Du bist rechts, und das ist völlig okay so

Aus Langes Sicht
Dec 17, 2016 · 4 min read

Ich habe das Gefühl, dass unter den Leuten, mit denen ich so spreche, ganz vielen das Missverständnis besteht, “rechts” sei etwas schlechtes! Auf der anderen Seite wird “rechts” auch gebraucht, um andere zu diskreditieren. Beides ist falsch! Und dafür will ich jetzt mal “eine Lanze brechen”.

Aber fangen wir vorne an. Anbei eine sehr schöne Grafik, die es an einigen Stellen im Internetz gibt (aber die eigentlich Quelle habe ich nicht gefunden), die das noch mal schön darstellt: “Rechts” ist einfach ein anderes Wertesystem als “Links”. Da gibt es kein “besser” oder “schlechter” und “rechts” ist auch nicht synonym mit “Nazi”. Also “Nazis” waren auch “rechts”, aber nicht alles, was “rechts” ist, ist auch ein “Nazi”. Dazu aber später.

Quelle: Diverse im Netz, siehe http://bit.ly/2gVr5UL

Sinn macht das erst, wenn man das mit einer zweiten Achse verbindet, hier “liberal” und “konservativ”, alternativ “liberal” und “autoritär”, manchmal auf “egalitär” versus “elitär”. Ein Nazi ist dann jemand, der rechts-autoritär ist.

Auf dieser zweiten Grafik (Achtung, die Y-Achse ist verdreht) sieht man sehr schön: Hitler war “rechts”, er war aber vor allem extrem “autoritär”. Und das machte ihn so gefährlich.

Achtung, diese Grafik steht auf dem Kopf gegenüber der der oben. Hier ist das “liberal” unten, oben ist es unten. (Quelle: https://twitgeridoo.wordpress.com/2009/11/10/wo-steht-die-piratenpartei/)

Ein einfacher Test: Bist Du rechts?

Typische “rechte Werte” oder gerne auch “Glaubenssätze” sind zum Beispiel:
⬜ “Recht und Ordnung”
⬜ Freiheit von staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft
⬜ Abgrenzung gegen Fremdes
⬜ Nationale Souveränität
⬜ Verteidigung der Landesgrenzen
⬜ Bewahrung der “deutschen” Identität
⬜ Betonung von Unterschieden
⬜ “Leistung muss belohnt werden”
⬜ geregelte Umgangsformen (z.B. das “Sie”)
⬜ Bewahrung von Tradition
⬜ Sicherheit und Ordnung
⬜ Gesetze streng durchsetzen
⬜ Eigenschaftszuschreibungen zu Gruppen (“die Muslime”)
⬜ Status quo bewahren / Technikskepzis

Also wer das liest und denkt “das sind doch eigentlich alles ganz vernünftige Sachen, find ich gut!”, und wenn Ihr Dinge auf der linken Seite der Grafik unten eher skeptisch seht, dann ist das völlig okay. Aber dann seid Ihr “rechts”. Ist nicht schlimm. Aber ist so. (Wenn ihr Sachen von rechts UND links gut findet ist übrigens auch kein Problem).

Es gibt aber auch noch andere Einordnungen, die oben ist nur ein Beispiel. Und das ist auch kein Persönlichkeitstest, sondern nur die Verortung von einzelnen Werten. Man kann als Mensche auch Werten aus unterschiedlichen Bereichen zugetan sein. Wobei es hier durchaus auch einen Test dazu gibt.

Wem es vielleicht weiter hilft, hier auch noch eine Einordnung der Partien in Deutschland in dieses Spektrum. Aber Achtung: Die vertikale Achse ist hier vertaut.

Und dann mal eine kurze Pause….

Und dann kommt vielleicht doch ein Problem. Nämlich dann, wenn Ihr diese Werte auf eine bestimmte Art und Weise verteidigen wollt.

Das Problem ist nicht “rechts”, sondern “rechtspopulistisch” oder “rechtsradikal”

“Rechtspopulistisch” ist, wenn ihr anfangt, diese Werte mit Lügen und Falschmeldungen zu verteidigen, wenn Ihr die Wirklichkeit einseitig darstellt, wenn Ihr andere Interessen einfach ignoriert oder negiert, also wenn Ihr quasi “mit dem Holzhammer” für diese Werte argumentiert. Aber eben noch “argumentiert”. Das ist alles “legal” und von der Meinungsfreiheit gedeckt aber doch irgendwie “kritisch” (Wer auf diese Weise linke Werte verteidigt, ist dann übrigens ein Linkspopulist.)

Und “rechtsextrem” seid Ihr, wenn Ihr bei der Verteidigung dieser Werte den Boden des Rechts verlasst, also Menschen bedroht, beleidigt, üble Nachrede betreibt, verleumdet — oder dann noch stärker: verprügelt, brandstiftet oder gar tötet. Aber “brandstiften, verprügeln oder töten” muss gar nicht mal sein. Es reicht auch schon die Aufforderung dazu. Selbst eine Empfehlung. Oder überhaupt eine Aufforderung, unsere demokratisch grundgesetzliche Rechtsordnung zu verletzen. Da beginnt “Rechtsextremismus”. Und wer auf diese Weise linke Werte verteidigt, ist dann übrigens ein Linksextremist.

Wir müssen lernen, unsere Werte anzuerkennen — und demokratisch für sie zu kämpfen!

Ich glaube, wir müssen anfangen, diese *Werte* gegenseitig (und auch bei uns selbst) zu akzeptieren. Alles was innerhalb dieser Werte steht, ist im Rahmen der Meinungsfreiheit. Da können wir uns hart auseinandersetzen, aber immer auf der Basis von Respekt und Empathie. Wenn sich jemand zu diesen Werten hingezogen fühlt, DANN DARF ER DAS. UND “SIE” AUCH.

Was aber nicht geht ist, illegitim oder illegal dur sie zu kämpfen. Das wäre dann “Rechtspopulismus” oder “Rechtsradikalität”. Das ist nicht zu akzeptieren weil das unsere “freiheitlich-demokratische Grundordnung” gefährdet. Genauso übrigens wie “Linkspopilismus” und “Linksradikalität”. Also jeder darf seine Werte haben und für sie argumentieren und für sie kämpfen. Aber nur im Rahmen der Spielregeln.

Ach ja: Und man kann auch “Rechtsextremist” oder “Rechtspopulist” sein, ohne ein Nazi zu sein. Auch Juden können deswegen absolut “Rechtspopulisten” sein. Denn es kommt nur darauf an, dass man diese rechten Werte unlauter verteidigt. Dazu kann man auch gegen Muslime hetzen, da ist der Rechtsextremismus ganz locker. Die Nazis sind Antisemiten. Andere sind islamophob. Rechtspopulistisch oder rechtsextrem sind sie aber beide.

Aus Langes Sicht

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Hier bloggt Mirko Lange gegen eine einseitige Sicht auf Dinge: für mehr Differenzieren, Ergründen und Hinterfragen. Auf lange Sicht ist das nämlich besser.

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