert sein können und Fortgeschrittene an anderen Stellen unterfordert sind. Zukünftig würde ich Squared empfehlen Untergruppen (abhängig vom Vorwissen der Teilnehmer) zu bilden, um jedem Studierenden einen optimalen Know-How-Gewinn und ein angepasstes Lerntempo zu ermöglichen.

Die Unterschiede bezüglich Digitalerfahrung kamen besonders in den intensiven Gruppenprojekten zum Tragen, wo sich diejenigen mit sehr wenig Vorwissen nur mit Mühe einbringen und entsprechend auch wenig zum Erfolg der Gruppenarbeit beitragen konnten.

Wie viel Zeit muss ich für Squared Online einberechnen?

Das Programm läuft während ca. 5 Monaten und Squared empfiehlt, pro Woche ca. 7–9 Stunden für Selbststudium, Einzel- und Gruppenarbeiten sowie die wöchentlichen Live Classes (die dauern ca. 45–90 Minuten) einzuplanen. Der tatsächliche Aufwand ist allerdings von vielen Faktoren abhängig:

  • Jede Woche ist anders. Es gibt Wochen, in welchen man auch mal in 4 Stunden durch ist, andere Wochen brauchen schnell mal 11 Stunden.
  • Es kommt auch auf deine Lernmethode bzw. dein Interesse an. Wenn du alle Aufgaben detailliert lösen möchtest, eigene Recherchen betreibst und jede Literaturempfehlung von A-Z liest, brauchst du deutlich mehr Zeit.
  • Die Gruppenarbeiten sind in der Regel sehr intensiv und zeitaufwendig, hier kannst du nur bedingt steuern, wie viel Zeit du investieren möchtest.

Weil ich nicht gerne “halbpatzige” Sachen mache, habe ich in weiser Voraussicht meinen Arbeitgeber gebeten mein 100%-Pensum für die Dauer der Ausbildung auf 80% zu reduzieren. So hatte ich jeden Mittwoch frei um mich Squared (und natürlich tausend anderen Sachen, die man sonst am Wochenende erledigt) zu widmen. Nur musste ich lernen, dass sich diese Zeit nicht so klar einteilen lässt: Oft waren die Module, die ich bearbeiten wollte, von Squared noch nicht freigeschaltet, so dass ich nicht wirklich in meinem eigenen Tempo arbeiten konnte. Auch involvieren die Gruppenarbeiten regelmässige Hangouts oder Skype Calls, die in der Regel am Abend nach der Arbeit stattfanden und sich somit natürlich auch nicht in meinen “Lernmittwoch” pressen liessen.

Findet die ganze Ausbildung nur virtuell statt?

Ja, Squared sieht keine realen Treffen der Studierenden untereinander oder mit den Dozenten/Speakers vor. Auch die Gruppenarbeiten finden nur in digitaler Zusammenarbeit statt, also über Skype, Hangout, Google Drive, Slack und/oder E-Mail. Individuelle Treffen zwischen Teilnehmern sind natürlich möglich aber wir Teilnehmer waren über den ganzen DACH-Raum verstreut, so dass dies nur mit etwas Zeit und Flexibiltät sinnvoll gewesen wäre. Diese virtuelle Zusammenarbeit war eine wertvolle aber auch herausfordernde Erfahrung und kommt wohl den Multi-Location-Projektgruppen in globalen Unternehmen sehr nahe.

Das Gute an der DACH-Ausrichtung ist, dass alle Teilnehmenden immerhin in der gleichen Zeitzone sind, was die Abstimmung für die Calls doch sehr vereinfacht. Mit ein Grund, warum ich das DACH-Programm und nicht das zuerst gebildete, englischsprachige Pendant empfehlen würde.

Was hast du gelernt?

Ich habe mich mehrmals während des Ausbildungsprogramms gefragt, ob dies die richtige Weiterbildung für mich ist, was ich dabei eigentlich wirklich lerne und was einfach nur Wiederholung oder Auffrischung ist. Wirklichen Wissensgewinn kann ich v.a. in drei Bereichen feststellen:

  • Ich konnte im Rahmen einer Squared-Gruppenarbeit zum ersten Mal ein digital transformiertes Produkt und ein entsprechendes Pitch-Deck entwickeln und ausarbeiten. Wir konnten aufzeigen, wie wir ein bisheriges Produkt oder eine herkömmliche Dienstleistung dank digitalen Mechanismen und dank der digitalen Transformation nicht nur besser sondern auch wirtschaftlich erfolgreich machen können. Das war für mich eines der Highlights.
  • Zudem habe ich einen groben Überblick über das Thema Programmatic Advertising und über Attributionsmodelle erhalten, von beiden hatte ich zuvor nicht wirklich viel Ahnung. Die anderen inhaltlichen Themen waren für mich leider eher Wiederholung.
  • Ein grosser Lerngewinn fand aber vermutlich eher unbewusst auf der Meta-Ebene statt: Virtuelle Zusammenarbeit, Feedback geben, Feedback bekommen, sich selbst laufend verbessern, Kollegen in den Gruppenarbeiten motivieren oder bei Bedarf auch mal bremsen ;-)

Meine Kritikpunkte an Squared Online

Squared pflegt eine strukturierte Feedbackkultur. Nach jedem Modul kann man eine Bewertung abgeben. Auch das Supportteam von Squared ist für Feedback immer offen und kennt meine hier genannten Punkte bereits. Viele dieser Schwachstellen lassen sich aber natürlich im bereits laufenden Kurs nicht mehr ändern.

  • Wie oben bereits erwähnt, wäre eine Unterteilung der doch bis zu 50 Teilnehmer umfassenden Programmdurchführungen, basierend auf deren Vorwissen, sicher sinnvoll.
  • Google hat nach dem englischsprachigen Squared-Programm bewusst eines für den DACH-Raum in die Welt gerufen, mit deutschsprachigen Speakers und einem deutschsprachigen Online-Campus. Leider beziehen sich die gezeigten Cases und die vermittelten werberechtlichen Grundlagen fast ausschliesslich auf den englischsprachigen Raum oder auf Deutschland, die Schweiz und Österreich bleiben auf vielen Ebenen aussen vor. Squared hat mir versichert, dass sie sich diesem Thema bewusst sind. Hoffen wir, dass dies in zukünftigen Durchführungen optimiert wird.
  • Auch die Speakers kamen allesamt aus Deutschland, da hätte ich deutlich mehr Diversität erwartet. Vor allem was weibliche Speakers betrifft, die in diesem Kurs einfach inexistent waren. Squared hat mir zu diesem Feedback leider bisher keine Antwort gegeben.
  • Mit dem Online-Campus-Tool bin ich selbst jetzt nicht richtig warm geworden. Die Usability kann noch deutlich verbessert werden, grundsätzlich erfüllt es aber seinen Zweck. Leider waren aber die Links zu Cases auf YouTube & Co. oft veraltet, und funktionierten nicht mehr. Hier muss Squared zukünftig dringend schauen, dass sie ihre Inhalte aktuell halten und pflegen, pflegen, pflegen. Das sollte selbstverständlich sein.
  • Ein Grund, warum ich mich für eine virtuelle Ausbildung entschieden hatte war, dass ich zeitunabhängig und in meinem eigenen Tempo arbeiten kann. Dies war leider nur bedingt möglich, da die Module erst mit der Zeit freigeschaltet wurden.

Dies sind die Punkte, die mir ein bis zwei Monate nach Abschluss in Erinnerung geblieben sind. Das Programm bietet viele positive Aspekte aber auch noch einige Kinderkrankheiten. Gelingt es Google und Avado diese zu beheben, bietet Squared eine wertvolle Möglichkeit, sich mit der Welt des digitalen Marketings vertraut zu machen.

Hast du Squared Online auch absolviert? Teilst du meine Erfahrungen oder hast du etwas ganz anders erlebt?

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