Dieser Tage sprechen alle davon, dass wir hoffentlich bald wieder in die gewohnte Normalität zurückkehren können. Merkel, Kurz, Macron – alle wollen nach der Krise möglichst wieder den Zustand vor der Krise herstellen.

Dass das ohnehin dauern wird, und gefährlich genug ist, sei hier schon mal vorneweg gestellt.

Ich frage mich aber, zu welcher Normalität wollen wir zurückkehren?

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Madrid vor und während der Ausgangsbeschränkungen (Foto: https://twitter.com/p_cresp0/status/1246040575108960258)

Menschen auf der ganzen Welt dokumentieren, wie die Beschränkungen unseres Normalverhaltens die Umwelt beeinflussen: Zuerst kommen die Fische zurück in das plötzlich klare Wasser in Venedigs Kanälen. Dann verbessert sich schlagartig die Luftqualität in asiatischen und europäischen Großstädten, weil der Smog des täglichen Verkehrs wegfällt. Inzwischen wachen in Städten lebende Menschen zu Geräuschen auf, die sie sonst überhören: Vogelgezwitscher, Wassergeplätscher.

Das alles klingt wie der Traum eines Umweltaktivisten: Städte öffnen ihre Straßen für RadfahrerInnen und beschränken den Autoverkehr, damit mehr Platz für den notwendigen Abstand zwischen FußgängerInnen und RadlerInnen vorhanden ist. Verkehrsstaus sind weit und breit keine in Sicht, die Ölindustrie stürzt in eine tiefe finanzielle Krise.

Allerdings ist das hier keine Argumentation dafür, welches Glück der Planet hat, dass ein Virus die Spezies ausrottet, die für die Klimakrise verantwortlich ist. Tatsächlich ist es eher die Formulierung der Frage, welche Zukunft wir gestalten wollen, sobald die Beschränkungen tatsächlich aufgehoben werden.

Werden wir sofort wieder zurück in unsere Autos kriechen und die Straßen verstopfen? Werden wir zum Flughafen hetzen und schnellstens Urlaubsflüge buchen, um die verlorene Zeit wettzumachen? Werden wir gleich wieder über das Aushaltbare die Natur belasten?

Das ist nicht die Normalität zu der ich hin möchte.

Es ist auch nicht wirklich eine Option. Trotz der Beschränkungen unseres gewohnten Lebensstils und des Konsums steigen die Temperaturen weiter auf Rekordniveaus an. Das Great Barrier Riff steuert auf die dritte und bislang größte Bleiche zu. Emissionen sind weiterhin zu hoch. Und weitere Viren werden durch die Erwärmung freigesetzt.

Ich will eine neue Normalität.

Wir haben jetzt die Chance, unser Verhalten so anzupassen, dass er die Basis für eine nachhaltiges Leben auf der Erde schafft. Die aktuelle Krise zeigt und ja, dass klare Richtlinien, deren strenge Einhaltung, und weltweite Solidarität einen enormen Unterschied machen können – und das innerhalb weniger Wochen. Das ist natürlich einfacher durchzusetzen mit einer so unmittelbaren Bedrohung, die einen binnen weniger Tage töten kann als mit einer Gefahr die irgendwann unsere Kinder töten wird. Tatsächlich ist der Virus aber sogar der unsichtbarere Terror als die Klimakrise, die für alle weithin sichtbar ist. Das alleine sollte also Hoffnung geben, dass wir beide Krisen ähnlich ernst nehmen können.

Wir alle wurden dazu aufgerufen, Opfer zu erbringen, weniger zu machen. Weniger rauszugehen, weniger Menschen zu treffen, weniger oft einzukaufen. Wieviel davon können wir rüberretten in unser zukünftiges Verhalten?

Weniger ist mehr.

Mein Aufruf an alle, besonders in Industrienationen, ist in Betracht zu ziehen, weniger zu konsumieren. Weniger Auto fahren. Weniger reisen. Weniger Müll produzieren. Weniger zu kaufen.

Das ist der Lebensstil der 2020er Jahre.

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Director Consulting at Virtual Identity. I spent a decade on automotive brands in digital, and blog about brand strategy, #ubx and #AppleCar / #ProjectTitan.

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