Auch WeChat möchte das Mobile Business verändern! Kommt nun der Instant App Durchbruch?

Im Juni 2016, kurz nachdem Google das Instant App Konzept vorgestellt hatte, habe ich einen Artikel zum Thema verfasst. Quintessenz meines Artikels: Instant Apps werden das Mobile Business aufrütteln. Vor allem aber auch könnte sich die Art und Weise wie heute Apps genutzt und distribuiert werden grundlegend verändern — WeChat’s neuste Idee scheint dies zu bestätigen.


Hier in Europa nehmen die wenigsten bewusst wahr, was in der asiatischen Tech-Welt so vor sich geht. So ist es auch kein Wunder, dass Unternehmen wie Tencent hierzulande noch völlig unbekannt sind. Und dies, obwohl Tencent wohl zu den wertvollsten Unternehmen im asiatischen Raum gehört. Nicht zuletzt auch wegen WeChat, dem asiatischen Pendant zu Whatsapp, mit rund 800 Millionen aktiven Nutzern. Einer gigantischen Masse an Menschen die diese Apps Tag ein, Tag aus nutzen.

Und genau dieses Wechat hat nun eine eigene Version von Instant Apps angekündigt — sie nennen es «small programs». Genau wie von Google in Android vorgesehen, sollen Apps zukünftig nicht mehr aus einem Apps Store runtergeladen, sondern “on-the-fly” — also unmittelbar bei Gebrauch einer bestimmten Funktionalität — kontextbezogen zur Verfügung gestellt werden. Zum Beispiel durch das Abscannen eines QR-Codes. Diese sind in Asien sehr verbreitet und anders als in Europa werden sie auch viel öfter zu Business-Zwecken eingesetzt. Zudem ist die Verbreitung von Wechat schlicht und ergreifend unglaublich, und wie die folgende Infografik schön zeigt, wird Wechat weit mehr als nur für Chats und Calls benutzt.

Vor diesem Hintergrund erstrahlt WeChat’s Ankündigung, auf Instant Apps setzten zu wollen, in einem ganz anderen Licht. WeChat könnte dem Instant App Konzept zum grossflächigem Durchbruch verhelfen.

No more finding and downloading an app to your phone; just access a function when you need it.

Die 800 Millionen grosse Userbase ist ein sehr spannendes Fundament welches wohl für viele Unternehmen spannend sein könnte. Warum mühsam eine eigene Community aufbauen, wenn doch ein bestehendes Ökosystem Zugang zu einer viel grösseren bietet? Nun, der Gedanke greift hier wohl etwas zu kurz… Ein geschlossenes Ökosystem bietet ja nicht nur Vorteile, wie man den Diskussionen rund Facebook’s Plattform entnehmen kann. Unternehmen müssen sich in diesem Kontext also sehr gut überlegen auf welches dieser Ökosysteme sie setzten möchten. Facebook? Google? Apple? WeChat? Oder gar mehrere, oder alle? In meinen Augen ist es nämlich nur eine Frage der Zeit bis auch Facebook nicht mehr nur noch auf Chatbots innerhalb des Messengers setzt, sondern ähnliche Konzepte auffahren wird. Und auch Apple wird sich der Frage stellen müssen: Wie geht’s weiter mit dem Business Model rund um den App Store?

WeChat’s pitch to software developers is that instead of having to build one version of their app for Android phones and another for the 20% of Chinese who use iPhones, they can just build on WeChat to serve both sets of customers.

Ist dies nun das Ende der Apps, wie wir sie kennen? Um Himmels Willen, nein! Apps werden nicht ersetzt werden. Zumindest nicht in absehbarer Zeit. Stattdessen ist aber die Frage How to get customers attention? einmal mehr in den Vordergrund gerückt. Messanger Apps werden in der Beantwortung dieser Frage eine wichtige Rolle spielen. Ob von Unternehmen gewollt oder nicht!

Wie man dem «Messaging Apps Report» von BI Intelligence entnehmen kann, sind Messaging Apps schon seit längerer Zeit, in Sinne der Nutzung, grösser und schneller wachsend als die “klassischen” Social Networks. Sich mit Messaging Apps im Kontext der Customer Experience und des Mobile Business nicht zu beschäftigen, käme einem fatalen Fehler gleich. Schliesslich sind die Nutzer dort, und somit auch die eigenen und potenziellen Kunden!

Ich persönlich finde die Entwicklung sehr spannend und bin angetan von der Idee, dass im Mobile Business keine Stagnation herrscht. Das Instant App Konzept muss sich erst noch durchsetzten und vieles wird davon abhängen, wie offen und/oder restriktiv die grossen Player das Thema angehen werden… UND wie schmackhaft das Ganze für Unternehmen und vor allem auch Entwickler gestaltet werden kann.

Es bleibt spannend!

Weitere Quellen zum Thema:


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